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Das Vorhaben

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Das Deutsche Historische Institut in Moskau verfolgt mit diesem Projekt zwei Ziele: Zum einen soll im Sinne seines transnationalen und multiperspektivischen Forschungsansatzes Europa stärker in die Geschichte von Stalinismus und Terror eingebunden werden. Zum anderen ist es Aufgabe des Instituts, durch die ständige Präsenz in Moskau Schneisen in Archive zu bahnen, die bislang als kaum zugänglich galten. Aus diesem Grund arbeitet das DHI Moskau seit Anfang des Jahres 2006 zusammen mit dem Zentralarchiv des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation an einer Aktendokumentation mit dem Arbeitstitel "Europa in den Augen des NKVD. 1918-1939". Auf russischer Seite wird die Edition zusätzlich wissenschaftlich von Professor Vladimir Chaustov von der Akademie des FSB unterstützt.

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Die geplante Dokumentation wird NKVD-Berichte bzw. im FSB-Archiv in Kopie befindliche Erkenntnisse des militärischen Nachrichtendienstes der UdSSR (razvedyvatel’noe upravlenie: RU) zu wichtigen Stationen der europäisch-sowjetischen, aber auch der deutsch-sowjetischen Beziehungen in der Zwischenkriegszeit präsentieren. Hierzu gehören auch Informationen zum Eindruck, den der stalinsche Terror im Ausland hervorgerufen hat. Gleichzeitig soll untersucht werden, wie NKVD und RU die verschiedenen antidemokratischen Bewegungen von links und rechts im Europa der Zwischenkriegszeit überwachten und welche politischen Lageanalysen der sowjetischen Führung präsentiert wurden. Insgesamt steht die Frage im Mittelpunkt, wie die sowjetische Diktatur während des Stalinismus die Demokratien Europas und deren politische, gesellschaftliche, soziale und wirtschaftliche Ausstrahlungskraft unter dem Eindruck extremistischer Angriffe von rechts und links beurteilte. Zudem soll geprüft werden, ob die politische Führung der UdSSR aus der Kenntnis entsprechender Geheimdienstberichte Schlussfolgerungen für ihr konkretes staatliches Handeln zog.

Die sowjetischen Nachrichtendienste unter Stalin

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Das Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten (NKVD) war in der UdSSR das maßgebliche sowjetische Spionage- und Sicherheitsorgan. Es hatte alle Lebensbereiche der Sowjetunion unter seine direkte Kontrolle gebracht. Nischen, in die sich die sowjetischen Staatsbürger vor der Überwachung durch die Staatssicherheitsorgane zurückziehen konnten, existierten faktisch nicht. Während die sowjetischen Sicherheitsorgane in der Zwischenkriegszeit für Europa keine Schlüsselrolle spielten, sah dieses Bild bei der Spionage völlig anders aus. Zwischen 1920 und 1939 verfügte die UdSSR über mindestens fünf Organisationen, die für das Sammeln von Geheiminformationen im Ausland verantwortlich waren: die Verwaltung Aufklärung des Volkskommissariat für Verteidigung (NKO) und des Volkskommissariat der Kriegsmarine (NK VMF) sowie die Nachrichtendienste des NKVD, des Volkskommissariat für Äußere Angelegenheiten (NKID) und der Komintern. [1]

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Allerdings waren nur zwei Organisationen bei der Spionage gegen das Ausland für die politische Führung von wesentlicher Bedeutung. Die Aufgabe der Agentennetze der 1918 als Registraturverwaltung des Feldstabes der Roten Armee gegründeten RU lässt sich kurz und knapp mit Militärspionage beschreiben. Das heißt, hierfür versuchte die spätere Verwaltung für Aufklärung, vornehmlich an Informationen mit militärischer Bedeutung zu gelangen. Zu diesem Zweck hatten ihre Quellen im Ausland Truppenverbände jeder Art zu beobachten und Angaben über ihre Struktur, Organisation und Bewaffnung zu beschaffen. Weiterhin sollten Informationen über Stationierungsorte, rüstungswirtschaftliche Kapazitäten und zur politischen Stimmung in den Streitkräften gesammelt werden. Haupteinsatzort war zunächst Europa, wobei sich die Nachrichtenbeschaffung neben Polen vor allem auf Deutschland konzentrierte. Allein zwischen Dezember 1918 und Januar 1920 investierte die RU in die Deutschlandspionage sechs Millionen Rubel, mehr als 284 Agenten waren zwischen Rhein und Oder für die Militärspionage tätig. [2] Aktiv waren ihre Mitarbeiter und Spione jedoch auch in Vorderasien, in Fernost und den USA. 1922 wurde die RU dem 1. Stellvertreter des Stabschefs der Roten Arbeiter- und Bauernarmee (RKKA) unterstellt und 1926 zur IV. Verwaltung des Stabes der RKKA erweitert. [3]

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Bei ihren Spionagenetzen wollte die RU sicherstellen, dass diese auch unter Kriegsbedingungen arbeiten konnten. Zu diesem Zweck wurden in den betreffenden Ländern illegale Residenturen eingerichtet, d.h. ihre Mitarbeiter waren nicht durch einen Diplomatenstatus geschützt und sie besaßen auch keine Tarnung als Angehörige einer sowjetischen Auslands- oder Außenhandelsorganisation. Leiter dieser illegalen Netze konnten Angehörige der RU, ausnahmslos durch gefälschte Papiere als ausländische Staatsangehörige getarnt, oder aber auch prosowjetische Ausländer sein. Zu den bekanntesten von ihnen zählten später Ilse Stöbe (Netz "Alta" - Deutschland), Leopold Trepper (Netz "Kent" - Belgien) und Richard Sorge (Netz "Ramzaj" - Japan). [4]

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Daneben wurde in den dreißiger Jahren die Zahl der Militärattachés beträchtlich erhöht. Sie führten für die GRU die 'offizielle' Militärspionage durch. Die Zahl der in den Einsatzländern tätigen Attachés hing von der Größe der Botschaft und der strategischen Bedeutung der Region ab. In wichtigen Ländern gab es neben dem Militärattaché auch noch die Marine- und Luftwaffenattachés. Unterstützt wurden sie bei ihrer Arbeit von inoffiziellen Mitarbeitern der RU, die verdeckt in den verschiedensten sowjetischen Auslandsbehörden und -organisationen arbeiteten. Auch sie sammelten, wie die Attachés, offene Informationen über die Streitkräfte der betreffenden Staaten, versuchten aber auch geheime Quellen abzuschöpfen und führten eigene Agentennetze. [5]
Anfang 1937, kurz vor dem Beginn der Säuberungen in der sowjetischen Militärspionage, gliederte sich die RU in insgesamt 13 Abteilungen und sieben eigenständige Referate. Hinzu kamen zwei Ausbildungseinrichtungen und ein eigenes Forschungsinstitut. Der militärische Nachrichtendienst der Sowjetunion verfügte zu diesem Zeitpunkt über 403 Mitarbeiter, von denen 234 Militärs und die restlichen 169 Personen Zivilangestellte waren. [6]

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Die zweite auf dem Feld der Auslandsspionage tätige wichtige Organisation war die Internationale Abteilung (INO) des NKVD. Sie hatte die Aufgabe, für die politischen Entscheidungsträger der Sowjetunion Angaben aus den politischen Gesellschaftsleben anderer Staaten zu beschaffen, und betrieb darüber hinaus vor allem Wirtschaftsspionage. [7] Auch der politische Nachrichtendienst verfügte in den Einsatzländern über legale und illegale Residenturen. Die illegalen Residenturen arbeiteten im Wesentlichen wie die der RU, ihre Verbindung nach Moskau lief allerdings zumeist über die legalen Residenturen des NKVD. [8] Eine besondere Rolle bei ihrer Schaffung spielten auch hier die illegalen Sonderagenten. [9] Begünstigend für die Anwerbung der Ausländer wirkte sich die politische Situation der 20er und 30er Jahre aus. Die Ideen des proletarischen Internationalismus und der Solidarität mit dem einzigen sozialistischen Land der Welt waren ein günstiger Nährboden für die Gewinnung von potentiellen Informanten. Um an dringend benötigte Quellen zu gelangen, wurden aber auch kompromittierendes Material und finanzielles Interesse ausgenutzt. Für Letzteres waren die Mittel allerdings begrenzt, da für Auslandsoperationen der INO 1930 beispielsweise lediglich 300 000 Rubel zur Verfügung standen. Trotz der bestehenden Schwierigkeiten gelang es bis Mitte der 30er Jahre RU und INO wirksame Spionagenetze aufzubauen, die in der Lage waren, für die sowjetische Partei- und Staatsführung ein politisches und wirtschaftliches Bild der Lage in Europa zu entwerfen und die Entscheidungsträger im Kreml mit den Informationen zu versorgen, die für wichtige Entscheidungsprozesse in Fragen der Außen- und Militärpolitik unbedingt notwendig waren. [10]

Erste Projektergebnisse

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Für die Umsetzung des geplanten Projektes waren zunächst die orts- und behördenüblichen bürokratischen Schritte erforderlich. Vom Leiter der Archivverwaltung des FSB, Vasilij Christoforov, musste das Projekt genehmigt werden. Nachdem das entsprechende Schreiben vorlag, konnte das DHI auf mehreren Arbeitssitzungen der Projektpartner seine Themenwünsche für die Aktenrecherche formulieren. Diese wurde von den Mitarbeitern des Archivs vorgenommen, die Partner des DHI Moskau erhielten keinen Einblick in die Findhilfsmittel.
Was auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint und westliche Editionsstandards in Frage stellt, ist in Russland leider nicht seltene Archivpraxis. [11] Verstärkt wird diese unbefriedigende aber hinzunehmende Restriktion durch den besonderen Charakter des beteiligten Archivs, das zudem als behördliche Institution nicht der staatlichen Archivpraxis und -gesetzgebung unterliegt.

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Mitte 2006 legte das FSB eine erste Liste von ausgewählten Dokumenten vor, deren Inhalt im Archiv durch die Projektbearbeiter des DHI, Sergej Kudrjašov und Matthias Uhl, ohne Beschränkungen eingesehen werden konnte. Auf der Grundlage des gesichteten Materials wurden im Herbst 261 NKVD-Dokumente aus dem Zeitraum 1921 bis 1931, die für die Dokumentation bzw. deren wissenschaftliche Kommentierung von Interesse sind, in Kopie dem DHI übergeben. Gegenwärtig bereitet das Zentralarchiv des FSB die Übergabe einer zweiten Dokumentenlieferung vor.
Eine erste Sichtung des bisherigen Aktenmaterials zeigt, dass für die sowjetischen Nachrichtendienste fast alles aus dem europäischen Ausland von Interesse war. Der für Geheimdienste typischen 'Sammelleidenschaft' erlagen auch NKVD und RU. Sowohl Informationen über politische Parteien und Bewegungen in Deutschland, als auch über Banken und Wirtschaftsunternehmen, ja selbst über kirchliche Organisationen wie das evangelische "Gustav-Adolf-Werk" gelangten in die sowjetischen Geheimdienstzentralen in Moskau. [12]

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Darüber hinaus interessierten die Geheimdienste vor allem Berichte über ausländische Nachrichtendienste, die gegen die Sowjetunion tätig waren. Hier waren neben den deutschen vor allem die französischen und polnischen Dienste von Interesse. [13] Besondere Beachtung erfuhr außerdem die Tätigkeit kommunistischer Parteien in den europäischen Nachbarstaaten der UdSSR. [14] Um die eigene Auslandspionage zu schützen, beschafften sowjetische Agenten zudem Unterlagen, die zeigten, welchen Kenntnisstand die andere Seite von nachrichtendienstlichen Operationen der INO und RU hatten. [15]

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Was Informationen über die Außenpolitik der sowjetischen Nachbarstaaten betrifft, so war Polen für INO und RU von besonderem Interesse. Argwöhnisch wachten die Geheimdienste über die Mittellage des Staates und die ihm vor allem von Frankreich zugedachte Pufferfunktion eines 'Cordon sanitaire' gegenüber der Sowjetunion. Vermeintliche und tatsächliche Verschiebungen in dieser fragilen Konstruktion wurden von den sowjetischen Nachrichtendiensten geradezu mit seismischer Präzision nach Moskau gemeldet. [16] Auch Geheimdienstinformationen über das polnisch-deutsche Verhältnis waren für die sowjetischen Entscheidungsträger von Interesse. [17] Zudem sammelten die Nachrichtendienste umfangreiches Material zu den anderen europäischen Staaten, hierbei allerdings mit Schwerpunkt auf Osteuropa. [18] Auffallend bleibt, dass bislang Spitzenmeldungen von hochrangigen Quellen in dem vorhandenen Material fehlen. Entweder war ihre Zahl unter den Agenten der sowjetischen Nachrichtendienste nur begrenzt, oder deren Berichte befinden sich in bislang nicht zugänglichen Archiven wie dem Präsidentenarchiv oder dem Archiv des Auslandsnachrichtendienstes bzw. der GRU.

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Aus den bislang gesichteten Akten wird nach einer ersten vorsichtigen Beurteilung vor allem deutlich, dass die sowjetische Führung um Stalin die 'Rohinformationen' der sowjetischen Nachrichtendienste interessierten. Von einer zusammenfassenden Analyse oder gar einer umfassenden Lageeinschätzung durch die Geheimdienste hielt der Diktator im Allgemeinen wenig, betrachtete er sich doch selbst als uneingeschränkte Autorität auf dem Gebiet der Spionage. Damit ist bereits ein wesentliches Grundproblem der sowjetischen Nachrichtendienste in der Zwischenkriegszeit genannt: es fehlten Strukturen, die sich mit einer qualifizierten Auswertung der gesammelten Informationen befassten. Weder im politischen Nachrichtendienst noch in der Militärspionage gab es bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges eigenständige Abteilungen zur Bearbeitung und Analyse der eintreffenden Agentenmeldungen. [19]

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Verstärkt wurde diese offensichtliche Schwäche der sowjetischen Auslandsnachrichtendienste noch durch die Besonderheiten des stalinistischen Machtsystems. Die jeweiligen Chefs des NKVD bzw. der RU entschieden darüber, welche Berichte direkt an Stalin gingen. Zugleich legten sie auch fest, welche Politbüromitglieder Zugang zu den entsprechenden Geheimdienstinformationen erhalten sollten. Deren Zahl ging selten über mehr als vier hinaus. Zur mangelhaften Auswertung der Agenteninformationen kam erschwerend hinzu, dass Stalin, wie oben erwähnt, stets nach Originalberichten der Quellen ohne Kommentare und analytische Verallgemeinerungen verlangte. Zusammenfassende Analysen forderte er selten an. Die Bewertung der eintreffenden Geheiminformationen behielt sich der selbst ernannte Spezialist für Spionageoperationen persönlich vor. [20]
Dementsprechend fehlten vielen Meldungen prinzipielle Analysen und Schlussfolgerungen. Zudem waren die leitenden Mitarbeiter der Nachrichtendienste aufgrund der während der politischen Säuberungen gemachten negativen Erfahrungen nicht gewillt, der Führung die Brisanz ihrer Informationen kompromisslos klarzumachen und auf entsprechende Befehle und Erlasse des Politbüros zu drängen. [21]

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Unter anderem darf deshalb der Einfluss der Geheimdienste auf die sowjetische Partei- und Staatsführung unter Stalin nicht überschätzt werden. Personell gering ausgestattet hatten sie selten einen direkten und ständigen Zugang zum unmittelbaren Machtzentrum. Die wenigen Informationen der Auslandsnachrichtendienste, die bis dorthin vordrangen, widersprachen sich zudem nicht selten. Dieses Faktum ist zum einen durch die erwähnte Praxis der unkommentierten Weiterleitung von Rohinformationen, zum anderen durch die Verschiedenheit der einzelnen Quellen zu erklären. Zudem waren die Informanten nicht selten selbst Fehlinformationen aufgesessen. Da die Auswertung der eintreffenden Nachrichten aus den bereits erwähnten Gründen nur unzureichend durchgeführt werden konnten, wurden diese dann unkommentiert an die Partei- und Staatsführung weitergegeben. [22] Schon jetzt kann festgehalten werden, dass es den sowjetischen Nachrichtendiensten unter Stalin bis zum Zweiten Weltkrieg gelang, zahlreiche Informationen zu gewinnen. Da für die nachrichtendienstliche Analyse dieser Mitteilungen jedoch kaum entsprechende Strukturen innerhalb der Geheimdienste vorhanden waren und solches auch durch die Führung nicht gefordert wurde, fehlte das wichtige Element der Informationsverarbeitung. Dadurch war es den sowjetischen Geheimdiensten selten möglich, strategische Schlussfolgerungen zu ziehen und diese in entsprechende politische Konzeptionen einfließen zu lassen.

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Neben diesen allgemeinen Erkenntnissen über die Arbeit der sowjetischen Nachrichtendienste in der Zwischenkriegszeit und ihre untergeordneten Rolle in politischen Entscheidungsprozessen in Moskau bietet das bislang bearbeitete Quellenmaterial zahlreiche weitere interessante Einblicke. Informationen über Pelzhandel, Kaviarschmuggel, das Ausspionieren von Wirtschaftspartnern gehörten ebenso zu den Arbeitsbereichen der Geheimdienste wie die Verfolgung politischer Gegner. [23]

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Gegenwärtig wird der erste Teil der gesichteten Dokumente für eine mögliche russische Edition ausgewählt. Ob eine Übersetzung ins Deutsche erfolgt, ist noch offen. Der hohe Anteil an Material mit polnischem Bezug ließ zudem eine Kooperation mit dem DHI Warschau wünschenswert erscheinen. Inzwischen sind erste Kontakte in diese Richtung geknüpft und die polnischen Kollegen sind an einer Zusammenarbeit im Rahmen dieses Projektes sehr interessiert. Ob das Vorhaben – wie geplant – Ende 2008 abgeschlossen werden kann, muss die weitere Entwicklung der russischen Archivlandschaft zeigen.
Allerdings lassen einige bereits abgeschlossene Editionsprojekte des DHI Moskau, wie etwa der kürzlich vorgelegte Band mit Material aus dem persönlichen Archiv Leonid Brežnevs [24] und weitere Dokumentationsvorhaben, beispielsweise über die Treffen Stalins mit der SED-Führung, erkennen, dass die beständige Archiv- und Forschungsarbeit des Moskauer Institutes erste Früchte trägt.

Autor:

Dr. Matthias Uhl
Deutsches Historisches Institut Moskau
Nachimovskij Prospekt 51/21
117418 Moskva
matthias.uhl@dhi-moskau.org



[1] Vgl. M.I. Mel'tjuchov: Sovetskaja razvedka i problema vnezapnogo napadenija, in: Otečestvennaja istorija 3 (1998), 3-19.

[2] Vgl. Proekta plana postanovki agentury v Germanii, 1920 g., in: Juri L. D'jakov / Tat’jana S. Bušueva (Hg.): Fašistskij meč kovalsja v SSSR. Krasnaja armija i rejchsver – tajnoe sotrudničestvo 1922‑1933. Neizvestnye dokumenty, Moskau 1992, 36 f.; Valerij Jakovlevič Kočik: Sovetskaja voennaja razvedka: Struktura i kadry. Stat’ja vtoraja 1918‑1921, in: Svobodnaja mysl’ 6 (1998), 88‑103.

[3] Vgl. L. A. Bezymenskij: Sovetskaja razvedka pered vojnoj, in: Voprosy istorii 9 (1996), 79 f.

[4] Vgl. A. G. Pavlov: Sovetskaja voennaja razvedka nakanune Velikoj Otečstvennoj vojny, in: Novaja i novejšaja istorija 1 (1995), 51; Valerij Jakovlevič Kočik: Nekotorye aspekty dejatel’nosti sovetskoj voennoj razvedki v 20-e‑30-e gody. Struktura, kadry, napravlenija raboty, operacii, in: Voenno-istoričeskij archiv 13 (2000), 62‑78.

[5] Vgl. Raymond L. Garthoff: Die sowjetischen Spionageorganisationen, in: Basil Liddell-Hart (Hg.): Die Rote Armee, Bonn 1957, 284; Valerij Jakovlevič Kočik: Nekotorye aspekty dejatel’nosti sovetskoj voennoj razvedki v predvoennyj period (1936‑1941). Struktura, kadry, napravlenija raboty, operacii, in: Voenno-istoričeskij archiv 1 (2001), 108‑114.

[6] Vgl. Aleksandr Ivanovič Kolpakidi / Dmitrij Petrovič Prochorov (Hg.): Imperija GRU: Očerki istorii rossijskoj voennoj razvedki, Bd. 2, Moskau 2001, 233‑235.

[7] Vgl. Pavel Sudoplatov: Specoperacii. Lubjanka i Kreml' 1930-1950 gody, Moskva 1998, 191.

[8] Vgl. Bezymenskij: Sovetskaja razvedka (wie Anm. 3), 80.

[9] Vgl. Sudoplatov: Specoperacii (wie Anm. 7), 192.

[10] Vgl. V. L. Peščerskij: "Vrag moego vraga...", in: Voenno-istoričeskij žurnal 3 (1998), 59; Pavlov: Sovetskaja voennaja razvedka (wie Anm. 4), 51; und Bezymenskij: Sovetskaja razvedka (wie Anm. 3), 80-81. 1928 arbeiteten in der Berliner Residentur der INO acht Auslandsagenten, die neununddreißig Quellen führten. Durch ihre Abschöpfung erhielt die Zentrale in Moskau 1927 aus Berlin 4947 Informationen. 2009 davon waren wirtschaftlichen Fragen gewidmet, 1507 befassten sich mit Innen- und Außenpolitik und 626 mit russischen Emigranten in Deutschland. Vgl. Očerki istorii rossijskoj vnežnej razvedki, Tom 2, Moskva 1996, 175.

[11] Siehe z.B. Georgij P. Kynin / Jochen Laufer: Die UdSSR und die deutsche Frage. 1941-1948, Band 1-3, Berlin 2004. Auch hier erhielten die Herausgeber vom Archiv des Russischen Außenministeriums keinen Einblick in die Findhilfsmittel.

[12] Siehe beispielsweise: Informationen über die Tätigkeit des Verbandes Reichsflagge, 20.2.1923, Zentralarchiv des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation (CA FSB), 2/4/237, Bl. 1-3; INO-Bericht über die Tätigkeit der Deutschen Bank, 2.4.1931, CA FSB, 2/9/861, Bl. 3-6; Spravka der INO über das Gustav-Adolf-Werk, 4.5.1930, CA FSB, 2/8/364, Bl. 13.

[13] Vgl. INO-Bericht über ausländische Nachrichtendienste, 30.3.1922, CA FSB, 2/6/350, Bl. 6-14.

[14] Vgl. Bericht des Leiters der litauischen politischen Polizei über die Kommunistische Bewegung in Deutschland, CA FSB, 2/6/350, Bl. 74-78. Eine entsprechende Kopie fiel offensichtlich in die Hände der INO.

[15] Vgl. Information des AA über sowjetische Spionage gegen Deutschland, 17.8.1923, CA FSB, 2/6/350, Bl. 100.

[16] Vgl. INO-Bericht über die außenpolitische Lage Polens, 29.12.1929, CA FSB, 2/9/875, Bl. 48-52; Material der RU über die Warschauer Agrar-Konferenz, 23.10.1930, ebenda, Bl. 23-28; Informationen der INO über die polnische Innen- und Außenpolitik, 27.9.1929, ebenda, Bl. 156-161.

[17] Vgl. Bericht der Ostabteilung des Auswärtigen Amtes zu den deutsch-polnischen Beziehungen, 30.10.1926, CA FSB, 2/9/875, Bl. 321‑341. Das Papier wurde von der INO an Menžinskij, Artusov, Berzin, Gurevič, Mikojan, Prokof’ev und Kacnel’son weitergeleitet.

[18] Vgl. Grundlinien der internationalen politischen Lage in Südosteuropa und den an uns grenzenden Staaten Polen und Rumänien, 9.10.1929, CA FSB, 2/9/875, Bl. 98-148.

[19] Vgl. Mel'tjuchov: Sovetskaja razvedka (wie Anm. 1), 14 f.; Očerki istorii rossijskoj vnešnej razvedki, Tom 4., Moskva 1999, 303‑309.

[20] Vgl. Bezymenskij: Sovetskaja razvedka (wie Anm. 3), 84 f.; Vjačeslav M. Lur’e / Valerij Ja. Kočik: GRU: dela i ljudi, Moskva 2002, 573‑582.

[21] Vgl. Pavlov: Sovetskaja voennaja razvedka (wie Anm. 4), 60.

[22] Vgl. V. L. Peščerskij: Dva dos'e "Krasnoj kapelly", in: Voenno-istoričeskij žurnal 6 (1995), 20; V. A. Kirpičenkov: Razvedka vychodit iz zony molčanija, in: Voenno-istoričeskij žurnal 2 (1995), 84.

[23] Vgl. INO-Bericht über einen möglichen Boykott englischer und amerikanischer Firmen gegen den sowjetischen Pelzhandel, 18.10.1927, CA FSB, 2/6/559, Bl. 18-19; INO-Bericht über den Schmuggel russischen Kaviars nach Lettland, 4.5.1926, CA FSB, 2/6/559, Bl. 91-92; Auszüge über Angehörige der 'Weißen', o. Datum, CA FSB, 2/6/350, Bl. 190-196.

[24] Vgl. Vestnik Archiva Prezidenta. Special’noe izdanie: General’nyj sekretar’ L. I. Brežnev: 1964-1982, Moskva 2006.

Empfohlene Zitierweise:

Matthias Uhl : Forschungen zur Zwischenkriegszeit am Deutschen Historischen Institut Moskau: Das Institutsprojekt "Europa in den Augen des NKVD. 1918-1939" , in: zeitenblicke 6 (2007), Nr. 2, [24.12.2007], URL: http://www.zeitenblicke.de/2007/2/projekt_uhl/index_html, URN: urn:nbn:de:0009-9-12446

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