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Die Jahrzehnte zwischen dem Zweiten Weltkrieg und der sogenannten "Sexuellen Revolution" stellen sexualitätsgeschichtlich gesehen noch immer ein wenig erforschtes Terrain dar. [2] Stark vereinfacht lautete die Standarderzählung lange Zeit folgendermaßen: Als Reaktion auf den staatlichen Zugriff und die Sexualfeindlichkeit des Nationalsozialismus setzte sich in der Nachkriegszeit in Deutschland und Österreich eine konservative Familien- und Sexualmoral durch, die ab Mitte der 1960er-Jahre innerhalb weniger Jahre durch die Sexwelle und die Politisierung des Sexuellen hinweggefegt wurde. In letzter Zeit ist jedoch zunehmend Kritik an dieser Sichtweise zu hören. [3] Sie betrifft zum einen die Tradierung der – ursprünglich dem linken 'Befreiungsdiskurs' entstammenden – Vorstellung von der Sexualrepression bzw. -feindlichkeit des Nationalsozialismus und deren Projektion auf die Wiederaufbau- und Wirtschaftswunderjahre. Zum anderen wurde deutlich, dass sich die Sexualpraxis schon in den 1940er- bis 1960er-Jahren recht weit von der durch Kirchen und konservative Parteien propagierten normativen Liebes- und Sexualmoral entfernt hatte und insbesondere die Nachkriegszeit von einer Erodierung des wertkonservativen Sexualideals geprägt war.

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Im nachfolgenden Beitrag wird diese kritische Position aufgenommen und um eine mediengeschichtliche Dimension erweitert. Die zentrale These lautet, dass auch im deutschsprachigen Raum in den 1940er- bis frühen 1960er-Jahren eine 'positive' Sexualisierung im Sinne Foucaults und eine prosexuelle Anreizung durch Diskurse und Medialisierungen erfolgten. Beides führte in größeren Bevölkerungsteilen schon vor der Sexuellen Revolution – die ja eigentlich eine nachziehende sexuelle Liberalisierung darstellte – zu einer grundsätzlich sexbejahenden Einstellung. Dies gilt trotz aller aus heutiger Sicht sexualfeindlicher und restriktiver Maßnahmen etwa gegen Prostituierte und Homosexuelle während der NS-Zeit oder gegen vor- und außerehelichen Sex während der 1950er-Jahre.

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Unterlegt ist dieser Untersuchung ein Medienbegriff, der Sprach- und Schriftmedien genauso umfasst wie Bild- und Massenmedien. [4] Medien stellen dabei keine 'einfachen' Übertragungseinrichtungen (nach dem Input-/Output-Schema) dar, sondern bilden den "Ermöglichungsgrund und Bestimmungsfaktor kultureller Manifestationen und Praktiken". [5] Solcherart werden sprachliche, diskursive und die sie einbettenden sozialen Praktiken genauso fokussiert wie die bildlichen, technischen und massenmedialen Repräsentationen des Sexuellen und deren sozialer und kultureller Kontext.

'Positive' Sexualisierung im Nationalsozialismus (1933/38 bis 1945)

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Das NS-Regime war keineswegs so sexualfeindlich eingestellt, wie dies die Sexualitätshistorie im Gefolge der "Sexuellen Revolution" behauptete. [6] Im Gegenteil, das Sexuelle spielte insbesondere in der pronatalistischen Politik eine bedeutende positive Rolle. Solange Erotik, sexuelle Stimulierung und Befriedigung die heterosexuelle Begierde der so genannten ArierInnen förderten, waren sie höchst willkommen, und dies auch vor und außerhalb der Ehe – wie beispielsweise die Förderungsmaßnahmen für ledige Frauen oder (während des Krieges) die staatlich organisierte Prostitution zeigten. [7] In der heterosexuellen Begierde bzw. ihrer Pflege und Befriedigung sah man ein Potential zur politischen Befriedung der Menschen, zur Stabilisierung der arischen Familie und zur alltäglichen Realisierung der NS-Gesellschaftsideologie sowie der sie durchziehenden Geschlechterdifferenz. Die Sexualreform(bewegung) der Weimarer Republik galt demgegenüber als verzopft, schwül und entartet. Der NS-Sex hingegen sollte natürlich, gesundheitsfördernd und körperbetont sein, ein Ausdruck des neuen Lebensstandards wie des "Kraft durch Freude"-Programms, das auch neue Konsum- und Freizeitmöglichkeiten oder zumindest entsprechende Images bot. [8] Nicht zu unterschätzen ist der Stellenwert der Sexualpolitik im Kampf gegen kirchliche Werte und den Einfluss des Klerus: Die christliche Sexualmoral sei vor allem auf Reproduktion, nicht jedoch auf sexuelle Freuden aus und das Verbot des vorehelichen Geschlechtsverkehrs schlichtweg aus der Zeit. Anders als im kirchlichen Sermon und seinen jenseitsorientierten Erlösungsversprechen sollte die NS-Kultur positives Körpererleben und sexuelle Erfüllung ermöglichen. An die Stelle der christlichen Transzendenz trat die Partizipation am Heiligen und Göttlichen in der Natur. Im Gegenzug wurden auch die angeblichen Antipoden des Arischen sexualisiert und gleichzeitig pathologisiert: Juden und Schwarze galten von Natur aus als besonders geil und ihren sexuellen Trieben ausgeliefert, Prostituierte neigten angeblich aufgrund eines angeborenen moralischen Defekts zu ihrem Gewerbe und Homosexuelle würden durch ihre krankhaften und perversen Lüste eine permanente Gefahr für die sexuell noch instabile Jugend darstellen. [9]

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Die Maßnahmen zur selektiven Förderung bzw. Verhinderung des Sexuellen reichten von symbolischen Gratifikationen wie dem Mutterkreuz bis zu hunderttausenden Zwangssterilisierungen, von der Einrichtung der Lebensborn-Heime für ledige Mütter bis zum Terror gegen gleichgeschlechtlich begehrende Männer. [10] Zur Diffundierung und Umsetzung bediente man sich eines vielfältigen medialen Repertoires: Etwa mündlicher und schriftlicher Erhebungen zur Erbgesundheit für Heiratswillige oder Informationsbroschüren, in denen zu erfahren war, dass die Sterilisation nicht automatisch zum Verlust der sexuellen Lust führe. [11] Wehrmachtssoldaten erhielten beim Bordellbesuch ausführliche schriftliche Anweisungen für den sicheren Geschlechtsverkehr und Kondome zur Verhinderung venerischer Ansteckung. [12] 'Klassische' Sexualratgeberliteratur wurde in zehntausenden Exemplaren und zu erschwinglichen Preisen unter die Leute gebracht. In Büchern wie Hugo Hertwigs "Das Liebesleben des Menschen" (1940) konnte man dann Folgendes über den Stellenwert des Sexuellen in heterosexuellen Beziehungen lesen:

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"Es darf nicht länger mehr über sexuelle Dinge geschwiegen werden, die die Zukunft unseres Volkes bedeuten. Aber es nützt auch keine oberflächliche Aufklärung. Wir müssen das Liebes- und Geschlechtsleben in seiner ganzen Tiefe erfassen. (...) Es ist nicht nur nötig, daß beide Ehepartner vor der Ehe über das gesamte Liebes- und Geschlechtsleben, über seine Höhen und Tiefen aufgeklärt sind, sie dürfen sich auch in der Ehe gegenseitig nichts verbergen oder vormachen, sie müssen in allen sexuellen Dingen offen und ehrlich zueinander sein." Wie das in der Praxis geschehen sollte, war ebenfalls zu erfahren: "Die Partner müssen versuchen, ihren zu verschiedenen Zeiten eintretenden Orgasmus aufeinander abzustimmen. Bei vielen Männern wird das anfangs nicht möglich sein, da sie durch frühere Erlebnisse und häufigen Geschlechtsverkehr einer viel schneller eintretenden sexuellen Hochspannung mit schnell folgender Entladung unterworfen sind als die Frau, die noch keinen Geschlechtsverkehr hatte. (...) Andererseits gibt es auch Frauen, es ließen sich dafür berühmte Beispiele anführen, die überhaupt keine sexuelle Erregung erleben, wenn sie nicht zuvor durch zärtliches Streicheln der Haut oder gewisser Geschlechtstellen (Clitoris) gereizt worden sind." [13] Viele der während der NS-Zeit publizierten Sexualratgeber standen in ihrer sexualfreundlichen Art und deutlichen Sprache in nichts den Klassikern der Zwischenkriegszeit – etwa den Bestsellern von Theodor van de Velde und Max Hodann – nach. [14] Anders als in den Zwanzigerjahren, bestand jedoch nun keine große Kluft mehr zwischen der Sexualaufklärung und der Ideologie des politischen Regimes.

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Dies ist auch der Grund, warum die NS-Autoren breite Bevölkerungsschichten erreichen konnten. Selbst in abgelegenen ländlichen Gegenden waren ihre Schriften – teils noch im Hausierhandel – erhältlich. Eine 17-jährige Niederösterreicherin konnte sich beispielsweise 1943 ein entsprechendes Ratgeberwerk selbst in einem abgelegenen Waldviertler Dorf 'beschaffen': "Da ist dann so eine Hausiererin umgegangen und die hat ein Buch verkauft und ich war damals alleine zu Hause. Und sie hat mir zugeredet, sie hat gesagt: 'Ich hab da ein Buch, das ist von einem Doktor geschrieben und da stehen alle Erkrankungen drinnen von den Kindern und den Erwachsenen, auch über die Schwangerschaft und die Geburt und alles was daran hängt.' Ich hab gesagt: 'Ich möchte das sehen', und sie hat eines mitgehabt zum Anschauen und ich hab das halt einmal so in der Geschwindigkeit durchgeblättert und hab mir gedacht, das muß ich haben. Da war die Entbindung drinnen in Farbbildern und verschiedenen Stadien und schon die Empfängnis vom ersten Monat an, wie sich das entwickelt und wie das weitergeht. Und da hab ich mir gedacht, das Buch bekomm ich, so viel Geld hab ich gehabt und das Buch hab ich gekauft. Ich hab es dann versteckt. Aber das Buch hab ich studiert, regelrecht studiert. Und von dem Tag an war ich natürlich schon richtig aufgeklärt, da war dann schon alles beisammen." [15]

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Die Textstrategien dieser Medien – etwa fiktive Arzt-Patienten-Dialoge, Merksätze und Gebote – schöpften aus jahrzehnte-, teils jahrhundertealten Traditionen. [16] Ein eher neuerer Baustein zur 'positiven' Sexualisierung stellte die Bilderwelt dar, die in manchen dieser Publikationen sichtbar wurde. Entsprechend den Zielsetzungen der NS-Biomacht verfolgten die Verbildlichungen zu allererst performative und inkorporative Strategien. Wilm Burghardt sah in ihnen in seiner Schrift "Sieg der Körperfreude" (1940) auch einen Konterpart zur kirchlichen Spiritualität: "Sieg der Körperfreude. Der Ausruf (...) ist eindeutig. Er bezieht sich auf das diesseitige Leben. Die Freude auf das jenseitige Leben ist jahrtausendelang gepredigt worden. Der Ausruf (...) stellt eine Forderung an ein Lebensprinzip dar." Anders als in der körperfeindlichen christlichen Tradition würde die Körperfreude nun das gesamte körperlich-seelische Verhältnis zur Umwelt umfassen. "Diese Einstellung bestimmt die Gesinnung, wird bereits von der Sprache des Körpers bestimmt. Bereits durch Körperpflege, die unter anderem Waschen, Baden, Trockenbürsten umfasst und durch Leibesübungen wie Sport, Spiel und Gymnastik, wird dem Körper eine gewisse Sprache gelehrt, falls sie nicht von Anlage her spielend vorhanden ist. Körperfreude ist aber noch mehr, ist Impuls, ist Lachen, Aufschwung, Bekenntnis zur Kraft, Gesundheit und Schönheit. Deshalb steht der Begriff Körperfreude mit dem nackten Körper in engem Zusammenhang." [17]

Abb. 1

Abb. 2

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Die NS-Bild- und Körpersprache und ihre Kodierung der Nacktheit wurde vielfach interpretiert, unter anderem als Gebär- und Gewaltallegorie, als Ausdruck der Sexualrepression, als verkappter Körperkitsch und anti-erotische Pose oder auch als Fortführung des Bildrepertoires der FKK- und Nudistenbewegung der Zwischenkriegszeit. [18] Hier soll ein weiterer Aspekt herausgestrichen werden: Genauso wichtig wie die (fotografische) Darstellung des nackten, arisch inszenierten Körpers, war, dass diese Bilder nun standardmäßig im sexuellen Kontext aufscheinen und ohne moralische Entrüstung rezipiert werden konnten. Der Blick auf die Körperimages war sogar politisch erwünscht, die Nacktheit eine ideologische Vorgabe. Wobei die Erotisierung der kalten Pose manchmal erst durch eine erotisch-sexuelle Lesung des Kontexts angetrieben wurde. So entstanden dann Simulakren und Fantasien, die das sexuelle (Er-)Leben mit der PartnerIn vorbereiten und anregen sollten. Losgelöst von partnerschaftlicher Sexualität förderten sie wohl auch die autoerotische Betätigung.

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Erotische und pornographische Fotos konnte man seit der Erfindung des Mediums an vielen Orten erwerben. [19] Gerade in der Zwischenkriegszeit fanden sich entsprechende Abbildungen auch in einschlägigen Illustrierten und Vereinszeitschriften. Während der NS-Zeit tauchten sie allerdings in Publikationen auf, die die staatliche Ideologie transportierten, und es bestand kein Grund mehr, diese unter dem Ladentisch zu verkaufen. Eine Integration war nun auch deshalb möglich, weil man sich nicht mehr des Pornographieverdachts aussetzte – selbst 'schmutzige' und 'entartete' Bilder konnten zur Abschreckung und aus propagandistischen Zwecken eingesetzt werden. Zu den verbotenen Images zählten etwa die als tierisch eingestufte Körpersprache einer Josephine Baker oder der orgiastisch entrückte Gesichtsausdruck Hedy Lamarrs in "Ekstase" (Ö/CS 1933, Gustav Machatý). Auch die Reproduktion und Verbreitung amerikanischer Pinups galt als gierig-geiles Geschäft mit der Erotisierung oder sogar als zivilisatorischer Rückschritt. [20] Nach 1945 sollten jedoch genau diese Images vermehrt in Illustrierten, Sexualratgebern und Reformschriften auftauchen.

Krise der Scham (1945 bis Anfang der 1950er-Jahre)

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Die Nachkriegsjahre waren in Österreich und Deutschland von einer tiefgehenden Krise des heterosexuellen, auf die Ehe gerichteten Geschlechtslebens geprägt. [21] Die sozialen und kulturellen Rahmenbedingungen dafür sind bekannt: Auf Seiten der Männer führten die Kriegserlebnisse (etwa auch die sexuellen Erfahrungen in Bordellen oder mit Kameraden), die konfliktreiche, oft verspätete Heimkehr, die Konkurrenz mit den siegreichen Besatzern und deren sexuellen Erfolgen bei den einheimischen Frauen zu teils massiven psychischen Problemen (unter anderem zu Impotenz), zu großen Schwierigkeiten beim Wiedereinstieg in das Familien- und Berufsleben, zu schwer lösbaren Konflikten um patriarchale Vorrechte mit den selbständigen Trümmerfrauen und anderes mehr. Frauen erlebten die Umwälzungen teils noch dramatischer: Hunderttausende wurden zu Kriegsende Opfer von Vergewaltigungen, besonders jüngere Frauen knüpften kurzfristige sexuelle Beziehungen mit Besatzungssoldaten, ungewollte Schwangerschaften und Abtreibungen standen auf der Tagesordnung, sichere Verhütungsmittel waren nur schwer zu erhalten. Besonders in den ersten Nachkriegsjahren wagten viele junge Paare aufgrund der instabilen wirtschaftlichen Verhältnisse erst gar nicht an eine Verlobung, geschweige denn eine Familiengründung zu denken. [22]

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Die Folge waren dementsprechend hohe Illegitimitäts-, Abtreibungs- und Scheidungsraten sowie eine große Zahl von venerisch kranken Personen. In Wien etwa erhöhte sich die Zahl der Scheidungen von 1945 (2.300 jährlich) bis 1948 um beinahe das dreifache (6.700) und ging danach rasch zurück – 1953 wurden nur mehr 4.400 Scheidungen verzeichnet. [23] Ähnlich entwickelten sich die Unehelichkeitsraten:

Tabelle 1: Illegitimitätsraten in Wien 1939-1965 [24]

Zeitraum

Anteil unehelicher Geburten (in %)

1939-1940

12,8

1941-1945

13,9

1946-1950

15,0

1951-1955

12,9

1956-1960

10,7

1961-1965

9,5

Die Verbreitung von Geschlechtskrankheiten nahm bereits während des Krieges zu, erreichte 1945 mit 70.100 neu registrierten Gonorrhöe- und ein Jahr später mit 12.900 neuen Lues-Fällen ihren Höhepunkt. [25]

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Nach Meinung mancher Zeitgenossen waren diese Zahlen Ausdruck eines desaströsen Umgangs mit dem eigenen Körper und dem sexuellen Empfinden. Auch Ärzte wie Heinz Delsberg konnten nicht umhin, in ihren medizinischen Schriften auf die mentale Problematik hinzuweisen und dabei besonders an jüngere Frauen zu denken: "Das allgemeine Nachkriegselend, die Wohnungsnot, der Wunsch der jungen Menschen, endlich einmal 'etwas vom Leben zu haben', und nicht zuletzt die Anwesenheit ausländischer Truppen in Österreich führen tausende junge Mädchen und Frauen in moralisch zweifelhafte und wirtschaftlich aussichtlose Beziehungen, die sie nach kurzem Genuß in eine noch elendere Lage bringen. Dazu begegnet man vielfach noch einer erstaunlichen Gleichgültigkeit junger Frauen ihrem eigenen Körper gegenüber, einem leichtfertigen Sich-Verschenken an den Nächstbesten. Auch die Zerreißung der Familien durch den Krieg, die Angst vor Vernichtung und Elend hatten eine demoralisierende Wirkung auf Mann und Frau: Der Ungewissheit über das Morgen entsprang das Streben, den Augenblick zu genießen – egal, was nachher kommt." [26] Zufällige, unbedachte, von Liebe und Ehe losgelöste sexuelle Erlebnisse galten als Inbegriff der emotionalen Nachkriegswirren.

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Angesichts dieses alltäglichen Erfahrungshorizonts vieler Menschen konnten sich auch die RatgeberautorInnen nicht der brennenden Fragen entziehen und mussten die brisanten Themen möglichst unaufgeregt angehen. Zur leidigen Onaniefrage konnte man beispielsweise bei Arthur Schütz lesen: "Eltern sollen sich beizeiten der Aussichtslosigkeit des Kampfes gegen einen Naturtrieb klar werden und an der Onanie der Kinder einfach vorbeisehen. Das ist das einzige Mittel, die Onanie nicht in den Bereich der 'verbotenen Früchte' zu verschieben, sondern sie auf ein vernünftiges Maß zu reduzieren. Wie beim Essen, Trinken und Rauchen, so kommt es auch bei der Onanie nur auf die Dosis an, denn auch an sich Unschädliches kann durch Übertreibung schädlich wirken, zumindest temporär." [27] Ähnlich pragmatisch wurden auch andere heikle Fragen behandelt: Etwa die Abtreibung, die zwar gesetzlich verboten, angesichts der vielen Vergewaltigungen und unerwünschten Schwangerschaften aber allerorts praktiziert wurde. Auch in den anderen Medien wurde über vorehelichen Sex, praktikable Verhütungsmethoden (vor allem die Temperaturmethode und Kondome), den Männermangel sowie Geschlechtskrankheiten diskutiert.

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In der Ratgeberliteratur ist allenthalben ein Ringen um positive Normen zu finden, die einerseits jenseits der NS-Natur- und Rassenmetaphysik angesiedelt wurden, andererseits aber auch ohne die – angesichts der Lebensumstände weltfremd erscheinende – konservative christliche Sexualmoral auskommen sollten. Die AutorInnen wählten dabei Vermittlungsformen, die in den folgenden Jahrzehnten zu einem wichtigen Motor "sexueller Skripte" wurden. Dazu gehörten auch grafische Repräsentationen des Sexuellen, wie sie schon van de Velde in der Zwischenkriegszeit unter die Leute gebracht hatte. In seinem Werk "Die vollkommene Ehe", das auch nach 1945 in zahllosen Auflagen verkauft wurde und unter anderem zu den ersten Produkten gehörte, die Beate Uhse im Versandweg unter die Leute brachte, konnten die LeserInnen zum Beispiel symbolische Coitus- und Orgasmusdarstellungen finden. Nach 1945 folgten zahlreiche Abwandlungen dieser Images.

Abb. 3

Abb. 4

Abb. 5

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An diese Grafiken konnte man dann die eigenen Erfahrungen anlegen und die symbolische Norm zum Maßstab künftiger sexueller Tätigkeiten machen. Coituskurven besaßen dabei großes interpretatorisches Potential: Hier konnte man den Imperativ des gleichzeitigen Orgasmus genauso ablesen wie die unterschiedliche Erregungsgeschwindigkeit und Sensibilität von Frau und Mann. Vielleicht fragten sich die BetrachterInnen auch, was denn eine gezackte bzw. glatte Kurve zu bedeuten hatte, warum diese in Wellen- oder ähnlicher Auf- und Abwärtsform gezeichnet waren, warum bei der Frau eine der Linien gar nicht mehr abflaute? Wer brachte diese Kurven eigentlich zum Gleichklang, wer agierte hier eigentlich? Ohne viele Worte entstand eine Coitus- und Orgasmussymbolik, die in Scripts, Fantasien und Regulierungen eingeschrieben werden konnte. Ähnlich verhielt es sich mit anatomischen Zeichnungen und Grafiken, die etwa die Position der weiblichen und männlichen Genitalien bei unterschiedlichen Coitustechniken veranschaulichten und ebenfalls aus einem sehr alten Bild- und Imagerepertoire schöpften. [28]

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Ende der vierziger Jahre kamen zwei weitere wirkungsmächtige mediale Formen hinzu, die "Statistik" und die "Umfrage". Genannt seien hier einmal die 1949 durchgeführte erste größere Umfrage des deutschen Instituts für Demographie sowie eine Umfrage unter den Leserinnen der "Constanze", der Vorläuferin der Illustrierten "Brigitte" (ebenfalls 1949).

Tabelle 2: Sexuelle Einstellungen und Praktiken (Deutschland 1949) [29]

Prozent

Männer

Frauen

Hatten Sie vor der Ehe intime (heterosexuelle) Beziehungen zu einem Mann/einer Frau?

mit verschiedenen Partnern bzw. Partnerinnen

63

18

mit einem Partner bzw. einer Partnerin

13

19

nur mit dem späteren Ehepartner bzw. der Ehepartnerin

13

33

keine vorehelichen Beziehungen

10

28

Sexuelle Beziehungen neben der Ehe hatten

Ja

23

10

Nein

68

87

Sind intime Beziehungen notwendig für Ihr Lebensglück?

Notwendig

69

47

kann verzichten

24

46

Unentschieden

7

7

Sind Sie für oder gegen Empfängnisverhütung?

Dafür

71

62

Dagegen

12

20

Unentschieden

17

18

Was soll mit dem § 218 (Abtreibung) geschehen?

Abschaffen

19

14

Lockern

33

43

Beibehalten

38

33

Verschärfen

9

8

keine Meinung

1

2

Wie stehen Sie zur männlichen Homosexualität?

Krankheit

39

Laster

48

Angewohnheit

15

natürliche Sache

4

Unentschieden

3

Glauben Sie, dass Onanie unter Männern stark verbreitet ist?

ja

42

Nein

21

Unentschieden

37

Glauben Sie, dass Onanie unter Frauen stark verbreitet ist?

ja

24

Nein

20

Unentschieden

49

Haben Sie einmal Erfahrungen mit Prostituierten gemacht?

Nein

43

Einmal

14

Öfter

43

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Auch wenn die Repräsentativität dieser Umfrage fraglich ist, spiegelt sich in ihr zumindest tendenziell eine Abkehr von der rein ehebezogenen Liebes- und Sexualmoral. Vorehelicher Geschlechtsverkehr war unter den Befragten genauso verbreitet wie Verhütungsmittel und -methoden,  [30] "intime Beziehungen" galten als wichtiger Bestandteil des (Ehe-)Lebens. Auch die strikte Bestrafung der Abtreibung schien vielen nicht mehr gerechtfertigt. Zahlreiche Männer hatten Erlebnisse mit Prostituierten und gaben zu, häufig zu masturbieren. Frauen verfügten insgesamt über geringere sexuelle Erfahrungen, sei es nun in vor- und außerehelichen Beziehungen oder bei der Masturbation. Für die meisten Menschen blieb das Sexualleben trotzdem auf eine Liebesbeziehung und die (zukünftige) Ehe hin ausgerichtet, wobei Frauen voreheliche Sexualkontakte häufiger auf den späteren Ehepartner beschränkten. Klar zum Ausdruck kam auch, dass das NS-Regime in Sachen "Homosexualität" ganze Arbeit geleistet hatte – gleichgeschlechtliche Kontakte wurden strikt abgelehnt, eine Haltung, die auch in den massiven Ausforschungs- und Prozesswellen in Österreich und Deutschland um 1950 zum Vorschein kam. [31]

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Eine der Fragen betraf die Einschätzung erotisch besonders anregender "Gelegenheiten". An erster Stelle wurden dabei "Magazine mit Fotografien und Bildern" (46%m, 11%w), gefolgt von Tanz (24%m, 27%w) und Literatur (15%m, 16%w) genannt. [32] Die Sexualisierung der Öffentlichkeit und insbesondere der öffentlich zugängigen Bilderwelt gehörte zu den heißen Themen dieser Jahre. Gesetzlich galten laut österreichischem Strafrecht bis 1950 nach wie vor die alten Bestimmungen über die Erregung öffentlichen Ärgernisses. Darin wurden jene bildlichen Darstellungen und unzüchtigen Handlungen sanktioniert, die die Sittlichkeit oder Schamhaftigkeit öffentlich und auf eine öffentliches Ärgernis erregende Art verletzten. Wenn dies mittels Druckschriften geschah, war ein Strafrahmen von 6 Monaten bis zu einem Jahr Arrest vorgesehen. Wie bei der Abtreibung wurde jedoch die Umsetzung der gesetzlichen Bestimmungen relativ lax gehandhabt, sodass die Zeitschriftenkiosks reichlich Illustrierte und Magazine mit einschlägigem Inhalt anzubieten hatten.

Abb. 6

Abb. 7

Abb. 8

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Solche Bilder und Images fanden sich nicht nur in einschlägigen Zeitschriften wie "Mephisto. Illustriertes Magazin für Probleme der Erotik, des Liebes- und Sexuallebens für fortschrittliche Lebensführung und Freikörperkultur", sondern auch in durchschnittlichen Freizeitillustrierten wie der "Wiener Melange" oder der "Wiener Illustrierten". Dort waren sie zwischen Kreuzworträtseln, Fortsetzungsromanen, Karikaturen, pikanten Geschichten und Reiseerzählungen platziert. Anders als in den Schriften der NS-Zeit konnte man nun jedoch nur mehr weibliche Objekte bewundern, deren Körpersprache zwischen Naturpose, Pinup-girl, Bikini-Bombe und aufreizendem Vamp changierte. [33] Auch hier gab der Kontext oftmals vor, wie die erotische bzw. sexuelle Lesung zu erfolgen habe – und was ihr gesellschaftlicher und kultureller Kontext sei. Erotik und Sex galten meist als Inbegriff des (wenn auch noch zukünftigen) besseren Lebens, als nahe Erlebnismöglichkeit und ferne Verheißung des "american way of life" sowie der näher rückenden Konsumgesellschaft nach westlichem Vorbild. Die Sexualisierung des Konsums kam in den Images noch recht zart zum Vorschein, umgekehrt mutierte der Sex erst langsam zum Konsumprodukt.

Abb. 9

Abb. 10

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Der sexuelle Kontext der abgebildeten Seifenwerbung wurde für die Zeitgenossen durch den ersten großen Filmskandal der Nachkriegszeit verständlich. In "Die Sünderin" (BRD 1951, Willi Forst) stellte Hildegard Knef eine Prostituierte dar, die sich aus Liebe für einen todkranken Mann aufopferte und dabei einige Sekunden nackt auf der Leinwand zu sehen war. Insbesondere die Kirchen riefen zum Boykott des Films auf, in Demonstrationen wurde ein Aufführungsverbot gefordert, und die Illustrierten überschlugen sich mit Berichten über die "Premiere des Jahres". [34] Neben der Nacktszene empörte man sich vor allem über die angeblich rücksichtslose Schilderung der kommerziellen Aspekte des Sexuellen, die Lust- und Lebensgier der zentralen Figur Marina und darüber, dass sich diese Frau – in Form eines ‚inneren Monologes’ aus dem Off, der die ‚wahren Gefühle’ der erotischen Hauptfigur zum Vorschein brachte – als zutiefst moralische und gefühlsbetonte Liebende erwies.

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Nacktszenen im Film, erotische Magazine am Kiosk, freizügige Aufklärungsschriften, Klassiker der erotischen Literatur in der Buchhandlung, Verhütungsmittel im Versandhandel – zwischen 1945 und 1950 gab es eine erste, wenn auch nur 'kleine' multi-mediale 'Sexwelle'. [35] Gleichzeitig war die mediale Sexualisierung mit der Grund, warum Ende der 1940er-Jahre immer heftiger für eine konservative Wende votiert und diese in den frühen 1950er-Jahren Schritt für Schritt umgesetzt wurde.

"Marilyn Monroe-Doktrin" und neue/alte Familienmoral (Anfang 1950er- bis Mitte der 1960er-Jahre)

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Als zentrale Triebkraft dieser Entwicklung ist die katholische und – wenn auch in geringerem Ausmaß – evangelische Kirche zu nennen, deren Einfluss auf die Bevölkerung, Politik und den öffentlichen Diskurs in den späten 1940er-Jahren beständig zunahm und in der Schmutz- und Schunddiskussion um 1950 deutlich zum Tragen kam. [36] Für das Projekt einer Re-Christianisierung hatte die neue Sexualmoral einen herausragenden Stellenwert: Zum einen wandten sich die Kirchenvertreter damit gegen die NS-Sexualideologie, vor allem gegen deren Säkularisierung der Ehe sowie gegen die direkten staatlichen Eingriffe in das Sexualleben (wie eugenische Sterilisation und (Zwangs)Abtreibung). Auch die körper- und lustfreundliche Diesseitigkeit der "Kraft durch Freude"-Ideologie stand der mentalen (Re-)Konfessionalisierung entgegen. An den Erscheinungen des Ehe- und Sexuallebens der Nachkriegsjahre kritisierte man den angeblich geringen Stellenwert der Ehe und der christlichen Kinderziehung, den laxen Umgang mit vor- und außerehelichen Sexualkontakten, die Toleranz gegenüber Abtreibung, Verhütung und Masturbation, den angeblichen Hedonismus vieler Menschen, den Mangel tiefer und beständiger Liebesgefühle und -beziehungen sowie die florierende Prostitution samt venerischen Krankheiten. Oder wie es der katholische Sexualethiker Franz Xaver Arnold formulierte: "Die Verirrungen, welche den Sinn der menschlichen Sexualität verfälschen und verfehlen, sowie ihr beängstigendes Umsichgreifen sind nicht zuletzt zurückzuführen auf den mit Mitteln moderner Massenpropaganda geführten Kampf gegen die Grundwahrheiten von der Ehe in einem Teil von Presse und Literatur, Film und Funk, worin Tugend und naturtreue Eheführung als rückständig verlacht, sexuelle Entartung, Ehebruch und Ehescheidung als normal anerkannt und verharmlost oder gar unter dem Schein der 'Wissenschaft' als Errungenschaften modernen Geistes verherrlicht werden." [37]

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Dass sich in den frühen 1950er-Jahren christlich-konservative Einstellungen immer mehr durchsetzen konnten, war jedoch nicht nur der Agitation der Kirchen zu verdanken, sondern auch das Resultat allgemeiner wirtschaftlicher und sozialer Entwicklungen. Zu nennen ist einmal die wirtschaftliche Konsolidierung nach Währungsreform, Lohn-Preisverhandlungen, den Modernisierungserfolgen durch die Marshallplan-/ERP-Hilfe, der Etablierung der sozialpartnerschaftlichen Konsenspolitik, die Zurückdrängung der Frauen vom Arbeitsmarkt usw. [38] Im Klima der wirtschaftlichen Genesung erschien die Familie samt traditioneller Rollenverteilung als Garant für soziale Stabilität und die Durchsetzung von Werten wie Beständigkeit, Fleiß und (vorerst noch) Verzicht. Die familiale Einheit galt als Voraussetzung für die Etablierung der Produktivitäts- und Konsumptionsspirale des Fordismus: "Arbeite um zu konsumieren und konsumiere (samt Familie), damit die Arbeitsplätze gesichert sind" – das war jener Imperativ, der dem Gesellschaftssystem ab den 1950er-Jahren unterlegt wurde und es bis zur Krise dieser Produktionsweise in den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren stabilisierte. Durch die westliche, vor allem aber US-amerikanische Wirtschaftshilfe konnte die Spirale erfolgreich und rasch in Gang gesetzt werden. [39] Zur Implementierung des Fordismus war es auch notwendig, dass die Werte des westlichen Lebensstils samt seiner Konsumorientierung transportiert und von der Bevölkerung in die Zukunftsvisionen und Lebenspläne eingebaut wurden. [40] Egal ob man diesen Prozess nun Verwestlichung, "Coca-Colonisation" [41] oder Politik der "Marilyn Monroe-Doktrin" [42] nennt, er erwies sich à la longue als wirkungsmächtiger als alle finanzielle Wirtschaftshilfe.

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Für die Kirche ging es um 1950 vor allem um die christliche Erziehung der ersten Nachkriegsgeneration – jener Jugendlichen also, die zwar noch im Krieg geboren wurden, nun aber ins geschlechtsreife Alter kamen. Dieser Generation sollte eine Sexualmoral jenseits von NS-Ideologie und Nachkriegswirren vermittelt werden. [43] De facto unterschied sich die propagierte Sexualnorm jedoch wenig von jenen Positionen, die die Pastorale schon in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts eingenommen hatte. Unberührt stand die christliche Ehegemeinschaft samt Reproduktionsauftrag als einzige und natürliche Sexualbetätigung im Vordergrund. Vor- und außerehelicher Sex hingegen sollte die Menschen gesundheitlich, emotional und spirituell in jene Schwierigkeiten bringen, die NS- und Nachkriegsjahre gezeitigt hatten.

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Fixer Bestandteil der neuen/alten Familienreform war die sexuelle Geschlechterdifferenz. In den Worten des Pastoralmediziners Albert Niedermeyer sollte sie folgendermaßen fundiert sein: "Der Sexualtrieb des Mannes erwacht spontan und äußert sich stürmisch und aggressiv. Bei der Frau steht der eigentliche Sexualtrieb, die libido sexualis nicht in so engem Zusammenhange mit dem Eintritt der Pubertät; die libido ist normalerweise zunächst latent, unbewußt und schlummernd, und bedarf erst der Weckung durch den Mann. – Es kommt auch hierin der Gegensatz zwischen Aktivität und Passivität, von Aggression und Erwartung zum Ausdruck. Einmal erweckt, steht jedoch die libido der Frau, zumindest zur Zeit der Ovulation, der des Mannes nicht nach. Die Erweckung der libido erfolgt in der Regel erst durch die erste intimere Sexualbeziehung. Diese ist daher ein für das Gesamterleben der Frau äußerst einschneidendes Erleben, das meist für ihr ganzes Leben bestimmend bleibt. Die Frau bleibt meist zeitlebens an den ersten Mann gebunden, der ihre Sexualität zum bewußten Erwachen gebracht hat. Hieraus erklären sich auch so manche Störungen, die im späteren Leben aus einer vorehelichen Bindung resultieren. Neben der Gewöhnung an inadäquate Sexualreize und an abusus sexualis gibt es kaum eine häufigere Ursache späterer Empfindungsstörungen der Frau im Eheleben, als die voreheliche psychische Bindung." [44] Frauen hatten demnach Widerstand zu leisten, bis der eheliche Hafen erreicht war – so lautete jedenfalls das Motto, das man Jugendlichen in den 1950er- und frühen 1960er-Jahren nahe legte. [45] In einem Aufklärungsbuch für Kinder und Jugendliche wurde diese Zielsetzung 1953 in einem fiktiven Brief einer Mutter an ihre 15-jährige Tochter so formuliert: "Siehst Du, es ist von der Natur sehr weise so eingerichtet, daß der wirkliche Geschlechtstrieb beim Mädchen später erwacht, als die Reifezeit bei ihm eingetreten ist. (...) Eine normal veranlagte Frau hat mit fünfzehn Jahren noch gar kein Verlangen nach sexueller Befriedigung. Sie gibt meistens nur dem Verlangen des Partners nach, ohne beim Geschlechtsverkehr selbst wirkliche Lust zu empfinden. Umso schlimmer für sie, wen sich dann gar noch unerwünschte Folgen einstellen, wenn eine Schwangerschaft eintritt, die nun eine schreckliche Verlegenheit bedeutet, die unbedingt aus dem Weg geräumt werden soll." [46]

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Auch wenn bislang detaillierte lebensgeschichtliche Studien fehlen, kann angenommen werden, dass diese Form der Sexualmoral in den 1950er-Jahren den weithin akzeptierten Norm- und Wertehorizont bildete, wobei sich bei ihrer Umsetzung die Erlebniswelten von Männern und Frauen oft essentiell unterschieden. Die männliche Variante baute noch immer auf die Doppelmoral und könnte beispielsweise so ausgesehen haben: "Wir [Halbwüchsige] waren brennend an Mädchen interessiert, haben an ihnen gelitten, aber wir wären nie auf die Idee gekommen, sie als Menschen ernst zu nehmen, sie gar als, wie man heute sagt, 'Partner' zu betrachten. Auch ihre Sexualität schien uns kein besonderer menschlicher Wert, nicht einmal ihre Lust haben wir ernst genommen, weil sie uns so viel geringer schien als die unsere. 'Für die Frau ist die körperliche Vereinigung ebenfalls lustbetont, wenn auch nicht in derselben Weise wie beim Mann.' So stand es im katholischen Heftchen, und das haben nicht nur wir, das haben wohl auch die Mädchen geglaubt. So taten sie sich leichter im Verweigern, denn was versäumten sie schon. Vielleicht haben sie wirklich nicht viel versäumt. Ich hatte immer den Eindruck, die Frauen jenes Jahrzehnts haben sich von der Sexualität nicht allzu viel erwartet. Sie hielten Sexualität für eine Männersache, der es wohlwollend standzuhalten gelte." Die Überwindung des jungfräulichen Widerstandes gehörte dementsprechend zu den Erfolgen, die sich junge Männer auf die Fahnen schreiben wollten und diese Absicht auch in recht derbe Worte fassen konnten: "Wir pflegten im katholischen Internat den Liebesakt als 'Zusammenhauen' eines Mädchens zu bezeichnen. 'Hast sie z'sammg'haut?' lautete die Frage und die Antwort meist: 'Nein, nur ausgriffen.'" [47]

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Viele jüngere Frauen erlebten eine bedrohliche Kluft zwischen der christlichen Ehe- und Sexualmoral und gegenläufigen kulturellen Identifikationsangeboten. Aus den USA, teils auch aus inländischer Produktion, wurden sie mit medial vermittelten Frauenbildern konfrontiert, die sich nur schwer mit dem Ideal der vier Ks – Kinder, Kirche, Küche, Konsum – und der christlichen Forderung nach vor- und außerehelicher Enthaltsamkeit sowie einem auf Reproduktion beschränkten Sexualleben vereinigen ließen. Konkurrierende Images wurden ab Mitte der 1950er-Jahre vor allem durch die "Jugendkultur" und die um sie geführte Debatte beschickt. Rock 'n' Roll-Musiker wie "Elvis the Pelvis" erkannten das Potential des ‘heißen’ Themas Sex und seine äußerst positive Wirkung auf die Verkaufszahlen. Worüber man sich in Österreich und Deutschland besonders mokierte, waren die sexuellen Konnotationen, die von Elvis’ zuckendem Becken ausgingen und in denen man einen zivilisatorischen Niedergang zu erkennen glaubte. Mit an die NS-Propaganda erinnernden Ausfällen gegen entartete und geile "Neger-Musik“ war man deshalb schnell zur Hand. Auch die "hysterischen" Reaktionen weiblicher Rock 'n' Roll-Fans und der wilde Tanzstil waren mit dem ehe- und familienzentrierten Frauenbild kaum vereinbar. Das männliche Idol, der "Halbstarke", passte ebenfalls nicht in die Aufbaumentalität der 1950er-Jahre: Er war rebellisch, trotzig, konsumorientiert (ohne die finanziellen Mittel zu besitzen) und vor allem unverschämt an Mädchen interessiert. Dass es sich dabei primär um einen von den Medien diskreditierten, weil angeblich gewalttätigen und unkontrollierbaren Jugendlichentyp handelte, machte ihn kaum weniger attraktiv. [48] James Dean lieferte als "Rebel without a cause" (USA 1955, Nicholas Ray; dt. "...denn sie wissen nicht, was sie tun") die Vorlage für den Archetypus dieses zornigen und störrischen jungen Helden.

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Es verwundert nicht, dass dem hedonistischen Rock 'n' Roller und Halbstarken bis in die 1960er-Jahre ein viel harmloserer Jugendlichentyp entgegengesetzt wurde, der so genannte "Teenager". Parade-Jugendliche wie "Conny und Peter" (Conny Froboess und Peter Kraus) träumten vom privaten (klein)bürgerlichen (Ehe)Leben, von wirtschaftlicher Absicherung und bunten Konsumwelten. Vor der Ehe konnten allerdings auch sie ganz schön frech werden: Worte wie "sexy" und "petting" kamen ihnen durchaus über die Lippen, sie knutschen heftig und trauten sich sogar einmal einen Griff in die Unterwäsche zu – bis zum 'Letzten' gehen sollten/wollten sie aber erst in der Ehe bzw. wenn eine Verlobung und eine stabile, ehevorbereitende Beziehung gewährleistet war. Letztere schien für die meisten der einzig praktikable Weg zum Glück zu sein, da eine Hausstands- und Familiengründung nach wie vor von beruflicher Situierung und entsprechenden finanziellen Möglichkeiten abhängig war.

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Das familienzentrierte Frauenbild wurde durch die mediale Vermarktung des weiblichen Körpers konterkariert. Etwa durch die Erotisierung der Bade- und Strumpfmode oder die Inszenierung von Filmstars und 'Modells' (etwa der "Schönheitskönigin"). Auch in diesen Images war der amerikanische Einfluss – zum Beispiel in Form der aufreizenden Pin-up-Pose – unverkennbar. Die erotisierten/sexualisierten Ikonen der "Marilyn Monroe-Doktrin" fanden sich in Werbeinseraten, auf Plakaten und in Illustrierten. [49]

Abb. 11

Abb. 12

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In der Film- und Musikzeitschrift "Bravo" – die bereits 1960 die am häufigsten gelesene Jugendzeitschrift Österreichs war und rund zwei Drittel Leserinnen hatte [50] – konnte man 1957 Marilyn Monroe in lasziver Pose begutachten und gleich danach einen aufgeregten Artikel über die angebliche Nacktwelle im deutschen Film lesen.

Abb. 13

Abb. 14

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Der Freizügigkeit der Darstellung war allerdings seit Einführung der Schmutz- und Schund-Paragraphen (Ö 1950, BRD 1953) ein recht enges Korsett angelegt. Mit diesem Gesetz schufen sich die konservativen Parteien und die Kirchen ein äußerst flexibles Instrument zur Regulierung der öffentlichen Bildsprache. Übersehen wurde dabei jedoch, dass die Repressions- und Regulierungswut auch zur Folge hatte, dass das Sexuelle zu einem Dauerthema aufgeregter öffentlicher Debatten avancierte und der "Sex" schon in den angeblich so prüden 1950er- und frühen 1960er-Jahren zum Thema Nummer 1 wurde.

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Viele Zeitgenossen hielten einen gesetzlichen Wall gegen die Sexualisierung für unabdingbar. In den Kommentaren kamen historische Verbindungslinien zum Vorschein – etwa in einem Artikel von Friedrich Sieburg (1951) in der Illustrierten "Constanze": "Auf die 'gesunde Sinnlichkeit' der Nationalsozialisten folgte der Einfluß der Amerikaner, deren mit allen Mitteln zum Ausdruck gebrachte Sexualnot uns ja eigentlich nichts angehen sollte. Sollen sie sehen, wie sie mit ihren Trieben fertig werden – das konnte man noch vorgestern denken. Heute sind sie mit ihren Glamour girls, mit ihren preisgekrönten Gesäßen, mit ihren Jünglingen, die als Sachverständige einer Jury vermittels eines Manometers die Spannung der konkurrierenden Frauenbusen feststellen, mit all dem sind sie mitten unter uns, werden nachgeahmt und gar übertrumpft. Sie haben uns geholfen, die sportliche Auffassung von der Liebe, die sich schon unter Hitler abzeichnete, allgemein durchzusetzen. (...) Die Luft, in der wir leben, wird immer freier von den feinen Strömungen der weiblichen Anziehung und der erotischen Werbung. Macht die Büstenhalter noch kleiner, gestaltet die Höschen noch knapper, füllt euren Horizont noch dichter mit den ragenden Zacken des weiblichen Torsos, gebt das Nackte auf jede Margarinepackung, laßt auf keiner Titelseite das schwellende Paar Oberschenkel fehlen – es hilft euch alles nichts, die Welt wird darum doch unaufhaltsam liebesleerer. Die erotische Spannung [wird] erschlaffen und rasch weichen zu stillender Sexualnot." [51] Kein Wunder, dass die "Constanze"-Redaktion den Artikel mit der Bemerkung kommentierte, dass hier ein Mann schrieb und die Leserinnen nicht unbedingt seiner Meinung sein müssten.

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Nach Ansicht der österreichischen Gesetzgeber hatten Weltkrieg und Nachkriegszeit zu einer Erschütterung von Sitte und Moral geführt. Dies stelle eine große Gefahr für die heranwachsende Generation dar: "Das ungesunde Leben in der Etappe und Front, die Übersteigerung des Lebenswillens und des Lebensgefühls angesichts des stets drohenden Todes, die Entbehrung des Umgangs mit dem anderen Geschlecht (…) und die dadurch erzwungene Enthaltsamkeit bei der Befriedigung natürlicher Triebe, endlich aber das begreifliche Streben, nach Jahren des Leides und der Trauer endlich auch die Freuden des Lebens genießen zu können, haben eine förmliche Sucht nach dem Ausleben, nach schrankenlosem Genuss insbesondere auf dem Gebiete des Trieblebens geschaffen." Das Gesetz sollte deshalb verhindern, dass Werke veröffentlicht werden, "die keinem anderen Zwecke dienen, als erotische Empfindungen anzuregen, (…) psychologisch ähnlich [wirken] wie Rauschgift, in dem sie gesteigerte Lustempfindungen hervorrufen, die insbesondere deshalb gefährlich sind, weil sie die oft noch im Unterbewusstsein der Jugend vorhandenen Triebe wecken". [52]

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Das österreichische Pornographiegesetz – kurz "Schmutz- und Schundgesetz" genannt, mit der amtlichen Bezeichnung "Bundesgesetz vom 31. März 1950 über die Bekämpfung unzüchtiger Veröffentlichungen und den Schutz der Jugend gegen sittliche Gefährdung" – eröffnete diffizile Möglichkeiten, diese Ansprüche umzusetzen. Einerseits bestrafte es die gewinnsüchtige Absicht des Verkaufs und der Zurverfügungstellung unzüchtigen Materials. Andererseits sanktionierte es all jene, die "eine Schrift, Abbildung oder sonstige Darstellung, die geeignet ist, die sittliche und gesundheitliche Entwicklung jugendlicher Personen durch Reizung der Lüsternheit oder Irreleitung des Geschlechtstriebes zu gefährden, oder einen solchen Film oder Schallträger einer Peron unter 16 Jahren" [53] verkauften, anboten, überließen, ausstellten oder sonst verbreiteten und zugänglich machten. Damit erweiterte sich der Kreis der inkriminierten Werke auf alle jene, die "Anstößigkeit" erregen und durch die Art der Abbildung sowie den Kontext sexuell stimulieren oder “irreleiten“ konnten. Umgekehrt sollte jedoch gewährleistet werden, dass vornehmlich künstlerische, belehrende oder wissenschaftliche Werke nicht auf den Index kamen – dies insbesondere, wenn sie für Jugendliche schwer zugänglich blieben.

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In der Folge richteten nicht nur kirchliche Beobachter ihr Augenmerk auf die Kommerzialisierung von Erotik und Sex. Zu den verdächtigten Medien gehörten auch die Schriften zur Sexualaufklärung und die – angesichts der Ambivalenz der Geschlechterimages und der Sexualmoral – boomende Ratgeberliteratur. Ihre AutorInnen bewegten sich mit größter Sorgfalt auf dem Pfad der Wissenschaftlichkeit und seriösen Belehrung. Dass Sexualratgeber in den 1950er-Jahren verstärkt nachgefragt wurden, hing auch mit dem Medienecho auf die Kinsey-Reports zusammen. In "Das sexuelle Verhalten des Mannes" (dt. 1955, amerik. 1948) und "Das sexuelle Verhalten der Frau" (dt. 1954, amerik. 1953) fand man erstmals die große Bandbreite des tatsächlich praktizierten menschlichen Sexuallebens. Hier war zu erfahren, dass zahlreiche AmerikanerInnen masturbierten, rund ein Drittel Ehebruch beging, viele Menschen im Laufe ihres Lebens homosexuelle Erfahrungen machten – in Summe, dass moralische Ideale und sexuelle Praxis weit auseinander klafften. Dass diese Ergebnisse nur für amerikanische Männer und Frauen gelten sollten und sich ÖsterreicherInnen und Deutsche ganz anders verhielten, wurde zwar anfangs immer wieder postuliert, bald aber fallen gelassen.

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An der Popularisierung der Kinsey-Reporte beteiligten sich neben Zeitungen und Illustrierten auch die einschlägigen Lebens- und Sexualratgeber. [54] Hier stieß man dann auch auf die berühmte "Kinsey-Skala", die optisch die scheinbare Polarität von Hetero- und Homosexualität, von gesund und krank, von normal und abnormal relativierte.

Abb. 15

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Diagramme, Grafiken, Prozentwerte und Tabellen spielten nach Kinsey in der medialen Repräsentation des Sexuellen eine ganz herausragende Rolle. Zuerst dienten sie dazu, die österreichischen und deutschen Umfragedaten – soweit überhaupt vorhanden – mit den Kinsey-Ergebnissen zu vergleichen. Im Lebensratgeber "1x1 des glücklichen Lebens" (1956), hörte sich die entsprechende Differenzbildung dann folgendermaßen an: "Nur 22 Prozent der amerikanischen jungen Mädchen erreichen durch die vorehelichen Liebesspiele (petting) oder durch Onanie den Orgasmus, während diese Zahl nach verläßlichen Untersuchungen in der Steiermark und in Wien höher liegt (42 Prozent)." Nach einem Vergleich der Orgasmushäufigkeit in der Ehe – bei der die österreichischen Frauen schlechter abschnitten – kam der Autor Stefan Neiger zu dem Schluss: "Nach Kinsey sind aber die vorehelichen Orgasmuserfahrungen der Frau für die Orgasmusfähigkeit auch in der Ehe sehr wichtig! Das heißt, daß die österreichische Frau mit besseren Vorbedingungen in die Ehe kommt, aber dann vernachlässigt wird." [55]

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Ein anderes Beispiel für die Ausformung eines statistischen Dispositivs ist in nachfolgender Abbildung zu finden: Es handelt sich um ein Kurvendiagramm, das die Häufigkeit des ehelichen und außerehelichen Geschlechtsverkehrs in unterschiedlichen Altersgruppen in den USA und Österreich veranschaulichte. Die amerikanischen Daten dazu stammten von Kinsey, die österreichischen beruhten auf den "Beobachtungen des Verfassers in Österreich". [56]

Abb. 16

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Mit Kinsey und seinen Nachfolgern wurde die Einordnung des Sexuellen in die Normalverteilung und damit auch die Bestimmung möglicher Randlagen zu einer zentralen Bildtechnik. Ziel war es, den LeserInnen eine – auch räumliche – Verortung des eigenen Verhaltens und Empfindens zu ermöglichen. Hier konnte man nun mit einem Blick feststellen, ob die eigenen Gefühle und Verhaltensweisen noch innerhalb der tolerierbaren Abweichung lagen oder schon in jene Streuungsbereiche fielen, die womöglich behandelt, therapeutisiert oder sogar kriminalisiert wurden. Besonders Jugendliche – das zeigten auch die Beratungskolumnen in der Bravo – wurden geradezu süchtig nach Antworten auf Fragen nach dem "wann, wie oft und wie lange?". [57]

<41>

Das textuelle Repertoire, aus dem die AutorInnen schöpften, ging in seiner Vielfalt an Textsorten, Gattungen und Stilen deutlich über das bisher bekannte hinaus. Interaktive und indentifikatorische Formen waren besonders gefragt: In den Publikationen stieß man auf Anfragen und Korrespondenzen, psychologische Fallgeschichten, autobiographische Bekenntnisse, Anleitungen zur Selbsttherapie, Übungen zur Verbesserung des Körpereinsatzes etc. Im Gegensatz zu Pastoralschriften stellten dabei Verbot, Repression und moralischer Appell eher die Ausnahme dar. Wenn der Rahmen des Liebesparadigmas nicht überschritten wurde, stand die positive Sexualisierung in Form sexueller Erlebnisfähigkeit, Lustempfinden und Stimulierung auf der Tagesordnung. Vorspiel, klitorale Reizung, Stellungsvarianten beim Koitus – all das sollte praktiziert werden, um den Imperativ des gemeinsamen Orgasmus zu erreichen. [58] Auch die Ehebarriere wurde dabei überschritten, indem der voreheliche Geschlechtsverkehr sich liebender Paare zwar nicht goutiert, aber auch nicht mehr verteufelt wurde.

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Schlecht weg kamen hingegen alle Formen rein sexuellen Genusses bzw. sexuelles Erleben außerhalb von Liebesbeziehungen. Das ist auch der Grund, warum Ingmar Bergmans Film "Das Schweigen" (S 1963, Ingmar Bergman) so großes Aufsehen erregte. [59] Medien und Kirche mokierten sich zwar auch über die (eher angedeuteten) Sexszenen, eigentlich ging es ihnen aber um die scheiternden emotionalen Beziehungen, welche im Film durch pures sexuelles Erleben substituiert wurden. Der Vorwurf rein sexueller Genusssucht (von Frauen) tauchte auch in der Diskussion um die "Antibaby-Pille" auf. Das 1961 von der Schering AG eingeführte erste orale Verhütungsmittel "Anovlar" wurde bis Mitte der 1960er-Jahre durch Werbung und Medien soweit popularisiert, dass die "Pille" gerade bei jüngeren Frauen zu einem beliebten Verhütungsmittel wurde. [60]

<43>

In der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre brach der moralische Damm und die Sexwelle schwappte über den deutschsprachigen Raum hinweg. Als von großer Bedeutung erwies sich dabei das Unterlaufen der Pornographiegesetze durch die (weitgehende) Freigabe des Pornomarktes in Dänemark (1967 wurde dort die Zensur für Literatur, 1969 für bildliche Darstellungen abgeschafft). In den Produkten der Sexwelle wurden die hier aufgezeigten medialen und diskursiven Strategien und Techniken weiter entwickelt und ausgebaut. Auch die Softsex-Zeitschriften und "Schulmädchen-" sowie "Hausfrauen-Reports" beriefen sich gerne auf wissenschaftlichen Anspruch, verwiesen auf Umfragedaten und gaben vor, seriöse Lebens- und Sexualberatung zu betreiben. Was sich hier mit aufklärerischer Attitüde und als Akt des Widerstandes gegen die verzopfte Moral der Eltern und das durch sie repräsentierte bürgerliche Liebes- und Eheideal gerierte, wurde schon von Herbert Marcuse mit dem Begriff der "repressiven Entsublimierung" auf den Punkt gebracht: Die Kehrseite der angeblichen sexuellen Befreiung bzw. Liberalisierung erwies sich als "kontrollierte Erzeugung, Vermarktung und Befriedigung von Bedürfnissen im Rahmen von Warenproduktion und -tausch". [61]

Autor:

Ao. Univ. Prof. Dr. Franz X. Eder
Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Universität Wien
Dr. Karl Lueger-Ring 1
A-1010 Wien
franz.eder@univie.ac.at



[1] Dieser Beitrag ist eine überarbeitete und erweiterte Fassung von Franz X. Eder: The National Socialists’ Healthy Sensuality Succeeded by the American Influence. Sexuality and Media from National Socialism to the Sexual Revolution, in: Contemporary Austrian Studies 15 (2007), 102-130.

[2] Einen Literaturüberblick ermöglicht die vom Autor publizierte "Bibliography of the History of Western Sexuality" unter http://www.univie.ac.at/Wirtschaftsgeschichte/Sexbibl <31.3.2008>.

[3] Angela Delillie / Andrea Grohn: Blick zurück aufs Glück. Frauenleben und Familienpolitik in den 50er Jahren, Berlin 1985, 116ff.; Ursula Neumann: Ohne Jeans und Pille. Als "man" noch heiraten mußte, Stuttgart 1994; Franz X. Eder: Kultur der Begierde. Eine Geschichte der Sexualität, München 2002, 187ff.; ders.: Die "Sexuelle Revolution" – Befreiung und/oder Repression?, in: Karin Bauer / Gabriella Hauch / Christa Hämmerle (Hg.): Liebe und Widerstand. Ambivalenzen historischer Geschlechterbeziehungen, Wien / Köln / Weimar 2005, 397-416; Dagmar Herzog: Sex after Fascism: Memory and Morality in Twentieth-Century Germany; Princeton / Oxford 2005 (dt. Die Politisierung der Lust. Sexualität in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts, München 2005); Elizabeth Heineman: Sexuality and Nazism: The Doubly Unspeakable?, in: Journal of the History of Sexuality 11 (2002), 1/2 (Themenheft: Sexuality and Nazism), 22-66; Dagmar Herzog: Sexual Morality in 1960s West Germany, in: Edward R. Dickinson / Richard F. Wetzell (Hg.): Sexuality in Modern German History (= Themenheft von German History. The Journal of the German History Society 23 (2005), 3), 371-384.

[4] Vgl. die diesbezüglichen Ansätze in Historische Medienwissenschaft (= Themenheft der Österreichischen Zeitschrift für Geschichtswissenschaften 14 (2003)), H. 3.

[5] Christa Karpenstein-Eßbach: Einführung in die Kulturwissenschaft der Medien, Paderborn 2004, 10.

[6] Weitere Literatur zur sexualrepressiven Politik des NS-Regimes und die Revision dieser Sichtweise in Herzog: Sex after Fascism (wie Anm. 3), 15 ff.

[7] Gabriele Czarnowski: Das kontrollierte Paar. Ehe- und Sexualpolitik im Nationalsozialismus, Weinheim 1991; Christa Paul: Zwangsprostitution. Staatlich errichtete Bordelle im Nationalsozialismus, Berlin 1994; Julia Roos: Backlash against Prostitutes' Rights. Origins and Dynamics of Nazi Prostitution Policies, Journal of the History of Sexuality 11 (2002), H. 1/2: 67-94.

[8] Shelley Baranowski: Strength through Joy. Consumerism and Mass Tourism in the Third Reich, Cambridge / New York 2004, 5 ff.

[9] Eder: Kultur der Begierde (wie Anm. 3), 188 ff.

[10] Stefan Maiwald / Gerd Mischler: Sexualität unter dem Hakenkreuz. Manipulation und Vernichtung der Intimsphäre im NS-Staat, Hamburg / Wien 1999; Irmgard Weyrather: Muttertag und Mutterkreuz. Der Kult um die "deutsche Mutter" im Nationalsozialismus, Frankfurt a. M. 1993; Jürgen Simon: Kriminalbiologie und Zwangssterilisation. Eugenischer Rassismus 1920-1945, Münster u.a. 2001; Dorothee Schmitz-Köster, Deutsche Mutter, bist du bereit ... Alltag im Lebensborn, Berlin 2002; Helga Amesberger u.a. (Hg.): Sexualisierte Gewalt. Weibliche Erfahrungen in NS-Konzentrationslagern, Wien 2004; Birgit Beck: Wehrmacht und sexuelle Gewalt. Sexualverbrechen vor deutschen Militärgerichten 1939-1945, Paderborn 2004; Sexuality and Nazism (Themenheft des Journal of the History of Sexuality 11 (2002), 1/2); Burkhard Jellonnek / Rüdiger Lautmann: Nationalsozialistischer Terror gegen Homosexuelle: Verdrängt und ungesühnt, Paderborn et al. 2002; Denunziert, verfolgt, ermordet. Homosexuelle Männer und Frauen in der NS-Zeit, Berlin 2002 (Themenheft von Invertito. Jahrbuch für die Geschichte der Homosexualitäten 4 (2002)); Stefan Micheler: Selbstbilder und Fremdbilder der "Anderen": Männer begehrende Männer in der Weimarer Republik und der NS-Zeit, Konstanz 2005; Susanne zur Nieden (Hg.): Homosexualität und Staatsräson. Männlichkeit, Homophobie und Politik in Deutschland 1900-1945, Frankfurt a. M. / New York 2005.

[11] Gisela Bock: Zwangssterilisation im Nationalsozialismus. Studien zur Rassen- und Frauenpolitik, Opladen 1986, 490.

[12] Helke Sander / Barbara Johr: BeFreier und Befreite. Krieg, Vergewaltigungen, Kinder, Frankfurt a. M. 1995, 76.

[13] Hugo Hertwig: Das Liebesleben des Menschen, Berlin 1940, 352ff.

[14] Am populärsten war Theodor H. van de Velde: Die vollkommene Ehe. Eine Studie über ihre Physiologie und Technik, Leipzig / Stuttgart 1926; Max Hodann: Bub und Mädel: Gespräche unter Kameraden über die Geschlechterfrage, Leipzig 1924.

[15] Verein für erzählte Lebensgeschichte (Hg.): Ich weiss über die Liebe gar nicht viel. Waldviertler Frauen erzählen über Heirat, Liebe, Sexualität und Aufklärung, Vitis 1990, 8.

[16] Siehe Beispiele in Eder: Kultur der Begierde (wie Anm. 3). Eine Analyse solcher Strategien und ihrer Tradition in Franz X. Eder: Discourse and Sexual Desire. German-Language Discourse on Masturbation in the Late Eighteenth Century, in: Journal of the History of Sexuality 13 (2004), Nr. 4, 428-446.

[17] Wilm Burghardt: Sieg der Körperfreude, Dresden 1940, 7 u. 20.

[18] Hans Peter Bleuel: Das saubere Reich. Theorie und Praxis des sittlichen Lebens im Dritten Reich, Bern / München / Wien 1972; Klaus Theweleit: Männerphantasien. 2 Bde., Frankfurt a. M. 1977-1978; Udo Pini: Leibeskult und Liebeskitsch. Erotik im Dritten Reich, München 1992; Mel Gordon: German Life Reform and Weimar Vice, in: Dian Hanson (Hg.): The History of Men's Magazines. Bd. 1: From 1900 to Post-WW II, Köln u.a. 2004, 93-109; Arnd Krüger u.a.: Nudism in Nazi Germany. Indecent Behaviour or Physical Culture for the Well-Being of the Nation, in: The International Journal of the History of Sport 19 (2002), Nr. 4, 33-55.

[19] Erwin J. Haeberle: Der "verbotene" Akt. Unzüchtige Fotos von 1850 bis 1950, in: Michael Köhler / Gisela Barche Hg.): Das Aktfoto. Ansichten vom Körper im fotografischen Zeitalter. Ästhetik, Geschichte, Ideologie, München 1985, 240-252.

[20] Vgl. Hanson: History of Men's Magazines (wie Anm. 18).

[21] Herzog: Sex after Facism (wie Anm. 3), 64ff.

[22] Siehe zum Beispiel Delillie / Grohn: Blick zurück (wie Anm. 3); Gerhard Jagschitz / Klaus-Dieter Mulley (Hg.): Die "wilden" fünfziger Jahre. Gesellschaft, Formen und Gefühle eines Jahrzehnts in Österreich, St. Pöten / Wien 1985; Heide Fehrenbach: Of German Mothers and "Negermischlingskinder". Race, Sex and the Postwar Nation, in: Hanna Schissler (Hg.): The Miracle Years. A Cultural History of West Germany, 1949-1968, Princeton 2001, 164-186; Ingrid Bauer / Renate Huber: Sexual Encounters across (Former) Enemy Boderlines, in: Contemporary Austrian Studies 15 (2007), 65-101; Maria Höhn: GIs und Fräuleins. The German-American Encounter in 1950s West Germany, Chapel Hill 2002; Roman Horak u.a. (Hg.): Randzone. Zur Theorie und Archäologie von Massenkultur in Wien 1950-1970, Wien 2004; Silke Kral: Brennpunkt Familie. 1945 bis 1965. Sexualität, Abtreibungen und Vergewaltigungen zwischen Intimität und Öffentlichkeit, Marburg 2004.

[23] Zeitreihen zu Bevölkerung, Gesundheitswesen und Umwelt in Wien 1945-2001 (= Statistische Mitteilungen der Stadt Wien (2002), H. 2), 30.

[24] Andreas Weigl: Demographischer Wandel und Modernisierung in Wien, Wien 2000, 316; für Deutschland vgl. Sybille Buske: Fräulein Mutter und ihr Bastard. Eine Geschichte der Unehelichkeit in Deutschland 1900-1970, Göttingen 2004, 19ff.

[25] Franz Puntigam / Anna Hiermann: Die Einrichtungen Österreichs zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. Auf Grund amtlicher Unterlagen nach dem Stande vom 1. Juli 1948. Wien 1949, 5.

[26] Heinz Delsberg u.a.: Ärzte raten der Frau. Antworten auf Fragen des Geschlechtslebens, Wien 1949, 9f.

[27] Tristan Busch (= Arthur Schütz): Darüber spricht man nicht, Wien 1951, 50.

[28] Zu deren Interpretation siehe insbesondere Thomas W. Laqueur: Auf den Leib geschrieben. Die Inszenierung der Geschlechter von der Antike bis Freud, Frankfurt a. M. / New York 1992.

[29] Ludwig von Friedeburg: Die Umfrage in der Intimsphäre, Stuttgart 1953, 84ff.; meines Wissens liegen für Österreich keine vergleichbaren Umfragen für diesen Zeitraum vor.

[30] 19 Prozent der Befragten verwendeten (technische) "Präparate", 13 Prozent nannten "Vorsicht" und 60 Prozent beide dieser Methoden.

[31] Christian Michelides: Die Republik ist schuldig. Homosexualität und Strafrecht in Österreich, Teil 2. Die Verurteilungen seit 1950, in: Lambda Nachrichten. Zeitschrift der Homosexuellen Initiative Wien (1996), Nr. 1, 38ff.; Dieter Schiefelbein: Wiederbeginn der juristischen Verfolgung homosexueller Männer in der Bundesrepublik Deutschland. Die Homosexuellenprozesse in Frankfurt a. M. 1950/51, in: Zeitschrift für Sexualforschung 5 (1995), H. 1, 59-73; vgl. allgemein dazu: Homosexualitäten in der Bundesrepublik Deutschland 1949 bis 1972 (= Invertito. Jahrbuch für die Geschichte der Homosexualitäten 1 (1999)).

[32] Friedeburg: Umfrage (wie Anm. 29), 88.

[33] Delillie / Grohn: Blick zurück (wie Anm. 3), 126ff.

[34] Kirsten Burghardt: Werk, Skandal, Exempel. Tabubrechung durch fiktionale Modelle. Willi Forsts "Die Sünderin" (BRD, 1951), München 1951, 18ff.

[35] Vgl. Elizabeth D. Heineman: The Economic Miracle in the Bedroom. Big Business and Sexual Consumption in Reconstruction West Germany, in: Journal of Modern History 78 (December 2006), 846-877.

[36] Vgl. Werner Faulstich: Groschenromane, Heftchen, Comics und die Schmutz-und-Schund-Debatte, in: ders. (Hg.): Die Kultur der fünfziger Jahre, München 2002, 199-215; Stephanie Hoffmann: Darüber spricht man nicht? Die öffentliche Diskussion über die Sexualmoral in den 50er Jahren im Spiegel der Frauenzeitschrift "Constanze", in: Johanna Meyer-Lenz (Hg.): Die Ordnung des Paares ist unbehaglich. Irritationen am und im Geschlechterdiskurs nach 1945, Hamburg 2000, 57-83.

[37] Franz Xaver Arnold: Sexualität und Menschenwürde, Donauwörth 1959, 33.

[38] Franz X. Eder: Privater Konsum und Haushaltseinkommen im 20. Jahrhundert, in: ders. u.a.: Wien im 20. Jahrhundert. Wirtschaft, Bevölkerung, Konsum, Innsbruck / Wien / München 2003, 201-285, hier: 224ff.

[39] Günter Bischof u.a. (Hg.): The Marshall Plan in Austria, New Brunswick 2000.

[40] Vgl. Michael Wildt: Vom kleinen Wohlstand. Eine Konsumgeschichte der fünfziger Jahre, Frankfurt a. M. 1996.

[41] Reinhold Wagnleitner: Coca-Colonization and the Cold War. The Cultural Mission of the United States in Austria after the Second World War, Chapel Hill 1994.

[42] Günter Bischoff: Introduction, in: ders. / Anton Pelinka (Hg.): Austria in the Nineteen Fifties, New Brunswick / London 1995, 1-10, hier: 2.

[43] Vgl. Peter Kuhnert / Ute Ackermann: Jenseits von Lust und Liebe? Jugendsexualität in den 50er Jahren, in: Heinz-Hermann Krüger (Hg.): Die Elvis-Tolle, die hatte ich mir unauffällig wachsen lassen. Lebensgeschichte und jugendliche Alltagskultur in den fünfziger Jahren, Opladen 1985, 43-82; Thomas Großbölting: Kirchliche Sexualmoral und Jugendliche Sexualität von den 1950er bis 1970er Jahren, in: Deutschland Archiv 38 (2005), Nr. 1, 56-64.

[44] Albert Niedermeyer: Handbuch der speziellen Pastoralmedizin. Bd. 1: Das menschliche Sexualleben, Wien 1949, 118f.

[45] Alexandra Weiss: ...gilt es diesen alles beherrschenden Naturtrieb zu bändigen. Sexualität und Moral der 50er und 60er Jahre, in: Lisa Gensluckner u.a. (Hg.): Tirol: Gegen den Strom, Innsbruck / Wien / München 2001, 52-59, hier: 53ff.

[46] Anneliese Hitzenberger: Wie sag' ich's meinem Kinde?, Wien 1953, 56f.

[47] Peter Huemer: Angst vor der Freiheit, in: Gerhard Jagschitz / Klaus-Dieter Mulley (Hg.): Die "wilden" fünfziger Jahre. Gesellschaft, Formen und Gefühle eines Jahrzehnts in Österreich, Wien 1985, 208-220, hier: 214ff.

[48] Wolfgang Fichna: Rock 'n' Roll und Beat in Wien. Populäre Musikstile zwischen Untergrund und Oberfläche, in: Roman Horak u.a. (Hg.): Randzone. Zur Theorie und Archäologie von Massenkultur in Wien 1950-1970, Wien 2004, 163-180, hier: 169.

[49] Willi Wottle: Verbotene Bilder. Erotische Fotografie in den 50er Jahren, Wien 2001.

[50] Leopold Rosenmayr u.a.: Kulturelle Interessen von Jugendlichen. Eine soziologische Untersuchung an jungen Arbeitern und höheren Schülern, Wien / München 1966, 107; vgl. Kaspar Maase: BRAVO Amerika. Erkundigungen zur Jugendkultur der Bundesrepublik in den fünfziger Jahren, Hamburg 1992; Lutz Sauerteig: Die Herstellung des sexuellen und erotischen Körpers in der westdeutschen Jugendzeitschrift BRAVO in den 1960er und 1970er Jahren, erscheint in: Medizinhistorisches Journal 42 (2007). 142-179.

[51] Friedrich Sieburg: Vom Unfug der Entblößung, in: Constanze (1951), H. 10, 7.

[52] EBRV 105 BlgNR VI, GP, 15.3.1950; zitiert nach Helmut Graupner: Unzucht und Anstößigkeit. Rechtliche Rahmenbedingungen der Pornographie. Vortrag anlässlich der Fachtagung "Prostitution und Pornographie" des Österreichischen Institut für Familienforschung (ÖIF), Wien 2001 (= http://members.aon.at/graupner/documents/Vortrag-Porno-2001-1.pdf <31.3.2008>), 5.

[53] Franz Erhart: Das Schmutz- und Schundgesetz. Gesetz über die Bekämpfung unzüchtiger Veröffentlichungen und den Schutz der Jugend gegen sittliche Gefährdung vom 31. März 1950, Graz / Wien / Köln 1955, 37.

[54] Es gab auch Bücher, welche die Kinsey-Reports für eine breitere Leserschaft aufbereiteten, etwa Paul Hugo Biederich / Leo Dembicki: Die Sexualität des Mannes. Darstellung und Kritik des "Kinsey-Report", Regensburg / Wien 1951; Carl van Bolen: Kinsey und die Frau. Kinsey und seine Kritiker, St. Gallen 1954.

[55] Georg Fischhof / W. A. Oerley (Hg.): 1x1 des glücklichen Lebens. Ein praktischer Wegweiser zum Erfolg in Alltag, Liebe und Erziehung, Frankfurt a. M. 1956, 273.

[56] Fischhof / Oerley: 1x1 (wie Anm. 55), 280.

[57] Thommi Herrwerth: Partys, Pop und Petting. Die Sixties im Spiegel der BRAVO, Marburg 1997, 61ff.

[58] Robert Bergmann / Elisabeth Bergmann: Wie bist du Mensch. Ein Buch über normales und krankes Seelenleben, Sexualität, Liebe, Ehe und Menschenkenntnis, 11. Aufl., Salzburg 1958, 177ff.

[59] Philipp von Hugo: Eine zeitgemäße Erregung. Der Skandal um Ingmar Bergmans Film "Das Schweigen" (1963) und die Aktion "Saubere Leinwand", in: Zeithistorische Forschungen / Studies in Contemporary History. Online Ausgabe 3 (2006), 2 (= http://www.zeithistorische-forschungen.de/16126041-vHugo-2-2006 <31.3.2008>).

[60] Ralf Dose: Die Implantation der Antibabypille in den 60er und frühen 70er Jahren, in: Zeitschrift für Sexualforschung 3 (1990), Nr. 1, 25-39.

[61] Ulrike Körbitz: Zur Aktualität sexualpolitischer Aufklärung im post-sexuellen Zeitalter, in: Karl Fallend / Bernd Nitzschke (Hg.): Der "Fall" Wilhelm Reich. Beiträge zum Verhältnis von Psychoanalyse und Politik, Frankfurt a. M. 1997, 259; vgl. Herbert Marcuse: Triebstruktur und Gesellschaft. Ein philosophischer Beitrag zu Sigmund Freud, Frankfurt a. M. 1965; Reimut Reiche: Sexualität und Klassenkampf. Zur Abwehr repressiver Entsublimierung. Frankfurt a. M. 1968.

Empfohlene Zitierweise:

Franz X. Eder : "Auf die 'gesunde Sinnlichkeit' der Nationalsozialisten folgte der Einfluss der Amerikaner": Sexualität und Medien vom Nationalsozialismus bis zur Sexuellen Revolution , in: zeitenblicke 7, Nr. 3, [2008], URL: http://www.zeitenblicke.de/2008/3/eder/index_html, URN: urn:nbn:de:0009-9-16347

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