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Im nationalen Selbstverständnis des 19. Jahrhunderts stehen Religion und Nation in einer engen Verbindung. [1] Der Rückbezug auf Religion galt – vereinzelten Gegenstimmen wie der von Ernest Renan zum Trotz – als ein Merkmal nationaler Identität. [2] Die allgemeine Feststellung des Wiener Theologen Karl Robert Hoheisel, "Religionen und Weltanschauungen verbreiten sich selten säuberlich voneinander getrennt", [3] charakterisiert in besonderer Weise die völkische Problematik. Denn Religion hatte im hybriden Nationalismus der Völkischen insofern eine Schlüsselbedeutung, als das Religiöse die völkische Semantik beherrscht. Keines der zahllosen völkischen Weltanschauungsmanifeste verzichtet auf religiöse Anspielungen, Überlegungen oder Forderungen, wie sie etwa ein Anhänger der esoterischen Ariosophie 1914 als Voraussetzung für die von den Völkischen angestrebte "Wiedergeburt deutschgermanischen Lebens" erhebt: "Unser Augenmerk sei vor allem auf die religiös veranlagten Menschen gerichtet, denn nur mit diesen erwecken wir die wahre edle, arisch-christliche Gottesvorstellung, die wir als Grundstein des zukünftigen Gebäudes haben müssen." [4] Wie dieses Beispiel verdeutlicht, führt gerade die Perspektive auf die von Seiten der Geschichtswissenschaft weitgehend vernachlässigten völkischen Religionsvorstellungen und religiösen Gemeinschaften unmittelbar in das Zentrum der völkischen Weltanschauung und damit der Bewegung, denn für alle Völkischen galt der Grundsatz: "Wichtig ist, dass ein Mensch und dass ein Volk den Glauben erkenne, den es wirklich hat. […] Denn sein Glaube macht den Menschen, macht sein Volk. Nichts andres, als sein Glaube. Wie klar und stark ist ein Mensch, ein Volk, das fest in seinem eignen Glauben, als in eignen Schuhen steht!" [5]

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Im Zuge der Radikalisierungsprozesse in der deutschen Gesellschaft nach dem Ersten Weltkrieg erfuhr die nun expandierende und öffentlichkeitswirksam agitierende völkische Bewegung im Gegensatz zur Vorkriegszeit erhöhte Aufmerksamkeit. [6] Kritische, bisweilen polemische oder satirische Reaktionen erfolgten meist seitens der politischen und weltanschaulichen Gegner, seltener aus der akademischen Welt. Gleichwohl erschien eine Reihe mitunter erstaunlich klarsichtiger analytischer Aufklärungsschriften über die völkische Bewegung im Verlauf der zwanziger Jahre, [7] von denen sich vergleichsweise viele mit dem religiösen Segment der völkischen Bewegung befassten. [8]

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Für Informationen über die völkischreligiöse Teilbewegung bestand in der deutschen Öffentlichkeit in den zwanziger Jahren ein lebhaftes Interesse, wie etwa die Studie des Münchner Franziskanerpaters Erhard Schlund über das 'Neugermanische Heidentum im heutigen Deutschland' zeigt, von der binnen weniger Monate am Jahreswechsel 1923/24 weit über 20.000 Exemplare verkauft wurden. [9] Diese wachsende Aufmerksamkeit für die völkischreligiöse Bewegung ist zunächst eine unmittelbare Folge der medialen und öffentlichen Präsenz ihrer Organisationen und ihrer mit messianischem Eifer auftretenden Agitatoren, [10] die jetzt nicht mehr wie noch "vor dem Krieg […] im Hintergrund, in einigen verborgenen Zeitschriften und Zirkeln" agierten. [11] Daraus erwuchs in der Öffentlichkeit ein gesteigertes Informationsbedürfnis über die einzelnen völkischreligiösen Strömungen, ihre Filiationen und vor allem über die jeweiligen religiösen Vorstellungen. Dem Aufklärungsbedürfnis wie dem in den Medien immer wieder formulierten Bedrohungspotential für Kirche, Gesellschaft und Staat trugen auch die beiden großen christlichen Konfessionen mit ausführlichen Artikeln über die "deutschreligiöse Bewegung" bzw. über "völkische Religion" Rechnung, die zeitgleich 1931 in den überarbeiteten Neuauflagen des 'Lexikons für Theologie und Kirche' und in 'Religion in Geschichte und Gegenwart' erschienen. [12] Zu Beginn der 1930er-Jahre lag, wie diese Beiträge veranschaulichen, bereits umfangreiches Material über die völkischreligiöse Bewegung vor, das – trotz der zum Teil nur unter Schwierigkeiten zu erlangenden Informationen über die einzelnen Vereinigungen und des in seinem Umfang verwirrenden, mitunter die hermeneutischen Fähigkeiten der Autoren übersteigenden "wirren Schriftwerks" [13] – meist differenziert, wenn auch im Detail nicht immer fehlerfrei über die verschiedenen Strömungen im völkischreligiösen Lager, die Vielzahl der teils kurzlebigen Organisationen und deren unterschiedliche religiöse Vorstellungen aufzuklären suchte.

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Wie die Geschichte der völkischen Bewegung wurden in diesem Zusammenhang die Geschichte der völkischreligiösen Teilbewegung vor dem Ersten Weltkrieg und deren Rolle in der Gesamtbewegung bzw. die Bedeutung der Religion für die völkische Weltanschauung jedoch nur ansatzweise ausgeleuchtet. Erhöhte Aufmerksamkeit galt vornehmlich seitens der theologisch gebildeten Autoren dem nichtchristlichen, meist als deutschgläubig oder neuheidnisch (heute auch: neopagan) bezeichneten Segment der völkischreligiösen Teilbewegung. [14] Denn vor allem von den "Neuheiden" sah man eine "Gefahr für das Christentum" ausgehen. [15] Auf den deutschchristlichen, auch deutschkirchlich genannten Flügel fiel erst im Verlauf der zwanziger Jahre der Blick, was nicht zuletzt der mit dem 'Bund für deutsche Kirche' seit 1921 allmählich beginnenden Organisation der deutschchristlichen Bewegung, [16] aber auch der auffallenden Nähe der Deutschchristen zum protestantischen Milieu geschuldet ist. [17] Folgenreich waren die Gründung der 'Glaubensbewegung "Deutsche Christen"' 1932 und deren enge Verbindungen zum Nationalsozialismus, die in der Öffentlichkeit zu einer Verschiebung der Perspektive auf das völkische Phänomen führten. [18] Der Nationalsozialismus wurde – in öffentlicher Meinung und meist auch Forschung – zum Fluchtpunkt für die Erklärung, Deutung und Einordnung der völkischen Bewegung und damit auch der völkischreligiösen Teilbewegung, zumal sich eine Reihe völkischer Organisationen seit dem Ende der zwanziger Jahre dem Nationalsozialismus immer deutlicher anzunähern begann und sich 1933 am Ziel ihrer vier Jahrzehnte langen Agitation und vor der Verwirklichung ihrer Weltanschauung glaubten. [19]

II

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Die Forschung behandelte daher lange Zeit, mitunter bis in die Gegenwart hinein, das völkische Phänomen vornehmlich in Verbindung bzw. fokussiert auf den Nationalsozialismus. [20] Eine Betrachtung der völkischen Bewegung und ihrer Segmente aus dem Blickwinkel des Nationalsozialismus verkennt jedoch bei allen Gemeinsamkeiten die bestehenden Gegensätze zwischen völkischer und nationalsozialistischer Bewegung ebenso wie die Eigenständigkeit der völkischen Bewegung, und sie blendet häufig deren für das Verständnis grundlegende, in das späte 19. Jahrhundert zurückreichende (Entstehungs-) Geschichte aus. Dies ist ein Grund dafür, dass sich die Forschung von jeher mit der völkischen Bewegung schwer tat und bis heute eine umfassende Untersuchung für die Zwischenkriegszeit wie auch eine Gesamtdarstellung fehlen. [21] Ein anderer Grund ist in der vielfach beobachteten und thematisierten Unübersichtlichkeit der völkischen Bewegung zu sehen, die schon für die Zeitgenossen "keine Einheit" darstellte und in der sich – wie auch von völkischer Seite immer wieder beklagt wurde - die "verschiedenen Kreise […] oft feindlich gegenüber[standen]". [22] Diese Feststellung gilt insbesondere auch für die völkischreligiöse Teilbewegung mit ihren verschiedenen Flügeln, wo von Beginn an hitzige und mit großer Schärfe geführte, mitunter in persönliche Anwürfe ausufernde Debatten über die 'wahre' völkische Religion an der Tagesordnung waren, [23] auch wenn es um des gemeinsamen Zieles willen vereinzelte Bemühungen um ein tolerierendes Miteinander gab. [24]

III

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Die Anfänge der völkischreligiösen Teilbewegung liegen in der Zeit um 1900. Sie stellt von Beginn an ein wichtiges Segment innerhalb der völkischen Sammelbewegung dar, deren Ursprünge in die frühen 1890er-Jahre zurückreichen und die erst nach der Jahrhundertwende eine auch außerhalb wahrnehmbare Gestalt anzunehmen begann. [25] Die zahllosen Beiträge des völkischen Religionsdiskurses sind von den in den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg bis in die zwanziger Jahre mit großem Aplomb geführten (bildungsbürgerlichen) Religionsdebatten beeinflusst, nachhaltig von der Kritik an den christlichen Kirchen, der Konfrontation mit u.a. fernöstlichen Religionen und den Erkenntnissen der Naturwissenschaften und aus alldem erwachsend von der Suche nach religiösen Alternativen zum Christentum. [26] Sie werden zugleich beherrscht von den wechselseitigen, für das 19. Jahrhundert charakteristischen Austauschprozessen zwischen Religion und Nation, d.h. dem "'Sakraltransfer' (Marc Bloch) […] religiöser Begriffe und Heilserwartungen auf die Nation" und der "Nationalisierung christlicher Glaubensbestände", die vor allem im deutschen Protestantismus verstärkt mit der Reichsgründung von 1871 Platz griffen. [27] "Deutsch ist der Protestantismus, undeutsch (wälsch) der Ultramontanismus, das Römerthum und das gesammte Romanenthum", lehrt der freisinnige Reformpädagoge Adolph Diesterweg 1854 noch vor dem Kulturkampf. [28] Vier Jahrzehnte später finden derartige Überzeugungen rassenideologisch verdichtet Eingang in die ideell, personell und organisatorisch überwiegend im protestantischen Umfeld verankerte völkische Bewegung des Deutschen Reiches und werden zu tragenden Elementen der völkischen und damit auch völkischreligiösen Weltanschauung.

IV

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Die Grundlage der – nicht zuletzt als Ergebnis der heterogenen Struktur der Bewegung – synkretistischen, dualistisch angelegten völkischen Weltanschauung bildet die komplexe Rassenideologie. Das seit den 1880er-Jahren zunächst in Österreich in die politische Sprache eindringende Adjektiv "völkisch" ist – entgegen seinem seit den 1920er-Jahren ebenso inflationären wie unspezifischen Gebrauch und entgegen seiner bis in die Gegenwart reichenden unscharfen Verwendung – in Bezug auf die völkische Weltanschauung und Bewegung grundsätzlich durch die Kategorie "Rasse" definiert: "Völkisch kommt von Volk und bedeutet den Willen, in arteigenen oder, anders ausgedrückt, blutbedingten Formen zu leben. Arteigen leben heißt völkisch sein. […] Völkischsein ist eine Sache des Blutes". [29] Die völkische Weltanschauung strebt dieser Definition eines deutschgläubigen Funktionärs folgend auf dem Boden der – antisemitisch, antislawisch und antiromanisch ausgerichteten – Rassenideologie eine antiegalitäre, ständisch organisierte und vor allem religiös fundierte Gesellschaft mit germanenideologischem Wertesystem an.

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Im Mittelpunkt der völkischen Weltanschauung steht die Religion. Sie ist mit den Worten eines aufmerksam beobachtenden Zeitgenossen die "eigentliche Seele der Bewegung". [30] Denn einer fundamentalen völkischen Überzeugung zufolge konnte die völkische Bewegung ihr vorrangiges Ziel, die "geistig-sittliche Erneuerung und Wiedergeburt des deutschen Volkes" und die Errichtung eines völkischen Gemeinwesens nur dann erreichen, "wenn sie die Religion mit umfaßt" und wenn insbesondere eine "germanisch-religiöse Reform" erfolge [31] – was jedoch nicht zwangsläufig auf eine 'neuheidnische' Religion hinauslaufen musste. Das völkische Denken gründete auf der Überzeugung, dass Religion "das Verknüpfende, das Verbindende" sei, grundsätzlich "als tiefste seelische Äußerung eines Volkes das schlechthin wertvollste Kulturgut" und speziell bei "Ariern und Germanen […] geradezu Grundzug ihres Wesens und damit ihrer Kultur". [32] Darum war der Verzicht "auf die höchste Religion" gleichbedeutend mit dem Verzicht "auf die höchste Kraft". [33] Religion lieferte den Völkischen insofern den transzendentalen Überbau für ihr rassistisches Weltanschauungsgebäude. Denn aus ihren religiösen Überzeugungen bezogen sie die Gewissheit, dass der deutschvölkische Mensch "zum Göttlichen bestimmt" sei, dass "aus deutschem Blute das Heil der Welt" komme, und dass vor allem das deutsche Volk aufgrund seiner "eingebore[n] gottheitliche[n] Bestimmung, durch seine arteigene Emporentwicklung, Vervollkommnung und Vollendung zum Führer der Menschheit" auserkoren sei. [34] Der von der Germanenideologie mit ihrer historischen Dimension verfestigte Glaube an die eigene Prädestination und Superiorität, die Überzeugung, einem 'auserwählten Volk' zu entstammen, war für die Völkischen handlungsleitend: "Das Wesen germanisch-deutscher Frömmigkeit besteht im Unterschied zu der anderer Völker in dem Drang, auf diese Welt einzuwirken, sie zu gestalten nach einem eingeborenen höheren Bilde von ihr, nicht der Welt ihren Lauf und Willen zu lassen und in irgend einem Traum die Sehnsucht nach der Vollkommenheit zu stillen, sondern hier und heute Hand anzulegen, daß die Welt wieder oder endlich werde: Garten und Gesicht Gottes." [35]

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Religion und – in Anlehnung an Paul de Lagardes Diktum: "Der Weg zur Religion ist selbst Religion" [36] – vor allem Religiosität bildeten die entscheidenden Antriebskräfte für völkisches Denken und Handeln. Dabei standen die Religionspropheten wie alle Völkischen auf dem Boden von "Rasse und Blut", [37] postulierten die "Einheit von Blut und Glauben", forderten den "unserm Blut entsprechende[n] Glaube[n]" und gaben Parolen aus wie: "Ein Volk, ein Reich, ein Glaube". [38] Es gehörte zu den völkischen Grundüberzeugungen, dass verantwortungsvolles Handeln im Sinne der Rasse ein ethisches, religiös geleitetes Handeln voraussetzte, da der pointierten Feststellung eines völkischen Ideologen zufolge, "Religion Rasse und Rasse Religion ist". [39] Nach völkischem Verständnis war Religion der Garant für die sittliche, völkische und damit auch für die proklamierte rassische Erneuerung. Daher wurde in Anlehnung an die zeitgenössische Debatte über die um sich greifende Säkularisierung der Gesellschaft im "Verlust der Religion im Volke" eine elementare Gefahr für den "gesellschaftlichen und staatlichen Bestand" gesehen. [40] Vor diesem Hintergrund und aus diesen Überzeugungen heraus entstand das Konstrukt der so genannten arteigenen Religion, d.h. einer Religion, die der Rasse innewohnend und ihr angeboren sei, folglich eine Rassereligion sein muss: "Die Rasse ist nebst meiner Religion das Höchste und Heiligste, was ich besitze. Ja, meine Religion besitze ich nur durch meine Rasse, denn nur meine Rasse ist es, die mir meine Religion möglich macht und mir das tiefinnerliche Verständnis für sie erschließt. Rasse und Religion sind eins!" [41]

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Wie die im Erscheinungsbild diffuse völkische Sammelbewegung selbst, waren auch die Vorstellungen von der arteigenen Religion unterschiedlich. [42] Die verschiedenen völkischen Religionsentwürfe bauten gleichwohl auf gemeinsamen Grundsätzen auf: Völkische Religion war zunächst diesseitsorientiert, weswegen von völkischreligiöser Seite das tradierte "Christentum mit seiner mystischen Jenseitshoffnung […als] die Religion der leiblich und geistig schlecht Weggekommenen" und "des absteigenden Lebens" nicht nur abgelehnt, sondern mit sozialdarwinistischen Ideologemen diffamiert wurde. [43] Es war insofern eine konsequente Forderung der Völkischen, dass die "Seelenrettung […] bei der Leibesrettung" einsetzen müsse [44] – was sich auf das umfassende völkische Rassenerneuerungsprogramm bezog, das in erster Linie lebensreformerische und eugenische Konzepte, im radikalen Flügel der Bewegung auch dezidiert rassenzüchterische Vorstellungen integrierte. Bei den Völkischen bestand Einvernehmen darüber, dass die "natürlichen Weseneigenschaften und Anlagen" nur in einem reinrassigen Volk zu vollkommener Entfaltung gelangen könnten. [45] Der von ihnen propagierte und beschrittene Weg zur so genannten Deutschen Wiedergeburt musste von daher zwingend von einer spezifisch "deutschen Religion" seinen Ausgang nehmen, [46] wie sie mit Paul de Lagarde einer der einflussreichsten Ideengeber der völkischen Weltanschauungspropheten 1878 gefordert hatte. [47] Einem kanonisch verstandenen Wort von Houston Stewart Chamberlain, einem weiteren Säulenheiligen der Völkischen, folgend sahen die Völkischen im "Mangel einer wahrhaftigen, unserer eigenen Art entsprossenen und entsprechenden Religion [...] die größte Gefahr für die Zukunft der Germanen; das ist seine Achillesferse; wer ihn dort trifft, wird ihn fällen." [48]

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Ein weiterer, der Vielgestaltigkeit völkischer Religionsentwürfe gemeinsamer Grundsatz war ferner, was ein führender völkischer Ideologe mit der Feststellung benannte, er wolle "die wirkliche Religion, nicht bloß die Weltanschauung mit religiösen Elementen". [49] Die völkische Weltanschauung selbst war demnach nicht die vehement geforderte arteigene Religion, da nach völkischer Auffassung "Weltanschauung und Ethik" Teil der Religion seien, von der diese ihre "besondere 'religiöse' Kraft" erhielten. [50] Wenn aber völkische Organisationen wie der einflussreiche, 1894 gegründete 'Deutschbund' seine Jahresversammlungen als "Weihefeste" mit "Weihehandlungen" und "Weihereden" zelebrierten, [51] wenn viele völkische Organisationen unter Berufung auf die religiösen Riten der vorgeblich germanischen Vorfahren jährlich die Sommersonnenwende als kultische Feier begingen und völkische Apologeten verkündeten, dass die "deutschvölkische Bewegung […] eine religiöse Bewegung" sei, [52] oder – wie Mathilde Ludendorff – vom "göttliche[n] Sinn der völkischen Bewegung" sprachen, [53] tritt der religionsgleiche Charakter der völkischen Weltanschauung zutage. Als hybride Ausformung des von Beginn an religiös aufgeladenen und auf liturgische Elemente zurückgreifenden Nationalismus des 19. Jahrhunderts besitzt die völkische Weltanschauung mit ihrer religiösen Rhetorik, ihrer Symbolik und ihren Ritualen, mit ihrem Dogma von der Auserwähltheit der arisch-germanisch-nordischen Rasse (bzw. des deutschen Volkes), ihrem messianischen Sendungsbewusstsein und ihrem totalitären Herrschaftsanspruch Züge einer rassistischen 'politischen Religion'. [54] Vor dem Hintergrund einer sakralisierten Weltanschauung, die zu einer spezifischen Religiosität (und zu so genannten arteigenenen Religionen) der Völkischen führte und in der Formel "Gott in uns" ihren Ausdruck fand, [55] sind die – von den lebhaft geführten Religionsdiskursen, den zahllosen Religionsentwürfen des ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts und von der von Thomas Nipperdey als "'vagierende' Religiosität" bezeichneten außerkirchlichen religiösen Gestimmtheit inspirierten – völkischen Bestrebungen zu sehen, eine arteigene Religion zu schaffen. [56]

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Das Konzept der arteigenen Religion war nach völkischem Verständnis mit dem traditionellen Christentum nicht zu verwirklichen, da es mit dem Diesseitspostulat und der Rassenideologie nicht vereinbar war. [57] Der völkische Romancier und ursprünglich protestantische Pfarrer Gustav Frenssen schildert in seiner Autobiographie, wie er vor diesem Hintergrund in einen "immer stärkere[n] Gegensatz nicht allein gegen die Kirchenlehre, sondern auch gegen den Heiland" kam. Dessen "Zeitlichkeiten, sein weltabgewandtes, ja weltzorniges Wesen, seine orientalische, katastrophische Art, sein bald zu hart, bald zu weich sein, seine schmale Naturbasis musste immer stärker meinen Widerspruch hervorrufen. Seine Erscheinung schien mir, stände in diesen unseren Tagen nicht, oder nicht mehr, in der Mitte der Welt, des Lebens, des Geschaffenen, das ich immer mehr bewunderte, fromm und demütig verehrte und liebte; sie stand in einer Ecke, groß, aber seltsam, nicht in, sondern neben der allgewaltigen Kraft Gottes, der mir immer mehr als der allmächtige, bunte Schaffer, Spinner und Weber, dunkel- und lichtfroh, sturm- und sommerfroh erschien. Der Heiland konnte für mich nicht mehr der einzige eine sein; das wäre nun meine eigene Vernichtung gewesen, die Vernichtung des Besten, was in mir stand, es wäre die Tötung des Bildners gewesen. Andere Menschen hatten ein Recht neben ihm: ein Goethe, ein Darwin, ein Bismarck, ja jeder einzelne, der mit ernster Seele das Gute suchte, also auch ich. Größer als der eine Mensch war die Welt, die Schöpfung. Und wichtiger als der Glaube eines andern war der eigne. So fing ich an, nicht an der Wahrhaftigkeit und Größe, aber an der Ausschließlichkeit des Heilands zu zweifeln, an seinem völligen Herrschaftsrecht über die Seelen der Menschen, auch die meine. Ich machte mich leise vom Heiland frei und glitt, froher und freier, nach meiner eignen, mir angeborenen und vererbten Religion, der natürlicheren, schlichteren, herben Religion meiner Vorfahren hinüber, die noch in allen germanischen Seelen in der Tiefe ihr Wesen hatte, und auch in der meinen […]". [58]

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Fundamentale Gegensätze bestanden innerhalb des völkischen Lagers hinsichtlich der Frage nach der Gestalt der arteigenen Religion. Die völkischen Religionsentwürfe reichten von unterschiedlichen Vorstellungen, das Christentum zu germanisieren, bis hin zur entschiedenen Ablehnung des Christentums und der Konstituierung neu-germanischer Religionen. Daneben gab es Bestrebungen, christliche Religionsüberzeugungen in der germanischen Glaubenswelt ausmachen zu können und das Christentum mit – konstruierten – germanischen Religionsvorstellungen zu verschmelzen, indem etwa Jesus Christus mit Balder oder Odin gleichgesetzt wurde. [59]

Abb. 1

V

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Der Vielgestaltigkeit völkischer Religionsvorstellungen korrespondieren die zahlreichen, in Mitgliederstärke, in Existenzzeit und Bedeutung höchst unterschiedlichen völkischreligiösen Gemeinschaften, die mit Beginn des 20. Jahrhunderts ins Leben gerufen wurden. [60] Als eine der ersten völkischreligiösen Gemeinschaften entstand zwischen 1900 und 1905 nach dem Vorbild des Tempelritterordens der ariosophische 'Ordo Novi Templi' des ehemaligen Zisterziensers Adolf Lanz alias Jörg Lanz von Liebenfels, dessen "arisch-christliche Rassenkultreligion" auf Elemente der mittelalterlichen Mystik und die Gralslegende zurückgriff und diese mit mythischen, esoterischen und okkulten Elementen sowie der völkischen Rassenlehre mit den Zielen verband, die Rassenurreligion wieder zu beleben und mit ihrer Hilfe "sakrale Menschen-Reinzucht" zu betreiben, um der "blonden Rasse" der "Arioheroiker" zum Sieg über die "Tschandalen" genannten "dunklen" Rassen zu verhelfen. [61] Zur selben Zeit wurde 1903 am Arminius-Denkmal im Teutoburger Wald der 'Deutschreligiöse Bund' gegründet, der als ein früher Vorläufer der deutschchristlichen Bewegung anzusehen ist, die sich jedoch erst nach dem Ersten Weltkrieg mit der Gründung des 'Bundes für deutsche Kirche' 1921 zu konstituieren begann. Die so genannten Neuheiden organisierten sich seit etwa 1909/10. Die beiden bedeutendsten Vereinigungen in dem – bis in die Gegenwart – in hohem Maße zerklüfteten (und vielfach zerstrittenen) Terrain des 'neuheidnischen' Spektrums, die heute noch oder wieder bestehen, wurden 1911 und 1912/13 mit der 'Deutschgläubigen Gemeinschaft' und der 'Germanischen Glaubens-Gemeinschaft' ins Leben gerufen. [62] Nach dem Ersten Weltkrieg erlebte die völkischreligiöse Bewegung einen regelrechten "Boom", [63] ohne dass die einzelnen, meist als Kleinunternehmen auf ihre ideologischen Führer ausgerichteten Gemeinschaften, eine größere Bedeutung erlangt hätten. Ausnahmen stellen die in hohem Maße von der Bekanntheit ihres Namensgebers lebende und von daher öffentlichkeitswirksame 'Ludendorff-Bewegung' mit der aus ihr 1930 hervorgegangenen völkischreligiösen Organisation 'Deutschvolk' dar. [64] Vor allem aber sind es Unternehmungen wie die 'Glaubensbewegung "Deutsche Christen"' oder die als Sammlung verschiedener nichtchristlicher, antichristlicher, jugendbewegter und völkischer Organisationen und Einzelmitglieder 1933 von dem Tübinger Religionswissenschaftler Jakob Wilhelm Hauer organisierte 'Arbeitsgemeinschaft Deutsche Glaubensbewegung' (seit 1934 'Deutsche Glaubensbewegung'), in denen es Bestrebungen zu einer religiösen 'Gleichschaltung' mit dem Nationalsozialismus gab. [65] Sie scheiterten wie im Falle der 'Deutschen Glaubensbewegung' an inneren Gegensätzen und der unterschiedlichen Nähe der Mitglieder zum Nationalsozialismus, in erster Linie jedoch an der distanziert-ablehnenden Haltung einer Mehrheit innerhalb der nationalsozialistischen Führung gegenüber den völkischreligiösen, insbesondere 'neuheidnischen' Bestrebungen und den von völkischer Seite seit 1933 wiederholt geäußerten Hoffnungen, als Religionsgemeinschaften nun – wie von Beginn des 20. Jahrhunderts an gefordert – staatlich anerkannt zu werden. [66]

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Nach völkischen Quellen zählte der nichtchristliche Flügel der völkischreligiösen Teilbewegung 1914 rund tausend Anhänger, von denen lediglich zweihundert "wirkliche 'Heiden' germanischen Glaubens" gewesen sein sollen. [67] Auch nach dem Ersten Weltkrieg blieb die Zahl der in der Öffentlichkeit als "Odinsknaben" und "Wotansanbeter" attackierten, karikierten und wiederholt mit der gesamten völkischen Bewegung gleichgesetzten 'Neuheiden' im Verhältnis zur expandierenden völkischen Bewegung verschwindend klein und soll 1924 in Deutschland und Österreich unter 5000 Anhängern gelegen haben. [68] Wie auch immer die Verlässlichkeit dieser Schätzungen zu bewerten sein mag, so lassen sie jedenfalls den Schluss zu, dass sich nur eine Minderheit der Völkischen gänzlich vom Christentum abwandte. Die Mehrzahl hing einem auf unterschiedliche Weise germanisierten – seiner theologischen Grundlagen jedenfalls beraubten – Deutschchristentum an, das wie sämtliche völkische Religionsentwürfe ebenso antisemitisch wie vor allem auch antikatholisch und antiklerikal begründet war.

VI

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Dies führt zu zwei wichtigen Elementen der völkischen Weltanschauung: zum einen zu dem aufgrund der Rassenideologie konstitutiven, in den einzelnen völkischen Segmenten unterschiedlich aggressiv ausgeprägten Antisemitismus und zum anderen zu dem der völkischen Weltanschauung immanenten 'antirömischen Affekt'. Dieser 'antirömische Affekt' hat in Form des infolge des Kulturkampfes verschärften Antikatholizismus, Antiklerikalismus, Antiultramontanismus und Antijesuitismus einen festen Platz in der völkischen Rassenideologie gefunden. Das Unbehagen, mit dem die Völkischen den Umbrüchen und Verwerfungen der Moderne in Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur begegneten, führten sie auf einen rassischen Entartungsprozess zurück, den sie als Folge von Rassenmischung und fremdrassigen Einflüssen erklärten. Den Beginn dieses vorgeblichen Entartungsprozesses verlegten sie in die Spätantike: Er habe begonnen, als mit den Römern römische Zivilisation und Christentum über die Alpen kamen und – mit den Worten eines völkischreligiösen Ideologen – "das Deutschtum entwurzelt und an eine Kette geschmiedet [wurde], die über Rom nach Palästina führt", und nicht nur die "deutsche Religion [...] beseitigt", sondern vor allem auch deren Überlieferung "von fanatischen Pfaffen […] vernichtet" wurde. [69] Einen Höhepunkt stellte in diesem Zusammenhang der Sachsenkrieg Karls des Großen dar, weswegen "noch heut deutsches Empfinden gegen Karl Stellung nimmt" und der Kaiser im völkischreligiösen und vornehmlich im 'neuheidnischen' Lager zur Symbolfigur für die Verfolgung, Unterdrückung und Zerstörung der germanischen "Urreligion", deren Kultstätten und insbesondere ihrer Überlieferung erklärt wurde. [70]

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Von grundlegender Bedeutung für das völkische und insbesondere für das völkischreligiöse Denken war das Einhergehen antirömisch-antikatholischer Vorurteile mit der Verehrung von Luther und der Reformation als einer "Tat der germanischen Rasse", womit der Protestantismus zu einer "Rassenangelegenheit" erklärt werden konnte. [71] Deutschchristlichen Apologeten wie Artur Dinter galt Luther als der "erste deutschvölkische Mann". [72] In ihrem Selbstverständnis begann der völkische Gedanke mit der Reformation in Deutschland Platz zu greifen, da "Luthers Tat […] die Befreiung von einer fremden Glaubensherrschaft und die Läuterung zu einer selbständigen Glaubenshaltung" gebracht habe. [73] Der religiös-liturgische Fundus des Nationalismus, die von Beginn an enge Verbindung des deutschen Nationalismus mit dem Protestantismus und schließlich das protestantische deutsche Kaisertum seit 1871 sind unverkennbare Wurzeln völkischer Religionsvorstellungen und dort besonders des so genannten Deutschchristentums. Die Völkischreligiösen sahen jedoch "in der evangelischen Kirche nur eine Durchgangsstufe zu einem deutschvölkischen Glaubenstume" und forderten daher als "völkische Aufgabe der Gegenwart" mit einer "zweiten deutschen Reformation", entweder wie die Deutschchristen "Luthers Werk zu vollenden" oder wie die 'Neuheiden' eine Erneuerung der vorchristlichen 'germanischen' Religion bzw. zumindest von deren Grundsätzen. [74]

VII

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Den Begriff Deutschchristentum verwandte erstmals der völkische Literaturhistoriker und Ideologe Adolf Bartels, der in einem Berliner Vortrag 1913 die Parole ausgab: "Immer mehr Deutschchristentum, immer weniger Judenchristentum!" [75] Es ist nicht zu übersehen, dass Bartels' völkische Ursprünge im Antisemitismus liegen und dass der Antisemitismus eine Schlüsselbedeutung für die deutschchristliche wie grundsätzlich für die völkischreligiöse Teilbewegung hatte. Völkische Religion und Religiosität bedingten aufgrund der Rassenideologie den Antisemitismus. Das völkische Dogma der Einheit von Religion und Rasse mündet zwangsläufig in den Antisemitismus, da "in jedem Arier […] noch ein Rest vom Willen zum Guten […] als ein Trümmerstück des Göttlichen aus Rasse und Religion [erhalten ist]", während "der Jude […] bereits durch die Geburt wie durch Gesetz und Erziehung vom Willen zum Bösen bestimmt [ist]". [76] Für die Deutschchristen war von daher die "Lösung der religiösen Fragen [...] so schwierig", weil "das Christentum [...] als auf dem Judentum errichtet und damit das jüdische Volk als das auserwählte hingestellt [und] der jüdische Geist in unserer Religion erhalten wird". [77] Deutschchristen forderten daher, dem Christentum "in Fortsetzung der ersten durch Luther bewirkten Umformung und Reinigung nun eine zeitgemäße abermalige Läuterung in freiem und arischem Geiste zu geben". [78] Einzelne deutschchristliche (wie auch einige 'neuheidnische') Ideologen waren davon überzeugt, dass schon die "ältesten Indogermanen eine Art Urchristentum besessen" hätten, es sich beim Christentum folglich um "eine arische Religion" und somit um die von den Völkischen geforderte arteigene germanisch-deutsche Religion handele. [79]

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Eine Vorbedingung für die Germanisierung des Christentums war die "Reinigung unserer Religion und Kirche von dem wesensfremden jüdisch-römischen Gift". [80] "Wir können in der Bibel fortan bloß das anerkennen, was sich mit dem arischen und germanischen Wesen einigermaßen verträgt", [81] lautete die Devise. Was sich nicht damit vertrug, war Paulus, dessen Glaubenslehre – und damit letzten Endes Luthers Theologie – abgelehnt wurde, weil sie den diesseitsorientierten, aggressiven, rassisch und vor allem antisemitisch begründeten völkischen Religionsgrundsätzen widersprach. Nicht anzuerkennen war für die völkische Mehrheit auch das Alte Testament. Nur wenige wollten jedoch in Analogie zu antisemitischen Parolen die "völlige Ausscheidung des Alten Testaments", vornehmlich forderte man die "Ausscheidung des Jüdischen". [82] Es gab jedoch auch Ausnahmen wie den Berliner Studienrat Joachim Kurd Niedlich: Unter Rückgriff auf die völkische Germanenideologie und auf Versatzstücke der völkischen Vorgeschichtsforschung, die zur Rechtfertigung der Prädestination und Superiorität der Germanen und unter dem Verdikt der "altgermanischen Kulturhöhe" eine "große indogermanische Völkerwanderung" seit dem dritten vorchristlichen Jahrtausend aus dem europäischen Norden […] bis nach Indien" und entlang der nordafrikanischen Küste bis nach Ägypten feststellen zu können meinte, forderte Niedlich eine Untersuchung, die prüfen sollte, ob sich "im A.T. nordische Einflüsse" aufzeigen ließen. [83] Der Mitbegründer des 1921 ins Leben gerufenen deutschchristlichen 'Bundes für Deutsche Kirche' lieferte mit seinen Spekulationen ein signifikantes Beispiel für die Irrationalität und Flexibilität wie auch für die Verwerfungen im völkisch(religiös)en Weltanschauungsdiskurs. Dies schlug sich wiederum im Erscheinungsbild der von Gegensätzen und Rivalitäten gekennzeichneten heterogenen völkischen Sammlungsbewegung nieder.

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Als Dreh- und Angelpunkt des Deutschchristentums ist die Christuslehre anzusehen. Die Deutschchristen gingen von einer Überzeugung aus, die Artur Dinter, der Initiator der 1927 gegründeten 'Geistchristlichen Religionsgemeinschaft – Kampfbund für Vollendung der Reformation' (wie der 'Bund für Deutsche Kirche' ein Vorläufer der 'Glaubensbewegung "Deutsche Christen"'), in seinen "197 Thesen zur Vollendung der Reformation" formulierte: "Der Heiland Jesus Christus kann seinem Geiste, seiner Seele und seiner Lehre nach nie und nimmer ein Rassejude gewesen sein." [84] Diesem Diktum folgend, machten es sich die Deutschchristen zur Aufgabe, den Messias aus dem Judentum herauszulösen. In abenteuerlichen Beweisführungen lieferten völkische Rassenideologen den Nachweis für die arische Abstammung Jesu: 1896 hieß es in der Eröffnungsnummer der einflussreichen völkischen Zeitschrift 'Heimdall', dass "mindestens 1500 Jahre vor Christus' Geburt […] eine arisch-germanische Einwanderung von Norden her in Galiläa stattgefunden" habe, Christus daher Abkömmling dieser Einwanderer, damit von "deutsche]m] Blute" und "getrost mit dem germanischen Baldur" gleichzusetzen sei. [85] Dem führenden völkischen Antisemiten Theodor Fritsch zufolge war in Anlehnung an Houston Stewart Chamberlain Galiläa auf eine Provinz "blonder Gallier" zurückzuführen, die in römischem Sold gestanden hätten, weswegen Christus von "blonden Galiläern" abstammen müsse und folglich Arier sei. [86] Nach einer anderen Version war der "Arier Christus" der illegitime Sohn eines "römisch-germanischen Beamten". [87] Wichtiger jedoch als der im völkischen Lager durchaus umstrittene, für eine Reihe deutschchristlicher Religionsideologen (unter ihnen vor allem protestantische Geistliche) sekundäre biologische Abstammungsnachweis war die von Joachim Kurd Niedlich formulierte Überzeugung, dass Jesu "Persönlichkeit und Lehre durchaus nordischen Geist" atme. [88] Damit hatte man den Schlüssel für die Behauptung gefunden, das ursprüngliche Christentum sei eine "arische Religion" gewesen, eine Religion, die gemäß der Rassenideologie germanischem und deutschem Wesen entspreche und die dazu verpflichte, ihren "arischen Charakter [...] zu bewahren, ihn herauszugestalten, wenn er durch fremde Einflüsse zu verschwinden droht". [89]

<21>

Deutschchristen sahen insofern ihre Aufgabe darin, die "arischen Bestandteile der Jesus-Lehre" mit der völkischen Eigenart der Deutschen in Einklang zu bringen. [90] Im Zentrum stand dabei die Umdeutung der Leidensgeschichte: "Bei Jesus hat […] das Leid niemals eine Hauptrolle gespielt", erläutert ein deutschchristlicher Bremer Pfarrer das völkische Verständnis: "Er stellt keine Betrachtungen darüber an. Er klagt nicht und klagt nicht an. Er kennt keine Angst davor. Bei ihm ist alles nur Kampfbereitschaft und Siegeswille wie bei unsern Vätern. […] Für ihn heißt es entweder: hier und ganz oder: nirgend und nie und halb. Entweder: Lebenskraft und Lebensfülle aus dem Leben nehmen […]. Es ist eine starke deutsche Seele, die in Jesus lebt. […] Wer mit ihm in die Reihen der Kämpfer sich stellen will […]. Der muß Held sein […]. Klarbewußte Kraft die leuchtet aus den Gleichnissen Jesu. Stählerner Wille ließ den Verklagten und Verklatschten schweigen. Mannhaftes Vertrauen ließ ihn auch in der tiefsten Tiefe des Leides, als alle Schrecken der Gottverlassenheit ihn packten, noch rufen: Mein Gott, mein Gott! So sehen Helden aus: sie sind die Menschen, die Schweres tragen müssen und trotzdem Großes wagen und denen nicht trotzdem, sondern deshalb Großes gelingt. Ein Ideal zieht sie an mit göttlich verpflichtender Kraft. […] Sie haben unwiderstehliche Gewalt auf Willen und Gemüt. Sie sind die Erlöser, die Heilande." [91] Dieser von Julius Bode und anderen völkischen Ideologen beschriebene "deutsche Christus" entspricht in seinem Wesen und in seiner Gestalt den rassenvisionären Vorstellungen des deutschvölkischen Zukunftsmenschen: [92] Es ist ein diesseitsorientierter "Christus des Lebens", in Analogie zu den "ungebrochenen [völkischen] 'Herren-Naturen' " ein Christus der Tat, eine trotzige, todesmutige, opferbereite, kurz eine heroische Kämpfer- und Führerfigur. [93] Der Maler-Dichter Ludwig Fahrenkrog, der Gründer der 'neuheidnischen' 'Germanischen Glaubens-Gemeinschaft', hat diesem völkischen Christusbild zu Beginn des 20. Jahrhunderts bildhaft Gestalt verliehen. [94]

Abb. 2

<22>

Für einflussreiche deutschchristliche Demagogen wie den Flensburger Pastor Friedrich Andersen stand es außer Frage, [95] dass es dieses heroische Christentum sei, welches die historische und arteigene Religion der Deutschen sein müsse. Eine völlige Abkehr vom Christentum kam für die Mehrheit der Völkischen nicht in Frage. Für sie galt, wie Wilhelm Schwaner, das Haupt der mitgliederstarken 'Volkserzieher-Bewegung', nach einer kurzen Liaison mit dem 'neuheidnischen' Lager erklärte, dass in einer Religion "Krist nicht fehlen darf". [96] Von daher überraschen die heftigen Reaktionen der Teilnehmer des in Hamburg 1912 stattfindenden '1. Kongresses für Biologische Hygiene' nicht, als der in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg in der 'Vegetarischen Obstbaukolonie Eden' bei Oranienburg lebende völkische, zumindest zeitweilig der esoterischen Ariosophie Guido [von] Lists nahe stehende Lebensreformer Gustav Simons im Rahmen seines Vortrages nach scharfen Attacken gegen den Klerus bekannte: "Ich bin Heide von Hause aus, und der will ich bleiben mein lebenlang." [97]

VIII

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Für eine als 'Neuheiden' bezeichnete Minderheit in der völkischen Bewegung war wie für Gustav Simons grundsätzlich jeder christlich fundierte völkische Religionsentwurf unannehmbar, da – mit den Worten Simons' – "ein reines Deutschtum […] nicht fremdreligiös-christlich sein" könne. [98] Ihre Kritik richtete sich gegen das Deutschchristentum und dessen Anhänger, denen die völkische Religionsfrage mit der Arisierung des Christentums als gelöst galt. Von fundamentalistischen 'Neuheiden' wurde diese Auffassung jedoch vehement abgelehnt. Ein wichtiger Kritikpunkt waren dabei die offensichtlichen antisemitischen Motive der deutschchristlichen Demagogen. Denn tatsächlich waren führende Deutschchristen wie Adolf Bartels zugleich auch einflussreiche Wortführer des organisierten Antisemitismus – und der Antisemitismus begründete zu einem guten Teil deren Deutschchristentum. Für die nicht weniger antisemitischen 'Neuheiden' konnte das Deutschchristentum aber gerade deswegen nicht die gesuchte arteigene völkische Religion sein, weil das Christentum ohne das Judentum weder zu verstehen noch zu erklären, insofern immer eine "jüdische Religion" sei und von daher "im Gegensatz zu aller germanischen Erkenntnis und ursprünglichen Gottesvorstellung" stünde. [99] Für sie galt unter Verweis auf die Einheit von Rasse und Religion der Grundsatz: "Das Xristentum ist unserer Art fremd. Seine Wurzeln stammen aus anderer Geartung. Das Xristentum verneint die Verschiedenheit der Menschenrassen. Es leugnet die unlösbare Verbundenheit des einzelnen Menschen mit seiner durch das Blut bedingten Art. Es kennt nur die Gleichheit alles dessen, was Menschenantlitz trägt. Darum hat sein Einfluß überall zersetzend auf die Reinhaltung der Rassen gewirkt. Die Behauptung, daß eine Wahrheit, ein Heil für alle Menschen gilt, setzt voraus, dass die blutbedingte Verschiedenheit zuvor geleugnet wird. […] Mit anderen Worten, wer Xrist ist, kann keinen völkischen, also artgebundenen, blutbedingten Staat wollen, wer völkisch ist, keinen xristlichen. Oder: wer xristlich ist, ist nicht völkisch, wer völkisch ist, ist nicht xristlich. Beides schließt sich aus. Wer völkisch ist, ist artbedingt, wer xristlich ist, ist international". [100] Ein völkischer Religionsideologie brachte diese Gesinnung auf die Formel: "Hakenkreuz gegen Kreuz". [101] Die 'Neuheiden' forderten und konstruierten deshalb eine "arische" bzw. "deutsche Religion" auf der Grundlage der völkischen Rassen- und Germanenideologie; sie wollten – mit den Worten eines 'neuheidnischen' Blattes – das "Ahnenerbe" antreten und die – nebulöse – "Religion der Germanen" erneuern. [102]

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Diese Forderungen verfocht im Kontext der völkischen Religionsdebatte seit der Jahrhundertwende der Journalist und Schriftsteller Ernst Wachler, der – neben dem Maler-Dichter Ludwig Fahrenkrog, dem 'Privatgelehrten' Guido List, dem Telegraphenbeamten Otto Sigfrid Reuter, dem Obristen Josef Weber (alias Adolf Riemann), dem Publizisten Ernst von Wolzogen u.a. – als einer der wichtigen Wegbereiter und Gründerväter des nichtchristlichen Flügels der völkischreligiösen Bewegung zu gelten hat. [103] Seine erstmals 1900 erschienene Programmschrift 'Über die Zukunft des deutschen Glaubens' ist der Prototyp aller späteren 'neuheidnischen' Manifeste. Seine weltanschauliche Grundlage bildet ein Konglomerat, bestehend aus einerseits antisemitischen, antirömischen/antiromanischen und antiklerikalen Stereotype und andererseits aus germanen-, heimat-, volkstums- und den alles überwölbenden rassenideologischen Elementen der völkischen Weltanschauung, wobei auch Einflüsse Goethes (Pantheismus) und Nietzsches (Dionysos) eine Rolle spielen. Wie alle 'neuheidnischen' Vordenker nach ihm bezeichnete Wachler das Christentum als eine oktroyierte, artfremde Religion, die für den Niedergang des ursprünglichen "Germanentums", für die "Vernichtung unseres Altertums und unserer Überlieferung" und damit für den Verlust der völkischen Eigenart der Germanen-Deutschen verantwortlich zu machen sei. [104]

<25>

Die "Stimme des Blutes", d.h. der Rückgriff auf das für das völkische Heidentum elementare, auf den Wiener Ariosophen Guido (von) List zurückgehende, esoterische Konstrukt des "Erberinnerns", des unbewussten Bewahrens und des Freisetzens von verschlüsselt überliefertem, nach völkischer Lesart durch die christlichen Verfolgungen verschütteten Wissen aus der germanischen Vergangenheit, ebnete Wachler den Weg zur "angestammten Religion" der Deutschen. [105] "Der unserem Volk naturgemäße Glaube" war nach Wachlers wie sämtlicher 'Neuheiden' Überzeugung "nicht tot, nur verschüttet". [106] Nach 'neuheidnischer' Auffassung überdauerte der "echte Glaube der Deutschen", bei dem es sich um eine urwüchsige Natur-, d.h. eine Blut- und Boden- und damit eine Rassereligion handelt, mit Hilfe arkaner Überlieferungen (wie etwa durch die deswegen verfolgten Hexen), im Brauchtum und vornehmlich in Märchen, Sagen und Mythen. [107] Völkische Künstler, Maler und besonders Dichter, in deren Medium, der Muttersprache, sich das "alte Erbgut" vornehmlich bewahrt habe, seien daher berufen und aufgerufen, gleich "Sehern" und "Art-Priestern" die "Keime eines neuen Glaubens auszustreuen". [108] Wachlers und anderer, von kulturnationalen Vorstellungen inspirierte Appelle fielen auf fruchtbaren Boden. Prominente Vertreter des 'neuheidnischen' Lagers, aber auch führende Anhänger des Deutschchristentums veröffentlichten seit der Jahrhundertwende Märchen-, Sagen- und Mythen-Bücher, [109] brachten wie Wilhelm Schwaner mit der zwischen 1904 und 1941 in sieben Auflagen erschienenen 'Germanen-Bibel' Anthologien mit – so der Untertitel – 'heiligen Texten germanischer Völker' heraus oder publizierten ideologisch aufbereitete Nachdichtungen der 'Edda', die neben der Taciteischen 'Germania' dem 'Neuheidentum' (bis in die Gegenwart hinein) als wichtigste Glaubensquelle dient. [110]

Abb. 3

Abb. 4

<26>

Bildende Künstler wie der unter seinem Künstlernamen Fidus bekannt gewordene Hugo Höppener oder Ludwig Fahrenkrog, Hermann Hendrich und Franz Stassen schufen ein reiches germanophiles Werk, [111] und Ernst Wachler rief mit seinem 1903 nahe Quedlinburg gegründeten 'Harzer Bergtheater' nicht nur eine für die Freilichttheater-Bewegung Maßstäbe setzende Naturbühne ins Leben, sondern errichtete damit zugleich eine 'neuheidnische' Kultstätte, wo seine, Fahrenkrogs und anderer völkischreligiöser Schriftsteller dramatische Weihespiele zur Aufführung gebracht wurden und wo sich wiederholt 'neuheidnische' Gruppen mit ihren Sympathisanten versammelten. [112]

<27>

Eine führende programmatische wie organisatorische Rolle bei der Formierung des germanischen 'Neuheidentums' um 1912/13 spielten mit Otto Sigfrid Reuter und Ludwig Fahrenkrog die geistigen Führer der 1911 als 'Deutschreligiöse Gemeinschaft' gegründeten 'Deutschgläubigen Gemeinschaft' und der ein Jahr später nahe dem oberhessischen Rattlar ins Leben gerufenen 'Germanischen Glaubens-Gemeinschaft'. Nach Fahrenkrogs wie Reuters Überzeugung waren "gemeinsame Rasse" und "gemeinsame[r] religiöse[r] Wille" bestimmende Merkmale "deutscher Religion". [113] Beider Ziel bestand dem völkischen Dogma folgend in der Einheit von "Bluts"- und "Religionsgemeinschaft", [114] weswegen 'Deutschgläubige' wie 'Germanische Glaubens-Gemeinschaft' Arierparagraphen besaßen und von ihren Mitgliedern die Kirchenfreiheit forderten. Wie alle Völkischen glaubten Fahrenkrog und Reuter, dass die "germanische Rasse" das Göttliche in sich berge. [115] "Deutsche Religion ist die den deutschen Menschen angeborene Religion", heißt es dazu formelhaft in einem Brief eines deutschgläubigen Propheten von 1912 und beinahe gleichlautend im Bekenntnis der 'Germanischen Glaubens-Gemeinschaft' von 1913. [116] Der Auserwähltheitsanspruch, die Tat- und Opferbereitschaft und mit Fahrenkrogs Worten "unser Hinaufpflanzen in völkischer Hinsicht" bestimmten aus 'neuheidnischer' Sicht das Wesen völkischer Religion und religiös bestimmtes Handeln, worin sie mit den Deutschchristen übereinstimmten. [117] "Wir wollen Menschen erziehen, [...] die den Kampf nicht scheuen, noch das Opfer, die ein tatenfreudiges, lebensbejahendes Dasein führen, die Gott suchen mit sehnendem Herzen", [118] bekannte ein Anhänger der deutschchristlichen Bewegung, womit er die dem gesamten Denken unterliegende und im Schrifttum thematisierte religiöse Disposition der Völkischen zum Ausdruck bringt. Sie ist die Quelle für die Aggressivität der völkischen Weltanschauung und ihrer Anhänger. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der völkischen Weltanschauung und Bewegung muss von der Kenntnis dieser völkischen Religionsvorstellungen und der völkischreligiösen Organisationen ihren Ausgang nehmen.

Abbildungen

Abb. 1
Darstellung eines christusgleichen Balder von Ludwig Fahrenkrog aus dem Jahr 1908, abgedruckt in: Ludwig Fahrenkrog, Baldur. Drama, Stuttgart 1908, 104.

Abb. 2
Darstellung eines so genannten 'deutschen Christus' von Ludwig Fahrenkrog aus dem Jahr 1905, abgedruckt in: Ludwig Fahrenkrog. Seine Schöpfungen und ihre Bedeutung für unser Volkstum (= Kunstgabe 2 [der "Schönheit"]), Dresden o. J. [um 1922], unpag.

Abb. 3
Titelblatt einer germanengläubigen Edda-Nacherzählung aus der Feder des 'neuheidnischen' Programmatikers Adolf Kroll, das in vielfältiger Weise Elemente der 'germanischen' Mythologie und der neugermanisch-völkischen Religion zitiert: Odins Raben Huginn und Munin, das links- und rechtsdrehende Hakenkreuz, die Mond und Sonne verfolgenden und schließlich verschlingenden Wölfe Hati und Sköll, die weltumschlingende Midgardschlange.

Abb. 4
Das 1918 entstandene Ölgemälde 'Die heilige Stunde' von Ludwig Fahrenkrog weist auf die lebensreformerischen, germanenideologischen und naturreligiösen Bezüge des 'Neuheidentums' hin und zitiert mit dem als Lebensrune figurierenden Mann das 'Lichtgebet' von Fidus; abgedruckt in: Ludwig Fahrenkrog. Seine Schöpfungen und ihre Bedeutung für unser Volkstum (= Kunstgabe 2 [der "Schönheit"]), Dresden o. J. [um 1922], unpag.

Autor:

Priv.-Doz. Dr. Uwe Puschner
Freie Universität Berlin
Friedrich-Meinecke-Institut
Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften
14195 Berlin
puschner@zedat.fu-berlin.de



[1] Siehe hierzu die zahlreichen Beispiele in Monika Flacke (Hg.): Mythen der Nationen. Ein europäisches Panorama, München / Berlin 2. Aufl. 2001; siehe auch Heinz-Gerhard Haupt / Dieter Langewiesche (Hg.), Nation und Religion in Europa. Mehrkonfessionelle Gesellschaften im 19. und 20. Jahrhundert, Frankfurt a.M. / New York 2004.

[2] Ernest Renan: Was ist eine Nation?, in: Ders.: Was ist eine Nation? Und andere politische Schriften (= Transfer Kulturgeschichte 2), Wien / Bozen 1995, 41-58, hier 53-55.

[3] Karl Robert Hoheisel: Identität in dialogischer Struktur und in monologischem Fundamentalismus, in: Werner Gephart / Hans Waldenfels (Hg.): Religion und Identität. Im Horizont des Pluralismus, Frankfurt a.M. 1999, 44-57, hier 44. Zu den derzeitigen Perspektivierungen der Religionsforschung siehe Friedrich Wilhelm Graf: Euro-Gott im starken Plural? Einige Fragestellungen für eine europäische Religionsgeschichte des 20. Jahrhunderts, in: Journal of Modern European History 3 (2005), 231-256, der jedoch nicht unmittelbar auf den völkischen Komplex eingeht.

[4] Georg Hauerstein, Die Sippensiedelung. Wegleite zur Wiedergeburt deutschgermanischen Lebens, Idernhagen-Hannover 1914, 19.

[5] Gustav Frenssen: Der Glaube der Nordmark, Stuttgart 1936, 145; zu Frenssen siehe weiter unten.

[6] Siehe hierzu die Hinweise in meinen Beitrag Strukturmerkmale der völkischen Bewegung (1900-1945), in: Le milieu intellectuel conservateur en Allemagne, sa presse et ses réseaux (1890-1960) / Das konservative Intellektuellenmilieu in Deutschland, seine Presse und seine Netzwerke (1890-1960) (= Convergences 27), hg. v. Michel Grunewald u. Uwe Puschner, Bern u.a. 2003, 445-468.

[7] Beispielhaft hierfür ist der unvollendet gebliebene Deutschvölkische Katechismus. Von einem deutschen Hochschullehrer, H. 1-3, Leipzig 1929-1932.

[8] Siehe hierzu in einer unvollständigen Auswahl für die Zwischenkriegszeit z.B. Helmuth Schreiner: Das Christentum und die völkische Frage, Berlin-Dahlem 1925; Karl Themel: Der religiöse Gehalt der völkischen Bewegung und ihre Stellung zur Kirche (= Protestantische Studien 3), Berlin 1926; Ernst Moering: Evangelische Kirche und völkische Bewegung, in: Süddeutsche Monatshefte 27 (1929/30), 838-842; Heinrich Hauck: Der neueste Stand der völkisch religiösen Bewegung in Deutschland 1935/36, Erlangen 1936, sowie Hansgeorg Schroth (Bearb.): Der neueste Stand der völkisch-religiösen Bewegung der Gegenwart (= Stoffsammlung für Schulungsarbeiten 40 [2. Reihe, Nr. 9]), hg. v. d. Apologetischen Centrale, Berlin-Spandau 1935, u. hierzu Matthias Pöhlmann: Kampf der Geister. Die Publizistik der "Apologetischen Centrale" (1921-1937) (= Konfession und Gesellschaft 16), Stuttgart 1998; u. von katholischer Seite Alfons Steiger: Der neudeutsche Heide im Kampf gegen Christen und Juden, Berlin 1924 (1. Aufl. 1923 unter dem Titel "Katholizismus und Judentum"), u. Erhard Schlund: Neugermanisches Heidentum im heutigen Deutschland, München 1923 (Nachdr. als Heft 4 der Reihe "Irmin-Edition", München 1976).

[9] Schlund: Heidentum (wie Anm. 8), München 2. Aufl. 1924, Vorwort u. Vorwort zum Nachdr. 1976.

[10] SIEHE in diesem Zusammenhang auch Klaus Schreiner: "Wann kommt der Retter Deutschlands?" Formen und Funktionen von politischem Messianismus in der Weimarer Republik, in: Saeculum 49 (1998), 107-160.

[11] Schlund: Heidentum (wie Anm. 8), 15; ebenso Weinel: Völkische Bewegung: II A. Völkische Religion, in: RGG V, 2. Aufl. 1931, 1617-1623, hier 1619.

[12] Konrad Algermissen: Deutschreligiöse Bewegung, in: LThK III, 2. Aufl. 1931, 259-263; Weinel, Völkische Bewegung (wie Anm. 11).

[13] Steiger: Heide (wie Anm. 8), 123.

[14] Die Forschung zur völkischreligiösen Bewegung spiegelt dieses Problem wider; siehe zum Stand der Forschung und zur Einführung die einführenden Beiträge von Justus H. Ulbricht: Deutschchristliche und deutschgläubige Gruppierungen, in: Handbuch der deutschen Reformbewegungen 1880-1933, hg. v. Diethart Kerbs u. Jürgen Reulecke, Wuppertal 1998, 499-511, u. "… in einer gottfremden, prophetenlosen Zeit …". Aspekte einer Problemgeschichte "arteigener" Religion um 1900, in: Völkische Religiosität und Krisen der Moderne. Entwürfe "arteigener" Religiosität seit der Jahrhundertwende, hg. v. Stefanie von Schnurbein u. Justus H. Ulbricht, Würzburg 2001, 9-39; siehe ferner Religion, "religiosités" et politique dans les extrêmes droites allemandes de 1870 à 1933. Actes du colloque organisé à Strasbourg par le Centre d'Études Germaniques les 21 et 22 janvier 2000 sous la direction scientifique de Louis Dupeux et Michel Fabréguet (= Revue d'Allemagne et des Pays de Langue allemande 32 (2000)/ 2); Antisemitismus, Paganismus, Völkische Religion / Anti-Semitism, Paganism, Voelkish Religion, hg. v. Hubert Cancik u. Uwe Puschner, München u.a. 2004, sowie Geistesgeschichte der Weimarer Republik, hg. v. Hubert Cancik, Düsseldorf 1982; Die Restauration der Götter. Antike Religion und Neo-Paganismus, hg. v. Richard Faber u. Renate Schlesier, Würzburg 1986, Kybele – Prophetin – Hexe. Religiöse Frauenbilder und Weiblichkeitskonzeptionen, hg. v. Richard Faber u. Susanne Lanwerd, Würzburg 1997; Politische Religion – religiöse Politik, hg. v. Richard Faber, Würzburg 1997; Die Lebensreform. Entwürfe zur Neugestaltung von Kunst und Leben um 1900, hg. v. Kai Buchholz, Rita Latocha, Hilke Peckmann u. Klaus Wolbert, 2 Bde., Darmstadt 2001. Armin Mohler / Karlheinz Weissmann: Die Konservative Revolution in Deutschland 1918-1932. Ein Handbuch, 6. Aufl., Graz 2005, 271-274, u. einzelne Beiträge in dem Sammelband von Olivier Dard / Étienne Deschamps (Hg.): Les relèves en Europe d’un après-guerre à l’autre (= Euroclio 33), Brüssel 2005.

[15] Schlund: Heidentum (wie Anm. 8), 15.

[16] Siehe hierzu Paul Althaus: Kirche und Volkstum. Vortrag auf dem 2. deutschen Kirchentage zu Königsberg, 17. Juni 1927, in: Ders.: Evangelium und Leben. Gesammelte Vorträge, Gütersloh 1927, 113-143, hier 131f.

[17] Algermissen: Bewegung (wie Anm. 12), 262; Weinel: Völkische Bewegung (wie Anm. 11), 1621-1626.

[18] Siehe zu den genannten und weiteren in diesem Kontext untersuchten Organisationen Kurt Nowak: Evangelische Kirche und Weimarer Republik. Zum politischen Weg des deutschen Protestantismus zwischen 1918 und 1932, Göttingen 1981, 247-250; Hans-Joachim Sonne: Die politische Theologie der Deutschen Christen. Einheit und Vielfalt deutsch-christlichen Denkens, dargestellt anhand des Bundes für deutsche Kirche, der Thüringer Kirchenbewegung "Deutsche Christen" und der Christlich-deutschen Bewegung, Göttingen 1982; Kurt Meier: Der "Bund für deutsche Kirche" und seine völkisch-antijudaistische Theologie, in: Kurt Nowak / Gérard Raulet (Hg.): Protestantismus und Antisemitismus in der Weimarer Republik, Frankfurt a.M. u.a. 1994, 177-198; Kai Detlev Sievers: Völkischer Heimatschutz, in: Kieler Blätter zur Volkskunde 29 (1997), 5-35, 30 (1998), 5-48, 31 (1999), 5-52; Olaf Kühl-Freudenstein: Evangelische Religionspädagogik und völkische Ideologie. Studien zum 'Bund für deutsche Kirche' und der 'Glaubensbewegung Deutsche Christen' (= Forum zur Pädagogik und Didaktik der Religion, N.F. 1 2003), Würzburg 2003; Doris L. Bergen: Twisted Cross. The German Christian Movement in the Third Reich, Chapell Hill / London 1996; in vergleichender Perspektive Martin Schulze Wessel: Die deutschen Christen im Nationalsozialismus und die Lebendige Kirche im Bolschewismus – zwei kirchliche Repräsentationen neuer politischer Ordnung, in: Journal of Modern European History 3 (2005), 147-163; Claudia Witte: Germanenmythos und völkische Religion. Artur Dinter und das Haus Ludendorff 1925-1933, Magisterarbeit Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin 1991; Günter Hartung: Artur Dinter, Erfolgsautor des frühen Nationalsozialismus, in: ders.: Deutschfaschistische Literatur und Ästhetik. Gesammelte Studien (= Gesammelte Aufsätze und Vorträge 1), Leipzig 2001, 99-124; Michel Fabréguet: Artur Dinter. Théologien, biologiste et politique (1876-1948), in: Religion, "religiosités" et politique dans les extrêmes droites allemandes de 1870 à 1933 (wie Anm. 14), 233-244; Ulrich Nanko: Die Deutsche Glaubensbewegung. Eine historische und soziologische Untersuchung (= Religionswissenschaftliche Reihe 4), Marburg 1993; Horst Junginger: Von der philosophischen zur völkischen Religionswissenschaft. Das Fach Religionswissenschaft an der Universität Tübingen von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Dritten Reiches (= Contubernium 51), Köln 1999, bes. 49-99 u. 124-160; Schaul Baumann: Die Deutsche Glaubensbewegung und ihr Gründer Jakob Wilhelm Hauer (1881-1962) (= Religionswissenschaftliche Reihe 22), Marburg 2005.

[19] Siehe hierzu Stefan Breuer: Nationalismus und Faschismus. Frankreich, Italien und Deutschland im Vergleich, Darmstadt 2005, 146-161; sowie Puschner: Strukturmerkmale (wie Anm. 6), u. mit Blick auf die völkischreligiöse Teilbewegung, ders.: Deutschchristentum. Über christlich-völkische Religiosität, in: Der Protestantismus. Ideologie, Konfession oder Kultur?, hg. v. Richard Faber u. Gesine Palmer, Würzburg 2003, 91-122; siehe in diesem Zusammenhang auch die Studie von Angela Treiber: Volkskunde und evangelische Theologie. Die Dorfkirchenbewegung 1907-1945, Köln u.a. 2004, bes. 223-261.

[20] Siehe hierzu etwa aus der jüngeren Forschung die erkenntnisreiche Studie von Richard Steigmann-Gall: The Holy Reich. Nazi Conceptions of Christianity, 1919-1945, Cambridge 2003.

[21] Zur Geschichte der völkischen Bewegung und zum Forschungsstand siehe Handbuch zur "völkischen Bewegung" 1871-1918, hg. v. Uwe Puschner, Walter Schmitz u. Justus H. Ulbricht, München u.a. 1996; Stefan Breuer: Grundpositionen der deutschen Rechten 1871-1945 (= Historische Einführungen 2), Tübingen 1999; ders.: Ordnung der Ungleichheit – die deutsche Rechte im Widerstreit ihrer Idee, 1871-1945, Darmstadt 2001; u. Uwe Puschner: Die völkische Bewegung im wilhelminischen Kaiserreich. Sprache, Rasse, Religion, Darmstadt 2001.

[22] Themel: Gehalt (wie Anm. 8), 32; siehe in diesem Zusammenhang auch Stefan Breuer: Gescheiterte Milieubildung. Die Völkischen im deutschen Kaiserreich, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 52 (2004), 995-1016.

[23] Siehe Puschner: Bewegung (wie Anm. 21), 203ff.

[24] Otger Gräff: Zeugnisse deutschen Glaubens, in: Neues Leben. Monatsschrift für deutsche Wiedergeburt 13 (1918), 85.

[25] Hierzu Breuer: Grundpositionen (wie Anm. 21) u. Puschner: Strukturmerkmale (wie Anm. 6).

[26] Siehe hierzu insbesondere Friedrich Wilhelm Graf: Die Wiederkehr der Götter. Religion in der modernen Kultur, München 2004, 133ff.; u. pointiert Justus H. Ulbricht: Religiosität und Spiritualität, in: Kerbs / Reulecke, Handbuch der deutschen Reformbewegungen (wie Anm. 14), 495-498; vgl. auch Ulrich Linse: Säkularisierung oder Neue Religiosität? Zur religiösen Situation in Deutschland um 1900, in: Recherches Germaniques 27 (1997), 117-141; Wolfgang Hardtwig: Political Religion im modern Germany: Reflections on Nationalism, Socialism, and National Socialism, in: Bulletin of the German Historical Institute 28, Washington 2001, 3-27, hier 16; mit Perspektive auf die (Lebens-) Reformbewegungen Bernd Wedemeyer-Kolwe: "Der neue Mensch". Körperkultur im Kaiserreich und in der Weimarer Republik, Würzburg 2004, 129-189; ders.: De la culture et du nationalisme völkisch dans l’Allemagne de Weimar, in: Olivier Dard / Étienne Deschamps (Hg.): Les relèves en Europe d’un après-guerre à l’autre (= Euroclio 33), Brüssel 2005, 91-102 u. Meike Sophia Baader: Erziehung als Erlösung. Transformationen des Religiösen in der Reformpädagogik (= Beiträge zur Pädagogischen Grundlagenforschung), Weinheim / München 2005, 45-122.

[27] Friedrich Wilhelm Graf: Die Nation – von Gott "erfunden"?, in: Gerd Krumeich / Hartmut Lehmann (Hg.): "Gott mit uns". Nation, Religion und Gewalt im 19. und frühen 20. Jahrhundert (= Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 162), Göttingen 2000, 285-317, hier 305 [gekürzt in: Graf: Wiederkehr (wie Anm. 26), 102-132], u. Gangolf Hübinger, Sakralisierung der Nation und Formen des Nationalismus im deutschen Protestantismus, in: Krumeich / Lehmann: "Gott mit uns" (wie Anm. 27), 233-247, hier 234; siehe auch Lucian Hölscher: Geschichte der protestantischen Frömmigkeit in Deutschland, München 2005.

[28] Adolph Diesterweg: Was deutsch ist und was nicht, in: Ders.: Jahrbuch für Lehrer und Schulfreunde 1854, Berlin 1854, 135-140, hier 139.

[29] Alfred Conn: Der Wahn vom völkischen Staat auf xristlicher Grundlage, Hamburg 1928 (Reprint Bremen 1986), 5.

[30] Themel: Gehalt (wie Anm. 8), 9.

[31] Max Robert Gerstenhauer: Was ist Deutsch-Christentum?, Berlin-Schlachtensee 2. Aufl. 1930, 4.

[32] [Joachim] Kurd Niedlich: Jahwe oder Jesus? Die Quelle unserer Entartung, Leipzig 2. Aufl. 1925, 9; Gustav Simons: Die natürliche Weltanschauung. Ein Leitfaden durch des Lebens Labyrint, Stettin 1908, 15, u. Joachim Kurd Niedlich: Deutscher Heimatschutz als Erziehung zu deutscher Kultur! Die Seele deutscher Wiedergeburt, hg. v. Friesenbund, Leipzig 1920, 150.

[33] Ottmar Hegemann: Das Recht des Kristentums, in: Heimdall. Zeitschrift für reines Deutschtum und Alldeutschtum 20 (1915), 99f., hier 100.

[34] Ernst Wachler: Was ist ein Deutscher?, in: Politisch-Anthropologische Monatsschrift für praktische Politik, für politische Bildung und Erziehung auf biologischer Grundlage 15 (1916), 48f., hier 49; Ernst Hunkel: Vom Deutschen Orden, in: Heimdall. Zeitschrift für reines Deutschtum und Alldeutschtum 19 (1914), 20; Willo Mahr: Religiöse Richtsätze für völkische Deutsche, in: Die Sonne. Monatsschrift für Nordische Weltanschauung und Lebensgestaltung 10 (1933), 435.

[35] Karl Bösch: Adel, Leipzig / Hartenstein 4. Aufl. 1919, 151. Siehe hierzu meinen Beitrag Germanenideologie und völkische Weltanschauung, in: Zur Geschichte der Gleichung 'germanisch – deutsch'. Sprache und Namen, Geschichte und Institutionen (= Ergänzungsbände zum Reallexikon der Germanischen Altertumskunde 34), hg. v. Heinrich Beck, Dieter Geuenich, Heiko Steuer u. Dietrich Hakelberg, Berlin / New York 2004, 103-129, sowie Ingo Wiwjorra: Der Germanenmythos. Konstruktionen einer Weltanschauung in der Altertumsforschung des 19. Jahrhunderts, Darmstadt 2006, u. für den Hintergrund Hartmut Lehmann: The Germans as a Chosen People. Old Testament Themes in German Nationalism, in: Ders.: Religion und Religiosität in der Neuzeit. Historische Beiträge, hg. v. Manfred Jakubowski-Tiessen u. Otto Ulbricht, Göttingen 1996, 248-259, sowie Anthony D. Smith: Chosen Peoples. Sacred Sources of National Identity, Oxford 2003.

[36] Paul de Lagarde: Die Religion der Zukunft [1878], in: Ders.: Schriften für das deutsche Volk, Bd. 1: Deutsche Schriften, hg. v. Karl August Fischer, München 2. Aufl. 1934, 251-286, hier 281.

[37] Ludwig Fahrenkrog, Die Germanische Glaubens-Gemeinschaft, in: Allgemeiner Beobachter. Halbmonatsschrift für alle Fragen des modernen Lebens 3 (1913), 227-229, hier 229.

[38] Mahr: Richtsätze (wie Anm. 34), 435; Der Wälsungen-Orden (= Sonderdruck aus "Die Nornen"), Jena 1918, 26; Richtsätze der Glaubensbewegung Deutsche Volkskirche, in: Junge Kirche 1 (1933), 361; siehe auch Wilhelm Gildemeister: Gotha und die deutsche Kirche, in: Deutsche Art und Arbeit in Stadt und Land Gotha. Festschrift zum Hermannsfest des Deutschbundes in Gotha am 10.-12. Juni 1911, hg. v. Hermann Haack, Gotha 1911, 45-51, hier 51.

[39] Thomas Westerich: Orplid das heilige Land. Das Mysterium der Reinheit, Stade 1923, 12.

[40] Zur Religions-Frage, in: Hammer. Blätter für deutschen Sinn 1910, Nr. 188, 197-201, Nr. 191, 281-284, hier 281. Zur Debatte um die Säkularisierung siehe neben Hugh McLeod: Secularisation in Western Europe, 1848-1914 (= European Studies Series), London 2000; Hartmut Lehmann: Jenseits der Säkularisierungsthese: Religion im Prozeß der Säkularisierung, in: Manfred Jacubowski-Tiessen (Hg.): Religion zwischen Kunst und Politik. Aspekte der Säkularisierung im 19. Jahrhundert, Göttingen 2004, 178-190, mit Blick auf die völkische Thematik Linse: Säkularisierung (wie Anm. 26), u. Rainer Hering: "Säkularisierung", Entkirchlichung, Dechristianisierung und Formen der Rechristianisierung bzw. Resakralisierung in Deutschland, in: von Schnurbein / Ulbricht: Völkische Religiosität (wie Anm. 14), 120-164.

[41] Artur Dinter: Die Sünde wider das Blut. Ein Zeitroman, Leipzig / Hartenstein 16. Aufl. 1921, Nachwort zur 1., 2. und 3. Auflage, 344.

[42] Siehe hierzu den bibliographischen Überblick über grundlegende völkischreligiöse Schriften bei Rudolf Rüsten (Hg.): Was tut not? Ein Führer durch die gesamte Literatur der Deutschbewegung, Leipzig 1914 (Nachdr. Toppenstedter Reihe 4, Toppenstedt 1983), 45-49.

[43] Ernst Ludwig Freiherr von Wolzogen: Wegweiser zu deutschem Glauben. Versuch einer gemeinverständlichen Darstellung der wesentlichsten Gesichtspunkte der deutschreligiösen Gemeinden und Verbände (= Aus dem Jungborn. Flugschriften für wahrhaftiges deutsches Leben 4), Oranienburg-Eden 1919 (Nachdr. Bremen 1996), 16; Hidulf R. Flurschütz: Von der Neugeburt nordischer Religion aus dem Geiste der Jugendbewegung (= Flugschriftenreihe der Nordungen 1), o. O. u. J.

[44] Siehe Zur Religions-Frage, 200.

[45] Max Robert Gerstenhauer: Der Führer. Ein Wegweiser zu deutscher Weltanschauung und Politik, Jena 1927, 132.

[46] Paul Hartig: Die völkische Weltsendung. Wege zum völkischen Werden, Bad Berka 1924, 2.

[47] Paul de Lagarde: Über das Verhältnis des deutschen Staates zu Theologie, Kirche und Religion [1873], u. ders.: Die Religion der Zukunft [1878], beide in: Ders.: Schriften für das deutsche Volk, Bd. 1, 45-90 u. 251-286, bes. 89f. u. 270. Zu Lagarde im völkischen Kontext siehe Ina Ulrike Paul: Paul Anton de Lagarde, in: Puschner / Schmitz / Ulbricht: Handbuch zur 'völkischen Bewegung' (wie Anm. 21), 45-93, hier bes. 62-68.

[48] Houston Stewart Chamberlain: Die Grundlagen des Neunzehnten Jahrhundert, Bd. 2, München 5. Aufl. 1904, 750.

[49] Adolf Bartels: Der deutsche Verfall, Zeitz 3. Aufl. 1919, 37.

[50] Gerstenhauer: Deutsch-Christentum (wie Anm. 31), 4 u. 5.

[51] Friedrich Lange: Deutsche Worte. Blüten und Früchte deutschnationaler Weltanschauung. Weihe- und Hermannsreden des Bundeswarts Dr. Friedrich Lange an den Deutschbund und Nachweis über Wesen und Wirken des Bundes seit 1894, hg. v. Hermann Ehrhard, Berlin 1907.

[52] Thomas Westerich: Deutschvölkische Kulturpolitik, Hamburg 1921, 5.

[53] Mathilde von Ludendorff: Der göttliche Sinn der völkischen Bewegung. Festrede anlässlich der Geburttagsfeier Ludendorffs in München im April 1924, München 1924.

[54] Hermann Lübbe (Hg.): Heilserwartung und Terror. Politische Religionen des 20. Jahrhunderts (= Schriften der Katholischen Akademie in Bayern 152), Düsseldorf 1995; Hans Maier (Hg.): 'Totalitarismus' und 'Politische Religion'. Konzepte des Diktaturvergleichs (= Politik- und Kommunikationswissenschaftliche Veröffentlichungen der Görres-Gesellschaft 16), Paderborn u.a. 1996; Michael Ley / Julius H. Schoeps (Hg.): Der Nationalsozialismus als politische Religion (= Studien zur Geistesgeschichte 20), Bodenheim b. Mainz 1997; Richard Faber (Hg.): Politische Religion, religiöse Politik, Würzburg 1997; Klaus Hildebrandt (Hg.): Zwischen Politik und Religion. Existenz und Wirkung des Totalitarismus (= Schriften des Historischen Kollegs, Kolloquien 59), München 2003; Georg Pfleiderer (Hg.): Politische Religion. Geschichte und Gegenwart eines Problemfeldes, Zürich 2004; Michael Ley: Mythos und Moderne. Über das Verhältnis von Nationalsozialismus und politischen Religionen, Wien u.a. 2005; sowie Peter Walkenhorst: Nationalsozialismus als "politische Religion"? Zur religiösen Dimension nationalistischer Ideologie im Kaiserreich, in: Olaf Blaschke / Frank-Michael Kuhlemann (Hg.): Religion im Kaiserreich, Milieu, Mentalitäten, Krisen (= Religiöse Kulturen der Moderne 2), Gütersloh 1996, 503-529; Claus-Ekkehard Bärsch: Die politische Religion des Nationalsozialismus. Die religiöse Dimension der NS-Ideologie in den Schriften von Dietrich Eckart, Joseph Goebbels, Alfred Rosenberg und Adolf Hitler, München 1998; Jan Assmann: Herrschaft und Heil. Politische Theologie in Altägypten, Israel und Europa, München / Wien 2000; Hardtwig: Political religion (wie Anm. 26); zur Forschungsgenese und zur -diskussion siehe Detlef Schmiechen-Ackermann: Diktatur im Vergleich (= Kontroversen um die Geschichte), Darmstadt 2002, 49-55.

[55] Bekenntnis und Wahrheit, in: Das Deutsche Buch, hg. v. d. Germanischen Glaubens-Gemeinschaft, Berlin-Steglitz 2., verm. u. verb. Aufl. 1921, 29-32, hier 31; ebenso Gustav Simons: Das Gesamtbild deutscher Erneuerungs-Bestrebungen. Ein Leitfaden für alle Reformer, besonders für die Führer, Oranienburg-Berlin 1913, 31.

[56] Thomas Nipperdey, Deutsche Geschichte 1866-1918, Bd. 1, München 1990, hier 521. Siehe in diesem Zusammenhang auch die Fallstudie von Harald Haury: Von Riesa nach Schloß Elmau. Johannes Müller (1864-1949) als Prophet, Unternehmer und Seelenführer eines völkisch, naturfrommen Protestantismus (= Religiöse Kulturen der Moderne 11), Gütersloh 2005.

[57] Siehe in diesem Zusammenhang die prägnanten Ausführungen von [Paul Koethner]: Deutsche Ordnung. Recht und Gesetz des Deutschen. I. Stimmen aus der Heimat der deutschen Seele, Hamburg 1920, 12 u. 15: "I. Ich glaube an mein Dasein in der Diesseitswelt. […] VIII. Ich weiß, dass es Familien, Menschen, Völker gibt, die mir fremd sind und bleiben / Deren Ahnen Art und Ziele sind nicht meiner Ahnen Art und Ziele / Deren 'Gott' ist nicht mein Gott." Siehe in diesem Zusammenhang auch Johannes Lehmann-Hohenberg: Naturwissenschaft und Bibel. Beiträge zur Weiterbildung der Religion, Ausblicke auf eine neue Staatskunst, eine naturwissenschaftliche Antwort auf das Glaubensbekenntnis Kaiser Wilhelm II., Jena 1904.

[58] Gustav Frenssen: Lebensbericht, Berlin 1941, 124f.; zu ihm siehe Kay Dohnke / Dietrich Stein (Hg.): Gustav Frenssen in seiner Zeit. Von der Massenliteratur im Kaiserreich zur Massenideologie im NS-Staat, Heide 1997 u. Andreas Crystall: Gustav Frenssen. Sein Weg vom Kulturprotestantismus zum Nationalsozialismus (= Religiöse Kulturen der Moderne 10), Gütersloh 2002.

[59] Siehe hierfür z.B. Friedrich Andersen: Der deutsche Heiland (Neuauflage des "Anticlericus" [1907]), München 1921, 36, 138, 167.

[60] Siehe hierzu neben den weiter oben genannten neueren Studien die Überblicke von Justus H. Ulbricht: Deutschchristliche und deutschgläubige Gruppierungen, in: Kerbs / Reulecke: Handbuch der deutschen Reformbewegungen (wie Anm. 14), bes. 504-409; Ulrich Nanko: Das Spektrum völkisch-religiöser Organisationen von der Jahrhundertwende bis ins "Dritte Reich", in: von Schnurbein / Ulbricht: Völkische Religiosität (wie Anm. 14), 208-226; ders.: Religiöse Gruppenbildung vormaliger 'Deutschgläubiger' nach 1945; u. Stefanie von Schnurbein: Religion of nature or Racist Cult? Contemprary Neogermanic Pagan Movements in Germany, beide in: Cancik / Puschner: Antisemitismus (wie Anm. 14), 121-134 u. 135-149.

[61] Ernst Wachler: Union der protestantischen und katholischen Kultur, in: Ideal und Leben. Deutsche Monatsschrift für den geistigen Adel der deutschen Nation 5 (1917), 661f., hier 662; zum ONT siehe Ekkehard Hieronimus: Lanz von Liebenfels. Eine Bibliographie (= Toppenstedter Reihe 11), Toppenstedt 1991, 14.

[62] Siehe hierzu die weiter oben zitierten Forschungen sowie Stefanie von Schnurbein: Die Suche nach einer "arteigenen" Religion in 'germanischen' und 'deutschgläubigen' Gruppen, in: Puschner / Schmitz / Ulbricht: Handbuch zur 'völkischen Bewegung' (wie Anm. 21), 172-185, Puschner: Bewegung (wie Anm. 21), 234ff.; Winfried Mogge: Ludwig Fahrenkrog und die Germanische Glaubens-Gemeinschaft, in: Buchholz / Latocha / Peckmann / Wolbert: Lebensreformbewegung (wie Anm. 14), Bd. 1, 429-432, u. Daniel Junker: Gott in uns! Die Germanische Glaubens-Gemeinschaft. Ein Beitrag zur Geschichte völkischer Religiosität in der Weimarer Republik, Hamburg 2002.

[63] Nanko: Spektrum (wie Anm. 60), 209.

[64] Nanko: Spektrum, 216f. (wie Anm. 60); Manfred Nebelin: Erich Ludendorff – Ein völkischer Prophet, in: Religion, "religiosités" et politique dans les extrêmes droites allemandes de 1870 à 1933 (wie Anm. 14), 245-256, sowie Witte, Germanenmythos (wie Anm. 18).

[65] Siehe die Literaturhinweise weiter oben.

[66] Siehe Ulbricht: Deutschchristliche und deutschgläubige Gruppierungen (wie Anm. 60), 508f.; Puschner: Deutschchristentum (wie Anm. 31), 119-122; ders.: Strukturmerkmale (wie Anm. 6), 465-467; zur jahrzehntelangen Forderung nach staatlicher Anerkennung siehe Puschner: Bewegung (wie Anm. 21), 250, sowie das Beispiel des allein zu diesem Zweck gegründeten Rechtsschutzverbandes für Deutschen, nicht christlichen Glauben, in: Am Heiligen Quell deutscher Kraft. Ludendorffs Halbmonatsschrift 4 (1933), 187f.

[67] Vom deutschen Glaubenstume, in: Heimdall. Zeitschrift für reines Deutschtum und Alldeutschtum 19 (1914), 4-6, 17-29, 41-44, hier 18.

[68] "Odinsknaben" – "Hitlerjungen", in: Münchner Post v. 23.3.1923; Hellmuth von Müller-Berneck: Wie ich deutsch-völkischer Christ und ein Vorkämpfer für bäuerliche Siedelung im Großen wurde. Religiöse, soziale, kulturelle und wirtschaftliche Streifblicke in deutscher Not 1920-1926, Dresden o. J. [1926], 53; u. zu den Zahlenangaben Adolf Bartels: Der Nationalsozialismus Deutschlands Rettung, Leipzig 3. Aufl. 1924, 30. Zur Gleichsetzung von Völkischen und Neuheiden siehe z.B. Karl Anton Prinz Rohan: Inventar der politischen Grundhaltungen im heutigen Europa [1929], in: ders.: Umbruch der Zeit 1923-1930. Gesammelte Aufsätze, Berlin 1930, 37-56, hier 40.

[69] Oskar Michel: Wie lange noch! Ein Wort zum 2. evangelischen Kirchentag, in: Ringendes Deutschtum. Wochenschrift zur Lebenserneuerung auf völkischer Grundlage 2 (1921) v. 2.10.1921; siehe auch Hauerstein: Sippensiedelung (wie Anm. 4), 12f.

[70] Niedlich: Heimatschutz (wie Anm. 32), 152; u. P. Wigaloïs: Der Tempel zu Rethra und seine Zeit. Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Vorzeit, Berlin 2. Aufl. o. J. [1905], 10; siehe aus der Vielzahl der scharfen Kommentare gegen Karl den Großen Guido List: Die zweite Deutsche Reformation, in: Odin. Ein Kampfblatt für die alldeutsche Bewegung 1 (1899)/1, 5-7, u. /2, 2-3; [Otto Sigfrid Reuter]: Sigfrid oder Christus?! Kampfruf an die germanischen Völker zur Jahrtausendwende. Von einem Deutschen, Leipzig 1910 (Nachdr. Toppenstedt 1976), 17; u. Hans Stiegeler: Des Deutschen Volkes Werdegang. Ein völkischer Rück- und Ausblick (= Aufklärungsschrift 1 des Deutschvölkischen Bundes (Urda-Bund), München), München 1915, 23; u. für die Bewertung die kritische Auseinandersetzung von Justus H. Ulbricht: "Heil Dir, Wittekinds Stamm". Verden, der "Sachsenhain" und die Geschichte völkischer Religiösität in Deutschland, in: Heimatkalender für den Landkreis Verden 1995, 69-123, u. 1996, 224-267.

[71] Ludwig Kuhlenbeck: Das Evangelium der Rasse (= Deutsches Wollen! 2), Prenzlau 1905, 48.

[72] Artur Dinter: Ursprung, Ziel und Weg der deutschvölkischen Freiheitsbewegung. Das völkisch-soziale Programm, Weimar 1924, 5.

[73] Theodor Scheffer: Adolf Hitler, der Deutsche, zum 20. April 1944, in: Deutschbund-Blätter 49 (1944), 1-3, hier 2.

[74] Vom deutschen Glaubenstume (wie Anm. 67), 5; List: Die zweite Deutsche Reformation (wie Anm. 70); Artur Dinter: 197 Thesen zur Vollendung der Reformation. Die Wiederherstellung der reinen Heilandslehre, Leipzig 1926, 38; Ernst Wachler: Über die Zukunft des deutschen Glaubens. Ein philosophischer Versuch (= Irminsul. Schriftenreihe für Junggermanische (eddische) Religion und Weltanschauung 44), Freiberg in Sachsen 1930 (1. Aufl. Berlin 1900), bes. 9 u. 15f.

[75] Bartels: Verfall (wie Anm. 49), 38.

[76] Rudolf John Gorsleben: Gedanken um Zeit und Ewigkeit, in: Festschrift zum fünfundzwanzigjährigen Bestehen des Hammer, Leipzig 1926, 114-116, hier 114.

[77] Adolf Bartels: Rasse und Volkstum. Gesammelte Aufsätze zur nationalen Weltanschauung, Weimar 2., verm. Aufl. 1920, 256.

[78] Adolf Reinecke: Deutsche Wiedergeburt. Grundlegende Baustücke zur Jungdeutschen Bewegung, hg. v. Alldeutschen Sprach- und Schriftverein, Lindau 1901, 183.

[79] Karl Felix Wolff: Rassenlehre. Neue Gedanken zur Anthropologie, Politik, Wirtschaft, Volkspflege und Ethik (= Mannus-Bibliothek 39), Leipzig 1927, 147; Bartels: Rasse und Volkstum (wie Anm. 77), 269.

[80] Niedlich: Heimatschutz (wie Anm. 32), 159.

[81] Alfred Heil: Vom neuen Glauben, in: Hammer. Blätter für deutschen Sinn 1911, Nr. 222, 477-479, hier 479.

[82] Andersen: Heiland (wie Anm. 59), 123; Gerstenhauer: Deutsch-Christentum (wie Anm. 31), 27.

[83] Niedlich: Jahwe (wie Anm. 32), 15.

[84] Dinter: 197 Thesen (wie Anm. 74), 31. Siehe hierzu und zum folgenden jetzt auch Wolfgang Fenske: Wie Jesus zum 'Arier' wurde. Auswirkungen der Entjudaisierung Christi im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts, Darmstadt 2005.

[85] Zur Beseitigung der Hebräischen Bestandteile aus dem Christentume, in: Heimdall. Zeitschrift für reines Deutschtum und All-Deutschtum 1 (1896), 14.

[86] Theodor Fritsch: Der Rückgang der blonden Rasse, in: Hammer. Blätter für deutschen Sinn 1903, Nr. 29, 411-415 u. 549-552, hier 551.

[87] F. Roderich Stoltheim [d. i. Theodor Fritsch]: Vom Arier Jesus, in: Heimdall. Zeitschrift für reines Deutschtum und Alldeutschtum 9 (1904), 110-112; Herm. Gr.: Das Ariertum Jesus Christus, in: Heimdall. Zeitschrift für reines Deutschtum und Alldeutschtum 6 (1901), 45.

[88] Niedlich: Jahwe (wie Anm. 32), 56.

[89] Bartels: Rasse und Volkstum (wie Anm. 77), 269.

[90] Vom deutschen Glaubenstume (wie Anm. 67), 5.

[91] Julius Bode: Wodan und Jesus. Ein Büchlein von christlichem Deutschtum, Sontra 1920, 42f.

[92] Siehe hierzu etwa Max Bewer: Der deutsche Christus. War Christus Jude? War Christus Sozialdemokrat? Wie wird Deutschland glaubenseinig?, Laubegast-Dresden 1907.

[93] Josef Ludwig Reimer: Grundzüge deutscher Wiedergeburt. Ein auf wissenschaftlicher Basis ruhendes neudeutsches Lebensprogramm für die Gebiete der Rassenpflege, Staats- und Sozialpolitik, Religion und Kultur, Leipzig 2. erw. Aufl. 1906, 89; Alfred Heil: Anti-Christentum, in: Hammer. Blätter für deutschen Sinn 1907, Nr. 120, 373-375, hier 373. Siehe in diesem Zusammenhang auch die kunsthistorische Studie von Eva-Maria Kaffanke: Der deutsche Heiland. Christusdarstellungen um 1900 im Kontext der völkischen Bewegung (= Europäische Hochschulschriften, Reihe 28: Kunstgeschichte 383), Frankfurt a.M. 2001.

[94] Siehe Ludwig Fahrenkrog: Der Typ Jesus, in: Nord und Süd. Eine deutsche Monatsschrift 32 (1908), Bd. 26, H. 376, 139-146; hierzu Kaffanke: Heiland (wie Anm. 93), 55-57.

[95] Zu Andersen siehe Giesela Siems: Hauptpastor Friedrich Andersen. Bund für deutsche Kirche - Ein Wegbereiter des Nationalsozialismus in der Stadt Flensburg, in: Klauspeter Reumann (Hg.): Kirche und Nationalsozialismus. Beiträge zur Geschichte des Kirchenkampfes in den evangelischen Landeskirchen Schleswig-Holsteins, Neumünster 1988, 13-34; u. Hauke Wattenberg: Friedrich Andersen. Ein deutscher Prediger des Antisemitismus. Mit einem Epilog von Stephan Link (= Kleine Reihe der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte 34), Flensburg 2004.

[96] Zitiert nach Georg Groh: Geschichte der germanischen Gottgläubigkeit, in: Rig. Blätter für germanisches Weistum 3 (1928), 122-129, 146-156, 4 (1929), 54-62, hier 153.

[97] Gustav Simons: Volkswirtschaft und Volksgesundheit, in: I. Kongress für Biologische Hygiene. Vorarbeiten und Verhandlungen. Hamburg 1912, Hamburg 1913, 343-356, hier 355.

[98] Simons: Gesamtbild (wie Anm. 54), 33.

[99] Reuter: Sigfrid oder Christus (wie Anm. 70), 25.

[100] Conn: Wahn (wie Anm. 29), 12.

[101] Michel: Wie lange noch (wie Anm. 69).

[102] Eine neue Sekte, in: Rig. Blätter für germanisches Weistum 2 (1927), Werbeannonce [für die Zeitschrift] neben dem Impressum; das zweite Zitat findet sich in dem Abschnitt "Bekenntnis der Germanischen Glaubens-Gemeinschaft" einer mit dem Titel "Germanische Glaubens-Gemeinschaft" um 1913 publizierten Werbebroschüre. Einen unvollständigen Überblick über das einschlägige Schrifttum für die ersten drei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts gibt Emil Hubricht: Buchweiser für das völkisch-religiöse Schrifttum und dessen Grenzgebiete (= Irminsul. Schriftenreihe für Junggermanische (eddische) Religion und Weltanschauung 12), Freiberg in Sachsen 2. Aufl. 1934 (Reprint als Bd. 5 der Toppenstedter Reihe, Toppenstedt 1983).

[103] Aus dem umfangreichen Schrifttum der Genannten sei insbesondere auf die folgenden aufgrund ihres Einflusses bedeutsamen Beiträge hingewiesen: Ludwig Fahrenkrog: Germanentempel, in: Der Volkserzieher 11 (1907), 42f., 12 (1908), 41f. u. 77f.; Guido List: Der Unbesiegbare, Wien / Leipzig 1898; Reuter: Sigfrid oder Christus (wie Anm. 70), Adolf Riemann [d. i. Josef Weber]: Allvater (Wodan) oder Jehovah? Das Deutsche Glaubentum, Salzburg 1921 (1. Aufl. Berlin 1906; Nachdr. Bremen 1995); Wachler: Zukunft (wie Anm. 74), Ernst Ludwig Freiherr von Wolzogen: Wegweiser zu deutschem Glauben. Versuch einer gemeinverständlichen Darstellung der wesentlichsten Gesichtspunkte der deutschreligiösen Gemeinden und Verbände (= Aus dem Jungborn. Flugschriften für wahrhaftiges deutsches Leben, 4. Folge), Oranienburg-Eden 1919 (Nachdr. Bremen 1996). Grundlegende, neuere Einführungen in die nichtchristliche völkischreligiöse Teilbewegung liefern die zitierten Handbücher und Sammelbände von Puschner / Schmitz / Ulbricht: Handbuch zur 'völkischen Bewegung' (wie Anm. 21); Kerbs / Reulecke: Handbuch der deutschen Reformbewegungen (wie Anm. 14); von Schnurbein / Ulbricht: Völkische Religiosität (wie Anm. 14); Buchholz / Latocha / Peckmann / Wolbert: Lebensreformbewegung (wie Anm. 14); u. Cancik / Puschner, Antisemitismus (wie Anm. 14).

[104] Wachler: Zukunft (wie Anm. 74), 11.

[105] Ernst Wachler: Christentum und Sittlichkeit, in: Hammer. Blätter für deutschen Sinn 1909, Nr. 170, 443-445, hier 444; ders.: Ueber die religiöse Einigung der Deutschen, in: Allgemeiner Beobachter. Halbmonatsschrift für alle Fragen des modernen Lebens 3 (1913), 153f. Zu List siehe Nicholas Goodrick-Clarke: Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus, Graz / Stuttgart 1997, 36-72.

[106] Wachler: Zukunft (wie Anm. 74), 15.

[107] Wachler: Zukunft (wie Anm. 74), 18. Zum Hexen-Komplex siehe die am Friedrich Meinecke Institut der Freien Universität entstandene Magisterarbeit von Felix Wiedemann: Das Hexenbild der Völkischen Bewegung in Kaiserreich und Weimarer Republik, Berlin 2002 (eine Dissertation ist in Vorbereitung), sowie Kai Detlev Sievers: Völkische Märcheninterpretation. Zu Joachim Kurd Niedlichs Mythen- und Märchendeutungen, in: Homo narrans. Studien zur populären Erzählkultur. Festschrift für Siegfried Neumann zum 65. Geburtstag, hg. v. Christoph Schmitt, Münster u.a. 1999, 91-110.

[108] Wachler: Zukunft (wie Anm. 74), 20f.; von "Art-Priestern" spricht in diesem Kontext Thomas Westerich: Niedersachsen-Not, in: Hammer. Blätter für deutschen Sinn 1926, H. 572, 169-175, hier 173. Siehe von deutschchristlicher Seite Joachim Kurd Niedlich: Die germanische Mythen- und Märchenwelt als Quelle deutscher Weltanschauung, hg. v. Friesenbund, Leipzig 1921, bes. 5.; siehe auch Rüsten: Was tut not? (wie Anm. 42), 61-63.

[109] Ein größeres Publikum erreichten von neuheidnischer bzw. deutschchristlicher Seite Philipp Stauff: Märchendeutungen. Sinn und Deutung der deutschen Volksmärchen, Leipzig 1. Aufl. 1913; u. Joachim Kurd Niedlich: Das Märchenbuch. Der alten deutschen Volksmärchen heimliches Raunen (= Bücher der Deutschkirche 1), Berlin-Schlachtensee 1. Aufl. 1927; siehe auch die bibliographischen Hinweise bei Hubricht: Buchweiser (wie Anm. 102), 1-31.

[110] Exemplarisch für die Vielzahl der Beispiele sind Friedrich Fischbach: Asgart und Mittgart. Das goldene Hausbuch der Germanen enthält die schönsten Lieder der Edda und den Nachweis, dass am Niederrhein zwischen der Sieg und der Wupper die ältesten Mythen der Arier (auch die der Griechen) entstanden sind, Köln 1902; ders. (Hg.): Die schönsten Lieder der Edda, Köln o. J. [1903]; u. Hans von Wolzogen: Die Edda. Germanische Götter- und Heldensagen. Mit 48 Federzeichnungen von Franz Stassen, Berlin 1920; siehe auch die Hinweise in: Das Deutsche Buch, hg. v. d. Germanischen Glaubens-Gemeinschaft, Berlin-Steglitz 2. Aufl. 1921, 87; u. Hubricht: Buchweiser (wie Anm. 102), 14-16, sowie zur religiösen Bedeutung der Edda für das Neuheidentum Karl Konrad, Kann uns die Edda Religionsbuch werden?, Mühlhausen 1926; u. Otto Sigfrid Reuter: Die Rätsel der Edda und der arische Urglaube, 2 Bde., Sontra 1921 und Bad Berka 1923 [Reprint 1984]. Zur allgemeinen u. speziell völkischen Edda-Rezeption siehe die Studien von Julia Zernack: Geschichten aus Thule. Islendingasögur in Übersetzungen deutscher Germanisten, Berlin 1994; dies.: Anschauungen vom Norden im deutschen Kaiserreich, in: Puschner / Schmitz / Ulbricht, Handbuch zur 'völkischen Bewegung' (wie Anm. 21), 482-511; dies.: Germanische Restauration und Edda-Frömmigkeit, in: Faber: Politische Religion (wie Anm. 54), 143-160; dies.: Germanische Altertumskunde, Skandinavistik und völkische Religiosität, in: von Schnurbein / Ulbricht (wie Anm. 14), Völkische Religiosität, 227-253.

[111] Siehe hierzu die Studien von Marina Schuster: Bildende Künstler als Religionsstifter. Das Beispiel der Maler Ludwig Fahrenkrog und Hugo Höppener genannt Fidus, in: Richard Faber / Volkhard Krech (Hg.): Kunst und Religion. Studien zur Kultursoziologie und Kulturgeschichte, Würzburg 1999; Fidus – ein Gesinnungskünstler der völkischen Kulturbewegung, in: Puschner / Schmitz / Ulbricht, Handbuch zur 'völkischen Bewegung' (wie Anm. 21), 634-650; u. Die Bildwelt der Völkischen, in: von Schnurbein / Ulbricht: Völkische Religiosität (wie Anm. 14), 254-267. Siehe ferner zu Fidus Janos Frecot / Johann Friedrich Geist / Diethart Kerbs: Fidus 1868-1948. Zur ästhetischen Praxis bürgerlicher Fluchtbewegungen, München 1972 (erw. Neuaufl. Hamburg 1997); u. – in der Bewertung nicht unproblematisch - zu Hendrich Elke Rohling (Hg.): Hermann Hendrich. Leben und Werk, Billerbeck 2001; siehe auch die Hinweise bei Justus H. Ulbricht: Klänge "deutschen Wesens". Feiern, Rituale und Lieder deutschreligiöser Gruppierungen, in: Richard Faber (Hg.): Politische Religion – religiöse Politik, Würzburg 1997, 129-144.

[112] Vgl. Uwe Puschner: Deutsche Reformbühne und völkische Kultstätte. Ernst Wachler und das Harzer Bergtheater, in: Puschner / Schmitz / Ulbricht, Handbuch zur 'völkischen Bewegung' (wie Anm. 21), 752-786, u. Stefanie von Schnurbein: Religiöse Ikonographie – religiöse Mission. Das völkische Weihespiel um 1910, in: Kunst, Fest, Kanon. Inklusion und Exklusion in Gesellschaft und Kultur, hg. v. Hermann Danuser u. Herfried Münkler, Schliengen 2004, 85-97.

[113] Ludwig Fahrenkrog, Germanisch=deutsche Religion, in: Upland. Blatt für Religion und Heimat 1 (1912), 21f.; Otto Sigfrid Reuter: Die große Stunde. Deutsche Religion, Deutscher Orden, Deutschreligiöse Gemeinschaft (= Mitteilungen der Kanzlei des Deutschen Ordens), Berlin 1912 (Nachdr. Hamburg 1981), 3.

[114] Reuter: Stunde (wie Anm. 113), 5.

[115] Fahrenkrog: Religion (wie Anm. 113), 21; siehe auch Reuter: Sigfrid oder Christus (wie Anm. 70), 5.

[116] Ernst Hunkel zit. n. Deutschgläubig. Eine Geschichte der Deutschgläubigen Gemeinschaft unter besonderer Berücksichtigung der Beziehungen zu den zeitgenössischen völkisch-religiösen Gründungen des XX. Jahrhunderts (= Beilage zum "Ring der Treue"), hg. v. d. Deutschgläubigen Gemeinschaft, Bd. 1: 1911-1913, o. O. 1968, 129; Das Deutsche Buch, hg. v. d. Germanischen Glaubens-Gemeinschaft, 23f.

[117] Ludwig Fahrenkrog: Germanisch-deutsche Religions-Gemeinschaft, in: Upland. Blatt für Religion und Heimat 1 (1912), 61.

[118] Johannes Schache: Der deutschvölkisch-christliche Religionsunterricht. Ein Beitrag zur Neugestaltung des Religionsunterrichtes, Leipzig o. J. [1922], 3.

Empfohlene Zitierweise:

Uwe Puschner : Weltanschauung und Religion, Religion und Weltanschauung. Ideologie und Formen völkischer Religion , in: zeitenblicke 5 (2006), Nr. 1, [####], URL: http://www.zeitenblicke.de/2006/1/Puschner/index_html, URN: urn:nbn:de:0009-9-2770

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