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Im Zuge der anthropologischen Neuorientierung von Geistes-, Kultur und Sozialwissenschaften im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts rückten Quellengattungen ins Zentrum des historischen Interesses, welche eine "Annäherung an den Menschen in der Geschichte" [1] versprechen. Für aufschlussreich gelten unter anderem Textzeugen, "die Auskunft über die Selbstsicht eines Menschen geben". [2] Das betrifft insbesondere die Quellengruppe Selbstzeugnisse. Einen Versuch zur Definition dieses Begriffes und zur Klassifizierung des darunter zu subsumierenden disparaten Materials unternahm Benigna von Krusenstjern vor einigen Jahren. [3] Sie grenzte 'Selbstzeugnisse' gegen den weiteren Begriff der Ego-Dokumente ab. Ihrer Definition zufolge handelt es sich bei einem Text dann um ein Selbstzeugnis, "wenn die Selbstthematisierung durch ein explizites Selbst geschieht", [4] wenn der Text "selbst verfaßt", "selbst geschrieben" sowie "aus eigenem Antrieb ... entstanden" [5] ist. Sie unterscheidet vier Typen von Selbstzeugnissen nach dem Kriterium der mehr oder weniger "explizite(n) Bezugnahme (des Verfassers) auf die eigene Person". Nach dieser Typologie gehören die hier exemplarisch herangezogenen Texte zum Selbstzeugnistyp A, das heißt, zu den "'egozentrischen' Zeugnissen", bei denen "der Inhalt (...) zentralen wie mehrheitlichen Bezug auf das Ich, das über sich selbst schreibt", hat. [6]

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Das Problem ist allerdings das Konzept des Ich, das sich in den Selbstzeugnissen angeblich darstellt. Die erwähnte Selbstzeugnis-Definition setzt einen Verfasser voraus, der "sich selbst", sein 'Leben' (oder Teile davon) abbildlich referiert und der auch außerhalb seines Textes identisch mit dem selbstentworfenen Bild existiert. Damit wird der Text als Widerspiegelung einer ihm vorgängigen 'Realität' verstanden. Die poststrukturalistische Forschung stellt demgegenüber das klassische Repräsentationsmodell von Sprache in Frage und betont die grundsätzlich sprachliche Verfasstheit von Subjektivität und Individualität im Text. Der Autor ist demnach nicht als seinem Text vorgängiges, autonom über die Sprache verfügendes Subjekt zu verstehen. Vielmehr figuriert er sich als erst im Moment des Schreibens in seinem Text und durch diesen. Auch in Bezug auf alle anderen Textelemente gilt, dass sie nicht eine außersprachliche Realität repräsentieren, sondern eine textuelle Realität, die prinzipiell nicht auf einen außersprachlichen Referenten zurückgeführt werden kann. [7]

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Auch der Begriff 'Quellengattung' suggeriert tendenziell eine Abbildlichkeit des Textes als Quelle der historischen Realität. Da historische Realität jedoch nur als textuelle überhaupt greifbar wird, hat sich der analytische Blick zunächst auf die textuelle Verfasstheit eines historischen Zeugen zu richten. Denn die von ihm konstituierte Realität stellt sich vor allem als Effekt ihrer kulturell und diskursiv determinierten Sprachlichkeit dar. Relevanter Faktor seiner Aussagefähigkeit als historische Quelle ist daher die Zugehörigkeit eines Sprachzeugen zu einer Gattung bzw. Textsorte. [8]

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Im Folgenden wird die Konstituierung von 'Wirklichkeit' in zwei Texten des 17. Jahrhunderts betrachtet, die im höfischen Kontext entstanden sind und unterschiedlichen Gattungen bzw. Textsorten angehören. Beide Texte gehören nach Krusenstjerns Typologie zum gleichen Selbstzeugnistyp. [9] Es wird die These vertreten, dass ihr Aussagewert als historische Quellen nicht von ihrem in diesem Fall identischen Status als Selbstzeugnistyp abhängt, sondern sich als Funktion ihrer spezifischen textuellen Verfasstheit darstellt. [10]

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Die Textgattungen Lebensbeschreibung und Tagebuch existieren die gesamte frühe Neuzeit hindurch nebeneinander. [11] Es kommt vor, dass ein Verfasser zur gleichen Zeit sowohl ein Tagebuch führt als auch an einer Lebensbeschreibung arbeitet, so wie in dem hier betrachteten Fall. Dabei kann das Tagebuch mit der Absicht geschrieben werden, eine Gedächtnisstütze für eine später zu entwerfende Lebensbeschreibung zu bilden - oder auch nicht. Für seinen Quellenwert ist es letztlich ohne Belang, ob es als Hilfsmittel oder als eigenständiger, sich selbst genügender Text geplant ist, [12] vorausgesetzt, es wird nicht vernichtet wie viele der nur temporär benötigten Texte.

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Herzog Friedrich I. von Sachsen-Gotha und Altenburg (1646-1691, regierend seit 1674) bediente sich beider Gattungen: Er führte ein Tagebuch [13] in einem jährlich neu erworbenen handelsüblichen Schreibkalender, [14] und er verfasste eigenhändig eine Lebensbeschreibung, [15] ohne sie allerdings fertigzustellen.

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Am 7. Juni 1683, acht Tage vor seinem 37. Geburtstag, begann der zu dieser Zeit bereits knapp 9 Jahre regierende Herzog Friedrich von Sachsen-Gotha und Altenburg, seinen Lebenslauf zu schreiben, und zwar in Konzeptform auf Folioseiten, die Hälfte jeder Seite frei lassend für Ergänzungen und Änderungen. Sie blieb jedoch nahezu ungenutzt. Der Text wurde ziemlich flüssig und mit nur wenigen Verschreibungen und Sofortkorrekturen zu Papier gebracht. Die Tätigkeit beschäftigte den Herzog ein paar Monate lang, jedoch nicht regelmäßig. Er arbeitete immer einmal wieder am Text bis ins nächste Jahr hinein, in welchem die Arbeit an der Lebensbeschreibung zum Abbruch kam, während das im Schreibkalender geführte Tagebuch zur gleichen Zeit kontinuierlich fortgesetzt wurde. Gestockt hatte die Arbeit an der Lebensbeschreibung gleich nach ihrem Beginn wieder für einige Monate: Erst unterzog sich der Herzog einer Brunnenkur (in Wildungen), dann hinderte ihn das europäische Ereignis des Jahres an der Weiterarbeit: die Türkenschlacht vor Wien, an der Friedrich als Beobachter teilnahm, was ihn mehrere Wochen von Gotha fernhielt. In dieser Zeit intensivierte er sein bereits viele Jahre anhaltendes Tagebuchschreiben. Die Notizen wurden ausführlicher und sind syntaktisch dem Erzählstil angenähert. Auch wurde nicht der gewöhnliche Schreibkalender benutzt. Die Notierungen erfolgten auf gesonderten größeren Bögen, welche nachträglich und gefaltet dem regulären Schreibkalender einheftet wurden.

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Im Unterschied zum Tagebuch wurde die Lebensbeschreibung während des Aufenthaltes in Wildungen und vor Wien nicht fortgesetzt. Sie war offenbar aufwändiger als das Führen des regulären Tagebuches – selbst noch in dessen ausführlicherer Gestalt –, sie erforderte Zeit, die der Herzog während der Kur und auf der Reise nicht hatte. Erst Ende November, Anfang Dezember 1683 arbeitete er wieder drei Tage am Lebenslauf, dann noch einmal im nächsten Jahr an vier Tagen Mitte Februar, doch für eine kontinuierliche Weiterführung fehlte ihm die Muße, so dass sein Vorhaben schon mit dem 22. Februar 1684 endgültig stockte. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Herzog noch die Absicht, das Werk bei nächster Gelegenheit fortzuführen. Doch bis zu seinem Tode im Sommer 1691 kam es nicht mehr dazu.

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Dennoch brachte er es mit der mehrfach unterbrochenen Niederschrift auf 55 Seiten im Folioformat. Dann bricht der ausformulierte Text ab, und es folgen einige Seiten mit Fragen, die der Selbstbiograph an den gothaischen Hofrat Heydenreich richtete oder zu richten beabsichtigte. Sie stellen eine Art Gerüst für die geplante Fortsetzung des Textes dar. Ob für den ausgeführten Teil der Lebensbeschreibung ebensolche Fragen nebst Antworten zugrunde lagen, lässt sich anhand der überlieferten Dokumente nicht belegen. Es ist jedoch durchaus denkbar. Die fast korrekturlose Niederschrift spricht für die Verwendung ähnlicher Merkzettel, welche nach Gebrauch offenbar vernichtet wurden.

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Der Text der Lebensbeschreibung trägt durchweg die Merkmale eines Erzähltextes. Schon das Vorhandensein eines Titels spricht dafür, und zwar eines Titels, der keineswegs auf eine allgemeine (gattungsmäßige) Charakteristik des Textes abzielt wie etwa 'Lebenslauf' oder 'Lebensbeschreibung'. Vielmehr formuliert der Titel kurz und knapp die Idee, unter der die Lebensepisoden selektiert und gestaltet sind: "Titul. Die Wunderbahre Führung Gottes."

Der ausführliche Untertitel nimmt die in der Erzählliteratur des 17. Jahrhunderts übliche Summierung der Ereignisabfolge vor:

"Titul. Die Wunderbahre Führung Gottes.

Worinnen vorgestellet wirdt wie wunderlich der allerhöchste Seine Vatterliche Regierung mitt mir von Meiner Kindheit an, bis hieher Gehabt, Und durch was Seltzame begebnüße Und Veranderung So theils In geringen, theils auch in Großen Dingen bestanden Ich Meinen lebenß lauff bis Auff den heüthigen tag Mitt des Großen Gottes hülffe Und beystand hingebracht

Mitt Eigener hand auffgesetzet Und beschrieben von mir Friedrichen HzSachsen den Viertten Sohn, Und Siebenden Kinden des Hoch Und Weitberümbthen Hertzog Ernsten zu Sachsen Julich, Cleve, Und berg des Gottes Fürchtigen

Angefangen Im Jahr Christi 1683 den 7. Junii (Donnerstag) [16]."

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Lexikalisch ("wunderlich", "Seltzame begebnüße") und syntaktisch ("Worinnen vorgestellet wird ...") folgt der Titel den aus der Erzählliteratur bekannten Mustern, wie ein beliebig herausgegriffenes Beispiel verdeutlichen mag:

"ZENDORII à ZENDORIIS Teutsche Winternächte Oder Die ausführliche und denkwürdige Beschreibung seiner Lebens=Geschicht. Darinnen begriffen allerley Fügnissen und seltsame Begebenheiten / Curiöse Liebes=Historien / und Merkwürdige Zufälle etlicher von Adel / und anderer Privat=Personen. Nicht allein mit allerley Umständen und Discursen ausführlich entworffen / sondern auch mit tauglichen Sitten-Lehren hin und wieder ausgespicket. Allen Liebhabern der Zeit=verkürtzenden Schrifften / wes Standes oder Condition dieselben seyn mögen / zu sonderlicher Belustigung / nicht ohne dem daraus entspringenden Nutzen / entworffen und erstlich von dem AUTHORE selbsten beschrieben / hernachmals aber zum bessern Gebrauch der Lesenden übersetzt / und mit saubern Kupffern gezieret / an den Tag gegeben. Gedruckt im 1682. Jahr." [17]

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Inhaltlich werden Topoi reproduziert, die die frühneuzeitliche Weltsicht generell prägen, darunter am auffälligsten der Unbeständigkeitstopos ("Veranderung So theils In geringen, theils auch in Großen Dingen bestanden") und die Providentia-Vorstellung ("Mitt des Großen Gottes hülffe Und beystand"), die auch schon der Titel expliziert.

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Die Darstellung folgt dem ordo naturalis-Schema als fortlaufender Bericht von Anfang bis Ende, und zwar nach dem Prinzip der Episodenreihung. Der 'Erzähler' schaut von einem fortgeschrittenen Punkt seiner Entwicklung auf die Ereignisse zurück und verarbeitet sie nach dem Konzept 'göttliche Führung des individuellen Lebens', was die stets waltende Vorsehung ebenso einschließt wie den von Seiten des Ich weder zu beeinflussenden noch vorhersehbaren Wechsel des Glücks (Unbeständigkeitstopos).

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Während das episodische Erzählen des eigenen 'Lebens' ab ovo in der Frühen Neuzeit schon als konventionelles Modell autobiografischer Lebenserzählungen gelten kann, sind Titel und Untertitel, wie sie Herzog Friedrich bildet, für die Lebensbeschreibung einer historischen Person ungewöhnlich. Sie lassen eine klare gedankliche Gliederung des Materials, vor allem aber eine entschlossene Deutung des konstituierten 'lebensweltlichen' Geschehens jenseits jeglicher Zufälligkeit und disparater Ereignishaftigkeit erkennen. Gerade die Titelgebung verweist deutlich auf intertextuelle Bezüge dieser Lebenslauferzählung zu zeitgenössischen Romanmodellen, und zwar dem 'niederen' Roman einerseits, wie das oben angeführte Beispiel zeigt, und andererseits auch dem 'hohen' Roman. [18] Der Ich-Erzähler in Friedrichs Text ist kein Entwurzelter, er beschreibt die Welt, bzw. sein Ich als Sonderfall der Welt, nicht von einer sozialen Außenseiterposition her, wie im niederen Roman üblich. Hier entwirft sich vielmehr ein Fürst, einem namhaften Geschlecht entstammend, der seinen Vater und Regierungsvorgänger respektvoll als "Hoch und Weitberühmthen Hertzog" tituliert. Er ist sich seiner Abkunft wie auch des ihm von Gott verliehenen Herrscheramtes ohne den geringsten Selbstzweifel bewusst und gewinnt daraus seine Identität. Während die Hauptfigur und ihre providentielle Deutung auffällig dem Modell des 'hohen' Roman entlehnt ist, allerdings ohne dessen komplizierte Struktur zu übernehmen, sind die autodiegetische Perspektivierung und die narrative Struktur am Modell des 'niederen' Romans geschult.

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Die Makrostruktur von Friedrichs Lebensbeschreibung bezeugt die rhetorisch-poetologische Kennerschaft und Geübtheit des Verfassers. Der Text ist klar gegliedert, und die einzelnen Abschnitte sind durch Teilüberschriften kenntlich gemacht. Dem "Titul" folgt die "Vorrede" und dieser die Durchführung ("Tractatio") in Gestalt einer Ereignisreihung, deren Sinnhaftigkeit durch die beiden vorangehenden Teile bereits im Vorhinein artikuliert wird. Eine Differenz zu einem fiktionalen Erzähltext lässt sich nicht feststellen. [19]

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Auch die Vorrede entspricht einem Strukturelement fiktionaler Erzählungen. Sie reproduziert durchweg konventionelle Exordialtopoi der Romanvorreden. Es ist deutlich sichtbar, dass die Explikation von Schreibanlass und Schreibintention ganz und gar vorgeprägt ist, in keinem einzigen Argument sich als originell oder individuell erweist:

"Vorrede

Ich habe mir Schon zum öffteren vorgenommen, Meinen lebens lauff Und die darbey vorkommende viehl faltige Und seltzame begebnüße So bey Jungen jahren, dergleichen Ich auff mir habe waß Ungewohnliches Ist zu beschreiben. Bin aber allzeit In betrachtung Unterschiedlichen Juditien So mann von der Itzigen bösen Und falschen Welt Erleyden muß davon abgehalten worden, hätte auch solche gedancken gar verlaßen Und Nicht Eine Zeile geschrieben wenn nicht durch Einen vornehmen (In Ein andern Hn {Stehenden} [20] Diensten Stehenden) Geistlichen (welchen Ich neülicher Zeit In seiner Krankheit auf Meiner damahligen Reyse Besucht, Und alter bekantschafft halben demselben meine bisherigen beschwehrlichen Und mitt viehlen Unglücks Fällen angefultem Zustand, im Vertrauen eröfnete) darzu wieder aufs neüe were animiret worden Umb So wohl mich selbsten zu trösten, Und dem allerhöchsten vor So wunderliche Regierung Und erhaltung demüthigsten Danck zu sagen. Alß auch andern zur Gedult Auffzu Muntern, Und die wunderbahre Führung Gottes An Einem von Einem Uhralten hohen Fürstl. hauße herstammenden Jungen Herrn Erwiesen der Welt kundt zu thun Alß Aliqvid rarum.

Denn Mann bey fürstl haüsern gar wenig des Creützes, trubsahls, Und Unglucks zu Mählen In Jungen Jahren, außzustehen gewohnet ist, vielmehr aber lust, freüde, Ergötzlichkeit Und vergnügte Abwechselungen Großer H. tagliches Frühestück Mittagsmahl, Und Abendbrot Ist. Ich protestire aber hier mitt aufs höchste, daß ich dieses nicht auß Einer arrogantz oder Sundlichen Uberhebung Uber die andere melde Sondern bloß Und allein [umb den] Einen Und den andern Guthen Freündt, Sonderlichen aber obgemelten, vornehmen Geistl. dadurch zu vergnügen Und mich selbsten dardurch zu erbauen. Bitte dannenhero Alle Und Jede die diese Ubel Stilisirte, Und von <mir Alß> [21] Einer Fürstl. Und wenig studirten Person aufgesetzten Schriefft lieset keine böse opinion zu schöpffen Sondern zu glauben daß Ich aller Ihr Treüer freündt sey, welcher in der Fruchtbringenden Gesellschafft anno 1669 genent worden Der Allerliebste Friedrich HzSachsen." (kursive Hervorhebung – R.J.)

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Im Einzelnen besteht die Konventionalität dieser Vorrede in Folgendem:

- Der Bescheidenheitstopos wird genutzt, um den Vorwurf der Eitelkeit zu entkräften: Nicht eigenem Plan sei die Ausführung des Vorhabens zu verdanken, sondern einer respektablen Person, einem Geistlichen, welcher den Schreiber ausdrücklich dazu ermutigt haben soll.

- Die Schreibabsicht wird, im Widerspruch zu der durch den Verweis auf geistliche Schützenhilfe inszenierten Selbstentlastung, als bereits lange bestehend behauptet, die bisherige Verhinderung auf die Schlechtigkeit der Welt (contemptus mundi-Topos) zurückgeführt.

- Der Legitimation des Werks dient die Behauptung des Nutzens für andere (zur Geduld aufmuntern) und sich selbst (Trost) sowie allgemein die Beteuerung der guten Absicht des Verfassers und seine Selbstdarstellung als Freund aller Welt.

- Das eigene Leben wird als Exemplum göttlicher Providentia aufgefasst.

- Potentieller Kritik wird mit vorweggenommener Selbstkritik (schlechter Stil usw.) begegnet. Hier tritt das Topische des Arguments – wiederum der Bescheidenheitstopos - besonders klar zu Tage: Von einer schlechten Ausbildung Herzog Friedrichs kann keine Rede sein. Er hat eine ausgezeichnete Ausbildung bei renommierten Gelehrten am Hof und an Universitäten genossen, und er vermag mündliche wie schriftliche Texte vergleichsweise gewandt zu verfertigen. [22]

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Interessant an diesem konventionellen Rechtfertigungsaufwand ist nicht so sehr, dass er überhaupt betrieben wird, als die Tatsache, dass auch dieser spezielle Verfasser sich nicht davon frei machen kann und will. Immerhin handelt es sich um einen Fürsten, also gewissermaßen die institutionalisierte Rolle eines historisch Agierenden, der aber anscheinend in der Rolle des sich selbst schreibenden Ich auf eingeführte Legitimationsstrategien zurückzugreifen sich veranlasst sieht. Das ist um so bemerkenswerter, weil Friedrichs Lebensbeschreibung im Unterschied zur Romanliteratur, die sie strukturell beerbt, weder unter kommerziellen noch unter Zensurzwängen steht.

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Aufschlussreich ist auch die Rekurrenz auf die Fruchtbringende Gesellschaft, die deutsche Akademie des 17. Jahrhunderts, welche für die kulturelle Entwicklung insbesondere im mittel- und norddeutschen Raum eine nicht zu vernachlässigende Rolle gespielt hat. Die Selbstverortung des Verfassers als Mitglied der renommierten Institution, damit seine implizite Berufung auf deren Programm, ist insofern bemerkenswert, als die FG zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Jahre nicht mehr existiert. [23]

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Überraschend erscheint auf den ersten Blick die Selbststilisierung des Verfassers als leidendes Subjekt, um so mehr, als sie mit der Prätention auftritt, den Sonderfall einer fürstlichen Biographie zu bilden. Aber auch sie konstituiert sich letztlich aus Topoi frühneuzeitlicher Weltdeutung, unter anderem der Hofkritik, welche das höfische Freudenleben mit der lutherischen Kreuzestheologie kontrastiert. Ganz in der Tradition seines Vaters, Herzog Ernsts des Frommen, der ein spartanisches Regiment an seinem Hofe geführt hatte, distanziert sich der Schreiber von seinem eigenen soziokulturellen Umfeld, nimmt sogar einen Topos der Hofkritik auf (Lust, Freude, Ergötzlichkeit, vergnügte Abwechselungen seien die tägliche Speise Großer Herren), um sich selbst als einen ein schweres Kreuz tragenden Herrscher glaubhaft entwerfen zu können. [24] Ungeachtet dessen insistiert er auf seiner Herausgehobenheit und Erwähltheit. Das stimmt mit dem Idealbild christfürstlicher Regenten, wie es die wettinischen Herrscher als Beschützer der Reformation und treue Anhänger des lutherischen Bekenntnisses seit Generationen zu verkörpern beanspruchen, vollkommen überein.

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Wie die anderen Teile ist auch die Durchführung ("Tractatio") der Idee des Schreibers von sich selbst als Herrscher, der dominanten Idee des Textes, verpflichtet. So wird schon die Geburt als Zeichen der Erwähltheit interpretiert und der zufällige Umstand des Aufenthalts der fürstlichen Mutter in der gerade entstehenden Schlosskirche in dem Moment, da die Wehen einsetzten, als bedeutungsvolles Omen aufgefasst. Ein fiktionaler Text verführe hier nicht anders:

"Tractatio

Gleich wie durch mein ganzes leben hin Gottes Sonderbahre Fuhrung Und Stete Abwechselung zu verspühren seyn wirdt, Also hatt Gleich anfangs Gottes wunderbahre Schickung mitt mir noch vor Meiner Gebuhrt, her vorgeblickt Idem, Alß die Durchleüchtige fürstin Und Frau Frau Elisabeth Sophia Gebohrene Und vermählte hertzogin zu Sachsen Meine Hochgeehrte Frau Mutter den 15. Julii 1646 Auß dem Hiesigen damahls gewesenen residentz (Sonsten aber das Kauff Hauß genant) Itzo aber das Rahthauß hiesiger Stadt Gotha, Auff das neü angefangen gewesene, Und damals noch nicht außgebaute Schloß Friedenstein gefahren, Umb den daselbst angefangenen Kirchbau zu besehen Und Eben die Mahlerey zu gesehen. Sindt Ihro Gnaden mitt Etzlichen Starcken gebuhrtsschmertz blötzlich Uberfallen worden daß Sie mitt genauer noht In dero Residentz hauße haben gebracht werden können welches abends 6 Uhr geschehen. Gleich darauff 3/4 auff 8 Uhr <abends> [25] bin Ich Glücklich Alß das 7bende Kindt Und vierte Sohn zur Welt gebohren worden Und den tag darauff alß den 16 Julii nachmittags 3 Uhr im residentzhauße zur H. Tauffe gebracht, Und mitt dem Im Hauße Sachsen Sehr Gewöhnlichen Und Alten nahmen Friedrich In das buch des lebens Eingeschrieben worden."

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Es folgt die Aufzählung der Taufpaten, deren jeder Einzelne die soziale Exklusivität des Täuflings bezeugt. Die interessante Aufgabe, die eigene privilegierte Existenz mit der Kreuzesmetapher in Übereinstimmung zu bringen, ist offenbar als Problem nicht schwieriger zu lösen gewesen als jedes andere Problem der Darstellung auch. Friedrich konnte aus seinem Leben schöpfen, in welchem er Momente vorfand, die er offenbar als furchtbar erlebt hatte. Aus der Zeit der Niederschrift (1683/84) gesehen, sind das eine Reihe schwerer Verluste, die er mit dem Tod von Gemahlin, Kindern und Eltern erlitten hatte, doch auch die erzählte Zeit, die nur bis 1663 reicht, ist schon angefüllt mit entsprechenden Episoden. So schildert er eine ihm als sechsjährigem Knaben widerfahrene Misshandlung durch Jenaer Studenten (ohne die sich dem Leser aufdrängende Frage zu beantworten, wieso die ebenfalls in Jena weilenden Eltern und die Diener das Kind einer brutalen Gesellschaft schutzlos auslieferten); Hofintrigen, die den besonders schmerzlich empfundenen Liebesentzug durch den Vater zur Folge hatten; den Verlust dreier Geschwister in einem Jahr, darunter zweier älterer Schwestern: "Und Stiege Mir der Verlust dieser schon ziemblich herangewachsenen beyden Schwestern Umb So viehl mehr zu Gemuthe weill wir Ein ander Inniglich geliebet hatten". Solche Episoden eignen sich, als Tiefpunkte des vom Wechsel des Glücks bestimmten Lebenslaufs aufgefasst zu werden und erlauben es, Schmerz und Leiden als Bestandteile auch und gerade des auserwählten Lebens zu präsentieren. Auch diese Episoden werden mehr oder weniger konsequent in den Darstellungskonventionen der Zeit dargeboten, und zwar nach den Maßgaben eines Verhaltensprogramms, das durch den Neustoizismus an den literarischen Diskurs vermittelt wurde: Das Unheil wird als äußeres Geschehen geschildert, welches das Ich zwar zu erschüttern, aber nicht zu zerstören vermag. Es wird vielmehr als Prüfung aufgefasst, aus der das Ich gestärkt hervorgeht. Nüchterner Berichtsstil lässt einen Klagegestus nicht aufkommen.

Der auf der Grundlage bereitstehender Strukturen und Topoi im Medium der Lebensbeschreibung konstituierte Selbstentwurf des Ich als (künftiger) christlicher Regent erfüllt die Funktion der repraesentatio maiestatis auf spezifische, jedoch gänzlich überzeugende Weise. [26]

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Die Lebenslauf-Erzählung verarbeitet eine Reihe von (textuell gefassten) Fakten wie z.B. Geburt, Stationen der Bildung, Lehrer, bestimmte Ereignisse in der Familiengeschichte, und sie eröffnet zugleich die Möglichkeit, über das rein Faktische hinausgehende Reflexionen einzufügen, etwa die Beziehungen des Ich zum personellen Umfeld betreffend. Hier finden sich deutliche Ansätze zur Konstituierung von Subjektivität über die Darstellung äußerer Abläufe hinaus. Schwerer auszumachen sind diejenigen Bestandteile gelebten Lebens, die aus der Lebenslauferzählung ausgespart bleiben. Davon betroffen ist zum einen all das, was sich nicht der übergreifenden Idee einfügt, welche den Selbstentwurf als christfürstlicher Regent prägt, und zum anderen all das, was dem Schreiber aus dem Abstand der Gegenwart zur Vergangenheit marginal oder trivial erscheinen musste. Das sind Einzelheiten der Tagesabläufe als ständig sich wiederholendes Geschehen und damit die Mehrzahl aller Lebensereignisse überhaupt. Daneben sind das aber auch alle singulären Vorkommnisse von nur temporärer Bedeutung, wie etwa eine bestimmte Hausaufgabe, ein Briefwechsel oder Ähnliches.

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Die Lebenslauferzählung sagt also sehr viel über die Vorstellung des Fürsten von sich selbst und über die dieser Idee entsprechenden Bestandteile seines Lebens aus, und sie bietet sie in Gestalt allgemeiner Topoi der Zeit dar. Wird damit die Gedankenwelt des Verfassers als eines in seiner Zeit und seinem Stand verwurzelten Menschen entworfen, so seine Gefühlswelt in der Darstellung der Wahrnehmung seiner selbst innerhalb seiner personellen Umgebung, eine spezielle Leistung von Selbstzeugnissen gegenüber anderen Textzeugen, z.B. serieller höfischer Gebrauchsliteratur wie Kammerrechnungen, Inventaren, Fourieraufzeichnungen usw. In beidem ist die Lebensbeschreibung dem chronistischen Tagebuch überlegen. Nichts sagt sie dagegen aus über detaillierte Abläufe des (in diesem Fall) höfischen Lebens, alltägliche Vorkommnisse, gewöhnliche Rituale und außergewöhnliche Abweichungen davon.

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Darüber detailliert Aufschluss zu geben ist jedoch das Tagebuch in der Lage. Es wäre höchst interessant, den erzählerischen Selbstentwurf der Lebensbeschreibung direkt mit dem Tagebuch im Schreibkalender zu kontrastieren. Leider aber fällt die 'erzählte Zeit' in der Lebensbeschreibung mit der im Tagebuch nicht zusammen. Das Fragment der Lebensbeschreibung reicht von der Geburt des Prinzen bis in sein 17. Lebensjahr (1663). Das Tagebuch im Schreibkalender aber setzt erst 1667 ein, wird regelmäßig sogar erst ab 1669 [27] und, vermutlich, bis zum Lebensende des Verfassers im Jahre 1691 geführt. [28]

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Ein Tagebuch des Typs, wie es Herzog Friedrich hinterlassen hat, sagt einerseits weniger, andererseits mehr aus als die autobiografische Lebensbeschreibung. Während diese eine kohärente 'Erzählung' liefert, in der alle einzelnen Aussagen einem übergreifenden Zusammenhang untergeordnet sind, besteht das Tagebuch im Schreibkalender aus Informationssplittern und Leerstellen.

"Den 16. Novembris 1676 (Donnerstag) [29]. (Zeichen) [30] Vormittags In Camerstuben, Und Consistorium gewesen, NB [31] Fuhr Meine Schwester nach Ichtershaußen / Nachmittage desgleichen in der Cammerstuben gewesen, darnach in die Closter Kirchen gefahren, Und den bau besehen / Abends bekam Ich Schreiben von Wien So die ratification Unserer Alliantz mitt dem Keyser in Copey mitt brachte, (denn die originalia die abgeordneten Mitt bringen werden), wie auch von Dresden Und von Berlin /"

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Dieser Text folgt nicht den Gesetzen eines Erzähltextes, sondern verletzt alles, was ein gutes Erzählen im traditionellen Sinne kennzeichnet. Er lässt vermissen, was ihn zu einer in sich stimmigen, spannenden und flüssig lesbaren 'Erzählung' machen würde. Er hat keinen Anfang, keine Mitte, kein Ende, alle Informationen sind - zumindest formal - gleichrangig. Jede steht für sich, in der Regel ohne Bezug zu den anderen oder nur in einem vom Verfasser erkennbaren Bezug zu einer oder mehreren anderen Informationen.

Allerdings ist das kein Defizit, verantwortet von einem ungeübten Verfasser, sondern der Text ist genau so gewollt [32] und erfüllt gerade in dieser Gestalt seine Funktion, und zwar in Bezug auf einen einzigen Leser, den Verfasser selbst. Nur zu dessen Bedarf ist er geschaffen und auf eine bestimmte Weise gestaltet worden. Wenngleich der Tagebuchtext auch keinem durchdachten erzählerischen Plan wie die Lebensbeschreibung folgt, liegt auch ihm eine effizient umgesetzte Intention zugrunde, was allererst an seiner klar beschreibbaren Form sichtbar wird. [33]

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Was charakterisiert nun diese zweite Gattung, was unterscheidet ein solches Tagebuch von der Lebensbeschreibung? Der Tagebuchtext besteht aus einzelnen, unverbundenen Aussagen, die auf ein bestimmtes, dem Verfasser als ursprünglich einzigem Adressaten ausreichendes Mindestmaß an Gehalt reduziert sind. Dieses Mindestmaß bezieht sich zwar gelegentlich, aber keineswegs immer auf den Kern einer Sache. Oft bezieht es sich auch nur auf einen Nebenaspekt, der jedoch für den Autor aussagekräftig genug ist und das Stichwort darstellt, mit dessen Hilfe er das Gesamtereignis mühelos reproduzieren kann.

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Der Text reiht zudem die Aussagen unterschiedslos, ohne Rücksicht auf ihre abgestufte Bedeutung für das schreibende Subjekt. Er ebnet sie damit ein und suggeriert eine Gleichrangigkeit der Ereignisse, die sie so nie besessen haben. Damit täuscht er über ihren tatsächlichen Stellenwert im Leben des Verfassers hinweg.

<30>

Die einzelnen Notizen verweisen selbstverständlich nicht auf die Gesamtheit des sich im Umkreis des Verfassers Ereignenden, sondern nur auf einen (sehr kleinen) Teil. Aber im Unterschied zur Lebensbeschreibung liegt der Auswahl der ins Tagebuch aufgenommenen Ereignisse keine dem Verfasser bewusste, übergreifende Idee zugrunde, sieht man einmal von der Vorstellung dessen ab, was als notierungswürdig befunden wird.

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Charakteristisch für ein Tagebuch des vorliegenden Typs ist die geringe reflexive Distanz des Verfassers zu seinem Text. Er hat ihn mit einem geringen Maß an Aufwand geschaffen, die Aussagen ohne rhetorischen Schmuck aneinandergereiht, unbelastet von der Aufgabe, das Disparate unter ein einheitliches semantisches Konzept zu bringen und zu einem in sich stimmigen Ganzen zu verarbeiten. Das bedeutet nicht, dass gar keine übergreifende Idee in diesem Text aufzufinden wäre, aber sie verdankt sich nicht der bewussten, unter anderem fiktionalen Modellen folgenden gestalterischen Arbeit des Autors, sondern sie ist als "implizites Ich" [34] vorhanden und fungiert als die Grundschicht der Weltaneignung des Autors überhaupt. Sie prägt sein Handeln auf eine grundsätzliche Weise, ohne dass er sich dessen bewusst sein muss.

Im Falle des Tagebuchschreibers Friedrich von Sachsen-Gotha und Altenburg ist das implizite Ich wesentlich durch die Selbstsicht des Verfassers als Fürst bestimmt: eine Rolle, die als göttlich verliehene verstanden wird, ein bestimmtes Aufgabenspektrum und einen bestimmten Aktionsradius umfasst und zu der die herausgehobene Lebensweise als selbstverständliches Faktum gehört. Das ist das nicht hinterfragte und nichthinterfragbare Selbstverständnis des Verfassers, das alles Handeln, also auch alles Schreiben determiniert.

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Mit der geringen reflexiven Distanz des Autors zu seinem Text korrespondiert seine geringe zeitliche Distanz zu dem potentiell zu verarbeitenden Material. Sie bewirkt eine größere Unmittelbarkeit dem Darzustellenden gegenüber. So enthält der Text eine Fülle von Alltagsdetails, die nur durch die zeitliche Nähe, das heißt durch die geringe Distanz von Erzählzeit und erzählter Zeit interessant sind, mit wachsendem zeitlichen Abstand aber entweder ganz uninteressant werden oder zumindest in der Form ihrer Tagebuch-Fassung nicht mehr relevant sind. Der Fokus wechselt mit wachsendem zeitlichen Abstand sozusagen von der Nahaufnahme zum Weitwinkel, vom Detail zum Panorama. Das ist die Formel, mit der sich die Differenz von Tagebuch und Lebensbeschreibung verkürzt bezeichnen lässt.

<33>

Zweifellos ist der Tagebuchtext ebenso wie die Lebensbeschreibung das Ergebnis einer Selektion. Manches wird bewusst ausgeschieden, manches unbewusst, das meiste aber wird weggelassen, weil es zum selbstverständlichen Lebensumfeld des Autors gehört und deshalb keiner Erwähnung bedarf bzw. nur dann einer Erwähnung bedarf, wenn irgendeine Unregelmäßigkeit auftritt, mit der das Gewöhnliche zum Außergewöhnlichen wird, wie im folgenden Beispiel:

"... ümb 6 Uhr nach Coburg kommen. Es war aber niemandt dar(,) der Mich annahm. Mein bruder kam Erst auff der Stiegen zu mir. Wir speiseten In der Hertzogin Vorgemach." [35]

<34>

Normalerweise wird das Ankunftszeremoniell nicht eigens erwähnt. Das Unterbleiben des Üblichen und Erwarteten aber macht die Episode zum Ereignis, das ihre Notierung rechtfertigt. Aus dem Fehlen dergleichen Informationen im Tagebuch darf also nicht geschlossen werden, dass sich nur die erwähnten Sachen ereignet hätten.

Ergebnis einer Selektion sind beide Texte, aber beim Tagebuch ist das Auswahlkriterium der 'Sachen' ein anderes als bei der Lebensbeschreibung: Notiert wird das vom Verfasser in der aktuellen Situation eines Tages oder eines kurzen Zeitraums für aufzeichnungswürdig Erachtete. Das heißt nicht, dass das Nichtnotierte für den Verfasser keine Bedeutung gehabt hätte, sondern nur, dass eine schriftliche Fixierung nicht erforderlich war, aus welchen Gründen auch immer.

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Im Vergleich mit der Lebensbeschreibung sind die im Tagebuch notierten Informationen dichter am faktischen Ablauf eines Geschehens angesiedelt, und sie geben es detaillierter wieder, wenn auch in der Regel nicht vollständig. Dadurch wird das Tagebuch nicht 'wahrer' als die Lebensbeschreibung. "Wahrheit" im Sinne subjektiver Aufrichtigkeit ist beiden Texten in gleichem Maße zuzugestehen. Aber es treten andere Momente von 'Wirklichkeit' ins Gesichtsfeld: statt des Panoramabildes viele Detailaufnahmen, statt der großen, Sinn erzeugenden Linie einer durch und durch gedeuteten und damit so auch erst konstituierten Biographie ("wunderbahre Führung Gottes") viele disparate Einzelheiten.

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Auch beim Tagebuch handelt es sich wie bei der Lebensbeschreibung um ein "egozentrisch" angelegtes Selbstzeugnis, doch vermittelt der Text kein ganzheitliches Bild - weder vom Autor noch von seinem soziokulturellen Umfeld. Vielmehr verändert jeder neue Eintrag das Bild, das der vorige fragmentarisch erzeugt hatte. Deshalb ist die Bezeichnung "statisches Porträt" [36] für diesen Tagebuchtyp unglücklich und unzutreffend. Statisch ist jede der Aussagen nur, wenn man sie von allen anderen isoliert. Das Porträt, wenn man diesen Begriff aufnehmen möchte, wandelt sich von Aussage zu Aussage, von Eintrag zu Eintrag, ohne je fertig gezeichnet zu sein. Gerade durch die Unabgeschlossenheit und die Dynamik unterscheidet sich das Tagebuch von der wie 'aus einem Guss' gefertigten, kohärenten Lebensbeschreibung, deren Kern im letzten Satz der gleiche ist wie im ersten.

<37>

Das Tagebuch gibt auf seine Weise mehr preis von dem gelebten 'Leben', aus dem es sozusagen Splitter bietet, gerade weil diese nicht in eine übergreifende Sinnkonstruktion eingehen und 'verwandelt' werden. Die 'Splitter' repräsentieren zwar grundsätzlich ebenfalls eine textuelle Realität, nicht eine Realität an sich, aber sie bleiben als unerklärte und oft nicht miteinander verbundene 'Splitter' bestehen. Das bedeutet zunächst einmal, dass sie dem Leser nicht sehr viel sagen, häufig nur Fragen wecken, deren Beantwortung ohne weitere Dokumente nicht möglich ist.

<38>

Bei dem aus dem Gesamttext herausgegriffenen Eintrag vom 16. November 1676 (siehe oben) stellt sich das zum Beispiel folgendermaßen dar:

Manche der Aussagen sprechen für sich und erfordern es nicht unbedingt, die Details im Einzelnen zu kennen. So verweist die Notiz des Herzogs über seinen Aufenthalt in Kammer und Konsistorium darauf, dass er an der Arbeit dieser Regierungskollegien Anteil nimmt, sie vielleicht auch kontrolliert und in sie eingreift.

Andere Notizen sagen nur dem mit den örtlichen und personellen Verhältnissen vertrauten Leser etwas. Wer diese kennt, weiß, weshalb die Schwester ausgerechnet nach Ichtershausen fährt. [37] Ein weniger kundiger Leser erfährt lediglich, dass die Schwester an irgendeinen Ort fährt, wozu, bleibt unklar.

Bei einigen nebeneinander platzierten Aussagen ist fraglich, ob sie zusammengehören oder ob es sich um zwei verschiedene Bezüge handelt: Fährt der Verfasser in die Klosterkirche und besichtigt danach irgendeinen Bau, etwa im Schloss, wo fast zu jeder Zeit Baugeschehen im Gange ist, oder besichtigt er einen zu dieser Zeit vor sich gehenden Bau in der Klosterkirche?

Relativ ausführlich wird über das Schreiben aus Wien gesprochen - "Abends bekam Ich Schreiben von Wien So die ratification Unserer Alliantz mitt dem Keyser in Copey mitt brachte, (denn die originalia die abgeordneten Mitt bringen werden)" -, so dass der dahinter stehende Sachverhalt ganz klar identifiziert werden kann. Ohne weitere Studien betreiben zu müssen, geht für jeden Leser aus der Textstelle hervor, dass Sachsen-Gotha eine Allianz mit dem Kaiser abgeschlossen hat und dass die Kopien des Vertrages eingetroffen sind, während die Originale etwas später von den zurückkehrenden Gesandten persönlich überbracht werden. Unklar bleibt, ob sich das Possessivpronomen 'unsere(r)' tatsächlich nur auf Sachsen-Gotha oder vielleicht noch auf andere Staaten bezieht, und im Dunkel bleiben auch Inhalt und Ziel der Allianz, die Geschichte ihres Zustandekommens, ihre Hintergründe usw.

Andere Aussagen sind zwar klar verständlich, besitzen aber für den Leser ohne weitere Erläuterungen einen geringen Informationswert. Das betrifft hier die Notiz über das Eintreffen von Briefen aus Berlin und Dresden.

<39>

Der Text ist in seiner puren Form, ohne erläuternde Kommentare, zwar durchaus nicht unverständlich, doch welche Vorstellungen er beim Leser evoziert, hängt in viel stärkerem Maße von dessen Kenntnisstand ab als bei der sich selbst weitgehend erläuternden Lebensbeschreibung. Der Tagebuchtext gibt dem Leser eine Reihe von Informationen, eröffnet aber im gleichen Zuge ebenso viele Fragen, die er auch später nicht oder nur partiell beantwortet. Denn mit dem nächsten Eintrag kommen die nächsten Aussagen, die wie die vorangegangenen selbstständige Einheiten darstellen. Ein traditioneller Erzähltext dagegen strebt tendenziell danach, auf der Textoberfläche aufgeworfene Fragen sukzessive zu beantworten. Beim Tagebuch aber sieht sich der Leser praktisch bei jeder einzelnen Notiz vor eine Frage gestellt. Die Punktualität der Aussagen, ihre Unverbundenheit, die fehlenden Kontexte und die mit jeder Aussage eröffneten Leerräume machen die Lektüre eines Tagebuchs des vorliegenden Typs zu einer ganz anderen, als es bei der Lebensbeschreibung der Fall ist. Es gibt keinen suggestiven Erzählfluss, der den Leser in seinen Bann schlüge. Der Leser wird nicht in den Text hineingezogen, sondern er ist statt dessen gezwungen, den Gedankensprüngen des Textes zu folgen, sozusagen im Stolperschritt. Selbst wenn er versuchte, aus den Informationssplittern eine kohärente, in sich sinnhafte Geschichte zu bilden, wonach eine Lektüre in der Regel strebt, gelänge das nicht, weil der Text selbst sich einem solchen Versuch entgegenstellt. Die 'Geschichte' wird immer wieder abgebrochen und an einer ganz anderen Stelle fortgesetzt, um auch dort sofort wieder abgebrochen zu werden. Kein Eintrag wird zu einer Ganzheit ausgebaut, vielmehr werden aus jedem potentiellen Ganzen Teile herausgerissen wie Fetzen aus einem Kleid und neben andere solcher Teile gestellt, oft ohne erkennbare Verbindung. Dazwischen aber sind Leerräume, die zwar für den Verfasser dank seiner ergänzenden Vorstellungskraft gefüllt waren, von jedem anderen Leser aber selbst mit Hilfe von Kommentaren immer nur fragmentarisch gefüllt werden können.

Weil die 'Sachen' mit geringer zeitlicher und reflexiver Distanz geschrieben und als Einzeltatsachen unverbunden nebeneinander gestellt sind, ist die Distanz des Lesers diesem Text gegenüber besonders groß, viel größer als gegenüber einer kohärenten Lebenslauferzählung.

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Der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Textsorten besteht folglich darin, dass mit dem Text der Lebensbeschreibung ein Gesamtbild entsteht, in dem potentiell alle Fragen auf der Darstellungsebene beantwortet sind, während der Tagebuchtext mit seiner reihenden Darbietung von Einzelinformationen Fragen aufwirft, die nicht beantwortet werden. Der Leser kann diese Fragen, wenn überhaupt, nur selbst beantworten, und zwar mit Hilfe anderer historischer Dokumente. Darin, dass dieser Tagebuchtyp von sich aus kein geschlossenes Bild erzeugt wie die Lebensbeschreibung, weil er die dargebotenen Splitter nicht in einer übergreifenden Sinnkonstruktion 'einschmilzt', ist der spezifische und einzigartige Quellenwert dieser zweiten Textsorte gegenüber dem ersten begründet. Denn damit kommt der beschriebene Tagebuchtyp in besonderem Maße der Aufgabe des Philologen und Historikers entgegen, "nicht Theorien über Vergangenheit zu stülpen, sondern aus dem Vergangenen selbst die Strukturen einstigen gelebten Lebens zu begreifen, um sie erst dann vergleichend mit anderen Verhältnissen und neuerlich mit unseren Verstehensmöglichkeiten zu konfrontieren." [38]



[1] So der Untertitel des Bandes von Winfried Schulze (Hg.): Ego-Dokumente. Annäherung an den Menschen in der Geschichte (= Selbstzeugnisse der Neuzeit 2), Berlin 1996.

[2] Schulze: Ego-Dokumente (wie Anm. 1), 14.

[3] Benigna von Krusenstjern: Was sind Selbstzeugnisse? Begriffskritische und quellenkundliche Überlegungen anhand von Beispielen aus dem 17. Jahrhundert, in: Historische Anthropologie 2 (1994), 462-471.

[4] Krusenstjern: Selbstzeugnisse (wie Anm. 3), 463.

[5] Krusenstjern: Selbstzeugnisse (wie Anm. 3), 470. Der Aspekt der Freiwilligkeit der Aufzeichnungen unterscheidet das Selbstzeugniskonzept Krusenstjerns vom Ego-Dokument-Konzept, das auch erzwungene Aufzeichnungen wie z.B. Verhörprotokolle zur Gruppe der betreffenden Texte rechnet. Zu Letzterem vgl. Winfried Schulze: Ego-Dokumente: Annäherung an den Menschen in der Geschichte? Vorüberlegungen für die Tagung "Ego-Dokumente". In: Ego-Dokumente (wie Anm. 1), 1-30, bes. 20ff.

[6] Krusenstjern: Selbstzeugnisse (wie Anm. 3), 464.

[7] Vgl. Almut Finck: Subjektbegriff und Autorschaft: Zur Theorie und Geschichte der Autobiographie, in: Miltos Pechlivanos und andere (Hg.): Einführung in die Literaturwissenschaft, Stuttgart / Weimar 1995, 283-294. Zur Fiktionalität jedes Ich- und Weltbezuges sowie zur phänomenologischen Ununterscheidbarkeit von autobiografischer und fiktiver Lebenserzählung vgl. Martina Wagner-Egelhaaf: Autobiographie, Stuttgart / Weimar 2000, bes. 5-16 und 78-88.

[8] Der Begriff Gattung wird verwendet im Sinne eines Begriffes für "Textgruppenbildungen unterschiedlichen Allgemeinheitsgrades, die diachron und synchron in Opposition zueinander stehen". Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft, gemeinsam mit Harald Fricke und anderen hg. v. Klaus Weimar, Berlin / New York 1997, Bd. 1, 651-655, hier 651. Der Begriff 'Textsorte' wird als der dem literaturwissenschaftlichen Terminus 'Gattung' in etwa entsprechende linguistische Terminus verwendet. Vgl. Winfried Ulrich: Linguistische Grundbegriffe, Wörterbuch, 5. völlig neu bearb. Aufl., Berlin / Stuttgart 2002, 299.

[9] Krusenstjern: Selbstzeugnisse (wie Anm. 3), 464.

[10] Die von der Historischen Anthropologie entwickelten Selbstzeugnis- bzw. Ego-Dokument-Konzepte sehen bei allen ihren Vorzügen gegenüber der Literaturwissenschaft, die die betreffenden Textsorten, besonders den hier vorliegenden Tagebuchtyp, immer noch entweder ignoriert oder marginalisiert (s. auch Anm. 12), über die Bedeutung ihrer textlichen Verfasstheit für ihren Quellenwert völlig hinweg. Darauf weist auch Helga Meise in der Einleitung zu ihrer grundlegenden Studie (vgl. Anm. 14, 18ff.) hin.

[11] Vgl. z.B. das Material bei Marianne Beyer-Fröhlich (Hg.): Deutsche Selbstzeugnisse, 9 Bde., Leipzig 1930 (frühneuzeitliche Texte in den Bänden IV-VII). Die meisten der hier abgedruckten Texte sind der Textsorte Lebensbeschreibung zuzurechnen, was allerdings nichts über die etwa größere Verbreitung dieser Textsorte aussagt, sondern mehr über das Auswahlprinzip: Diese auf Grund ihrer narrativen Gestalt weniger spröden Texte hielt man wohl auch inhaltlich für reichhaltiger. Beispiele für den Tagebuchtyp in dieser Sammlung sind die Aufzeichnungen von Lucas Rem (Bd. IV, 181ff.), Siegmund Freiherr von Herberstein (Bd. IV, 154ff.), Sebastian Schertlin von Burtenbach (Bd. V, 163ff.). Sonst etwa die Notizen des Johannes Rosa, in: Die Chroniken von Friedberg in der Wetterau, hg. v. Christian Waas, Bd. 1., Friedberg 1937, 151ff.; Clamor Eberhard von dem Bussche, veröff. v. Karl-Egbert Schultze, in: Archiv für Sippenforschung mit praktischer Forschungshilfe 29 / 30 (1963-1964), 375ff.; Bruchstück eines Tagebuches aus der Zeit des 30jährigen Krieges, veröff. v. Rudolf Lehmann, in: Neues Archiv für Sächsische Geschichte und Altertumskunde 40, Dresden 1919, 171ff.

[12] In der literaturwissenschaftlichen Forschung wird der hier gemeinte Tagebuchtyp, wenn nicht gänzlich ignoriert, so doch als ästhetisch irrelevant marginalisiert und zu einer unentwickelten Form des 'eigentlichen' autobiographischen Textes erklärt, der sich im 18. Jahrhundert als Modell der Gattung etabliert. Das in Inhalt und Form davon abweichende frühneuzeitliche Tagebuch wird von dieser Stufe aus als "Vorform" des "wirklichen Tagebuches" oder "literarischen Tagebuches" abgewertet, etwa bei Ralph-Rainer Wuthenow: Europäische Tagebücher. Eigenart, Formen, Entwicklung, Darmstadt 1990, 12. Demgegenüber ermöglicht das Selbstzeugnis-Konzept eine von ästhetischen Bewertungen unabhängige Betrachtung von Texten.

[13] Edition der im Thüringischen Staatsarchiv Gotha handschriftlich überlieferten Jahrgänge: Friedrich I. von Sachsen-Gotha und Altenburg. Die Tagebücher 1667-1686, Bd. 1: 1667-1677, Bd. 2: 1678-1686, Bd. 3: Kommentar und Register, bearbeitet von Roswitha Jacobsen unter Mitarbeit von Juliane Brandsch, Weimar 1998, 2000, 2003 (Veröffentlichungen aus Thüringischen Staatsarchiven 4/1; 4/2; 4/3).

[14] Grundsätzlich zu Schreibkalendern als Trägern handschriftlicher Texte unter anderem des hier gemeinten Typs vgl. Helga Meise: Das archivierte Ich. Schreibkalender und höfische Repräsentation in Hessen-Darmstadt 1624-1790, Darmstadt 2002.

[15] Diarium Vitae Meae Ab Anno 1646 Usque Ad Annum 1684. FHzSachsen. (Handschrift) Thüringisches Staatsarchiv Gotha, Geheimes Archiv, E.XI.I, Bll. 43r-73r.

[16] Die Wochentage sind durch Planetenzeichen ausgedrückt, hier das Zeichen für Jupiter.

[17] Roman von Johann Beer, Titel zitiert nach der Ausgabe v. Ferdinand van Ingen und Hans-Gert Roloff (Hg.): Johann Beer: Sämtliche Werke, Bd. 7, Teutsche Winternächte, Bern und andere 1994.

[18] Vgl. z.B. Volker Meid: Der deutsche Barockroman, Stuttgart 1974.

[19] Die neuere Autobiografieforschung betont die strukturelle Ununterscheidbarkeit von vermeintlich 'faktualen' und fiktionalen autobiografischen Texten. Vgl. z.B. Finck und Wagner-Egelhaaf: Autobiographie (wie Anm. 7).

[20] Die in geschwungenen Klammern stehenden Wörter sind Korrekturen des Autors (in der Handschrift durchgestrichen).

[21] Wörter in spitzen Klammern bezeichnen die Einfügungen, die der Autor nachträglich vorgenommen hat.

[22] Zu berücksichtigen ist hier allerdings auch die wohl noch wirkende adlige Abgrenzung von Gelehrtheit als nicht standesgemäßem Attribut. Herzog Friedrichs Fertigkeit als Textproduzent ist erkennbar z. B. beim Vergleich mit Tagebuchnotizen des Prinzen Friedrich August, des späteren Kurfürsten von Sachsen und Königs von Polen, vgl. Katrin Keller (Hg.): "Mein Herr befindet sich gottlob gesund und wohl". Sächsische Prinzen auf Reisen. Leipzig 1994 (= Deutsch-Französische Kulturbibliothek 3), 388f.

[23] Die Aktivitäten der FG waren mit dem Tod des dritten Oberhauptes Herzog August von S.-Weißenfels, Friedrichs Schwiegervater, im Jahre 1680 eingeschlafen.

[24] Zum Vergleich: Bei Eduard Vehse wie auch bei August Beck, dem Biographen der gothaischen Herzöge, gilt Herzog Friedrich als "Verschwender", der "französische Sitten" am Hof einführte. Vgl. Friedrich I. von Sachsen-Gotha und Altenburg (wie Anm. 13). Einleitung. Bd. 1, 21f.

[25] Wie Anm. 21.

[26] Zur repraesentatio maiestatis in den Schreibkalendern der Landgrafen von Hessen-Darmstadt vgl. Meise: Das archivierte Ich (wie Anm. 14), 83ff., 294ff.

[27] Nach einem ersten Ansatz im Januar 1667, der bereits im April wieder unterbrochen wird, vgl. Friedrich I. von Sachsen-Gotha und Altenburg: Tagebücher (wie Anm. 13). Bd. 1, 33f.

[28] Überliefert sind allerdings nur die Jahrgänge bis 1686. Dass weitere 5 Schreibkalender existiert haben, lässt sich aufgrund von Indizien vermuten, bisher aber nicht dokumentarisch belegen.

[29] Wie Anm. 16.

[30] Das Zeichen nach dem Wochentagszeichen verschlüsselt den Sachverhalt 'eheliche Kohibitation'.

[31] Nota bene (Merke wohl! – Wichtigkeitshinweis).

[32] Allerdings zeigt sich gerade an der Form der Einträge und an der Art der notierten Informationen, dass der Verfasser nicht beliebig über den Text verfügt. Selbst ein solcher ästhetisch anspruchsloser Text schreibt sich nicht 'von allein'. Die endgültige Form muss erst erarbeitet werden. Vgl. Einleitung. In: Friedrich von Sachsen-Gotha und Altenburg: Tagebücher (wie Anm. 13). Bd. 1, 35f.

[33] Ebd. Bd. 1, 36f.

[34] Zur Unterscheidung von "implizite(m) Selbst" und "explizite(m) Selbst", vgl. Krusenstjern: Selbstzeugnisse (wie Anm. 3), 463.

[35] Eintrag vom 4. März 1686. Friedrich I. von Sachsen-Gotha und Altenburg: Tagebücher (wie Anm. 13). Bd. 2, 430.

[36] Wuthenow: Europäische Tagebücher (wie Anm. 12), 1.

[37] In Ichtershausen residiert von 1676 bis 1680 Friedrichs Bruder Bernhard mit seiner Familie. Bernhards Gemahlin Maria Hedwig aus dem Hause Hessen-Darmstadt war 3 Monate vorher mit dem vierten Kind, einer Tochter, niedergekommen.

[38] Wolfgang Brückner: Begriff und Theorie von Volkskultur für das 17. Jahrhundert, in: Literatur und Volk im 17. Jahrhundert. Probleme populärer Kultur in Deutschland, hg. v. Wolfgang Brückner, Peter Blickle und Dieter Breuer, 2 Teile, Wiesbaden 1985, Teil 1, 3-21, hier 16.

Empfohlene Zitierweise:

Roswitha Jacobsen : Tagebuch und Lebensbeschreibung Herzog Friedrichs I. von Sachsen-Gotha-Altenburg. Zur textuellen Verfasstheit höfischer Selbstzeugnisse , in: zeitenblicke 4 (2005), Nr. 2, [2005-06-28], URL: http://www.zeitenblicke.de/2005/2/Jacobsen/index_html, URN: urn:nbn:de:0009-9-1356

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