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Emigration? Exil? Zum Spektrum der Begrifflichkeiten

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Die Schwierigkeit dessen, was unter dem Begriff der 'Emigration' genau zu verstehen ist, spiegelt sich schon in Selbstbeschreibungen von Emigranten aus Osteuropa wider: So ließen sich beispielsweise die polnischen Emigranten, welche nach dem Novemberaufstand in den Jahren 1830/31 die Teilungsgebiete verlassen hatten, gerne die Bezeichnung 'Emigration' gefallen. Dies verlieh nicht nur der im Verhältnis zu damaligen Migrationen großen Anzahl an Auswanderern Ausdruck, sondern auch deren Anspruch, die führende Rolle im Kampf um die polnische Unabhängigkeit zu spielen. [1]

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Im Gegensatz dazu verwehrte sich der im 20. Jahrhundert aus der Tschechoslowakei ausgewanderte Schriftsteller und Journalist Lubor Zink strikt dagegen, mit dem Terminus 'Emigrant' bezeichnet zu werden. Er wollte sich eher als "Exulant" [2] beschreiben und auch so beschrieben werden, um nicht der Wortwahl der kommunistischen Propaganda Vorschub zu leisten, welche mit dem Schlagwort des 'verräterischen Emigranten' die tschechoslowakische Bevölkerung vor den Einflüssen des Exils warnen wollte. [3]
Die Vielfalt der Selbst- und Fremdbeschreibungen wird noch größer und facettenreicher, wenn man sich gar vor die Aufgabe der literaturwissenschaftlichen Erschließung des semantischen Feldes von Exil und Emigration in verschiedenen Sprachen stellt. [4]

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Für den vorliegenden Überblick über die Leistungen und Desiderata der deutsch- und englischsprachigen historiographischen Osteuropaforschung über 'Emigration' beziehungsweise 'Exil' im 19. und 20. Jahrhundert gilt es daher, zu einer Arbeitsdefinition der Begriffe zu gelangen. Nach dem Historiker Rainer Eckert, der sich auf Überlegungen und Erkenntnisse der umfangreichen und weit gediehenen Forschungen zum antifaschistischen deutschsprachigen Exil von 1933-1945 [5] stützt, soll grundsätzlich unterschieden werden zwischen 'Emigration' als Vorgang der Flucht beziehungsweise Auswanderung aus der bisherigen soziokulturellen Umgebung in eine andere. Der Zustand des Verweilens in dieser neuen Umgebung soll dagegen als Exil bezeichnet werden. [6] Die Bedeutung des Wortes 'Exil' im Sinne von 'Verbannung' wird dagegen nicht dem hier untersuchten Phänomen zugeordnet.

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Die Gründe für Emigrationen differieren in erheblichem Maße, je nachdem, zu welcher Zeit man auf welche Region blickt. Eine Analyse dieser Gründe ist natürlich immer vorgeprägt vom jeweiligen Erkenntnisinteresse des Forschers. Um jedoch eine Abgrenzung von der allgemeinen Migrationsforschung herzustellen, kann man folgende Faktoren als spezifische Gründe für Emigration, wie sie hier verstanden werden soll, ausmachen: "Offizielle Ausweisung, politische oder kulturpolitische Beweggründe […] oder andere durch die Umstände bedingte und als starker persönlicher Druck empfundene Zwänge, aber auch subjektive Faktoren wie das anhaltende Bewusstsein der ungewollten Ausgrenzung." [7]

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Als weiteres Spezifikum, welches Emigration und Exil von anderen Migrationsformen unterscheidet, soll "der nicht aufgegebene Vorsatz, in die Heimat zurückzukehren" [8] gelten. Lutz Häfner unterscheidet daher in seinem Handbuchartikel zur russischen Emigration: [9] "Tritt diese Absicht zugunsten einer sukzessiven, soziokulturellen Adaption und Assimilation […] in den Hintergrund, wird aus der Emigration eine Immigration." [10]
Diese Definition, die in ihren überwiegenden Anteilen zwar aus der literaturgeschichtlichen Forschung kommt, aber dennoch auch auf Fragen des politischen, kulturellen oder religiösen Exils anwendbar ist, zeigt, dass weniger Fragen nach (Un-)Freiwilligkeit, der Dauer und (Il-)Legalität der Wanderung helfen, die Besonderheit dieses Migrationsvorgangs auszumachen. Vielmehr ist es zum einen die subjektiv empfundene Bedrohung der bisherigen Identität (in politischer, kultureller, religiöser etc. Hinsicht), und zum anderen der Wunsch, wieder in die 'Heimat' zurückzukehren. Anthropologische Faktoren sowie die Beziehung des Exils zur Heimat sind also zwei wesentliche Dinge, welche die Emigrationsforschung zu berücksichtigen hat.

Politikgeschichtliche Zugänge

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Sucht man nach Texten von Osteuropahistorikern, die sich explizit mit konzeptionellen Fragen der Erforschung des politischen Exils auseinandersetzen, stößt man schnell auf Hans-Henning Hahns Beitrag über "Möglichkeiten und Formen politischen Handelns in der Emigration" [11] aus den 80er Jahren, der einen Ansatz zur strukturellen Erforschung des politischen Exils entwickeln will. Als Gegenstand dient ihm dabei die 'Große Emigration' aus den polnischen Teilungsgebieten, deren Organisationsstruktur er schon in früheren Arbeiten [12] erschlossen hatte. Unabhängig von gewissen Ähnlichkeiten der Situation verschiedenster Emigranten (Entwurzelung, Milieuwechsel, Minderheitendasein etc.) gebe es spezifische historische Umstände, die die verschiedenen Emigrationen unterscheidbar machten. Mit seiner Strukturanalyse des polnischen Exils im 19. Jahrhundert will er zeigen, inwieweit diese Strukturen die Formen des politischen Handelns determinierten, inwiefern sie die Inhalte politischen Handelns im Exil vorgaben und Erfolgschancen der Exilpolitik mitprägten. [13] In seinem abschließenden "Plädoyer für eine international strukturvergleichende Exilforschung" [14] räumt er jedoch ein, dass gerade diese letzte Frage nach dem Erfolg oder Misserfolg von Exilpolitik nur vor dem Hintergrund internationaler Vergleiche zu beantworten sei.

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Dieses Plädoyer scheint jedoch auf keinen besonders fruchtbaren Boden in der Osteuropahistoriographie gefallen zu sein, denn eine breite Rezeption in Form ähnlich aufgebauter Studien ist nicht festzustellen. [15] Möglicherweise liegt dies darin begründet, dass Hahn seine Überlegungen sehr stark an das Beispiel der polnischen "Großen Emigration" bindet. So definiert er beispielsweise politisches Exil derart eng, dass darunter nur Auswanderer berücksichtigt werden können, welche politisch aktiv wurden, um Veränderungen in der Heimat zu bewirken. [16] Dass jedoch Emigranten, welche sich ebenfalls in bewusster Opposition zu den Verhältnissen im Heimatland befanden, auch in anderer Weise aktiv sein konnten und wollten, zeigt unter anderem das ebenfalls polnische Beispiel der Pariser Exilzeitschrift "Kultura", die von 1947-2000 erschienen ist. Einer Figur wie deren Chefredakteur Jerzy Giedroyc (1906-2000) den politischen Charakter abzusprechen, wäre sicherlich verfehlt. Nicht umsonst hat Ulrich Schmid einen Beitrag über die Zeitung mit dem Titel "Eine intellektuelle Chronik Polens" [17] versehen.

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Trotz der politischen Bedeutung von Giedroycs publizistischen Aktivitäten, löste er sich ganz bewusst Ende der vierziger Jahre von der Londoner Exilregierung, welche weder die Volksrepublik Polen noch das dortige öffentliche und kulturelle Leben anerkannte. Im Gegensatz zur Exilregierung sah Giedroyc als Ziel des Handelns im Exil nämlich nicht die Demokratisierung der politischen Verhältnisse in Polen an. Ihm kam es dagegen auf den "Brückenschlag" an "zwischen denjenigen Polen, die in der Heimat leben, wirken und arbeiten, und uns, die wir bewusst die politische Emigration gewählt haben." [18] Ohne mit den politischen Verhältnissen in Polen einverstanden zu sein, erfüllte er ein entscheidendes Merkmal von Hahns Definition eines politischen Exilanten also insofern nicht, als es nicht das "primäre Ziel seiner Aktivitäten und Wünsche" [19] war, diese Verhältnisse umzugestalten. Dieses Beispiel zeigt, inwiefern Hahns Überlegungen zu eng an bestimmte historische Umstände geknüpft sind. Aus diesem Grund ist sein Ansatz für andere Fallbeispiele nur sehr bedingt anschlussfähig.

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Dennoch gibt es Studien aus jüngerer Zeit, die bei der Erforschung politischen Exils zumindest zu ähnlichen Schlussfolgerungen wie Hahn gelangen. So wird auch in Frank Hadlers Aufsatz (aus dem Jahre 2002) zum tschechoslowakischen Exil während des Ersten Weltkriegs [20] deutlich, inwiefern Exilpolitik in hohem Maße von der Aufmerksamkeit der internationalen Öffentlichkeit abhängig ist. Ähnlich wie Hahn kommt Hadler zu dem Ergebnis, dass die wesentliche Leistung der tschechoslowakischen Exilpolitiker darin bestand, eine größere Öffentlichkeit für ihr Anliegen eines unabhängigen Staates herzustellen. [21]

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Ein weiterer Grund, warum gerade in Bezug auf das politische Exil im 20. Jahrhundert Hahns Überlegungen nicht berücksichtigt werden (können), ist die Tatsache, dass in vielen Bereichen noch Grundlagenforschung notwendig ist. Der Ost-West-Gegensatz brachte es mit sich, dass viele Themen lange Zeit nicht oder nur unzureichend erforscht werden konnten. So berichtete beispielsweise Peter Heumos [22] Ende der 80er Jahre von diesbezüglichen Schwierigkeiten bei seiner Erforschung der Emigration aus der Tschechoslowakei. Im Vorwort unterrichtet er den Leser davon, dass er trotz Anfrage zu keinem der relevanten tschechoslowakischen Archive Zugang erhielt. [23] Aus diesem Grund konnten auch Themen wie das politische Exil deutscher Kommunisten in Moskau erst in jüngerer Zeit erschlossen werden. [24]

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Diese Grundlagenforschung zum politischen Exil zeichnet sich häufig dadurch aus, dass theoretische Systematisierungsversuche fehlen. Die Situation des politischen Exils fungiert gleichsam als Rahmen der Untersuchungen, wird aber nicht gesondert reflektiert. [25] So gibt es kaum Bemühungen, an theoretische Vorüberlegungen – wie die von Hahn – anzuknüpfen. [26]

Literaturhistorische Zugänge

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Sowohl in konzeptioneller Hinsicht, als auch was die Erschließung des Materials betrifft, ist ein deutlicher Vorsprung der Literaturwissenschaften vor der Geschichtswissenschaft zu erkennen – womit die Osteuropaforschung den Prozess der Erforschung des deutschsprachigen Exils reproduziert. [27] Auch hier hatten Literaturhistoriker die ersten Schritte gemacht. [28]

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Maßgeblich für die literatur- und kulturgeschichtliche Aufarbeitung des Exils aus Osteuropa war das "Geisteswissenschaftliche Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas" (GWZO) in Leipzig. Bereits Mitte der 90er Jahre erschien hier ein Band zu osteuropäischer Exilliteratur, [29] in dem auch die politische Bedeutung der schriftstellerischen Exiltätigkeit herausgehoben wurde. So betonten die Herausgeber Hubert Olschowsky und Ludwig Richter, dass die Wirkung des literarischen Exils besonders in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts über das Milieu der Literatur- und Kulturschaffenden hinausragte, weil die Inhalte in das Auswanderungsland zurückkommuniziert wurden. [30] Im Exil verfasste Literatur stellte also einen Freiraum in der Diktatur dar, der sich dadurch auszeichnete, dass sie "im Lande unterdrückte Themen" [31] aufgriff, die oft im Zusammenhang mit bestimmten Fragen der nationalen Geschichte standen. Richter und Olschowsky schrieben deshalb schon damals der Exilliteratur eine wichtige Rolle dabei zu, "die kollektive Erinnerung vor selektiver Verdrängung und Gedächtnisverlust" zu bewahren. [32]

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Die sich gleichsam aufdrängende Verbindung zwischen Literatur und Geschichtsschreibung beziehungsweise Erinnerungskultur griffen Hans-Christian Trepte und Frank Hadler Ende der 90er Jahre in einer vergleichenden Studie der "gespaltenen" Literaturen und der "gespaltenen" Geschichtsschreibungen in Ostmitteleuropa auf. [33] Mit 'Spaltung' ist hier das in Osteuropa strukturbildende Phänomen bezeichnet, dass es dort offizielle (von der staatlichen Macht) und inoffizielle (im Samizdat, Dissens und im Exil) literarische und historiographische Diskurse gab. In dem Aufsatz versucht das interdisziplinäre Autorenduo – Hadler ist Historiker, Trepte Literaturwissenschaftler – am Beispiel des polnischen Exils im 20. Jahrhundert ein Analyseschema für den symmetrischen und generalisierenden Vergleich von polnischer Exilliteratur und Exilhistoriographie zu entwickeln, um auf Entwicklungsgemeinsamkeiten zu kommen, die dann auch auf andere Länder angewendet werden können. Aufgrund der zuvor schon angedeuteten Übernahme historischer Themen durch Schriftsteller, sowie das von den Autoren festgestellte Bemühen der Exilhistoriker, Geschichte besser verständlich und "literarischer" zu präsentieren, ziehen Trepte und Hadler die Schlussfolgerung, dass Literatur und Historie im polnischen Exil eine Symbiose eingingen. [34] Vergleichbare Studien zu anderen Ländern sind bisher aber noch nicht erschienen, so dass keine Aussage darüber möglich ist, ob diese Symbiose tatsächlich ein Strukturphänomen in den Ländern des real existierenden Sozialismus darstellte.

Ansätze der sozialhistorischen Migrationsforschung

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Manifest werden in den Forschungen zu Emigrationsvorgängen in und aus Osteuropa auch die Impulse der Methodendiskussionen der sozialhistorischen Migrationsforschung. Dieser, im deutschsprachigen Raum vor allem von Klaus Bade und seinem "Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien" (IMIS) forcierte Ansatz will Migrationen in drei Schritten erforschen. [35] Im ersten Schritt wird nach der Soziogenese der latent vorhandenen Wanderungsbereitschaft gefragt. Im zweiten geht es um den Akt der Ausgliederung aus dem bisherigen Kontext – also das, was in den einleitenden Abschnitten als 'Emigration' bezeichnet wurde. In einem dritten Schritt soll nach Bade die Eingliederung in den sozialen und kulturellen Kontext des Einwanderungsraumes untersucht werden. In Bezug auf Exil ist aber – gemäß der eingangs erwähnten Definition – gerade nach der Nicht-Eingliederung zu fragen und nach den Formen der Aufrechterhaltung der eigenen Identität.

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Vor allem im angelsächsischen Raum sind Studien zu osteuropabezogenen Themen erschienen, die diesen sozialhistorischen Ansatz verfolgen und nach den Mustern der Integration der Emigranten fragen. [36] Ausgehend von der Kritik an der Chicago-Schule und deren hierarchischem Integrationsmodell wird dabei in neueren Forschungen zwischen struktureller und kultureller Integration unterschieden. So machte beispielsweise John Blechem deutlich, dass die polnischen Einwanderer der Vereinigten Staaten von Amerika sich strukturell in Arbeitsverhältnisse etc. eingliederten, dass sie zugleich aber kulturelle Eigenheiten bewahrten. [37]

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Interessante Impulse bringt der sozialhistorische Ansatz auch für die Erforschung der Emigration als transnationales Phänomen. Dies macht beispielsweise die Studie eines internationalen Forscherteams deutlich, das sich mit ostmitteleuropäischen Emigranten in Cleveland befasst hat. [38] Es wurde herausgearbeitet, dass die Auswanderer in verschiedenen Belangen des Alltags auf natürliche und konfliktfreie Art und Weise kooperierten – dass aber in kulturellen und politischen Fragen oft die Konflikte der 'alten Welt' reproduziert wurden. [39] Eine stärkere Einbeziehung solcher Aspekte der spezifischen Emigrationssituation könnte also interessante Bereicherungen für die Nationalismus- und Stereotypenforschung bringen.

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Der sozialhistorische Ansatz beeinflusste auch Publikationen im deutschsprachigen Raum. Mit der von Bade als erste Phase der Wanderungsbewegung bezeichneten Soziogenese der Auswanderungsabsicht beschäftigt sich ausführlich eine Studie von Kerstin Armborst. [40] Indem sie vergleichend die Emigration von Juden und Deutschen aus der Sowjetunion untersucht, kann sie zeigen, inwiefern eine Behinderung der kulturellen Entfaltung der beiden Minderheiten den Wunsch nach Auswanderung weckte.

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Wie in der angelsächsischen Forschung auch, konzentriert sich jedoch das Gros der sozialhistorisch orientierten deutschsprachigen Studien auf die dritte Phase der Wanderungsbewegung, inklusive der (Nicht-)Eingliederung in die neue soziokulturelle Umgebung. Michael G. Esch beispielsweise fragt bei seiner Erforschung der osteuropäischen Immigranten in Paris [41], in welcher Weise sich die einzelnen Einwanderergruppen in Konfrontation mit ihrer Umgebung sozial konstituierten. Wichtig ist ihm dabei, nicht nur auf die staatliche Einwanderungspolitik zu blicken, sondern die Emigranten als Subjekte zu begreifen, die der staatlichen Einwanderungspolitik mit eigensinnigen Strategien begegneten. Er kommt zu dem Schluss, dass dabei eher Pragmatik und Kreativität eine Rolle spielten als feste Identitäten.

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So bestätigt sich das Bild, das bereits bei der Darstellung der angelsächsischen Forschungen gewonnen wurde: Es bleibt zu unterscheiden zwischen den kulturellen und strukturellen Aspekten von Integration und Assimilation. In diese Richtung weisen auch die Schlussfolgerungen anderer Arbeiten aus dem deutschsprachigen Raum, welche die Integration einer Einwanderergruppe an bestimmten Fallbeispielen untersuchen. Sowohl Ute Richter-Eberl in ihrer Studie zur russlanddeutschen Emigration in Deutschland [42] als auch Elena Chinyaeva, die die russische Emigration in der Tschechoslowakei untersucht hat, [43] konstatieren einen Unwillen der beiden Einwanderergruppen, sich kulturell in die Aufnahmegesellschaften zu integrieren. Für beide Gruppen sind umfassende Bemühungen auszumachen, eine eigene Identität aufrechtzuerhalten.

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Diese überblickshafte Darstellung von Forschungsarbeiten mit sozialhistorischem Ansatz zeigt die Wichtigkeit, zwischen struktureller und kultureller Integration zu unterscheiden. Dabei ist es aus der Retrospektive freilich kaum entscheidbar, wann auch die kulturelle Integration vollzogen war, und damit die Situation des Exils gemäß der hier eingeführten Definition nicht mehr bestand. Einen Weg, die strukturellen und kulturellen Faktoren in ihren Wirkungsanteilen dennoch zumindest ansatzweise auseinander zu dividieren, stellt der Vergleich dar. [44]

Vergleichende Ansätze

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Vergleiche sind in Bezug auf Emigrationen aus Osteuropa auch aus dem Grund besonders interessant, weil es nicht nur vielerlei Material für synchrone Vergleiche, sondern vor allem auch für diachrone Vergleiche gibt. Beispielsweise Vera Mayer hat aufgrund eines solchen Vergleichs der tschechischen Emigranten in Wien festgestellt, dass Verhaltensformen und Integrationsbereitschaft der verschiedenen Emigrantenwellen erheblich differierten. [45] Je nachdem, ob die Auswanderer im Zuge der Arbeitsmigration in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts oder der politisch bedingten Migration 1968 nach Österreich gekommen waren, hatten sie völlig unterschiedliche Bedürfnisse bezüglich Integration oder Abgrenzung von der Aufnahmegesellschaft. Während die Erstgenannten in kulturellen Vereinen tschechische Kultur und Sprache pflegten, waren die 68er-Emigranten auf möglichst schnelle Eingliederung und Abgrenzung von der Heimat bedacht. Die Autorin führt dies darauf zurück, dass der zweiten Generation jeglicher positive Heimatbegriff fehlte. [46]

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Einen solchen diachronen Vergleich gibt es auch für die polnischen Einwanderer in die USA, der zu einer ähnlichen Schlussfolgerung gelangt. [47] Die Autorin Anna Jaroszyn'ska-Kirchmann weist jedoch zusätzlich darauf hin, dass die Diaspora immer durch den Willen vereint blieb, nicht der kommunistischen Diversion zum Opfer zu fallen – ganz unabhängig davon, inwiefern ansonsten unterschiedliche Bedürfnisse nach Integration und Abgrenzung bestanden.

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Das umfassendste Vergleichsprojekt in Bezug auf osteuropäisches Exil stammt wiederum aus der Literaturwissenschaft. Am GWZO gab es ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Projekt mit dem Titel "Literarische und kulturelle Umbrüche in Ostmitteleuropa im 20. Jahrhundert: Exil- und Dissidentenliteratur nach 1945". Der daraus entstandene Projektband [48] bilanziert die Ergebnisse der Fragen nach den Gründen für die Auswanderung sowie nach Leben und Schaffen der Schriftsteller außerhalb des Heimatlandes. Besonders bemerkenswert an diesem Band ist, dass die Autoren trotz der großen Anzahl der Vergleichsländer (Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Rumänien) ihr Ziel im Auge behalten haben, nicht zu sehr auf die Darstellung nationalphilologischer Besonderheiten abzustellen, sondern vor allem die "Gesamtphysiognomie des Literaturexils zwischen 1945 und 1989" [49] in der Region Ostmitteleuropa zu erschließen. Dadurch ist ein enzyklopädischer Band zu vielfältigen literaturgeschichtlich relevanten Fragestellungen des Exils von Schriftstellern aus Ostmitteleuropa entstanden.

Desiderata und Potenziale historiographischer Forschungen zu der Emigration in und aus Osteuropa

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Betrachtet man das "Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien" in seiner Struktur und Tätigkeit, fällt auf, dass die Osteuropahistoriographie dort in vielerlei Hinsicht schwach vertreten ist. So gibt es im unmittelbaren Mitarbeiterkreis des Instituts [50] weder Osteuropahistoriker, noch auf Osteuropa spezialisierte Wissenschaftler anderer Fachrichtungen. Möglicherweise ist dies der Grund dafür, warum die Leistungen der Osteuropaforschung auch in inhaltlicher Hinsicht in dem Institut nicht umfassend berücksichtigt werden. Dies schlägt sich beispielsweise in der auf der Homepage bereitgestellten, aktuellen (2005) und äußerst umfangreichen Bibliographie zur sozialhistorischen Migrationsforschung nieder. [51] Auch wenn in der neuen Enzyklopädie des Instituts [52] die Länder des östlichen Europas zwar ausführlich behandelt werden, fällt doch auf, dass in der Bibliographie wichtige neuere Arbeiten aus dem Bereich der Osteuropaforschung nicht aufgeführt werden.

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Aufgrund dieser offensichtlichen Defizite, was die Aufmerksamkeit der allgemeinen Migrationsforschung gegenüber der Forschungsleistungen der Osteuropäischen Geschichte betrifft, soll abschließend umrissen werden, wo einerseits noch Forschungsbedarf zu Emigration und Exil innerhalb der Disziplin besteht, und inwiefern andererseits eine stärkere Einbeziehung der Emigration in und aus Osteuropa die historische Emigrationsforschung im Allgemeinen bereichern könnte.

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Ein grundlegender Kritikpunkt – der nicht nur für die Osteuropäische Geschichte gilt – betrifft die mangelnde Berücksichtigung der 'Emigration der kleinen Leute'. Über dieses Defizit sollten auch die sozialhistorischen Forschungen zur Eingliederung der Emigranten nicht hinwegtäuschen. Denn trotz der damit verbundenen Problematiken hinsichtlich der Quellen und Methoden wäre es wichtig, die für die Emigrationsforschung entscheidenden Fragestellungen nach der subjektiv empfundenen Bedrohung der eigenen Identität und nach den Beziehungen und Kommunikationsstrukturen zur Heimat noch stärker auf die Masse der Emigranten anzuwenden. Dies gilt auch für die besser erforschten Emigrationen wie beispielsweise die russische. Bezeichnend ist einer der Titel von Karl Schlögel, der für sein erstes Buch zu diesem Thema den Untertitel "Die russische Emigration und ihre Zentren 1917-1941" [53] gewählt hat.

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Nur durch die Einbeziehung auch der peripheren 'Emigration der kleinen Leute' kann geklärt werden, inwiefern die besser erforschten Haltungen der führenden Exilpolitiker und kulturschaffenden Emigranten repräsentativ für die Mehrheit der im Exil Lebenden waren.
Von Interesse wäre außerdem, von nationalfixierten Fragestellungen abzurücken, beziehungsweise diese auszuweiten auf die Minderheiten einer Entsendegesellschaft. [54] Weil die nationalen Historiographien beispielsweise oft nicht nach dem Schicksal der emigrierten Juden fragen, wäre dies eine wichtige Aufgabe für die Osteuropahistoriographie in ihrer Eigenschaft als länderübergreifende Regionalwissenschaft. Denn bisher wird der jüdische Anteil meist nur in Form von Erinnerungen an Einzelschicksale [55] festgehalten, die nicht in die gesamtgeschichtlichen Kontexte eingebettet werden. [56]

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Emigrationsbewegungen, die aus einer Bedrohung der religiösen Identität resultieren, haben bisher generell wenig Aufmerksamkeit der Osteuropäischen Geschichte gefunden. Zwar ist es gerade im Fall der jüdischen Gläubigen so, dass meist auch nicht-religiöse Faktoren eine Quelle der Unterdrückung darstellten und daher Auswanderung provozierten. Dass Fragen von Konfession und Religion jedoch auch in der Emigrationsforschung nicht außen vor gelassen werden dürfen, zeigt Wolfgang Höpken in einem Beitrag über die muslimische Emigration aus Südosteuropa. [57] Auch hier wird eine Verquickung religiös bedingter 'push-Faktoren' mit nationalistischen Argumentationsweisen der Mehrheitsgesellschaft festgestellt. Vor dem Hintergrund der allgemeinen Konjunktur religionsgeschichtlicher Fragestellungen könnte es also von Nutzen sein, diese Perspektive verstärkt in die Emigrationsforschung einzubringen.

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Ein weiteres Desiderat besteht in der engeren Vernetzung der Osteuropahistoriographie mit anderen Disziplinen. Diese erscheint insbesondere auf dem Gebiet der Exilforschung so viel versprechend, weil dadurch beispielsweise auf die weit gediehenen Forschungsleistungen der Literaturwissenschaft zurückgegriffen werden könnte. Dass dies teilweise bereits in die Tat umgesetzt wird, zeigt eine Konferenz des Geschichtsdepartements der Central European University in Budapest. Im September 2006 wurde in Zusammenarbeit mit dem Potsdamer Zentrum für Zeithistorische Forschung und dem Institut für vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Stanford eine Tagung zum Thema ">From Samizdat to Tamizdat: Dissident media crossing borders before and after 1989" [58] veranstaltet. Die Konferenz wollte die "Vielfalt der kulturellen Projekte" untersuchen, "denen der Versuch der Überwindung ideologischer, politischer und kultureller Grenzen während des Kalten Krieges gemein [gewesen] waren." [59] Eine solche Beschäftigung der Osteuropäischen Geschichte mit dem literarischen Exil in seiner Funktion als Freiraum innerhalb der von den Kommunisten versuchten Unterwerfung der gesamten Gesellschaft noch weiter voranzutreiben, erscheint wünschens- und lohnenswert.

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Um den Wert interdisziplinärer Forschungen noch weiter zu steigern, wäre es allerdings wichtig, eine gleichmäßigere Verteilung des Forscherinteresses für die einzelnen Länder zu erreichen. So befinden sich beispielsweise die Forschungen zu Südosteuropa in einem Stadium, das noch nicht für Vergleiche mit den Erkenntnissen der reichhaltigeren Forschungen zu Ostmittel- und Osteuropa geeignet wäre. [60] Möglicherweise aber dauert dieser Zustand gezwungenermaßen sogar noch eine Weile an. Denn beispielsweise Rumänien hat kürzlich die meisten seiner Akten für ausländische Forscher unzugänglich gemacht. [61]

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Eine Verbesserung dieser Situation wäre nicht nur für die vergleichende Geschichtsschreibung notwendig und erstrebenswert, sondern auch für die viel versprechende Umsetzung transfergeschichtlicher Ansätze, die sich zur Erforschung eines transnationalen Phänomens wie Emigration/Exil anbieten. [62] Der transfergeschichtliche Ansatz kann nämlich nicht nur auf die Beziehung zwischen Heimat und Exil angewendet werden, wie dies vor allem in ideengeschichtlichen Untersuchungen der Fall ist. [63] Ebenso interessant – aber bisher weniger oft unternommen – ist die Betrachtung von Transfers zwischen einzelnen Emigrationen. Ein Hinweis, dass es solche Austauschprozesse gab, findet sich beispielsweise in dem bereits erwähnten Aufsatz von Frank Hadler. Darin macht der Autor deutlich, dass Beneš und Masaryk den Gang in das Exil unter anderem deshalb unternommen haben, um nach dem Vorbild der polnischen Exilpolitiker des 19. Jahrhunderts international auf das Problem der tschechoslowakischen Unabhängigkeit aufmerksam zu machen. [64] Nach dem Vorbild der Polnischen Frage wurde die Exilsituation also dazu genutzt, sich dem Zugriff der imperialen Mächte zu entziehen, um eine internationale Öffentlichkeit für die eigenen, nationalen Ziele herzustellen.

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Die Suche nach weiteren solcher Transfers würde den transnationalen Charakter von Emigration und Exil also auf einer weiteren Ebene sichtbar machen. Gerade das 19. und 20. Jahrhundert, in dem die Großregion Osteuropa von dem Gegensatz zwischen imperialer Herrschaft und Nationswerdung geprägt war, bieten vielfältige Ansatzpunkte dafür. Die Osteuropäische Geschichte könnte deshalb helfen, die Bedeutung von Emigration für eine nationenübergreifende Geschichtsschreibung deutlicher zu machen. Die historiographische Würdigung von Auswanderern wäre dadurch nicht mehr von dem Stellenwert abhängig, den ihnen eine bestimmte Nationalgeschichte zumisst. [65]

Autorin:

Laura Hölzlwimmer
Collegium Carolinum
Hochstr. 8
81669 München
l.hoelzlwimmer@extern.lrz-muenchen.de



[1] Hans-Henning Hahn: Die erste 'Große Emigration' der Polen und ihr historischer Stellenwert, in: Zdzis?aw Krasnode;bski / Stefan Gastrzeski (Hg.): Sendung und Dichtung. Adam Mickiewicz in Europa, Hamburg 2002, 207-225, hier: 222.

[2] 'Exulant' und Exilant werden im Folgenden synonym verwendet.

[3] Antonín Kostlán: Wissenschaft im Exil. Die Tschechoslowakei als Kreuzweg 1918-1989: Einige einleitende Anmerkungen, in: ders. / Alice Velková: Wissenschaft im Exil. Die Tschechoslowakei als Kreuzweg 1918-1989, Praha 2004 (Práce z de(jin ve(dy 17), 11-38, hier: 15.

[4] Vergleiche: Eva Behring / Juliane Brandt / Alfrun Kliems / Hans-Christian Trepte: Ostmitteleuropäisches Literaturexil 1945-1989. Historische Situierung, Definition, Begriffsgebrauch, in: Eva Behring / Juliane Brandt / Mónika Dózsai / Alfrun Kliems / Ludwig Richter / Hans-Christian Trepte: Grundbegriffe und Autoren ostmitteleuropäischer Exilliteraturen 1945-1989, Stuttgart 2004 (Forschungen zur Geschichte und Kultur des östlichen Mitteleuropa 20), 15-64, hier: 17-26.

[5] Siehe dazu beispielsweise das von Claus-Dieter Krohn herausgegebene Jahrbuch für Exilforschung.

[6] Reiner Eckert: Emigrationspublizistik und Judenverfolgung, Frankfurt a.M. u.a. 2000, hier: 14. Eckert lehnt sich dabei an Überlegungen und Erkenntnisse der umfangreichen und weit gediehenen Forschungen zum antifaschistischen deutschsprachigen Exil von 1933-1945 an.

[7] Behring u.a.: Ostmitteleuropäisches Literaturexil (wie Anm. 4), 22.

[8] Ebenda.

[9] Thomas Bohn / Dietmar Neutatz: Studienhandbuch östliches Europa, Köln u.a. 2002 (Bd. 2), 213-219.

[10] Ebenda 213.

[11] In: Archiv für Sozialgeschichte 23 (1983), 123-161.

[12] Hans-Henning Hahn: Die Organisation der polnischen 'Großen Emigration' 1931-1947, in: Otto Dann / Theodor Schieder (Hg.): Nationale Bewegungen und soziale Organisationen. Vergleichende Studien zur nationalen Vereinsbewegung des 19. Jahrhunderts in Europa, München 1978, 131-279.

[13] Hans-Henning Hahn: Möglichkeiten und Formen politischen Handelns in der Emigration, in: Archiv für Sozialgeschichte 23 (1983), 123-161, hier: 126.

[14] Ebenda 160.

[15] Auch Hahn selbst entwickelte seine Gedanken diesbezüglich nicht mehr weiter. Zwar veröffentlichte er 2002 noch einen Aufsatz zu dem Thema. Dieser beinhaltet zwar neue Fakten hinsichtlich der Großen Emigration, aber keine neuen Ansätze, die etwa die neueren Erkenntnisse der Exilforschung mit einbeziehen würden. Siehe: Hahn: Die erste 'Große Emigration' (wie Anm. 1).

[16] Hahn: Die Organisation (wie Anm. 12), 125.

[17] Ulrich Schmid: Eine intellektuelle Chronik Polens. Entstehung, Bedeutung und Ende der polnischen Exilzeitschrift "Kultura", in: Osteuropa 51 (2001) 1, 46-58.

[18] Ebenda 48.

[19] Hahn: Möglichkeiten und Formen (wie Anm. 13), 125.

[20] Frank Hadler: Öffentlichkeitssuche im Exil: Kommunikationsformen der tschechoslowakischen Auslandsaktionen während des Ersten Weltkrieges, in: Jörg Requate / Martin Schulze Wessel (Hg.): Europäische Öffentlichkeit. Realität und Imagination einer appellativen Instanz, Frankfurt a.M. 2002, 121-143.

[21] Ebenda 143.

[22] Peter Heumos: Die Emigration aus der Tschechoslowakei nach Westeuropa und dem Nahen Osten 1938-1945: politisch-soziale Struktur, Organisation und Asylbedingungen der tschechischen, jüdischen, deutschen und slowakischen Flüchtlinge während des Nationalsozialismus, München 1989.

[23] Peter Heumos: Einleitung, in: Ebenda, 7-13, hier: 7.

[24] Reinhard Müller: Menschenfalle Moskau. Exil und stalinistische Verfolgung, Hamburg 2001.

[25] Dies gilt auch für viele Forschungen aus dem südosteuropäischen Bereich. Vgl. Alan W. Fisher: Emigration of Muslims from the Russian Empire in the Years After the Crimean War, in: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas 35 (1987) 3, 356-371. Auch in aktuellen Arbeiten zu politischem Exil ist dies festzustellen. Vergleiche beispielsweise: Martin David Brown: Dealing with Democrats. The British Foreign Office and the Slovak Émigrés in Great Britain, 1939 to 1945 (= Mitteleuropa – Osteuropa. Oldenburger Beiträge zur Kultur und Geschichte Ostmitteleuropas 7), Frankfurt a.M. u.a. 2006.

[26] Beispielhaft der zwar aktuelle, aber theoretisch wenig reflektierte Beitrag von Pavel Polian: Neue Heimat. Die vier Wellen der russischen Emigration im 20. Jahrhundert, in: Osteuropa: 53 (2003) 11, 1679-1690.

[27] So gibt es beispielsweise zum rumänischen Exil eine deutschsprachige Arbeit nur aus literaturwissenschaftlicher Perspektive. Siehe: Eva Behring: Rumänische Schriftsteller im Exil (= Forschungen zur Geschichte und Kultur des östlichen Mitteleuropa 15), Stuttgart 2002. Auch der Forschung zum russischsprachigen Exil in Estland haben sich bisher nur Literaturwissenschaftler angenommen. Siehe Projektbericht: Wolfgang Kasack: Die russische literarische Emigration in Estland. Zum Stand der Forschung. In: Osteuropa 50 (2000) 10, 1170-1178.

[28] Eckert: Emigrationspublizistik (wie Anm. 6), 46 f.

[29] Heinrich Olschowsky / Ludwig Richter (Hg.): Im Dissens zur Macht. Samizdat und Exilliteratur der Länder Ostmittel- und Südosteuropas (= Forschungen zur Geschichte und Kultur des östlichen Mitteleuropa 1995), Berlin 1995.

[30] Heinrich Olschowsky / Ludwig Richter: Exil- und Samizdatliteratur in Ostmittel- und Südosteuropa. Voraussetzungen, Themen, Funktionen. In: Dies. (Hg.): Im Dissens zur Macht (wie Anm. 29), 7-18, hier: 9.

[31] Ebenda 13.

[32] Ebenda.

[33] Hans-Christian Trepte / Frank Hadler: 'Gespaltene' Literaturen und 'gespaltene' Geschichtsschreibungen in Ostmitteleuropa. Perspektiven einer vergleichenden Zusammenschau am Beispiel des polnischen Exils, in: Comparativ 5 (1998), 106-121.

[34] Ebenda 121.

[35] Klaus Bade: Historische Migrationsforschung, in: ders. (Hg.): Sozialhistorische Migrationsforschung, Göttingen 2004, 27-48.

[36] Florian Stasik: Polish Political Emigrés in United States of America, 1831-1864 (= East European Monographs 587), New York 2002. Stasik kommt zu dem Schluss, dass die Integration der Emigranten schneller und einfacher verlief als in europäischen Ländern.

[37] John Blechem: Irish and Polish Migration: Some Preliminary Comparative Analysis, in: ders. / Klaus Tenfelde (Hg.): Irish and Polish Migration in Comparative Perspective, Essen 2003 (= Veröffentlichungen des Instituts für soziale Bewegungen 22), 11-26, hier: 15.

[38] David C. Hammack / Diane L. Grabowski / John J. Grabowski: Identity, Conflict, and Cooperation. Central Europeans in Cleaveland, 1850-1930, Cleaveland 2002.

[39] Dirk Hoerder: Introduction, in: David C. Hammack / Diane L. Grabowski / John J. Grabowski: Identity, Conflict, and Cooperation., 1-11, hier: 1.

[40] Kerstin Armborst: Ablösung von der Sowjetunion. Die Emigrationsbewegung der Juden und Deutschen vor 1987 (= Arbeiten zur Geschichte Osteuropas 10), Münster 2001.

[41] Vergleiche dazu einen Aufsatz, der Einblicke in sein diesbezügliches Habilitationsprojekt gibt: Michael G. Esch: Überlegungen zu einer Sozialgeschichte der osteuropäischen Immigration in Paris 1880 bis 1940, in: Christoph Pallaske: Die Migration von Polen nach Deutschland. Zu Geschichte und Gegenwart eines europäischen Migrationssystems (= Schriftenreihe des Instituts für Europäische Regionalforschungen 7), Baden-Baden 2001, 95-120.

[42] Ute Richter-Eberl: Ethnisch oder national? Aspekte der russlanddeutschen Emigration in Deutschland 1919-1969, Frankfurt a.M. u.a. 2001.

[43] Elena Chinyaeva: Russians outside Russia. The Émigré Community in Czechoslowakia 1918-1938 (= Veröffentlichungen des Collegium Carolinum 89), München 2001.

[44] Nancy L. Green: The Comparative Method and Poststructural Structuralism: New Perspectives for Migration Studies, in: Jan Lucassen / Leo Lucassen: Migration, Migration History, History: Old Paradigms and New Perspectives, Bern u.a. 1997, 57-72, hier: 67.

[45] Vera Mayer: Tschechen in Wien. Alte und neue Migration am Beispiel des tschechischen Vereinswesens, in: Peter Heumos: Heimat und Exil. Emigration und Rückwanderung, Vertreibung und Integration in der Geschichte der Tschechoslowakei (= Bad Wiesseer Tagungen des Collegium Carolinum 21), München 2001, 59-72.

[46] Ebenda 71.

[47] Anna D. Jaroszyn'ska-Kirchmann: The Exile Mission. The Polish Political Diaspora and Polish Americans, 1939-1956, Ohio 2004. Für die früheren Emigrationswellen aus Polen nach Amerika siehe: Thomas Gladsky / Adam Walaszek / Malgorzata M. Wawrykiewicz (Hg.): Ethnicity – Culture – City. Polish-Americans in the USA. Cultural Aspects of Urban Life, 1870–1950 in Comparative Perspective (= Biblioteka Polonijna 33), Warszawa 1998.

[48] Behring u.a. (Hg.): Grundbegriffe und Autoren (wie Anm. 4).

[49] Ebenda 13.

[50] Anders gestaltet sich die Situation, wenn man auch auf den erweiterten Kreis des wissenschaftlichen Beirats blickt. Dort ist mit Detlef Brandes ein bedeutender Osteuropahistoriker Mitglied.

[52] Klaus Bade (Hg.): Enzyklopädie Migration in Europa vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Paderborn 2007.

[53] Karl Schlögel (Hg.): Der große Exodus. Die russische Emigration und ihre Zentren 1917-1941, München 1994. Siehe auch: ders. (Hg.): Russische Emigration in Deutschland 1918-1941. Leben im europäischen Bürgerkrieg, Berlin 1995.

[54] Beispielhaft für die nationalfixierte Herangehensweise: ?ukasz Ga?ecki / Basil Kerski (Hg.): Die polnische Emigration und Europa 1945-1990, Osnabrück 2000. Kein einziger der literaturgeschichtlich orientierten Beiträge gibt einen Hinweis darauf, dass es auch eine große jüdische Auswanderung aus der Volksrepublik Polen gegeben hat.

[55] Als Beispiele: Marianne Ufer: Dreifaches Exil. Rumänien, Afghanistan, Brasilien, Berlin 2003. Horst Peiser: Letzte Minute: die doch erfolgreiche Geschichte eines Emigranten, Frankfurt a. M. 2002.

[56] In diesem Sinne der Kritik: Christoph Schmidt: Zur Neubewertung der jüdischen Emigration aus Osteuropa in die USA vor dem Ersten Weltkrieg, in: Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung 54 (2005) 1, 128-137.

[57] Wolfgang Höpken: Flucht vor dem Kreuz? Muslimische Emigration aus Südosteuropa nach dem Ende der osmanischen Herrschaft (19./20. Jahrhundert), in: Comparativ 1 (1996), 1-24.

[58] Ein Tagungsbericht lag zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses leider noch nicht vor.

[59] Aus der Tagungsankündigung: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/terminie/id=5912 <11.9.2006>.

[60] Christa Zach: Migrationsbewegungen in Mitteleuropa. Der Donau- und Karpatenraum im 20. Jahrhundert, in: dies., (Hg.): Migration im südöstlichen Mitteleuropa. Auswanderung, Flucht, Deportation, Exil im 20. Jahrhundert (= Veröffentlichungen des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas 91), München 2005, 11-18, hier: 13.

[61] Ebenda 15.

[62] Johannes Paulmann: Internationaler Vergleich und interkultureller Transfer. Zwei Forschungsansätze zur europäischen Geschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts, in: Historische Zeitschrift 267 (1998), 649-685, hier: 682.

[63] Darauf heben oft ideengeschichtliche Untersuchungen ab wie beispielsweise: M. B. Biskupski / James S. Pula: Polish democratic Thought from the Renaissance to the Great Emigration: Essays and Documents (= East European Monographs 290), Columbia 1990. Lee Congdon: Hungarian Intellectuals in Exile and the Challenge of Communism, De Kalb 2001.

[64] Hadler: Öffentlichkeitssuche im Exil (wie Anm. 20), 143.

[65] Diesen Zustand beklagte bereits Hans-Henning Hahn. Siehe Hahn: Möglichkeiten und Formen (wie Anm. 13), 123.

Empfohlene Zitierweise:

Laura Hölzlwimmer : Emigration in und aus Osteuropa , in: zeitenblicke 6 (2007), Nr. 2, [24.12.2007], URL: http://www.zeitenblicke.de/2007/2/hoelzlwimmer/index_html, URN: urn:nbn:de:0009-9-12355

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