DiPP NRW
zeitenblicke
Direkt zum Inhalt
Sektionen

 

Die Zeit vor München

<1>

Jan Matejko ist einer der bedeutendsten und angesehensten polnischen Künstler und auch unumstritten der talentierteste unter den Historienmalern (Abb. 1). Er wurde 1838 in Krakau geboren und starb 1893 am gleichen Ort im Alter von 55 Jahren.  [1]

Abb. 1

<2>

Jan Matejkos Mutter war Halb-Polin (seine Großmutter war Polin) und Halb-Deutsche (sein Großvater war Deutscher). Jans Vater wirkte als Musiker und stammte aus Mähren, ließ sich aber in Krakau [Kraków] nieder. Sein ältester Sohn, Jans Bruder, war Historiker, der an der Jagiellonen-Universität [Uniwersytet Jagielloński] studierte. Er war es auch, der das Interesse des noch kleinen Jan an der Geschichte weckte. Jan Matejko verband dieses Interesse mit seiner künstlerischen Begabung. Bereits im Alter von 13 Jahren, als er noch auf das Gymnasium ging, wurde er in die Schule für Schöne Künste in Krakau [Szkoła Sztuk Pięknych w Krakowie] aufgenommen, wo er nicht nur großen Ehrgeiz an den Tag legte, sondern auch ausgesprochen fleißig und diszipliniert arbeitete. Bereits nach einem Studienjahr beherrschte er die Technik der Ölmalerei, obwohl für deren Studium gewöhnlich zwei Jahre angesetzt wurden. Matejko schloss dann wie üblich sein Studium an der Kunsthochschule nach fünf Jahren ab und erhielt im Anschluss daran ein zweijähriges Stipendium als Auszeichnung für sein Gemälde 'Sigismund I verleiht den Professoren der Krakauer Akademie ein Adelsprivileg' (Abb 2). Dieses Stipendium ermöglichte Matejko ein Studium im Ausland.  [2]

Abb. 2

<3>

Während er noch in Krakau studierte, träumte der damals 18jährige Matejko davon, nach Frankreich zu gehen. Aber im Juni 1858, in Erwartung des Stipendiatengeldes, entschied er sich dafür, an der Akademie der bildenden Künste in München zu studieren. Was genau ihn zu dieser Entscheidung bewog, ist uns nicht bekannt. Vielleicht war es die Tatsache, dass Matejko überhaupt kein Französisch sprach. Er konnte zwar auch kein Deutsch sprechen, verstand aber zumindest ein wenig. Eine Rolle könnte für Matejko auch gespielt haben, dass sein bester Freund zu dieser Zeit, Izydor Pawłowicz-Jabłonski, Krakau 1858 wieder verließ, um an der Kunstakademie in München weiter zu studieren. Pawłowicz-Jabłonski hatte bereits im Jahr 1856 einige Zeit dort verbracht und könnte Matejko überredet haben, ebenfalls die Akademie an der Isar zu wählen.  [3] Ein entscheidender Beweggrund war aber wohl die große Ausstellung zur Historienmalerei mit dem Titel 'Deutsche allgemeine und historische Kunstausstellung', die im Herbst 1858 in der Landeshauptstadt Bayerns eröffnet wurde. Einige polnische Maler reisten dorthin, nur um diese Ausstellung zu besuchen.  [4] Höchstwahrscheinlich hatte auch Matejko von ihr erfahren, die er dann natürlich unbedingt sehen wollte. So könnte ihn auch diese historische Ausstellung dazu bewogen haben, sein Auslandsstudium in München anzutreten. Für eine solche Vermutung spricht außerdem, dass Matejko von jeher ein polnischer Historienmaler werden wollte. Um diesen Entschluss besser verstehen zu können, sollte man sich die damalige Situation Polens mit seiner Dreiteilung unter Russland, Preußen und Österreich in Erinnerung rufen sowie die Tatsache, dass es zu diesem Zeitpunkt keine herausragende Künstlerpersönlichkeit unter den polnischen Historienmalern gab.

Erste Schritte in München

<4>

Matejko kam in der Landeshauptstadt Bayerns außergewöhnlich spät an, in Münchens Polizeikartenregister jedenfalls wurde er erst am 27. Dezember 1858 aufgenommen (Abb. 3).  [5] Er mietete ein Zimmer in der Neuhauserstraße direkt gegenüber der Akademie, der Zimmerwirt dort war Professor Hermann Anschütz. Im Frühjahr 1859 wohnte Matejko im zweiten Stock der Brienner Straße 28 - ein Haus, das damals dem Bildhauer Riedmueller gehörte.  [6]

Abb. 3

<5>

Nach seiner Ankunft in München unternahm Jan Matejko zusammen mit seinem Freund Jabłonski zahlreiche Stadtbesichtigungen (Abb. 4), wobei er anfänglich die gleichen Sehenswürdigkeiten wie jeder gewöhnliche Tourist auch besuchte:  [7] so beispielsweise die Residenz mit ihren Fresken unter den königlichen Garten-Arkaden, die ihn beeindruckten. Diese Gemälde haben zwar keinen sonderlich hohen künstlerischen Wert, doch schätzte Matejko sie, weil sie Szenen aus der bayerischen Geschichte abbildeten. Für ihn war jede Darstellung mit historischer Thematik von großer Bedeutung, weswegen er vor allem auch die historische Architektur in den alten Stadtteilen Münchens skizzierte (Abb. 5).  [8] Die neuen Münchener Gebäude interessierten ihn dagegen offensichtlich weniger, doch besuchte er auch sie.

Abb. 4

Abb. 5

<6>

Die meiste Zeit verbrachte Matejko mit seinem Skizzenbuch in den Pinakotheken Münchens. In der Alten Pinakothek faszinierte ihn beispielsweise Peter Paul Rubens 'Amazonen-Schlacht', die sich mit ihrer Vielzahl von Gesten und Bewegungen, ihrem kräftigen Pinselstrich und der Intensität der Farben als eine lebendige und pathetisch geschilderte Szene darstellte, welche Matejko fesselte. In der Neuen Pinakothek war es das Gemälde von Karl Theodor Piloty 'Seni vor der Leiche Wallensteins', das ihn völlig in Beschlag nahm. Pawłowicz-Jabłonski, der das Gemälde zum ersten Mal zusammen mit Matejko betrachtete, beschrieb ihre Beobachtungen und Empfindungen: "Die Farbe im Bild ist dick mit einem breiten Pinsel aufgetragen, hell scheinende Farben mit einem guten Licht von oben, ganz wahrhaftig und mit großer Wirklichkeitstreue in Figuren und Beiwerk. ... Sogar der Brillant in Wallensteins Ring (ein Trick): die dicke, weiße Farbe ist ein wenig diagonal angeschnitten und poliert, so dass das von oben kommende Licht an diesem Punkt konzentriert ist und hell leuchtet."  [9] Jan Matejko selbst berichtete in einem Brief an einen polnischen Freund, dass er in Krakau immer ausgesprochen selbstsicher gewesen sei, während "hier, nachdem ich alle großen Werke der alten und modernen Meister gesehen habe, sich mein Hochgefühl völlig legt und mich eine einzige Unsicherheit übermannt".  [10]

Unterricht an der Kunstakademie

<7>

Der junge Maler begann sein Studium an der Akademie am 3. Januar 1859.  [11] Er besaß ein Stipendium der Regierung, das besser dotiert und damit nicht vergleichbar mit privaten Stipendien war, und er konnte darüber hinaus eine Bescheinigung über seinen Abschluss an der Schule für Schöne Künste in Krakau vorlegen, die sogar in Deutsch verfasst worden war. Hinzu kam noch ein Empfehlungsschreiben, welches der Direktor der Schule für Schöne Künste, Professor Władysław Łuszczkiewicz, geschrieben hatte.

<8>

Selbst die Anfangszeit seines Studiums an der Kunstakademie in München meisterte er spielend und durfte sogar von der Aufnahmeprüfung absehen, die damals sogenannte Testzeichnungen beinhaltete. Sein Debüt gab er in der 'Naturklasse ' von Professor Hermann Anschütz.  [12] Bevor er sich jedoch einschrieb, musste er noch eine Krankenhausgebühr in Bayerischen Gulden vorauszahlen. Diese Gebühr war obligatorisch, denn fast jeder Student wurde während seines Studiums von einer Krankheit befallen. Bei Matejko war es Typhus, der ihn bereits nach fünf Monaten seines Aufenthaltes in Deutschland heimsuchte.  [13]

<9>

Als er nun mit dem Unterricht begann, hatte er nur die hinteren Bankreihen zur Auswahl, denn der Kurs war voll belegt und die besten Plätze waren bereits vergeben. Für Matejko war das durchaus problematisch, denn er war von kleiner Gestalt und kurzsichtig. Dieser Nachteil machte sich jedoch in seinen Zeichnungen nicht bemerkbar, und der talentierte Student zeichnete einen Frauenkopf in nur zwei Kursen, die etwa sechs bis sieben Unterrichtseinheiten umfassten. Diese Zeichnung war offenbar phänomenal, und Professor Anschütz legte sie sogleich dem Direktor der Akademie, Wilhelm Kaulbach, vor. Matejko wurde ausgezeichnet und erhielt die Erlaubnis seines Professors, Aktzeichnungen anzufertigen, was normalerweise nur fortgeschrittenen Studenten vorbehalten war. Nachdem er einige Zeichnungen gefertigt hatte, stieg er auf die Ölmalerei um. Anschütz' Lehrmethode sah vor, zwischen Zeichenstunden und Malstunden abzuwechseln und auch zwischen Modellen unterschiedlichen Geschlechts und Alters.

<10>

Obwohl Matejko die deutsche Sprache nur wenig beherrschte, hörte er Vorlesungen von Professor Carrière in Ästhetik und Kunstgeschichte, während Professor Widnmann ihm seine besondere Aufmerksamkeit schenkte.  [14] Ausdrücklich möchte ich bereits an dieser Stelle darauf hinweisen, dass Matejko niemals bei Piloty studierte und diese Tatsache öffentlich selbst betonte.  [15]

<11>

Glauben wir Pawłowicz-Jabłonski, dann arbeitete Matejko sehr viel, so wie auch zuvor in Krakau. Nur an Feiertagen ging er mit seinen Freunden nach dem Mittagessen in die Stadt, und nur selten ging er an Wochentagen aus. Sein ausdauernder Fleiß war in jeder Weise bemerkenswert, sogar als er mit Typhus im Krankenhaus lag, kopierte er dort historische Kostüme aus einem geliehenen Buch. Matejkos Gemälde wurden schließlich in der Akademie mit der Bronzemedaille ausgezeichnet, zwei dieser Arbeiten behielt Professor Anschütz für die Akademie ein.  [16]

Der Unterricht in Historienmalerei in München

<12>

Matejkos Aufenthalt in München stellte für den Künstler eine einmalige Gelegenheit dar, sich mit einer großen Zahl von herausragenden Kunstwerken auseinanderzusetzen, was in Krakau zu dieser Zeit nicht möglich war. Hier hatte er auch die Möglichkeit, in der Bibliothek der Schule für Schöne Künste nach Abbildungen arbeiten zu können, die historische Figuren und Kostüme zeigten. Insgesamt stellte Matejko in München über 200 Kopien von Kostümen und Porträts her,  [17] und sogar noch 27 Jahre später, als er längst aus München zurückgekehrt war, machte er Gebrauch von diesen Kopien, und zwar als Vorlagen für Kostüme und Gesten in seinen Bildern.  [18] Außerdem benutzte er seine Architekturskizzen von Münchener Gebäuden als Hintergrundkulisse in Gemälden, auf denen er Ereignisse aus der Geschichte Polens darstellte (Vgl. Abb. 5 und Abb. 6).  [19]

Abb. 6

<13>

Allgemein ist festzuhalten, dass Matejko weder die Klassizisten und Nazarener noch Cornelius und seine Schule schätzte. Er bevorzugte romantisch inspirierte Gemälde und Malerei, in der Geschichte dargestellt war. Sehr viel hielt er von Wilhelm Kaulbachs Werken, die sich in der Neuen Pinakothek befanden,  [20] aber er bewunderte auch Paul Delaroche. Dank der verfügbaren Fotografien und Reproduktionen wurde er in München mit dessen Malerei besser vertraut, als es ihm zuvor in Krakau möglich gewesen war. Als 20-jähriger äußerte sich Matejko folgendermaßen: "Delaroche, den ich hier [in München] besser durch Drucke und Fotografien kennen gelernt habe, ist das, was meine Seele begehrt und wozu ich meine ganze Kraft aufbringen werde".  [21] Bei genauerer Betrachtung der in Anlehnung an Delaroche entstandenen Bilder zeigt sich Matejkos Fähigkeit, eine komplizierte Handlung in einem Bild nur mit einigen wenigen Figuren darzustellen. Dabei vermindert eine solch eingeschränkte Zahl von Figuren nicht den künstlerischen Wert der Werke, war dies doch Ideal akademischer Kunstpraxis.

<14>

Matejko erkannte auch "die spannungsgeladene Wirkung", die Delaroches Arbeiten eigen war, besonders dann, wenn es um die Darstellung eines bestimmten Moments genau vor einem dramatischen oder schockierenden Ereignis ging.  [22] Einige der Werke, die er in München sah, waren so in sein Gedächtnis eingebrannt, dass er diese Kompositionen noch viele Jahre später in seinen Gemälden wieder aufnahm. So ist beispielsweise Matejkos Bild 'Sigismunds Glocke' aus dem Jahre 1874 von Kaulbachs Gemälde 'Erzgießerei' inspiriert, das er 1859 gesehen hatte (Abb. 7).  [23]

Abb. 7

<15>

Nach Beendigung seiner Stipendiatenzeit und dem damit verbundenen Aufenthalt in München änderte Matejko seine Auffassung zur Historienmalerei und arbeitete die Szenen, die er in Krakau als reine Illustrationen gemalt hatte, in historische Anekdoten um, so wie beispielsweise 'Karl X Gustav und Szymon Starowolski am Grabe von Władysław Łokietek (Ladislaus dem Kurzen) in der Krakauer Kathedrale auf dem Wawel' (1857) und 'Sigismund I verleiht Krakauer Akademikern ein Adelsprädikat im Jahre 1535' (1858). Er tat dies unter dem Einfluss der Gemälde Delaroches und Pilotys, die er in München kennen gelernt hatte. Davon zeugen besonders diejenigen Werke, die in die Zeit zwischen 1859 und die frühen 1860er-Jahre fallen.

<16>

Die Gemälde von Delaroche und Piloty sind spannungsgeladen und zeigen dramatische, oft blutige Ereignisse. Sie machten auf Matejko, der sie während seiner Zeit in München sah, großen Eindruck, selbst wenn er manche von ihnen nur als Reproduktionen zu Gesicht bekam. Während seines Aufenthaltes in Bayern begann er im Geiste dieser Vorbilder mit dem Gemälde 'Die Vergiftung von Bona' und erweiterte damit sein Repertoire um die Todes-Thematik am Beispiel einer berühmten Persönlichkeit. Weiter hervorzuheben sind später 'Zborowski wird zur Hinrichtung abgeführt' (1860), 'Der Mord an Wapowski bei der Krönung Heinrichs von Valois' (1861) und 'Jan Kochanowski mit seiner Tochter Ursula' (1862) (Abb. 8).  [24] Großes Pathos nach dem Vorbild Kaulbachs prägt dann die riesigen, vielfigurigen Szenen, welche nach seiner Rückkehr aus München entstanden sind. Genannt sei hier in erster Linie 'Skargas Predigt' (1864) und 'Rejtan – Polens Untergang' (1866) (Abb. 9).  [25]

Abb. 8

Abb. 9

<17>

Eine wichtige Frage muss jedoch noch gestellt werden: In welchem Ausmaß regte der symbolische und historische Stil Kaulbachs Jan Matejko zu dessen eigenem "historiosophischen" Konzept an (so der von den Matejko-Interpreten benutzte Begriff), das er in seiner Malerei entwickelte? [26] Dieser Kaulbachsche Stil zeigt sich besonders deutlich in den beiden Gemälden 'Die Zerstörung Jerusalems' und 'Der Kampf der Hunnen'. Man muss die beiden mit Figuren überladenen Werke als Verkörperung einer Idee begreifen, nicht als Vision eines historischen Ereignisses und auch nicht als Veranschaulichung davon, wie dieses Ereignis sich vollzogen haben könnte. Sowohl Kaulbachs als auch Matejkos riesenhafte Gemälde demonstrieren die künstlerischen Überzeugungen ihrer jeweiligen Schöpfer: das Wesentliche der großen historischen Kompositionen ist nicht die Darstellung eines wahren Ereignisses der Geschichte. Wesentlich oder wichtig ist vielmehr der Ideengehalt, der im Bild ausgedrückt wird.  [27]

<18>

Meiner Meinung nach könnten eben gerade diese Gemälde Kaulbachs Matejko dazu angeregt haben, seine eigenen Lösungen in der Darstellung wichtiger und maßgeblicher historischer Ereignisse zu finden und sein eigenes künstlerisches Konzept zu entwickeln, das eben, was in der Matejko-Rezeption seine 'Historiosophie' genannt wird. Die Komposition nämlich hatte als eine Zusammenschau von mehreren Ereignissen zu gelten – einige gehen dem Ereignis voraus, andere folgen ihm. In diesem Sinne fügte Matejko der Komposition auch Personen ein, die ursprünglich nicht an dem dargestellten Ereignis teilnahmen, es aber beeinflusst haben könnten. Das erste große Gemälde dieses Typs, 'Skargas Predigt', beendete der Künstler 1864,  [28] allerdings muss das Konzept für dieses Bild früher entstanden sein und zwar nicht lange nach Matejkos Rückkehr aus München. Die erste Ölskizze stellte er nämlich bereits um 1861 fertig.  [29]

<19>

Die These, dass Matejko auch von Piloty künstlerisch beeinflusst wurde, ist eine nähere Untersuchung wert. Im 19. Jahrhundert, im Zeitalter von Fotografie, Holzschnitten und öffentlichkeitsorientierten illustrierten Zeitungen, sind solche Einflüsse verbreiteter als in vorausgegangenen Jahrhunderten. Komposition, Bildanlage und die Behandlung von Details gehören hierzu. Neue, von Piloty aufgebrachte und auch in der Presse immer wieder angesprochene künstlerische Verfahrensweisen wurden zur künstlerischen Herausforderung für Maler, die zu seiner Zeit an der Akademie studierten. Dazu gehört etwa die Beliebtheit von Nachtszenen, die Bedeutung realistisch aufgefasster Details und der Zwang zu geschichtlicher Genauigkeit, alles Aspekte, die verbindlich für eine ganze Künstlergeneration wurden. Gerade im Fall von Jan Matejko ist die Nähe zu Karl Piloty bemerkenswert.  [30]

<20>

Wie ich bereits oben ausgeführt habe, studierten Matejko und sein Freund Pawłowicz-Jabłoński ausgiebig Gemälde in der Alten und Neuen Pinakothek, so das bereits erwähnte 'Seni vor der Leiche Wallensteins' mit dem Trick Pilotys: der geschnittene Farbbelag, der das Licht auf das Auge des Betrachters reflektiert. Anscheinend konnte Matejko diese Leistungen in der Farbgebung des Münchener Gemäldes von 1850 damals weder verstehen noch umsetzen, was für ihn natürlich ein Manko war. Denn auch wenn er die breiten und ausgesprochen freien Pinselstriche auf Pilotys Ölgemälden zwar durchaus registrierte, so schien er selbst noch nicht fortgeschritten oder reif genug zu sein, eine solche Technik in seinen eigenen Gemälden anzuwenden, was ihm erst mehrere Jahre später gelang. Der Grund für diese Verzögerung liegt wohl in den Beschränkungen, die den Studenten durch Wojciech Korneli Stattler, den Vorgänger von Władysław Łuszczkiewicz, auferlegt worden waren, dem damaligen Direktor der Schule für Schöne Künste in Krakau. Malen zu lernen bedeutete damals nämlich, festgelegt zu sein auf das Zeichnen nach Gipsvorlagen und das Malen von Stillleben mit einer dünnen und transparenten, lasurartigen Farbe. Diese Einschränkungen wurden erst 1857 aufgehoben und zwar kurz bevor Matejko seine Ausbildung in Krakau beendete. Der Nachfolger, Direktor Władysław Łuszczkiewicz, führte "einen neuen Malereistil ein, der sich näher an der Natur orientierte".  [31]

Auf der Suche nach polnischen Spuren in München

<21>

Während seiner Zeit in München vergaß Matejko niemals die polnische Geschichte, die er malen wollte. In einer Bibliothek, die von der Regierung verwaltet wurde, bat er um Zugang zu der kleinen polnischen Abteilung. So hatte er die Möglichkeit, die dort befindlichen Radierungen zu studieren und Motive zu finden, die mit polnischer Geschichte zu tun hatten. Als Beispiele nenne ich eine Grafik, die den polnischen König Johann III Sobieski zeigte (er regierte im 17. Jahrhundert, und seine Tochter Kunigunde wurde mit dem bayerischen Kurfürsten Max Emanuel vermählt) und einige Porträts europäischer Könige, aus denen Matejko Gesichter und Kostüme kopierte. Er war angetan von der engen Verbindung bayerischer und polnischer Wappen, die er während eines Besuchs des Hoftheaters in der Residenz sah und abzeichnete. In der Alten Pinakothek kopierte er originalgetreu zwei Porträts aus der Rubens-Schule, die das königliche Paar, Sigismund III Wasa und seine Frau, in ihren originalen Kostümen während ihrer Krönung zeigen. Er zeichnete und malte weitere Bilder in sein Skizzenbuch, alle dort registrierten Ereignisse stellen Themen der polnischen Geschichte dar.

<22>

Jan Matejko verließ München am Ende des akademischen Jahres 1859. Etwa zehn Jahre später waren seine Werke überall in Europa berühmt. Als 1869 eine große internationale Ausstellung in München vorbereitet wurde, bedauerten die Kuratoren vor Ort sehr, dass sie nicht Matejkos letztes Gemälde 'Die Lubliner Union' als Leihgabe erhalten hatten.

Letzter Blick auf München

<23>

Matejko hatte kontinuierlich an seinen künstlerischen Fertigkeiten gearbeitet und sie ständig erweitert und verbessert, bevor er dann im Jahre 1870 noch einmal nach München kam. Auf seiner Reise nach Paris machte er dort für einen Tag Station und besuchte einen Teil des neu eröffneten Bayerischen Nationalmuseums, welches sich damals dort befand, wo heute das Völkerkunde-Museum residiert. Mit Bezug auf seine Erfahrungen in diesem Museum schrieb er seiner Frau nach Krakau: "Ich fand dort Bilder vor, die man nicht leicht zu sehen bekommt. Alleine dieses Museum verdient es, dass man für einen Besuch bei weitem mehr als nur einen einzigen Tag veranschlagt".  [32] Die Szenen der Schlacht jedenfalls, die Pilotys Schüler auf den Museumswänden angebracht hatten, haben zweifellos die Inspiration für das Gemälde 'Die Schlacht bei Grunwald (Tannenberg)' geliefert, das Matejko acht Jahre später fertig stellte.  [33]

<24>

Meiner Meinung nach kann man in einigen Szenen des Bayerischen Nationalmuseums direkte Vorlagen für manche von Matejkos Figuren finden, wie beispielsweise für Witold - eine Figur des Gemäldes 'Die Schlacht bei Grunwald (Tannenberg)'. Ebenso möglich ist beispielsweise der Einfluss durch Julius Schnorr von Carolsfeld mit seiner Ausmalung der Wände in der Residenz in München. Matejko hatte diese ganz sicher 1859 gesehen und könnte sie später, im Jahr 1870, nochmals besichtigt haben. Matejkos Briefe und Pawłowicz-Jabłońskis Memoiren liefern immerhin einige wenige Information über Besuche des Künstlers an diesen Orten. Die Vermutung von Grzybkowska, mögliche Vorlagen für 'Die Schlacht bei Grunwald' könnten Rethels Gemälde in Aachen sein, erscheint mir wenig überzeugend. Matejko ist niemals in Aachen gewesen. Weiterhin denkt Grzybkowska daran, dass Matejko Rethels Entürfe in Wien im Jahr 1860 gesehen haben könnte. Das lässt sich allerdings kaum beweisen. Beide Künstler, Matejko und Rethel, könnten eben durch dieselbe Quelle inspiriert worden sein – nämlich durch die riesigen und berühmten Wandgemälde von Schnorr von Carolsfeld in der Residenz in München. Weitere Anregungen, die Matejko durch die erwähnten Wandgemälde im alten Bayerischen Nationalmuseum erhalten haben könnte, sehe ich in dem Gemälde 'Der Tod von Leszek Weiß', welches ich mit 'Sieg Herzog Bertolds I. über die Ungarn auf der Walser Heide im Jahre 943', Fresko aus dem Zyklus 'Vaterländische Geschichte' in München, in Verbindung sehen möchte. Teresa Grzybkowska bringt es mit Wilhelm Lindenschmit d. Ä. und seinem Werk 'Hermanns Schlacht im Teutoburger Wald' (Kunsthalle, Karlsruhe) in Verbindung.

Literatur

Bayerischer Architekten- und Ingenieurverein München (Hg.): München und seine Bauten, München 1912

Frank Büttner: Gemalte Geschichte. Carl Theodor von Piloty und die europäische Historienmalerei des 19. Jahrhunderts, in: Reinhold Baumstark / Frank Büttner (Hg.): Großer Auftritt. Piloty und die Historienmalerei, Publikation zur Ausstellung Großer Auftritt – Piloty und die Historienmalerei, München, Neue Pinakothek. 4. April bis 27 Juli 2003, München / Köln 2003, S. 22-67

Barbara Ciciora: The Maid of Orléans by Matejko. The Role of Accessories in the Artistic Workshop of Jan Matejko, in: "The Maid of Orléans” by Jan Matejko. Materials from the 2nd Seminar of the Institute of Art History, Adam Mickiewicz University and National Museum in Poznań, Rogalin, 9-10 November 2001, Poznań 2003, S. 55-65

Barbara Ciciora: Jan Matejko, Olszanica 2005

Jan Gintel: Jan Matejko. Wypisy biograficzne (Jan Matejko. Biografische Notizen), Kraków 1955

Marian Gorzkowski: Jan Matejko. Epoka lat dalszych, do końca życia artysty, z dziennika prowadzonego w ciągu lat siedemnastu (Jan Matejko. Epoche der weiteren Jahre, bis zum Lebensende des Künstlers, aus dem siebzehn Jahre lang geführten Tagebuch), Kraków 1898

Marian Gorzkowski: O artystycznych czynnościach Jana Matejki począwszy od lat jego najmłodszych to jest od r. 1850 do końca roku 1881 (Über das künstlerische Schaffen Jan Matejkos, von seinen jüngsten Jahren beginnend, nämlich (bzw.) von 1850 - bis Ende des Jahres 1881), Kraków 1882

Teresa Grzybkowska: Matejko monachijski (Münchener Matejko), in: Wokół Matejki, Materiały z konferencji "Matejko a malarstwo środkowoeuropejskie” zorganizowanej w stulecie śmierci artysty, red. naukowa: Piotr Krakowski, Jacek Purchla (Der Münchener Matejko, In: Rings um Matejko, Materialien der Konferenz "Matejko und die mitteleuropäische Malerei”, zum 100. Todestag des Künstlers, wissenschaftliche Red. : Piotr Krakowski, Jacek Purchla), Kraków 1994, S. 99-103

Izydor Jabłoński: Wspomnienia o Janie Matejce (Erinnerungen an Jan Matejko), Lwów 1912

Jan Matejko: Gemälde-Aquarelle-Zeichnungen [Ausst. Kat.] Kunsthalle Nürnberg 1982, Herzog Anton Ulbrich-Museum, Braunschweig 1982, Städt. Wessenberg-Gemäldegalerie Konstanz 1982

Jarosław Krawczyk: Matejko i historia (Matejko und Geschichte), Warszawa 1990

Fritz von Ostini: Wilhelm von Kaulbach, Bielefeld und Leipzig 1906

Izydor Pawłowicz-Jabłoński: Wspomnienia o Janie Matejce (Erinnerungen an Jan Matejko), Lwów 1912

Władysław Prokesch: Z dziejów krakowskiej Szkoły Sztuk Pięknych (Von der Geschichte der Krakauer Schule der Bildenden Künste), Kraków 1917

Stanisława Serafińska: Jan Matejko. Wspomnienia rodzinne (Jan Matejko. Erinnerungen aus dem Familienkreis), Kraków 21958

Henryk Marek Słoczyński: Matejko, Wrocław 2000

S[owiński], L.: Notice sur le tableau de Jean Matejko élève de l 'École de Varsovie exposé au Salon de 1865 et récompensé d 'une médaille par le jury de peinture, Paris 1865

Krystyna Sroczyńska: Matejko. Obrazy olejne. Katalog (Matejko. Ölbilder. Katalog), Warszawa 1993

Halina Stępień, Artyści polscy w środowisku monachijskim w latach 1856-1914 (Polnische Künstler im Münchener Milieu in den Jahren 1856-1914), Warszawa 2003

Sztuka i Historia, Materiały Sesji Historyków Sztuki, Kraków listopad 1988 (Kunst und Geschichte, Materialien der Kunsthistorikertagung, Krakau, November 1988), Warszawa 1992

Maciej Szukiewicz (Hg.): Listy Jana Matejki do żony Teodory 1863-1881 (Briefe Jan Matejkos an die Ehefrau Teodora 1863 -1881), Kraków 1927

Stanisław Tarnowski: Matejko, Kraków 1897

Mieczysław Treter: Matejko. Osobowość artysty, twórczość, forma i styl (Matejko. Persönlichkeit des Künstlers, sein Werk, Form und Stil), Lwów 1939

Mieczysław Treter: Jan Matejko, peinture d 'histoire 1838-1893, Lwów 1939

Verfasser unbekannt: Z listów Jana Matejki 1856-1863 (Aus den Briefen Jan Matejkos 1856-1863), Kraków 1895

Verfasser unbekannt: Jan Matejko. Studia i szkice (Jan Matejko. Studien und Skizzen), Kraków 1938

Verfasser unbekannt: Jan Matejko. Materiały z sesji naukowej poświęconej twórczości artysty, 23 – 27 listopada 1953 (Jan Matejko. Materialien/Akten der wissenschaftlichen Tagung vom 23. bis 27. November 1953, dem Werk des Künstlers gewidmet), Warszawa 1957

Stanisław Witkiewicz: Matejko, Lwów 1903, 21912

Wokół Matejki: Materiały z konferencji "Matejko a malarstwo środkowoeuropejskie” zorganizowanej w stulecie śmierci artysty, red. Naukowa: Piotr Krakowski, Jacek Purchla (Rings um Matejko: Materialien der Konferenz "Matejko und die mitteleuropäische Malerei”, zum 100. Todestag des Künstlers, wissenschaftliche Red. : Piotr Krakowski, Jacek Purchla), Kraków 1994

Marek Zgórniak: Matejko w Paryżu (Matejko in Paris), Kraków 1998

Abbildungen

Abb. 1
Izydor Pawłowicz-Jabłoński, Porträt von Jan Matejko, 1875, Öl auf Leinwand, 62,5 x 47,5 cm, Krakau, Muzeum Narodowe w Krakowie-Dom Jana Matejki, Inv. Nr. IX/4447

Abb. 2
Jan Matejko, Sigismund I verleiht den Professoren der Krakauer Akademie ein Adelsprivileg, 1858, Öl auf Leinwand, 82 x 101 cm, Krakau, Muzeum Uniwersytetu Jagiellońskiego, Inv. Nr. 2704-837/I

Abb. 3
Matejkos Eintragung in Münchens Polizeikartenregister, 1859, München, Stadtarchiv, Serie 6, 19765

Abb. 4
Jan Matejko, Marienplatz in München, 1859, Zeichnung, 11 x 7,2 cm, Krakau, Muzeum Narodowe w Krakowie-Dom Jana Matejki, Inv. Nr. IX/2699/43b-c

Abb. 5
Jan Matejko, Der Hofraum des ehemaligen Schlafhaubenkrämers, 1859, Zeichnung, 29 x 19,7 cm, Krakau, Muzeum Narodowe w Krakowie-Dom Jana Matejki, Inv. Nr. IX/414

Abb. 6
Jan Matejko, Unglückliche Gefallsucht des Jan Olbracht, 1881, Öl auf Leinwand, Maße unbekannt, Privateigentum in Wien

Abb. 7
Jan Matejko, Sigismunds Glocke, 1874, Öl auf Leinwand, 94 x 189 cm, Warschau, Muzeum Narodwe w Warszawie, Inv. Nr. MP 441 MNW

Abb. 8
Jan Matejko, Skizze zu 'Jan Kochanowski mit seiner Tochter Ursula’, 1862, Aquarell, 24 x 32 cm, Privateigentum

Abb. 9
Jan Matejko, Skargas Predigt, 1864, Öl auf Leinwand, 224 x 397 cm, Zamek Królewski w Warszawie, Inv. Nr. ZKW 2048

Autorin

Barbara Ciciora
The Jan Matejko House
(The department of the National Museum in Krakow)
Ul. Floriańska 41
PL – 31-019 Kraków
e-mail: barbarac@wp.pl



[1] Die wichtigste einschlägige Literatur zu Jan Matejkos Leben und Werk ist nachfolgend aufgelistet: Tarnowski 1897; Gorzkowski 1898; Pawłowicz-Jabłoński 1912; Witkiewicz 1903/1912; Listy 1927; Verfasser unbekannt 1938; Treter 1939; Gintel 1955; Jan Matejko 1957; Serafińska 1958; Krawczyk 1990; Sztuka i Historia 1992; Sroczyńska 1993; Wokół Matejki 1994; Słoczyński 2000; (zu englischen, französischen oder deutschen Texten vgl. Treter 1939; die französische Version: Jan Matejko 1939; Jan Matejko 1982; Zgórniak 1998; Ciciora 2005.

[2] Serafińska 1958, 60, 62. In der Mitte des 19. Jahrhunderts veranschlagte die österreichische Regierung 600 Gulden für Studenten der Schule für Schöne Künste in Krakau für ein Auslandsstudium. Vgl. außerdem Prokesch 1917, 16.

[3] Z listów Jana Matejki 1895, 7, 20. Serafińska 1958, 40.

[4] Stępień 2003, 15-18.

[5] Stadtarchiv München, Polizeikartenregister, Serie 6, Nr. 19765.

[6] Serafińska 1958, 64, 66.

[7] Den Aufenthalt in München beschreibt Izydor Pawłowicz-Jabłoński in seinen Memoiren. Vgl. hierzu Pawłowicz-Jabłoński 1912, 27-40. Das Buch liefert mir die Basisinformation für die Beschreibung von Jan Matejkos Aufenthalt in München.

[8] Vgl. hierzu Bayerischer Architekten- und Ingenieurverein 1912, Abb. auf S. 85.

[9] Jabłoński 1912, 29-30.

[10] Verfasser unbekannt 1895, 21-22.

[11] Akademie der Bildenden Künste, Matrikelbuch, Einschreibung im Jahre 1858, Nr. 1556.

[12] Jabłoński 1912, 27.

[13] Jabłoński 1912, 28.

[14] Vermerkt in den Memoiren des Künstlers Jabłonski-Pawlowicz, vgl. Jabłoński 1912, 27-29.

[15] Matejko erwähnt dies selbst in 'Tygodnik Ilustrowany', Nr. 50, 1868, 279. Vgl. hierzu auch Stępień 2003, 27.

[16] Pawłowicz-Jabłoński 1912, 29, 39. Matejko erhielt eine Medaille (Nationalmuseum in Krakau - Jan Matejko Haus), Inv. Nr. IX/3508/1-2, für 'Nackter Mann', jetzt im Nationalmuseum in Warschau, Inv. Nr.: MP 2033 MNW).

[17] Matejko kopierte beispielsweise aus Büchern Kostüme, Waffen, Kunsthandwerk und Architektur etc.

[18] 'Die Jungfrau von Orléans' aus dem Jahr 1886 ist ein sehr gutes Beispiel dafür, dass die Verwendung seiner in München entstandenen Kopien erst Jahre später erfolgen kann. Vgl. hierzu Ciciora 2003, 61, 64.

[19] Das Gemälde in Öl auf Leinwand ist im Jahr 1881 entstanden und befindet sich in Wiener Privatbesitz.

[20] Pawłowicz-Jabłoński 1912, 30.

[21] Verfasser unbekannt 1895, 27.

[22] Jabłoński 1912, 16.

[23] 'Sigismunds Glocke', 1874, Öl auf Holz, Nationalmuseum in Warschau, Inv. Nr. MP 441 MNW.

[24] 'Zborowski wird zur Hinrichtung abgeführt', Wasserfarbe auf Papier, Nationalmuseum in Krakau - Jan Matejko Haus, Inv. Nr. IX/37; 'Der Mord an Wapowski bei der Krönung Heinrichs Valois', Öl auf Leinwand, vermisst; 'Jan Kochanowski mit seiner Tochter Ursula', Öl auf Leinwand, vermisst.

[25] 'Skargas Predigt', Öl auf Leinwand, Königliches Schloss in Warschau, Inv. Nr. ZKW 2048, 'Rejtan – Polens Untergang', Öl auf Leinwand, Königliches Schloss in Warschau, Inv. Nr. ZWK 1048.

[26] Słoczyński 2000, 60.

[27] Ostini 1906, 8, 50, 65.

[28] Es gab überhaupt kein solches Ereignis wie es 'Skargas Predigt' vorgibt. Die Darstellung beruht auf einer Vision des großen polnischen Dichters Adam Mickiewicz. Matejkos Gemälde baut auf dieser allegorischen Vision auf. Darüber hinaus fiel der Tod der Königin Anna aus dem Geschlecht der Jagiellonen-Dynastie in die Zeit von Piotr Skarga. Ihre Figur in dem Gemälde erinnert also an die Familienbande zwischen der Jagiellonen- und der Wasa-Dynastie. Die Jagiellonen herrschten über Polen vom 14. bis zum 16. Jahrhundert, die Wasa vom Ende des 16. Jahrhunderts an und im 17. Jahrhundert. Vgl. hierzu S[owiński] 1865, Sroczyńska 1993, 75. Teresa Grzybkowska sieht in Matejkos riesigen Gemälden eine Annäherung an das polnische "Nationaldrama", in Anlehnung an die Nazarener, Kaulbach und Piloty, und ihren Umkreis. Sie führt jedoch leider nicht weiter aus, was sie explizit damit meint. Vgl. Grzybkowska 1994, 102.

[29] Pawłowicz-Jabłoński 1912, S. 47, 52.

[30] Siehe hierzu die interessanten Bemerkungen von Frank Büttner, der Matejkos 'Kopernicus' und Pilotys 'Columbus' miteinander vergleicht und weiterhin Matejkos 'Die Lubliner Union' auf Kriterien und Stilmerkmale Pilotys hin untersucht: Büttner 2003, 63.

[31] Gorzkowski 1882; Pawłowicz-Jabłoński 1912, 7, 15, 17.

[32] Szukiewicz 1927, 110.

[33] Vgl. Grzybkowska 1994, S. 101.

Empfohlene Zitierweise:

Barbara Ciciora : Jan Matejko in München. Ein Überblick über die Ausbildung des Künstlers , in: zeitenblicke 5 (2006), Nr. 2, [19.09.2006], URL: http://www.zeitenblicke.de/2006/2/Ciciora/index_html, URN: urn:nbn:de:0009-9-5703

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse. Zum Zitieren einzelner Passagen nutzen Sie bitte die angegebene Absatznummerierung.

Lizenz

Jedermann darf dieses Werk unter den Bedingungen der Digital Peer Publishing Lizenz elektronisch über­mitteln und zum Download bereit­stellen. Der Lizenztext ist im Internet abrufbar unter der Adresse http://www.dipp.nrw.de/lizenzen/dppl/dppl/DPPL_v2_de_06-2004.html