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Dipl.Kfm. Dr. Gisbert von Abercron

geb. 05.09.1950 verheiratet, 3 Kinder

Nach dem Abitur Universitätsstudium der Betriebswirtschaftslehre Universität Köln. Promotionsstudium Universität Bonn und Keszthely, Ungarn.

Langjährige geschäftsführende Tätigkeit in einem Wirtschafts-
prüfungsunternehmen.

Gründer und Mitinhaber einer Steuerberatungs-
gesellschaft.

Gründer und Mitinhaber einer Consultinggesellschaft für die Entwicklung und den Betrieb von Sozialimmobilien.

Seit 1976 Entwicklung und Verwaltung des Familiensitzes Schloss Frens, Bergheim.

Gesprächspartner
 

 

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Herr Kaiser: Wenn Historiker über Adel reden, denken sie zunächst an die Geschichte der großen Häuser wie die der Wittelsbacher, der Welfen oder der Hohenzollern. Die von Abercron sind nicht so bekannt. Können Sie uns etwas über Ihre Familie berichten?

Herr von Abercron: Zunächst einmal bleibt festzuhalten, dass die Familie von Abercron historisch gesehen gar nicht hierher ins Rheinland gehört. Die Ursprünge unserer Familie liegen in Schottland. Die Abercrombies hatten ihren Familienstammsitz 'Forglenhouse' in der ehemaligen Grafschaft Aberdeen, der auch heute noch existiert. Im 16. Jahrhundert, d.h. in der Zeit der Königinnen Mary Stuart und Elizabeth, waren die Abercrombies als Schotten natürlich große Anhänger von Mary Stuart. Sie konnten daher nicht in ihren Stammlanden bleiben und mussten ins Exil gehen. Zwei Brüder sind nach Dänemark geflohen, von dort aus lässt sich die weitere Entwicklung der Familie über Polen wieder zurück nach Dänemark und schließlich nach Deutschland nachvollziehen.

Die Besonderheit bei den deutschen Abercrons besteht nun darin, dass es zwei Linien gibt, eine evangelische und eine katholische. Zunächst war meine Familie in der Mark Brandenburg ansässig gewesen, doch diese Besitzungen sind nach dem Zweiten Weltkrieg verloren gegangen. Meine Großmutter, Gisela von Abercron, ist kurz vor Ende des Krieges geflohen und hier im Rheinland ansässig geworden. Nachdem die drei Brüder meiner Mutter, einer geborenen Gräfin Beissel von Gymnich, im Krieg gefallen waren, hat sich meine Mutter bereit erklärt diesen Besitz fortzuführen. Das ist überhaupt der Grund, warum wir hier in Frens sitzen. Und damit wurde auch die Linie Abercron hier im Rheinland gegründet.

Wir sind der erste katholische Zweig im Rheinland. Der evangelische Zweig lebt auf drei Besitzungen in Schleswig-Holstein, die heute durch meine Generation bewirtschaftet werden.

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Herr Kaiser: Wie kam es zu der Aufspaltung in einen evangelischen und einen katholischen Zweig?

Frau von Abercron: Indem ich einen Abercron geheiratet habe. Ich bin katholisch, er war evangelisch, aber wir haben uns geeinigt, dass die Kinder alle katholisch werden. So wurde der katholische Zweig der Familie begründet.

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Herr Kaiser: Das hört sich nun sehr einfach und konfliktfrei an.

Olga von Abercron: Tatsächlich war die Großmutter meines Mannes ziemlich entsetzt darüber. Eigentlich hat ihr das gar nicht gepasst, obwohl sie mich sehr, sehr gerne mochte. Als wir 1944 in Friedeberg in Brandenburg geheiratet haben, war dies natürlich eine katholische Trauung. Aber am Nachmittag kam dann ein evangelischer Herr noch einmal zu uns ins Haus. Da hat sie verlangt, dass wir noch einmal, nämlich evangelisch getraut werden. Ihr Mann, also der Großvater meines Mannes, hat noch auf seinen Grabstein schreiben lassen: "Rom zum Trutz".

Herr von Abercron: Hier sollte man aber noch ergänzen, dass wir zwar alle katholisch getauft wurden, aber in einer ökumenischen Familie aufgewachsen sind. Diese Ökumene ist eben doch sehr stark von meinem Vater vorgelebt worden.

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Herr Kaiser: Man kann aber sagen, dass die Familie Abercron in voller Blüte steht?

Herr von Abercron: Gerade die katholische Linie ist sehr kinderreich. Meine Mutter hat neun Kinder zur Welt gebracht und aufgezogen: sieben Söhne und zwei Mädels. Die evangelische Familienseite in Norddeutschland ist nicht ganz so sehr mit Kindern gesegnet.

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Herr Kaiser: Jetzt reden wir schon eine ganze Zeit über Ihre Familie. Für einen Historiker ist es nicht ungewöhnlich, sich mit Dynastien oder Adelshäuser zu beschäftigen. Dabei ist es für ihn meist eine sehr unpersönliche Sache, weil er eigentlich mit den Leuten selbst nichts zu tun hat. Doch wenn jetzt auf einmal Ihre Familie im Mittelpunkt steht, ist dies eine neue Situation. Ist dies für Sie, wenn ich ganz offen fragen darf, nicht unangenehm? In gewisser Weise sind Sie ja in diesem Augenblicke selbst Objekte der historischen Betrachtung.

Herr von Abercron: Nein, das finde ich gar nicht unangenehm. Im Gegenteil, es erscheint mir sehr wichtig, sich grundsätzlich darüber klar zu werden, warum man sich öffnet und in der Öffentlichkeit darstellt. Wir sind ja in der glücklichen Situation, in einer Tradition fortleben zu dürfen und damit auch fortführen zu können, was uns überliefert worden ist. Genau das soll auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Früher war der Adel in gewisser Weise immer einer öffentlichen Situation ausgesetzt. Er hat sich öffentlich engagiert, er hatte Ämter inne und nahm öffentliche Aufgaben wahr. Diese Dinge sollten auch in der heutigen Zeit fortgeführt werden. Es ist einfach ein Teilaspekt der Traditionen.

Dabei muss man schon sehen, dass man heute eben anders mit der Öffentlichkeit umgeht. Zur Zeit meiner Großmutter wäre es sicher nicht möglich gewesen wäre, ein solches Interview zu führen. Meine Großmutter hätte große Bedenken gehabt ihre Meinung kundzutun oder einen Einblick in ihr Privatleben zu gewähren.

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Olga von Abercron: Es hat sich so viel geändert. Ich finde es daher richtig, wenn das, was sich heute noch erhalten hat, auch ein bisschen der Öffentlichkeit erklärt wird.

Hinzu kommt durchaus eine gewisse Voreingenommenheit gegenüber dem Adel. Das sind übrigens Probleme, wie sie vor einiger Zeit noch die Kinder in der Schule erfahren haben. Da reichte es, einen adligen Namen zu haben. Beim "von" hieß es dann gleich: "Du bist was Besseres, nicht?" Wir sind und fühlen uns nicht als privilegierte Menschen. Im Gegenteil: Adel verpflichtet! Und das durchzuhalten, ist zum Teil durchaus schwierig.

Herr von Abercron: Ich kann dem nur beipflichten: Auch heute noch tragen besonders die Mitglieder adeliger Familien eine hohe Verantwortung bei der Erhaltung und zeitgemäßen Weiterentwicklung von Traditionen und Werten in unserer Gesellschaft. Vor allem muss man dazu beitragen, dass das Bild des Adels in der Öffentlichkeit klar gerückt wird. Was die Medien darstellen, erscheint mir oftmals zu verklärt. Wir wollen also einen Beitrag zur Aufklärung in der Öffentlichkeit leisten. Vor allem wollen wir damit Verständnis erwirken und gegebenenfalls auch Unterstützung bekommen bei der Fortführung der von uns übernommenen Verpflichtungen und Aufgaben, vor allem auch bei der Fortführung des Unterhaltes eines solchen Besitzes.

Abb. 1 – Gisbert von Abercron
im Gespräch mit Michael Kaiser

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Herr Kaiser: Das Wort "Öffentlichkeit" finde ich bemerkenswert, gerade auch in Kombination mit der Begriff der Verpflichtung. Denn hier zeigt sich eine bemerkenswerte neue Einstellung. Friedrich der Große hat einmal sinngemäß festgestellt, er wolle nicht, dass hundert Jahre nach seinem Ableben irgendein Archivar in seinen Papieren wühlt. Hier wird die Abneigung spürbar, dass das Private, auch das Private eines Adeligen, irgendwie öffentlich gemacht wird. So wie Sie es darstellen, haben Sie eine ganz andere Einstellung.

Olga von Abercron: Ja, die haben wir auch. Es darf nie dazu führen, dass man sich abkapselt und sich einbildet, ich habe hier einen Besitz und kann hier wunderbar leben. Wir sind ja ein Teil der Gesellschaft; dazu müssen wir uns einfach auch bekennen. Dazu gehört auch, anderen Menschen zu zeigen und sie daran teilhaben zu lassen, was wir nun mal ererbt haben. Wir machen hier manchmal Führungen, sehr oft kommen auch Kinder und Jugendliche, die sich freuen, wenn man ihnen das zeigt.

Herr von Abercron: Ich möchte noch einmal das Stichwort der Verpflichtung aufgreifen. Wir sehen uns als ganz normale Bürger dieses Staates, mit Rechten und Pflichten wie jeder andere auch. Hinzu kommt aber die Verpflichtung, dass wir uns bereit erklärt haben, etwas fortzuführen, was die Vorfahren überliefert haben. Das können praktische Dinge sein oder bestimmte Einstellungen und Verhaltensweisen, dass man bestimmte Regeln beachtet.

Indem wir uns öffnen und die Öffentlichkeit in unsere persönliche Lebenssituation hinein schauen lassen, möchten wir Verständnis für das wecken, was wir heute unter Adel verstehen. Und dieser Begriff Adel hat sich natürlich aus der Geschichte heraus entwickelt, er steht heute in Verbindung mit Besitz, Verantwortung, Tradition und all diesen Begriffen. Das ist im Prinzip alles richtig, darf aber nicht verklärt gesehen wird, sondern muss eingeordnet werden in die heutige Situation.

Dagegen führt das, was heutzutage teilweise von den Medien gemacht wird, nur dazu, dass die Menschen unreflektiert in eine adlige Welt hineingeführt werden, die gar nicht existiert. Uns aber geht es darum, dass wir vielmehr eine sachlich begründete, fundierte und historisch aufbereitete Rückschau bieten, die für jedermann heutzutage verständlich ist, ohne zu verklären.

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Herr Kaiser: Sie distanzieren sich also von dem, was etwa die Regenbogenpresse zum Thema Adel zu sagen hat und daraus macht. Ist das, was man dort findet, ein anderer Adel, ist das überhaupt noch Adel, oder ist das ein Medien-Adel? Sie wollen an dem Punkt sicher Unterschiede festmachen.

Herr von Abercron: Ja, Sie haben vollkommen recht, wir wollen ganz bewusst eine Unterscheidung machen. Uns stört es zu sehen, wie die Medien, seien es nun die Printmedien, sei es das Fernsehen, die Realität völlig verkehrt darstellen und vor allem nur eine Fassade abbilden, hinter der die Realität ganz anders aussieht. Unsere Aufgabe besteht darin, gegen die Darstellung der Regenbogenpresse, wie Sie es richtig nennen, Fakten zu setzen, die nicht nur oberflächlich sind.

Oftmals erscheint als Motiv für die Darstellung der adligen Welt in den Medien viel weniger der Aspekt der Tradition als vielmehr das reine Geltungsbedürfnis – jedenfalls kommt es mir so vor. So etwas hat es immer gegeben, angefangen bei Fürsten, die in Saus und Braus gelebt haben. Aber in der heutigen Zeit ist das einfach nicht mehr angebracht. Wir sollten also wesentlich sachlicher und ernster mit der Frage auseinandersetzen, was heute aus dem Überlieferten zu machen ist: Welche Vorteile können wir daraus ziehen, welche Verpflichtungen haben wir damit übernommen?

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Herr Kaiser: Es geht Ihnen also an dem Punkt um standesgemäßes, sprich adelsgemäßes Verhalten?

Herr von Abercron: Natürlich hat der Adel aus der geschichtlichen Entwicklung heraus immer eine gewisse Vorbildfunktion gehabt. So sind wir auch erzogen worden.

Diese Vorbildfunktion liegt sicher immer noch beim Adel, aber auch bei jedem Manager in einem Unternehmen, jeder Vorgesetzte hat eine Vorbildfunktion und muss eine Vorbildrolle übernehmen. Für den Adel kommt aber als zusätzlicher Aspekt die historisch gewachsene Situation hinzu. Dazu gehört als Aufgabe die Fortführung einer solchen Liegenschaft, eines solches Hauses, die Fortführung der Familientradition. Damit verbindet man automatisch gewisse Verhaltensregeln, auch was das Auftreten in der Öffentlichkeit angeht. Vielfach treten aber für mich nicht akzeptable Verhaltensweisen an die Öffentlichkeit. Ein solches Verhalten ist vor allem nicht im Sinne der Vorfahren, die ihren Status überwiegend durch Leistung und nicht durch Zufall errungen haben. Hier könnte ich mir vorstellen, dass sich die Vorfahren, wenn sie mitbekämen, wie sich ihre Nachfahren heute in der Öffentlichkeit verhalten und darstellen, im Grabe herumdrehen würden. Es gibt eben gewisse Grundregeln, die ich einfach auch mit Blick auf die Vorfahren und die Tradition zu respektieren habe.

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Herr Kaiser: Was sind denn das für spezifisch adlige Eigenheiten, die Sie als vorbildhaft benennen würden?

Olga von Abercron Das ist zunächst einmal ein gewisses Benehmen. Man lässt sich nicht einfach gehen, man hat eine gewisse Haltung zu bewahren. Es fängt schon bei den Essensmanieren an, dass sich nicht einfach auf den Tisch gelehnt wird, dass man das Messer nicht in den Mund nimmt oder ähnliche Verhaltensweisen.. Dasselbe gilt für das Benehmen in der Öffentlichkeit. Es dürfte gar nicht vorkommen, dass jemand aus unseren Kreisen sich in der Öffentlichkeit prügelt. So etwas geht einfach nicht. Das ist tabu, so etwas macht man nicht.

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Herr Kaiser: Ist es denn heutzutage schwieriger, diese Haltung zu realisieren und zu bewahren – also in seinem Benehmen adelig zu sein?

Olga von Abercron: Dass müsste eigentlich die Jugend besser beantworten können. Ich für meinen Teil sehe sehr wohl, dass es schwierig ist, den Enkelkindern Verständnis für solch eine Haltung beizubringen und ihnen auch zu erklären , warum sie eine bestimmte Haltung zu wahren und zu verinnerlichen haben.

Herr von Abercron: Gerade bei der Erziehung meiner Kinder spielt die Frage eine große Rolle, was es überhaupt heißt, in der heutigen Zeit adelig zu leben. Damit verbinde ich eine Lebenshaltung und eine Einstellung zum praktischen Leben, die immer wieder rückgekoppelt ist an die Frage nach der Sinnhaftigkeit bestimmter Verhaltensweisen. Wenn dem Adel auch heute noch eine gewisse Vorbildfunktion zukommen soll, muss man sich fragen, was dieses Vorbild-Sein konkret heißen soll. In meinen Augen kann Vorbild-Sein nur bedeuten, auch zurückzustecken, d.h. besondere Dinge nicht in Anspruch zu nehmen.

Eine grundlegende Bedeutung hat hier der Begriff der Verantwortung. Wenn früher der Adel an Besitz gebunden war, bedeutete dies immer auch enorme Verpflichtungen. Für die Menschen, die zu diesem Besitz gehörten, musste gesorgt werde. Das ist heute zwar anders, aber es spiegelt sich sicher in dem sozialen Engagement wider, das in vielen Adelsfamilien selbstverständlich ist. Gerade in den großen Hilfsorganisationen treffen sie viele Adlige, die dort ehrenamtlich, nachhaltig ehrenamtlich tätig sind, eben weil das einfach selbstverständlich ist. Dieses Gefühl für Verantwortung für die Mitmenschen ist ein wichtiger Teilaspekt adligen Verhaltens und muss als Teil der Tradition auf die nächste Generation übertragen werden.

Zum Verhalten in der Öffentlichkeit und zum Vorbildcharakter will ich noch etwas hinzufügen. Es muss keineswegs so sein, dass man als Adeliger nun unbedingt öffentlich im Mittelpunkt stehen muss. Das ist Teil der Vorbildfunktion. Wenn jemand aber vorne stehen möchte und vorne steht, dann hat er einfach in respektvoller Art und Weise mit seinem Publikum umzugehen. Selbstverständlich gehört es auch dazu, dass man, wenn man diese Traditionen übernommen hat und mit Leben erfüllen will, auch in der Öffentlichkeit darauf hinweist.

Abb. 2 – Gisbert von Abercron
im Gespräch mit Michael Kaiser

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Herr Kaiser: Vom Begriff des Vorbilds ist der Weg nicht weit zu dem der Elite. Hierbei handelt es sich auch um einen historischen Begriff, mit dem auch eine historische soziale Gruppe bezeichnet werden kann. Nicht ausschließlich, aber meist ist der Adel damit angesprochen worden, und noch vor einigen Jahren ist der Begriff der Elite in der öffentlichen Diskussion ein Kampfbegriff gewesen. Wie gehen Sie heute mit dem Begriff der Elite um? Ist das eine Kategorie, die Sie ablehnen oder mit der Sie noch etwas anfangen können, die in Ihren Augen auch positiv besetzt ist?

Herr von Abercron: Ich sehe den Begriff Elite zunächst einmal positiv. Dabei würde ich ihn wieder mit dem Begriff des Vorbilds in Verbindung bringen. Elitäre Entwicklung, elitäres Verhalten, elitäres Verständnis kann nur dann richtig sein, wenn es wirklich bedeutet, Vorbild zu sein und besser zu sein, aber im positiven Sinne für die Allgemeinheit. Wenn ich also meinen Kindern versuche nahe zu bringen, dass es richtig ist, sich anzustrengen in der Schule, im Studium und im Beruf, dass sie eine Position erreichen, in der sie Verantwortung übernehmen können, in der sie sicherlich durch ihre persönliche Leistung ihre Chance haben, heißt dies noch lange nicht, dass sie sich als etwas Besseres fühlen dürfen. Wenn sie eine stärkere Leistung erbringen, haben sie sicher einen Anspruch darauf, den einen oder anderen Vorteil zu erlangen. Aber sie haben keineswegs ein Anrecht darauf, sich elitär zu sehen, sich abzuheben und mit Arroganz auf andere herabzuschauen.

Olga von Abercron: Man ist nichts Besseres, man ist anders. Wir leben irgendwie anders seit Generationen. Aber das hat mit "besser" oder "schlechter" gar nichts zu tun!

Herr von Abercron: Es ist durchaus auch möglich , dass sich für Sie, wenn sie aus einem Adelsgeschlecht kommen und sich um einen Arbeitsplatz oder ein Praktikum bewerben, die Türen leichter öffnen. Ich persönlich bin überzeugt und habe dies auch meinen Kindern immer klar zu machen versucht, dass sich diese Türen nicht öffnen, weil man das Wörtchen "von" vor seinem Namen hat. Dies hat vielleicht sogar zunächst einmal weniger mit den Fachkenntnissen zu tun, sondern es ist der Mensch, die Person, die Einstellung und eine Verhaltensweise, die zum Tragen kommen.

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Herr Kaiser: Wenn wir jetzt von den Vorteilen sprechen, die der Adel beispielsweise bei der Berufswahl oder Stellensuche in die Waagschale werfen kann, möchte ich nachfragen, ob Sie über gewisse Vorteile hinaus nicht eine gewisse Privilegierung darin sehen, adelig zu sein. Man kann heute sicher nicht von Privilegien in der Weise sprechen, dass man wie in der Vormoderne verbriefte Rechte besitzt, die die Jagd erlaubten oder von Steuern befreiten. Aber gibt es nicht auch heute Vorteile, die Adlige in gewissen Situationen quasi-privilegiert?

Herr von Abercron: Nein, der Adel ist meines Erachtens heute noch viel mehr in der Verpflichtung, sich Privilegien selbst zu erarbeiten. Man kann sich eben nicht auf den von den Vorfahren erarbeiteten Vorteilen, wenn man darunter die Privilegien verstehen wollte, ausruhen. Wie jeder andere Bürger auch muss ich mir über Leistung Vorteile verschaffen. Dann darf ich sie auch nutzen. Ich kann nicht hingehen und sagen, weil ich adelig bin, reklamiere ich bestimmte Privilegien für mich. Wer das tut, hat auch kein rechtes Verständnis von der adligen Tradition.

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Herr Kaiser: Wir haben jetzt sehr stark auf Fragen der Haltung abgehoben, auf innere Werte, entsprechende Verhaltensmuster und Geisteshaltungen rekurriert. Man kann das vielleicht als "inneren" Adel bezeichnen. Wenn wir jetzt auf die äußere Lebenssituation zu sprechen kommen, können Sie da Spezifika benennen, die sie als adelig bezeichnen? Was macht überhaupt adeliges Leben in der heutigen Zeit aus?

Herr von Abercron: Es ist schon ein Glück – anders kann man es nicht bezeichnen –, in einem solchen Hause wohnen zu können, das natürlich auch mit Adel verbunden ist. Sicherlich wird man feststellen, dass Menschen aus adeligen Häusern im Umgang miteinander oftmals eine gehörige Portion Höflichkeit an den Tag legen. Es gibt gewisse Anstands- oder Benimmregeln, die als Zurückhaltung oder vielleicht als besondere Höflichkeit empfunden werden, aber es ist einfach die Frage des Umgangs miteinander. Darauf legen wir natürlich sehr großen Wert, und das prägt auch die Erziehung der Kinder.

Und so gibt es einfach bestimmte Verhaltensweisen, wozu auch gehört, dass man sich untereinander hilft. Im übrigen ist das eine Besonderheit, die ich auch bei der Jugend sehe. Das wird tatsächlich auch heute noch gelebt und ist sicherlich ein Ausdruck des adeligen Verhaltens in der heutigen Zeit.

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Herr Kaiser: Kommt hier eine allgemeine Hilfsbereitschaft zum Ausdruck oder ist dies eine Form von Solidarität, von adliger Solidarität vielleicht?

Herr von Abercron: Sicherlich spielt die allgemeine Hilfsbereitschaft eine Rolle, sie ist eine Selbstverständlichkeit. Aber der Aspekt der Solidarität, begrenzt auf die Angehörigen von Adelsfamilien, ist nicht zu unterschätzen. Man sieht es auch daran, dass die Adeligen untereinander, wenn sie wissen, die gehören zu der oder jener Familie, völlig unkompliziert und offen miteinander umgehen. Das ist tatsächlich so –warum das so ist, kann ich nicht sagen. Natürlich ist das auch ein Teilaspekt des solidarischen Verhaltens.

Das fängt im übrigen schon sehr früh an, indem Adelsfamilien untereinander heute noch Aktivitäten starten für die Jugend und ganz bewusst die Jugend nur aus adeligen Kreisen zusammenführen. Es gibt da sehr konservative eingestellte Organisatoren, die es nicht akzeptieren, wenn Kinder aus teiladeligen Familien hinkommen und bei solchen Aktivitäten mitmachen. Mir geht das persönlich zu weit, aber es gibt diese Ausprägungen solcher Solidarität.

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Herr Kaiser: Wenn man, wie von Ihnen beschrieben, volladelig unter sich bleiben möchte, wäre dies auch ein Indiz für deutliche Abschlusstendenzen des heutigen Adels nach außen.

Herr von Abercron: Absolut richtig, das kann man so sehen. Interessanterweise wird es von der kommenden Generation voll akzeptiert. Sie genießt das und findet es sicherlich auch in gewisser elitärer Hinsicht in Ordnung. Das ist übrigens deutlich anders als zu meiner Jugendzeit, in der das undenkbar gewesen wäre.

Heute erfährt das Adlige eine neue Lebendigkeit. Es ist schon gewollt, durch solche Aktionen die mit Inhalt gefüllte Tradition weiterzugeben. Es scheint auch so zu sein, dass die junge Generation das geradezu sucht.

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Herr Kaiser: Gibt es denn noch spezifische adelige Lebensinhalte oder Lebensformen? Wie sieht es mit der Jagd aus, die ja früher sehr typisch für den Adel war?

Herr von Abercron: Natürlich hat die Jagd immer noch eine relativ große Bedeutung. Aber es gibt viele Adelige, die heute gar keine Möglichkeit mehr haben, jagen zu gehen, während sich bürgerliche Familien aufgrund ihrer finanziellen Situation das Jagen sehr wohl leisten können.

Aber viel wichtiger bleibt meiner Meinung nach die geistige Auseinandersetzung mit Religion und Kultur. Wenn wir uns mit der Frage auseinandersetzen, was denn Adel heutzutage überhaupt heißt, stellt sich auch die Frage, wie wir beispielsweise zur Kirche stehen. Auch die Rolle des Adels innerhalb der Kirche ist hierbei von Bedeutung. Auch ist hier immer wieder zu fragen, wie ich solche Traditionen mit der heutigen Lebensart und Lebensweise vereinbaren kann.

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Herr Kaiser: Ein anderer Lebensbereich, in dem der Adel früher sehr stark aktiv war, war das Militär. Der Adel verstand sich als Wehrstand. Spielt das auch im heutigen Selbstverständnis noch eine Rolle?

Herr von Abercron: Heute wird eine gewisse Grundverpflichtung zum Militärdienst schon empfunden, da wirken alte Traditionen noch nach. Allerdings darf man einfach nicht verkennen, dass die heutige Generation einfach aufgeklärter ist, auch wenn diese Einstellung mit dem Aspekt der Pflicht dem Vaterland gegenüber in Einklang zu bringen ist.

Ich kann nur für meine Familie sagen, dass wir selbstverständlich zum Militär gehen. Wenn meine Söhne den Wehrdienst verweigert hätten, hätte es sicher respektvolle Diskussionen dazu gegeben, aber ich hätte mich sehr schwer getan, das zu akzeptieren. Ich bin einfach der Meinung, dass der Wehrdienst zu den ganz normalen Pflichten eines Bürgers gehört.

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Herr Kaiser: Sie haben das Stichwort Vaterland aufgeworfen. Man kann sich fragen, was unter Vaterland zu verstehen ist. Adelige Existenz ist ja auch immer raumgebunden gewesen. Gemäß Ihrer Familiengeschichte spielten früher Schottland, Dänemark und Polen eine große Rolle. Jetzt leben Abercrons in Holstein, Sie haben Ihren Stammsitz und Lebensmittelpunkt im Rheinland. Spielt der regionale Bezug eine besondere Rolle oder ist eher Deutschland der Bezugspunkt?

Herr von Abercron: Grund und Boden ist ein Kernaspekt der Ausrichtung des Denkens in vielen Familien. Aber bei der regionalen Bindung geht es auch darum, dass sie in eine Nation eingebunden ist. Das ist Deutschland. Darüber hinaus fühle ich mich heute als Europäer, habe aber eine sehr, sehr starke Bindung zur Region.

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Herr Kaiser: Gibt es da eine besondere Verwurzelung in einer bestimmten Region? Und gibt es noch Bezüge zu Brandenburg, wo Sie, wie Sie sagten, auch familiäre Wurzeln haben?

Herr von Abercron: Tatsächlich habe ich eine innere Bindung zu dem ursprünglichen Lebensmittelpunkt meiner Familie, nämlich Mark Brandenburg. Ich habe auch Ostpreußen kennen gelernt und mich sehr intensiv mit der Materie befasst. Mich fasziniert die emotionale Bindung der Menschen an ihre ehemalige Heimat. Aber klarstellen will ich auch, dass wir niemandem etwas wegnehmen wollen. Vielmehr wollen wir heute diese Landschaft mitentwickeln. Das habe ich auch schon sehr lebendig erleben dürfen; es war für mich unglaublich beeindruckend und hat mich davon überzeugt, dass dies ein richtiger Weg ist.

Vor allem haben wir heute auch zu Schloss Frens eine starke innere Bindung, weil über viele Generationen hinweg die Familie meiner Mutter hier gewirkt hat und gelebt hat. Wir sitzen heute in Räumen, in denen meine Vorväter wie beispielsweise der erste Landrat des damaligen Kreises Bergheim, also mein Urgroßvater Verhandlungen geführt haben etc. Das spürt man irgendwo, wenn man sensibilisiert ist für diese Themen, dann spürt man die Historie, da spürt man die Mitverpflichtung. Das ist einfach etwas Besonderes, diese Chance zu haben, in gewachsenen Strukturen heute noch leben und wirken zu können.

Abb. 3 – Schloss Frens

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Herr Kaiser: Wie kommt es zu dieser starken regionalen Bindung, wie Sie sie sehr anschaulich beschreiben?

Herr von Abercron: Die Bindung an die Scholle gehört unbedingt dazu. Auch für andere Menschen bedeutet dies ja Sicherheit und Geborgenheit. Je ländlicher die Gegend, desto mehr spürt man die Bindung der Menschen zu ihrer Region. Für Adelsfamilien ist dies auch heute noch ein ganz, ganz wichtiger Aspekt. Auch wenn sich einige dieser Familien in kosmopolitischen Bezügen bewegen und vielleicht nicht mehr eine ganz so starke Bindung an ihren Grundbesitz verspüren, so gilt die Bindung an die ursprüngliche Region für das Gros der adeligen Familien immer noch. Man muss unterscheiden zwischen Landadel und Stadtadel. Wir fühlen uns als Landadel. Da ist die Denkweise schon etwas bodenständiger als in anderen Bereichen.

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Herr Kaiser: Wenn Sie Ihren Lebensmittelpunkt hier auf dem Land sehen, gibt es für Sie auch ein Leben in der Stadt? Oder passt dies nicht, weil es einfach eine andere Lebensform, vielleicht auch zu bürgerlich Lebensform ist?

Herr von Abercron: Eines der Besonderheiten der Adelshäuser ist ja, dass sie enorm viel Platz haben. Wenn Sie sich hier umschauen, sehen Sie uns auf einer Wohnfläche leben, die für andere gar nicht vorstellbar ist. Ich empfinde diese Dimensionen als völlig normal: Man kann sich daran gewöhnen!

Diese Wohnsituation kann mitunter sehr unbequem sein, gerade zur Winterzeit. Aber sie bedeutet auch so viel Bewegungsraum und so viel Freiheit. Heute ist es vielleicht nicht mehr so stark, aber in der Zeit der Eltern wurde noch nach Hektar gemessen. Und es gab überhaupt gar keine andere Denkweise, immer die Verbindung zum Grund und Boden und zum Gebäude. Und auf diese Weise wird man auch dazu verleitet, sich zumindest im Geiste etwas großzügiger mit allen möglichen Themen auseinander zu setzen.

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Herr Kaiser: Kennen Sie denn auch die andere Seite, also das Stadtleben?

Herr von Abercron: Ja, ich habe einige Zeit nicht hier gewohnt, aber ich könnte und wollte nicht tauschen, weil ich in der Stadt das Gefühl hätte, ich verliere die Bindung zum Boden. Das Stadtleben ist mir zu abstrakt. Übrigens sehe ich auch, dass bei der nächsten Generation diese Bindung sehr lebendig ist. Das ist also ein Teilaspekt des Lebens, den die Jugend in ähnlicher Form empfindet und nicht missen will.

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Herr Kaiser: Neben dem Landleben und der starken Verwurzelungen in einer Region klang auch schon der europäische, ja weltweite Bezug adligen Lebens an. Ich möchte Sie fragen, inwieweit solche adeligen Verflechtungen über die Region hinaus eine Rolle spielen. Gibt es soziale Verbindungen über die Region hinaus, vielleicht sogar europa- und weltweit?

Herr von Abercron: Ja, das spielt sogar mitunter eine wichtige Rolle. Der Adel hat schon immer die sozialen Kontakte untereinander sehr gepflegt. Das Reisen gehörte dazu, es war eine Selbstverständlichkeit. Dabei war die Generation der Eltern schon weltweit orientiert. Ein Teil der Familie meiner der Mutter lebt in Argentinien, ein Teil in Asien. Der Blick über den Weidezaun war einfach selbstverständlich – und das ist auch heute so. Meine Kinder bewegen sich, für mich teilweise unvorstellbar, überall auf der Welt, drei Wochen in China und vier Wochen in Amerika. Das unterstützen wir, weil wir es sehr wichtig finden. Dennoch bleibt die Bindung zur Scholle.

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Herr Kaiser: Wir haben bis jetzt vor allem aus der geschichtlichen Situation die Gegenwart beleuchtet. Nun möchte ich mit Ihnen in die Zukunft blicken und Sie nach der Zukunft des Adels fragen. Ich tue dies auch vor dem Hintergrund, dass sich der Adel, wenn ich das als Historiker sagen darf, auch über viele Epochen und Zeitumbrüche hinweg, immer als Überlebenskünstler erwiesen hat. Der Adel ist durch verschiedene Metamorphosen durchgegangen und wenn sich auch immer etwas verändert hat, so ist doch ein Kernbestand geblieben. Wo sehen Sie also Gefährdungen und Chancen für den Adel?

Herr von Abercron: Eine Chance in einer Gesellschaft, in der sich die Menschen immer mehr entfremden, ist die Bedeutung der Familie. Sie ist in Adelskreisen auch heute immer noch ein ganz wichtiges Thema. Meiner Meinung nach hat der Adel eine enorme Chance für die Zukunft, wenn diese Verhaltensregeln und Traditionen bewahrt werden und so ermöglicht wird, dass man gefestigter mit der Zukunft umzugehen weiß.

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Herr Kaiser: Welche Elemente adligen Lebens müssen bewahrt werden, was wird vielleicht wegfallen, wegfallen müssen?

Herr von Abercron: Das hängt auch mit wirtschaftlichen Gesichtspunkten zusammen. Inwieweit der Adel sich nach wie vor mit Besitz wird identifizieren können, ist schwierig abzuschätzen. Wenn ich sehe, wie viele Adelsfamilien heute ihren Besitz nicht mehr halten können, weil es finanziell nicht mehr tragbar ist, zeichnet sich eine enorme Veränderung ab. Trotz dieses Wandels muss dies aber noch lange keine Veränderung im Kopf bedeuten.

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Herr Kaiser: Womit wir wiederum bei den adligen Werten wären, die Sie im Gespräch immer stark betont haben. Welche würden Sie mit Blick auf die Zukunft für besonders wichtig erachten?

Herr von Abercron: Adlige Einstellungen unterliegen sicherlich auch dem Wandel. Gleichwohl kann eine Chance nach wie vor darin liegen, dass man Traditionen mit Leben füllt und vor allem entsprechende Verhaltensregeln bewahrt. Das bezieht sich auch auf das Verhalten bei Unternehmen und generell in der Wirtschaft.

Ich selbst habe auf der Managementebene meine Erfahrungen gemacht. Die Zwänge, die da bestehen, kann man ja in unterschiedlicher Form ausleben. Und es kann recht angenehm sein zu merken, dass bestimmte Verhaltensregeln und Umgangsformen, wie wir sie aus unseren Kreisen kennen, noch gelebt werden.

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Herr Kaiser: Könnte man also zuspitzend sagen, dass adeliger Habitus auch bestimmte Management-Skills, wie man heute sagt, beinhaltet?

Herr von Abercron: Unbedingt. Ich bin in wirtschaftsprüfenden und steuerberatenden Berufen tätig und habe selbst die Erfahrung gemacht, dass man durch sein Auftreten, durch sein Verhalten, durch innere Ausstrahlung, Menschen sehr gut heute noch überzeugen kann. Die Vorbildfunktion von Führungspersonen in Wirtschaftsunternehmen wird meines Erachtens in Zukunft eine enorm wichtige Rolle spielen, nicht nur auf Deutschland bezogen – eben auch wegen der Globalisierung, durch die wir es ja mehr denn je mit Menschen aus aller Welt zu tun haben.

Durch seine adligen Umgangs- und Verhaltensformen kann man eine Persönlichkeit entwickeln, die in Unternehmen sehr gewünscht wird. Ich bin auch davon überzeugt, dass die Menschen nach solchen Vorbildern suchen. Wer hier seine Chance nutzt, kann sicherlich viel oder mehr als andere bewirken.

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Herr Kaiser: Am Ende möchte ich noch einmal auf einen anderen Aspekt kommen. Im Verlauf des Gesprächs ist mir aufgefallen, dass Sie sich immer wieder auf die inneren Werte des Adels bezogen haben. Mir erschien dies eine durchaus legitimatorische, vielleicht auch defensive Haltung zu offenbaren. Lassen Sie mich daher zum Abschluss fragen, ob es nicht auf einfach einen gewissen Stolz gibt, adlig zu sein.

Herr von Abercron: Natürlich haben wir auch unseren Stolz, und wir sind auch stolz. Aber das darf nicht in die Nähe von Überheblichkeit gebracht werden; das wäre ja völlig antiquiert. Stolz sind wir auf unsere Tradition, und hier schwingt eine gehörige Portion Dankbarkeit gegenüber unseren Vorfahren mit.

Olga von Abercron: Hier muss ich auch noch einen Spruch von Goethe zitieren, den man uns beigebracht hat: "Was du ererbt von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen." Und wenn man das geschafft hat, kann man auch stolz sein.

Herr von Abercron: Sicherlich! Und schließlich beruht unser Stolz auch auf unserer Haltung, das macht unser Selbstwertgefühl aus.

Herr Kaiser: Sehr geehrte Gräfin, sehr geehrter Herr von Abercron, ich danke Ihnen sehr herzlich für dieses Gespräch.

Das Interview wurde im April 2005 auf Schloss Frens geführt.

Gesprächspartner:

Dr. Gisbert von Abercron
und
Olga von Abercron geb. Gräfin Beissel von Gymnich
Schloss Frens
50127 Bergheim

Dr. Michael Kaiser
Universität zu Köln
Historisches Seminar – Geschichte der Frühen Neuzeit
Albertus-Magnus-Platz (Philosophicum)
50923 Köln
michael.kaiser@uni-koeln.de

Empfohlene Zitierweise:

Michael Kaiser : "Nichts Besseres, aber anders." - Interview mit der Familie von Abercron auf Frens im Rheinland , in: zeitenblicke 4 (2005), Nr. 3, [13.12.2005], URL: http://www.zeitenblicke.de/2005/3/Interview/index_html, URN: urn:nbn:de:0009-9-2313

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