DiPP NRW
zeitenblicke
Direkt zum Inhalt
Sektionen

 

Zusammenfassung

Geistes- und Kulturwissenschaften gemeinsam ist ein Selbstbeschreibungssystem, das den fachlichen Fortschritt mittels "Turns" beschreibt. Diese Turns haben nicht nur Auswirkungen auf die Gegenstandskonstitution der Wissenschaften, sondern auch auf Methoden, theoretische Modelle, gesellschaftliches Selbstverständnis und Kommunikationsformen der beteiligten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen. Entlang des Visual Turns wird im Folgenden diskutiert, welche Änderungen dies für die Sprache hat, in der Geistes- und Kulturwissenschaften Erkenntnis formulieren und vermitteln. Es wird zu zeigen versucht, dass die Überlegungen und Anstrengungen zur Integration digitaler Bild- und Hypertextmedien nicht nur soziokulturellen Wandlungen der Lebenswelt geschuldet sind, sondern sich als Notwendigkeit aus theoretischen und methodologischen Entwicklungen der Wissenschaften selbst ergeben.

<1>

Die einzelnen Geistes- und Kulturwissenschaften sind in den vergangenen beiden Jahrzehnten enger zusammengerückt. Eine ihrer Gemeinsamkeiten ist ein Selbstbeschreibungssystem, das sich des englischen Terminus "turn" bedient. Linguistic Turn [1], Cultural Turn [2], Visual Turn [3], Performative Turn [4], Spatial Turn [5] und noch einige mehr bilden einen theoretisch-methodischen Diskurs, der über die Grenzen der Disziplinen hinaus Kooperation und Kommunikation ermöglicht. Manchmal erscheint es gar, als sei in der Fülle der Turns der feste Boden verloren gegangen und nicht selten wird eine Theorieüberbelastung beklagt und eine Rückkehr zur einfachen und direkten Quellen- und Gegenstandsbetrachtung öffentlich gefordert.

<2>

Eine solche Gegenhaltung ist verständlich. Der Begriff 'Turn' wurde vielfach als eine Verschiebung des Gegenstandsbereichs einer oder mehrerer geisteswissenschaftlicher Disziplinen propagiert, als eine Ausweitung oder Veränderung des zu Erforschenden. Öfter aber ist der Begriff in seiner ursprünglichen Bestimmung verwendet worden. Richard Rorty komponierte den Begriff des Linguistic Turn am Beispiel des Copernican Turn Immanuel Kants. Dieser hatte das gesamte Aufgabenprofil der Philosophie umgekehrt. Nicht mehr sollte gefragt werden, "Was erkennen wir als Menschen?", sondern "Wie erkennen wir?", "Was sind die Bedingungen der Möglichkeit der Erkenntnis?" Die Aufmerksamkeit und das Arbeitsprofil der Philosophie verschoben sich vollständig.

<3>

Das Paradigma der Turns in den Geisteswissenschaften ist der Cultural Turn. Angesiedelt ist dieser an einem historischen Punkt, an dem die sozialwissenschaftliche Grundorientierung in den Geisteswissenschaften, wie sie sich in Historischer Sozialwissenschaft, Soziolinguistik, Sozialanthropologie und vielen anderen Ansätzen manifestierte, ihre Überzeugungskraft als einheitsstiftende Basis der Geisteswissenschaften verlor. Teils war dies das Resultat von Veränderungen in postindustriellen Lebenswirklichkeiten, teils die Folge ungelöster wissenschaftlicher Probleme, die mit den Axiomen der Historischen Sozialwissenschaft nicht mehr zu lösen waren. [6] Die sich anschließende Entwicklung einer neuen Kulturwissenschaft setzte die rasche Abfolge von Turns in Gang – und es herrscht keine einhellige Einschätzung darüber, ob es sich bei Visual, Performative oder Spatial Turn um Spezifizierungen und Präzisierungen des Cultural Turn handelt, oder um neue Ansätze, die die immer noch gleiche Frage zu beantworten suchen: Was ist das einheitsstiftende Band der Nicht-Naturwissenschaften, nachdem das sozioökonomische Paradigma seine bindende Kraft verloren hat?

<4>

Wenn nun ein Turn nicht nur eine leichte Verschiebung des Gegenstandsbereichs der Wissenschaften ist, sondern eine erkenntnistheoretische Neuorientierung behauptet, dann lässt sich leicht die Annahme formulieren, dass dies nicht nur die Frage, was erforscht wird, affiziert. Denn die Antwort auf die Frage nach dem Gegenstand, hat Folgewirkungen auf andere Bereiche des Selbstverständnisses der Wissenschaften. Als in den 1960er Jahren eine sozialwissenschaftliche Neuorientierung der Geschichtswissenschaft entwickelt wurde, wurde nicht nur der Gegenstand verändert. Historiker und Historikerinnen änderten ihr Selbstverständnis, verorteten sich nicht mehr als Gelehrte im abstrakten Ideenhimmel sondern als politisch aktive Menschen einer Gesellschaft, sie änderten ihre sozialen Kommunikationsformen und entwickelten Formen der kollektiven Zusammenarbeit, sie änderten den Stil ihrer Lehre, Vorlesungen verloren und Diskussionsveranstaltungen wie Seminare gewannen an Bedeutung. Und sie änderten die Sprache, in der sie Erkenntnisse formulierten.

<5>

Jede fundamentale Veränderung des Forschungsgegenstandes zieht solche Folgen nach sich. So müssten auch die oben angegeben turns die Sprache und die Medien, in denen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ausdrücken, verändern. Häufig ist aber genau dies der blinde Fleck im Diskurs. Im Folgenden wird es um diese Frage gehen. Am Beispiel des Visual Turns, der eine Verschiebung weg vom klassischen Gegenstands- und Ausdrucksmedium der historischen Wissenschaften, des Textes, zum Bild formulierte, wird gefragt, welche Auswirkungen dies auf die Medien hat, die Historikerinnen und Historiker verwenden, um Forschungsergebnisse zu formulieren und zu medialisieren.

<6>

In drei Schritten wird dieses Thema umrissen werden: Der Visual Turn selbst wird kurz beschrieben, um jenen, die bislang noch wenig Gelegenheit hatten, sich mit diesem Diskurs zu beschäftigen, eine Basis zu geben, wobei der Fokus auf der Geschichtswissenschaft liegt. In einem weiteren Schritt werden die wissenschaftsimmanenten Entwicklungen dargestellt, die die klassische Wissenschaftssprache in Frage stellen und einen Bedarf nach Neuorientierung und Erweiterung der Mediennutzung in den Geschichtswissenschaften, nicht als Gegenstand, sondern als Vermittlungs- und Erkenntnisformulierungsmedium, nahe legen. Abschließend wird auf Implikationen für die Verwendung digitaler Medien als Ausdrucksmedien für geisteswissenschaftliche Erkenntnisse eingegangen. Der vorliegende Text plädiert nicht für eine völlige Veränderung der Publikationspraxis in den Geisteswissenschaften. Er will nur in einer sich manchmal etwas zu vorsichtig gebenden Wissenschaftlergemeinschaft dazu beitragen, die Frage nach Kompetenzen der Mediennutzung aufrechtzuerhalten, sie zukunftsoffen und gleichzeitig den eigenen Fachtraditionen gegenüber gerecht zu positionieren. Das Ziel dieses Diskurses ist es, die historischen Wissenschaften wissenschaftlicher, weil methoden- und sprachbewusster zu machen und gleichzeitig vielfältiger und zukunftssicherer.

Visual Turn

<7>

Die historischen Wissenschaften waren in ihrer Konstitutionsphase aufgrund ihrer Verfahrensorientierung Produzenten der Erkenntnis über Texte in Texten und durch Texte. [7] Zeiten ohne schriftliche Überlieferung galten als 'Vor-Geschichte'. Die Ausdehnung der Blicke, die Fragen nach dem Alltag, besonders schriftloser Bevölkerungsgruppen aber haben es notwendig gemacht, andere Quellen zu akzeptieren. In dieser Form kamen die Bilder in den Blick der Geschichtswissenschaft - erst als eine Quelle, dann, über die Reflexion der Visualisierung unserer Lebenswelt im postindustriellen Zeitalter, als mögliche Option der Formulierung und Medialisierung von Erkenntnis. [8] In beiden Fällen war eine Frage von entscheidender Bedeutung, die nur vordergründig naiv klang, im Untergrund aber den Keim einer fundamentalen Wandlung der historischen Wissenschaften in sich trug: Haben Bilder eine eigene Rationalität, die nicht nur reflektiert werden muss, wenn sie als Quellen verwendet werden, sondern die Möglichkeiten der Erkenntnisformulierung bieten, die über das Potential der Sprache hinausgehen?

<8>

Der erste Schritt war die Ausweitung des Quellenbegriffs auf Bilder. Er war notwendig geworden, wo sich die Fragen nicht mehr ausschließlich auf die intentionalen oder strukturbedingten Handlungen richteten, sondern auf die mentale Repräsentation von Realität und den von diesen auf die Wirklichkeit zurückwirkenden Konstitutionsstrukturen von Realität. Im Hinblick auf diesen ontologischen Konstruktivismus, der dem Interesse an den Bildern meist zu Grunde lag, war besonders die Mentalitäts- und Alltagsgeschichte in den 1980er und frühen 1990er Jahren die treibende Kraft in der Ausdehnung des Quellenbegriffs. [9] Die Einsicht, dass Bilder anders zu entschlüsseln sind als Texte, worauf bereits Rainer Wohlfeil hinwies [10], führte zu einer breiten Rezeption der Kunsttheorien von Aby Warburg, Erwin Panofsky und Max Imdahl, was sich wiederum förderlich auf die Auffassungen von der Konstitution historischer Wirklichkeiten niederschlug. [11]

<9>

Entscheidend war jedoch der nächste Schritt, der den Visual Turn an den Linguistic Turn anschloss und dessen Radikalität übernahm. Dem Kontext des Linguistic Turn galt Sprache als Wirklichkeit konstituierendes Medium. In der Sprache wurde Lebenswelt nicht nur abgebildet, sondern gemacht. Ein solches Theorem ließ eine Fülle radikaler Konsequenzen zu, die ihre diskussionsfördernde Kraft bis heute nicht verloren haben. Beispielweise konnte die Diskurstheorie, da Sprache nur an Sprache anschließen konnte, auf das Subjekt als intentionalem Wesen verzichten. [12]

<10>

Für die Konstituierung einer neuen Bildforschung war noch eine weitere Entwicklung von Bedeutung: Die Mental Image- oder Mental Model-Forschung untersuchte 'innere' Repräsentationen realweltlicher Vorgänge. Beispielsweise wurde untersucht, wie einzelne Menschen eine mentale Repräsentation einer Stadt entwicklen, die ihnen hilft, sich individuell zu orientieren. [13] Solche mental maps sind aufgeladen mit individueller Bedeutung und Sinn und können von den vermeintlich objektiven Stadtkarten erheblich abweichen. [14] Methodisch gesehen waren Mentale Modelle der Versuch, das Dilemma um die getrennte und gemeinsame Verarbeitung von sprachlicher und bildlicher Information durch eine Synthese zu lösen. [15] Bildlich-analoge und sprachlich-sequentielle Informationen ließen sich in der Vorstellung einer synthetischen Verarbeitung zu einer multimedialen mentalen Repräsentation verdichten, die eine Vorstellung über Ursachen und Wirkungen in der Lebenswelt beinhaltete.

<11>

In all diesen Bereichen spielte die individuelle oder psychogruppenspezifische Orientierung in der Lebenswelt eine bedeutsame Rolle und ersetzte die in den 1960er und 1970er Jahren dominierende Auffassung eines Strukturdeterminismus. Für die historischen Wissenschaften lief die Rezeption dieser Theorien einher mit der Entdeckung der Bedeutung von Wahrnehmung und Erfahrung als wirklichkeitskonstituierende Elemente. [16] Erinnerung war in diesem Kontext nur eine Form, individuelle Erfahrung von Vergangenheit zu erarbeiten und in Sinnkonstrukte umzusetzen. Solche sinn- und bedeutungsgenerierenden Verfahren waren und sind das zentrale Thema der neuen Kulturgeschichte. Für Bilder als Gegenstand verschob sich die Leitfrage nach den "gesellschaftlichen Bedingungen der Entstehung eines Kunstwerks" [17] durch Herausarbeitung von Rolle und Verhältnis von Künstler, Auftraggeber und sozialer Zielgruppe zu der nach der kreativen Generierung von Sinn in bildlichen Medien, die über eine bloße Repräsentation eines vorgängigen sprachlich diskursiven oder strukturell deterministischen Sinns hinausgingen.

<12>

Dass Bilder etwas anderes sind als Text, eigene Weisen der Wirklichkeitswiedergabe, oder auch der Wirklichkeitskonstruktion, und damit auch andere Methoden ihrer Analyse und eine andere Sprache des über sie wissenschaftlich Sprechens benötigen, ist dann schon der gesamte gemeinsame Nenner. Das, was unter dem Begriff Visual Turn firmiert, ist ein vielschichtiger Diskurs, an dem die unterschiedlichsten Einzeldisziplinen beteiligt sind. [18] Diese Uneinigigkeit, was ein Bild eigentlich sei, und wie es zu behandeln ist, macht aber diesen Diskurs nicht schwach, sondern zeigt vielmehr die Vielfalt, die dem Phänomen selbst inhärent ist.

Medien und Narrativität

<13>

In weiten Teilen des kommunikationswissenschaftlichen Diskurses gilt das Medium nicht nur als ein Apparat, der einen Inhalt von einem Sender zu einem Empfänger übermittelt. Es konstituiert vielmehr vermittels seiner Materialität eine Differenz für die Bedeutung, den Sinngehalt und die Informationen, die mit ihm vermittelt werden. [19] Lange Zeit sah man nur einen einfachen Überträger in einem Medium, der eine Botschaft vielleicht enkodiert, aber am Ende wieder dekodiert, so dass sie so beim Empfänger ankommt, wie sie vom Sender abgeschickt wurde. Neuere Ansätze, die in der Wahrnehmung einen kreativen Akt und bei der Dekodierung eine Umwandlung auch der Botschaft sehen, thematisieren Medien dagegen nicht als einfache Überträger, sondern als differenzbildende und bedeutungskonstitutive Elemente eines komplexen Kommunikationsaktes. [20]

<14>

Die wirklichkeitsgenerierende Bedeutung von geschriebenem und gesprochenem Text als Medium kam historisch in dem Moment in den Blick, als sich abzuzeichnen begann, dass die abendländische Kultur von einer primär schriftlichen zu einer visuellen sich wandelte. [21] Der wissenschaftshistorisch benennbare Ausgangspunkt dieser Diskussionen waren die Forschungen zur Konstitution von Wirklichkeit über Sprache, in der besonders die Bedeutung des griechischen Alphabets für die Kulturentwicklung herausgearbeitet wurde. [22] Die Frage war, ob die Erfindung der Schrift das Denken selbst verändert hat. Einige Autoren wie Eric Havelock gaben hierauf eine positive Antwort. [23] Sie versuchten nachzuweisen, dass erst das griechische Alphabet abstraktes und kausales Denken ermöglicht habe. [24] Zugleich war eine erlernbare Schrift geschaffen, die sich am geschriebenen Wort orientierte und von breiten Schichten anwendbar war. Die Schreiberelite verlor ihr Monopol, was die Grundlage für eine einsetzende Demokratisierung der Gesellschaft bot. Der Erfindung von Schrift und ihrer Verfeinerung in Gestalt des griechischen Alphabets wurden dergestalt weitreichende Konsequenzen für die Konstitution von Kultur und Geschichte zugewiesen.

<15>

Anders gewendet galt das gesprochene Wort als different zum geschriebenen. [25] Solche Forschungen umspielten noch die Frage nach dem Ausgangspunkt der abendländischen Kulturentwicklung, nach dem Untergrund dessen, was wir jeweils selber sind – und bleiben. Stärker differenztheoretisch orientiert auf die Frage, was sich mit dem Medium ändert, waren die Forschungen der Gruppe um die Zeitschrift Explorations, deren Lichtgestalt Marshall McLuhan die Untersuchung der Medienabhängigkeit von Wirklichkeit über den Beginn der Neuzeit bis in die Gegenwart des postindustriellen Zeitalters fortsetzte. [26] Die Bedeutung, die Erfindung und Ablösung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern einnahm, kam damit in den Fokus eines Blicks, der um sich herum bereits den Bedeutungsschwund dieser Technologie als epochalen Kulturwandel wahrnahm. [27]

<16>

Diese wissenschaftliche Reflexion geht zurück auf epochale Verschiebungen, die sich im medialen Dispositiv der postindustriellen Gesellschaft abzuzeichnen beginnen. Ein Buch wird durch die sukzessive Folge seiner Seiten (fast) immer linear gelesen. Damit hat das zuerst Genannte immer eine besondere Position. Die Neuen Medien dagegen erlauben eine Hyperstruktur. Von einem Satz kann man nicht nur zu jenem gelangen, der wie in einem Buch diesem folgt, sondern es ergeben sich mehrere Möglichkeiten. Je mehr Verknüpfungen existieren, umso mehr potentielle Lektüren sind realisierbar. Der Leser ist damit aktiver Bestandteil des Produktionsprozesses von Texten. Indem er Verknüpfungen erst herstellt, verändert er Sinn. Es können Verbindungen entstehen, die den Autoren nicht bewusst waren und die erst durch den Leser entstehen. Diese Textstruktur wird in der Metapher des Netzes umschrieben. Nicht mehr die eindeutige Folgerung eines Sachverhalts aus einem vorhergehenden Argument prägen diese Argumentationsform, sondern die Anschließbarkeit eines Textpartikels an einen anderen stehen im Mittelpunkt der Betrachtung. Dieser Wechsel zu Hypermedien hat dazu geführt, dass immer mehr vom "Ende des Buches" die Rede ist, womit nicht nur die Informationsvermittlung über Internet anstelle von Zeitung und Zeitschrift gemeint ist, sondern auch ein Wechsel in der medialen Struktur. [28] Im Kontext der Hypermedien rückt an die Stelle von Geschlossenheit (auch von Argumentationen) die Anschlussfähigkeit und Vernetzbarkeit.

<17>

Die Beschäftigung der Kultur- und Sozialwissenschaften mit Medien ist aber nicht primär und nicht allein ein Reflex lebensweltlicher Veränderungen. Die Annahme, dass das Medium eine Rolle für die Konstitution von Erkenntnis in den Wissenschaften spielt, ist eine logische Folge aus Entwicklungen über die Annahme des historischen Gegenstandes, wie er in den vergangenen zwei Jahrzehnten in einer Abfolge der genannten Turns sich entwickelt hat. Die Reflexion über die bewusste Gestaltung des Mediums und die Erarbeitung von Fähigkeiten, Medien intentional einzusetzen, ergibt sich damit erstens daraus, dass das Medialisieren von Erkenntnis eine Schlüsselfähigkeit von Geisteswissenschaftlern darstellt. Zweitens ist sie eine logische Konsequenz aus wissenschaftsimmanenten Entwicklungen der jüngsten Zeit. Und drittens ist sie Reflex und Symptom einer sich medial fundamental wandelnden Welt.

<18>

Waren die Medien als Forschungsgegenstand entdeckt, war es nur konsequent, wenn die Wissenschaften selbst als mediale Ereignisse begriffen wurden. Hayden White schrieb in den 1970er Jahren über die Bedeutung von Narrativitätsstrukturen für die Konstruktion von Geschichtsbildern. [29] Doch blieben seine Beispiele an den Erzählstrukturen des 19. Jahrhunderts orientiert. Die vielfältigen Experimentalformen, mit denen in der Literatur des 20. Jahrhunderts nach neuen Wegen textlicher Gestaltung gesucht wurde, wurden kaum reflektiert, nicht zuletzt deswegen, weil sie bis zur Entwicklung des Hypertextes in den Wissenschaften fast unrezipiert geblieben sind. [30]

<19>

Von diesen Forschungen über die Geschichte der Medienabhängigkeit von Gesellschaft und Kultur ist es nur ein Schritt, die Forderung aufzustellen, Wissenschaften müssten die Medien reflektieren, in denen sie Erkenntnisse formulieren und vermitteln. Erkenntnisse können nur in Medien artikuliert und weitergegeben werden. Die Frage nach dem Einsatz differenter Medien in der Erkenntnisformulierung und –vermittlung vereinigt wissenschaftstheoretische, gestaltungspragmatische und soziokulturelle Aspekte. Die Aussage, Texte und Bilder seien im digitalen Zeitalter aufgrund ihrer gleichförmigen Bearbeitung im digitalen Code stärker als bisher aneinander angenähert, übersieht, dass sowohl in der Produktion als auch in der Rezeption dieser beiden Medien nach wie vor bedeutende Unterschiede bestehen, die derzeit weder in der Hochschulausbildung noch im Forschungsalltag übersehen werden dürfen.

<20>

Ein weiteres Argument ist in diesem Kontext von Bedeutung. Rationalität als diskursive Logik verfährt selbst linear, indem sie Argument an Argument reiht und schlüssig auseinander entwickelt. In dieser Ineinssetzung von Sprache und Rationalität, liegt auch die Marginalisierung der Sprachexperimente der modernen Literatur begründet. Andere Medien dagegen stehen unter dem Verdacht, die Wissenschaft für irrationale Strömungen anfällig zu machen. Der Text gilt als distanzbildendes Medium, in dem sich die diskursive Logik einer (selbst-)kritischen Wissenschaft am effektivsten entfaltet. Kausale monolineare Logiken lassen sich in Sprache letztlich aufgrund ihrer eigenen Materialität am adäquatesten formulieren. Mit der Postmoderne aber schwand das Vertrauen in Linearitäten, in Eindeutigkeiten und damit auch in Rationalität. Dies führte zu einer Öffnung der Wissenschaften zu alternativen Textformen. Doch geschah dies weniger in einer direkten Rezeption moderner Avantgardeliteratur, denn über den Umweg über ein anderes Medium: das Bild.

Visuelle Medien in den historischen Wissenschaften

<21>

Dass ein Bild etwas anderes ist als das Abgebildete, wurde als "ikonische Differenz" bezeichnet. [31] Entlang dieser Differenz entwickelt sich die zentrale Frage, ob Bilder Texte in einem anderen Aggregatszustand, aber dennoch wie solche zu entschlüsseln sind, oder ob sie eigene mediale Bedingungen haben. Für die Fraktion, die letztere Position vertritt, hat die französische Philosophin Sarah Kofman signifikant formuliert: "Zwischen der figurativen Ordnung des Bildes und der diskursiven Ordnung der Sprache gibt es einen Spielraum, der durch nichts aufzufüllen ist." [32]

<22>

Doch wofür sind Bilder einsetzbar, was durch textliche Sprache weniger adäquat formuliert werden kann? Ferdinand Fellmann hat versucht, das Eigentümliche des Bildes über den Begriff der Zuständlichkeit zu beschreiben. [33] Die Funktion sprachlicher Begriffe sieht er in erster Linie in der Abstraktion. Begriffe lösen aus der Vielfalt des Sichtbaren Merkmale heraus. Beispielsweise, wenn in der Biologie der Begriff der Blüte nach einem Klassifikationsschema untergliedert wird, der von der Farbe der Blüte absieht und nur die Form der Befruchtungsorgane thematisiert. Ein Bild dagegen lässt eine solche Abstraktion nur bedingt zu, es zeigt Form und Farbe einer Blüte zugleich. Sind die Bilder so in gewisser Weise konkreter als die Worte, so sind diese ihrerseits leichter geeignet eine Intention wiederzugeben, die sich auf einen Sachverhalt richtet. Die Aufforderung, ein Fenster zu schließen, lässt sich relativ eindeutig verbal formulieren. Sie über Bilder auszudrücken, würde einerseits zwei aufeinanderfolgende sukzessive Bilder benötigen, andererseits aber auch alternative Auslegungen der Bilder ermöglichen, denn es wäre nicht eindeutig, ob bei den Bildern das Offensein der Fenster das Entscheidende wäre, oder der Schatten auf der Fensterbank. Insofern sich Intentionen auf Sachverhalte richten, lassen sich diese eindeutig nur mittels Begriffen kommunizieren. Die besprochene Welt ist eine Sachverhaltswelt. Dagegen geben Bilder Ausschnitte wieder, die sich in eine unbestimmte Anzahl von Sachverhalten übersetzen lassen.

<23>

In einer Situation, in der die Wissenschaft vor der Aufgabe steht, widersprüchliche theoretische Ansätze synchron darzustellen und den Leser als sinngenerierenden Faktor zu integrieren, bieten Bilder als ein relativ unbestimmtes Medium die Chance, das bewusst Fraktale und die intendierte Differenz in den gegenwärtigen wissenschaftlichen Interpretationen zu medialisieren. Sie geben die Möglichkeit, aufgrund ihrer Synchronität komplexe Argumentationsmuster und Bedingungskonstellationen adäquater denn in der linearen Funktionsweise von Sprache auszusagen. Das Diskursive der Rede und Gegenrede wird ersetzt durch die Gleichzeitigkeit des Widersprüchlichen, die den Betrachter aktiver in die Situation einbindet und ihn aktiver zur Stellungnahme auffordert denn ein Text. Verloren zu gehen droht jedoch die Dynamik, die die Zeit, die einen Text konstituiert, in die Erkenntnisformulierung einbringt. Veränderungen, die sich durch den Austausch einzelner Argumentationselemente und Theoreme ergeben, lassen sich in der Synchronität einer bildlichen Darstellung, sei sie ein Organigramm oder eine visuelle Darstellung, nicht integrieren. Doch lässt sich dies entlang der durch den Computer verfügbaren Fähigkeit, Animationen zu erstellen, diskutieren. [34]

<24>

Die Aneignung theoretischen Wissens funktioniert nicht ausschließlich über die Aufnahme und Wiedergabefähigkeit der textlichen Elemente, sondern muss, um kreativ eingesetzt und weitergedacht werden zu können, von einer visuellen mentalen Repräsentation begleitet werden. Da diese Repräsentationen individuell sehr verschieden sind oder zumindest es noch wenig Forschung gibt, inwiefern sie gruppenspezifisch, beispielsweise zwischen den Geschlechtern, Kulturen oder Sozialgruppen unterschiedlich sind, nehmen sie derzeit in der Hochschuldidaktik noch wenig Raum ein. Wird aber in den nächsten Jahren die Qualität einer Hochschule auch verstärkt an den Fähigkeiten ihrer Absolventen und Absolventinnen gemessen werden, steigt der Bedarf an Unterrichtsmaterialien, die in der Lage sind, zeitlich effizient und den individuellen Strukturvorgaben des einzelnen Lernenden angepasst mentale Repräsentationen von abstrakten Argumentationsformen im Lernprozess zu kreieren. Erfolgreich ist ein Lernprozess im Studium dann, wenn in der je eigenen Vorstellungswelt eine komplexe mentale Repräsentation geschaffen worden ist, die anschlussfähig ist für neu zu Erlernendes, flexibel für Veränderungen und variabel und kreativ anwendbar ist in unterschiedlichen beruflichen Anforderungssituationen.

Der modulare Aufbau eines Hypermediums erlaubt es uns, in Zukunft immer mehr solcher gruppenspezifischer Zugriffsfunktionen, die an vorstrukturierte lebensweltliche Orientierungsmuster gebunden sind, zu entwickeln.

<26>

Die Aufgabe von Bildern war lange Zeit die Mimesis, die genaue Abbildung. Auch in den historischen Wissenschaften wurden Bilder eingesetzt, um Anschaulichkeit zu erreichen. Meist wurden sie daher als Illustrationen verwendet. Ihnen haftete aber der Geruch des Anekdotenhaften und Ungenauen an. Die akademische Geschichtswissenschaft hat sie weitgehend ignoriert, vielfach gar stigmatisiert. Modellartige Rekonstruktionen in Museen und Ausstellungen galten vielen als unangemessen. Der Vorwurf richtete sich gegen den Wahrheitsgehalt der Bilder, der niedriger eingeschätzt wurde als der der Worte. Doch sind die digitalen Bilder keine Repräsentationen von Realität mehr, sondern Simulationen. [35] Sie bilden nichts mehr ab, sondern sie erschaffen Welten unter relativ genau angebbaren Konstruktionsbedingungen. Diese lassen sich in der Erkenntnisformulierung und ‑vermittlung gewinnbringend einsetzen und schließen einige der oben genannten Lücken, die die Entwicklung der Theoriebildung aufgetan hat.

<27>

Eine davon verbindet rezeptionssteuernde mit bedeutungsoffenen Darstellungsformen. Notwendig wird dies beispielsweise, wenn die lineare Lektüre eines Text oder eines Bildes vermieden und stattdessen eine möglichst synchrone Rezeption ermöglicht werden soll. Sinnvoll ist dies beispielsweise, um die gleichmäßige Wertigkeit mehrerer Faktoren darzustellen, etwa, um eine pluralistische Auffassung wiederzugeben. Ein Verfahren, dies zu erreichen, ist der Einsatz bewegter Bilder oder bewegten Texts, wie es in Animationen möglich ist. [36] Aufgrund der Bewegung lässt sich das erwartete Leseverhalten unterlaufen, wenn die Bewegung die Elemente der Animation konträr zu den kulturell bedingten Erwartungsvorhaben ordnet. Ist man gewohnt, einen Text von oben nach unten sowie von links nach rechts zu lesen, so kann die Animation Text derart in Bewegung versetzen, dass sich seine Wahrnehmung der eines Bildes annähert und differente und wandelbare Muster von Kontexten erstellt. Der tendenziell monolinearen Logik von Texten wird Vielschichtigkeit und Varianz zur Seite gestellt, die sich beispielsweise bei der synchronen Darstellung einer Interpretation eines historischen Sachverhalts aus der Perspektive zweier oder mehrerer widerstreitender Theorien einsetzen lässt. Bewegung integriert den Zuschauer und die Zuschauerin aktiver in das Geschehen eines Textes. Es fordert zur Interaktivität auf. Diese Verstärkung der Interaktivität ist es, die sich besonders in Simulationen einsetzen lässt und die somit der genannten Überzeugung einen adäquaten Ausdruck zu verliehen imstande ist, dass Wahrnehmung ein kreativer Akt im Verstehen ist.

<28>

Simulationen lassen sich in zweierlei Weise gestalten und einsetzen. Zum einen können historische oder argumentative Konstellationen auf ihre Grundbestandteile reduziert werden, die dergestalt miteinander in Bezug gesetzt werden, dass die Veränderung eines Elements Auswirkungen auf alle anderen hat. So lässt sich für historische Situationen erörtern, welche Funktion und Bedeutung einzelne Elemente oder strukturelle Prozesse für die Gesamtentwicklung hatten. Die zweite Form simuliert spezifische Interpretationsmuster und lässt es dergestalt zu, die Frage zu stellen, wie eine spezifische, quellenkritisch erarbeitete Vorstellung einer historischen Konstellation sich verändert, wenn ein Element oder mehrere Teile eines argumentativen theoretischen Begründungsrasters modifiziert werden. In beiden Fällen lässt sich Flexibilität und Pluralität adäquater formulieren als in einem geschriebenen Text. [37]

<29>

Historiker und Historikerinnen als Produzenten von Simulationen erreichen dergestalt zum einen eine intensivere Interaktivität zwischen ihren Produkten, den medialisierten Erkenntnissen und den mit diesen verbundenen Sinn- und Deutungsangeboten, und deren Rezipienten, zum anderen eine höhere Varianz in der Interpretation. Man mag es als Nachteil empfinden, dass mit diesem Verfahren 'Überzeugung' ersetzt wird durch 'Experiment', doch liegt der Gewinn eindeutig auf der kommunikativen Ebene innerhalb der Wissenschaften und an den Schnittstellen zur alltäglichen Lebenswelt der Gesellschaft.

<30>

Es gibt kein Argument, anzunehmen, die historischen Wissenschaften würden in naher Zukunft nur noch 'stehende' oder 'bewegte' Bilder produzieren. Die Vorteile der spezifischen Textrationalität ist zu überzeugend, um dies anzunehmen oder gar zu progagieren. Aber es gibt doch zwei gute Gründe, verstärkt über die Ausweitung der Mediennutzung zur Vermittlung historischer Erkenntnis nachzudenken: 1. Die Gesellschaft ändert sich und mit ihr das Publikum, das zu erreichen, aufzuklären, zu belehren und zu erweitern und manchmal auch zu unterhalten unsere Aufgabe ist, 2. Visuelle Medien als Ausdrucksmedien für wissenschaftliche Erkenntnis erweitern das diskursiv Verhandelbare. Sie erlauben es uns, Aussagen anders, und häufig den Forschungsergebnissen angemessener zu medialisieren. Das allein scheinen gute Gründe, Medienverwendung nicht nur als historischen Gegenstand, sondern als praktisches Thema der historischen Wissenschaften in ihr Reflexionsfeld als auch in ihr Ausbildungscurriculum aufzunehmen.

Autor:

Prof. Dr. Stefan Haas
University of Toronto
Department of History
100 St. George Street
Toronto, Ontario
M5S 3G3
Canada
stefan.haas@utoronto.ca



[1] Richard Rorty (Hg.): The Linguistic Turn. Recent Essays in philosophical method, Chicago/London 1967; zur Diskussion in der Geschichtswissenschaft vgl. Ernst Hanisch: Die linguistische Wende. Geschichtswissenschaft und Literatur, in: Wolfgang Hardtwig/Hans-Ulrich Wehler (Hg.): Kulturgeschichte heute, Göttingen 1996, 212-230; Peter Schöttler: Wer hat Angst vor dem Linguistic Turn?, in: Geschichte und Gesellschaft 23 (1997), 134-151.

[2] Überblick bei Ute Daniel: Kompendium Kulturgeschichte. Theorien, Praxis, Schlüsselwörter, 3. Aufl., Frankfurt a. M. 2002, Urte Helduser/Thomas Schwietring (Hg.): Kultur und ihre Wissenschaft. Beiträge zu einem reflexiven Verhältnis, Konstanz 2002.

[3] Vgl. u.a. Mitchell Stephens: The Rise of the Image and the Fall of the Word, Oxford 1998; Stefan Müller-Doohm: Visuelles Verstehen - Konzepte kultursoziologischer Bidlhermeneutik, in: Thomas Jung/Stefan Müller-Doohm (Hg.): Wirklichkeit im Deutungsprozess. Verstehen und Methoden in den Kultur- und Sozialwissenschaften, Frankfurt a. M. 1993, 438-457; Michael Wetzel/Herta Wolf (Hg.): Der Entzug der Bilder. Visuelle Realitäten, München 1994; Gottfried Boehm (Hg.): Was ist ein Bild?, 3. Aufl., München 2001; Hubert Burda/Christa Maar (Hg.): Iconic Turn. Die neue Macht der Bilder, 3. Aufl., Köln 2005; Klaus Sachs-Hombach (Hg.): Bildwissenschaft zwischen Reflexion und Anwendung, Köln 2005; ders. (Hg.): Bildwissenschaft. Disziplinen, Themen, Methoden, Frankfurt a. M. 2005, Gerhard Paul (Hg.): Visual History. Ein Studienbuch, Göttingen 2006.

[4] Christoph Wulf/Michael Göhlich/Jörg Zirfas: Grundlagen des Performativen. Eine Einführung in die Zusammenhänge von Sprache, Macht und Handeln, Weinheim/München 2001; Uwe Wirth (Hg.): Performanz. Zwischen Sprachphilosophie und Kulturwissenschaften, Frankfurt a. M. 2002; Hans-Georg Soeffner/Dirk Tänzler (Hg.): Figurative Politik. Zur Performanz der Macht in der modernen Gesellschaft, Opladen 2002; Erika Fischer-Lichte (Hg.): Ästhetik des Performativen, Frankfurt a. M. 2004; zur Rezeption in der Geschichtswissenschaft Jürgen Martschukat/Steffen Patzold: Einleitung, in: dies. (Hg.): Geschichtswissenschaft und "performative turn". Ritual, Inszenierung und Performanz vom Mittelalter bis zur Neuzeit, Köln/Weimar/Wien 2003, 1-32.

[5] Ian Cook u.a. (Hg.): Cultural Turns/Geographical Turns. Perspectives in Cultural Geography, Harlow 2000.

[6] Christoph Conrad/Martina Kessel (Hg.): Geschichte schreiben in der Postmoderne. Beiträge zur aktuellen Diskussion, Stuttgart 1994; dies.: Kultur und Geschichte. Neue Einblicke in eine alte Beziehung, Stuttgart 1998.

[7] Die folgende Argumentation folgt meinem Beitrag Stefan Haas: Mediale Bedingungen der Erkenntnisformulierung und -vermittlung in den Kultur- und Sozialwissenschaften. Theoretische und pragmatische Perspektiven, in: Fabio Crivellari/Kay Kirchmann/Marcus Sandl/ Rudolf Schlögl (Hg.): Medialität der Geschichte. Historizität und Medialität in interdisziplinärer Perspektive, Konstanz 2004, 211-238.

[8] Zur Bildtheorie vgl. als Überblicke Oliver Scholz: Bild, Darstellung, Zeichen, Freiburg/München 1991; Klaus Sachs‑Hombach: Illusion und Repräsentation. Bausteine zu einer Theorie bildlicher Kommunikation in: Evelyn Dölling (Hg.), Repräsentation und Interpretation, Institut für Linguistik, Berlin 1998, 125-145.

[9] U.a. Otto Gerhard Oexle: Memoria und Memorialbild, in: ders. (Hg.): Memoria. Der geschichtliche Zeugniswert des liturgischen Gedenkens im Mittelalter, Münster 1984, 384-440; Rainer Wohlfeil/Trudl Wohlfeil: Nürnberger Bildepitaphien. Versuch einer Fallstudie zur historischen Bildkunde, in: Zeitschrift für historische Forschung 12 (1985), 129-180.

[10] Rainer Wohlfeil: Das Bild als Geschichtsquelle, in: Historische Zeitschrift 243 (1986), 91-100.

[11] Vgl. exemplarisch Dieter Wuttke: Aby M. Warburgs Kulturwissenschaft, in: Historische Zeitschrift 256 (1993), 1-29; Michael Diers: Mnemosyne oder das Gedächtnis der Bilder. Über Aby Warburg, in: Otto Gerhard Oexle (Hg.), Memoria als Kultur, Göttingen 1995, 79ff.; Bernd Roeck, Psychohistorie im Zeichen Saturns. Aby Warburgs Denksystem und die moderne Kulturgeschichte, in: Wolfgang Hardtwig /Hans Ulrich Wehler (Hg.): Kulturgeschichte heute, Göttingen 1996, 231-254.

[12] Roland Barthes: S/Z, 3. Aufl., Frankfurt a. M. 1998; Michel Foucault: Was ist ein Autor? in: ders., Schriften zur Literatur, Frankfurt a. M. 1988, 7-31.

[13] Vgl. z. B. Ulric Neisser: Kognition und Wirklichkeit. Prinzipien und Implikationen der kognitiven Psychologie, Stuttgart 1979.

[14] Vgl. u. a. D. Gentner/A. L. Stevens: Mental Models, Hillsdale/New Jersey 1983; Phil Johnson-Laird: Mental Models, Cambridge 1983; ders.: The Computer and the Mind. An introduction to cognitive science, London 1989.

[15] Joachim Hasebrook: Multimedia-Psychologie. Eine neue Perspektive menschlicher Kommunikation, Heidelberg/Berlin/Oxford 1995, 126.

[16] Joan W. Scott: The Evidence of Experience, in: Critical Inquiry 17 (1991), 773-797.

[17] Wohlfeil: Bild als Geschichtsquelle (wie Anm. 10), 97.

[18] Einen instruktiven Überblick über die unterschiedlichen Ansätze innerhalb des Iconic Turns gibt Doris Bachmann-Medick: Cultural Turns. Neuorientierungen in den Kulturwissenschaften, Reinbek 2006, 329-380.

[19] Zur Materialität der Medien und der Kommunikation vgl. allg. Friedrich Kittler, Aufschreibesysteme 1800/1900, 2. Aufl. München 1987; Hans Ulrich Gumbrecht/K. Ludwig Pfeiffer (Hg.): Materialität der Kommunikation, Frankfurt a. M. 1988.

[20] Siegfried J. Schmidt: Medien. Die Kopplung von Kommunikation und Kognition, in: Sybille Krämer (Hg.): Medien, Computer, Realität. Wirklichkeitsvorstellungen und Neue Medien, Frankfurt a. M. 1998, 55-72, hier 56-57; Sybille Krämer: Das Medium als Spur und Apparat in: ebd., 73-94, hier 73.

[21] Zu Forschungen zu Visualisierung als Element der Modernisierung vgl. Johanna Hofbauer/Gerald Prabitz/Josef Wallmannsberger (Hg.): Bilder, Symbole, Metaphern. Visualisierung und Informierung in der Moderne, Wien 1995; Chris Jenks (Hg.): Visual Culture, London/New York 1995; Roland Mortier (Hg.): Visualisation, Berlin 1999. Stefan Haas: Vom Flaneur zum Patchworker. Die Visualisierung der Werbung im 19. und 20. Jahrhundert, in: Gerda Breuer/Thomas Schleper (Hg.), Bild(er) der Welt(en). Unüberschaubarkeiten zwischen Bilderflut und Anschauungsverlust, Frankfurt a. M./Basel 2000, 99-124.

[22] Vgl. Jens Brockmeier: Literales Bewusstsein. Schriftlichkeit und das Verhältnis von Sprache und Kultur, München 1997.

[23] Eric A. Havelock: Preface to Plato, 2. Aufl., Cambridge/Mass. 1982; ders.: The literate revolution in Greece and its cultural consequences, Princeton 1982; ders.: The muse learns to write. Reflections on orality and literacy from antiquity to the presens, New Haven 1986.

[24] Zu dieser Position wie zu ihrem Antipode einer primären Oralität vgl.: Jack Goody/Ian Watt/Kathleen Gough: Literacy in Traditional Societies, Cambridge 1968; Jack Goody: The Logic of Writing and the Organization of Society, Cambridge 1986; Walther J. Ong: Orality and Literacy. The Technologizing of the Word, London 1982; Roy Harris: The Origin of Writing, London 1986; David R. Olson: The World on Paper, The Conceptual and Cognitive Implications of Writing and Reading, Cambridge 1994.

[25] Jacques Derrida: Grammatologie, 8. Aufl., Frankfurt a. M. 2000; Milman Parry: The making of Homeric verse. The collected papers, Oxford 1971; Albert B. Lord: The singer of tales, 2. Aufl., Cambridge/Mass. 1964.

[26] Marshall McLuhan: Understanding Media. The Extensions of Man, New York 1964.

[27] Marshall McLuhan: The Gutenberg Galaxy. The Making of Typographic Man, Toronto 1962; Elisabeth Eisenstein: Die Druckerpresse. Kulturrevolutionen im frühen modernen Europa, Wien 1997; Michael Giesecke: Der Buchdruck in der frühen Neuzeit. Eine historische Fallstudie über die Durchsetzung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien, Frankfurt a. M. 1991.

[28] Michael Wetzel: Die Enden des Buches oder die Wiederkehr der Schrift. Von den literarischen zu den technischen Medien, Weinheim 1991.

[29] Hayden White: Metahistory. The historical imagination in nineteenth-Century Europe, Baltimore/London 1973.

[30] Erst jüngst setzt im Kontext der im vorliegenden Aufsatz beschriebenen Wandlungen eine experimentelle Haltung zum wissenschaftlichen Text sich durch, die nach neuen Wegen der textlichen Gestaltung von Erkenntnis sucht, vgl. bsp. Michael Funken, Sofies M@ssage 1.0/Jenaer Vor-Sätze..., Würzburg 1996.

[31] Klaus Sachs‑Hombach: Illusion und Repräsentation. Bausteine zu einer Theorie bildlicher Kommunikation, in: Evelyn Dölling (Hg.), Repräsentation und Interpretation, Institut für Linguistik, Berlin 1998, 125-145, hier 131.

[32] Sarah Kofman: Melancholie der Kunst, Graz u.a. 1986, 22.

[33] Ferdinand Fellmann: Wovon sprechen die Bilder? in: Birgit Recki/Lambert Wiesing (Hg.): Bild und Reflexion. Paradigmen und Perspektiven gegenwärtiger Ästhetik, München 1997, 147-159, bes. 151.

[34] Einen sehr guten Einblick in die Gestaltung von Visualität bietet Pina Lewandowsky/Francis Zeischegg: Visuelles Gesalten mit dem Computer, Reinbek 2002.

[35] Edmond Couchot: Die Spiele des Realen und das Virtuelle, in: Florian Rötzer (Hg.): Digitaler Schein, Frankfurt a. M. 1993.

[36] Überblick über die technischen Möglichkeiten in Rüder Mach: 3D-Visualisierung. Optimale Ergebnispräsentation mit AutoCAD und 3D Studio Max, Bonn 2000.

[37] Derzeit gibt es noch wenig Literatur, die sich mit den Möglichkeiten von Simulationen im wissenschaftlichen Erkenntnisprozess auseinandersetzt, vgl. Castulus Kolo: Computersimulationen als Instrument der Prozessanalyse in der Ethnologie, Hamburg 1997.

Empfohlene Zitierweise:

Stefan Haas : Vom Schreiben in Bildern. Visualität, Narrativität und digitale Medien in den historischen Wissenschaften , in: zeitenblicke 5 (2006), Nr. 3, [2006-12-03], URL: http://www.zeitenblicke.de/2006/3/Haas/index_html, URN: urn:nbn:de:0009-9-6482

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse. Zum Zitieren einzelner Passagen nutzen Sie bitte die angegebene Absatznummerierung.

Lizenz

Jedermann darf dieses Werk unter den Bedingungen der Digital Peer Publishing Lizenz elektronisch über­mitteln und zum Download bereit­stellen. Der Lizenztext ist im Internet abrufbar unter der Adresse http://www.dipp.nrw.de/lizenzen/dppl/dppl/DPPL_v2_de_06-2004.html