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Einleitung

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Der Physiologe Charles-Édouard Brown-Séquard hatte am 1. Juli 1889 auf einer Sitzung der Société de Biologie in Paris einen bemerkenswerten und wundersamen Bericht über erstaunliche Effekte nach der Selbstinjektion eines angereicherten Extrakts aus zerstampften tierischen Keimdrüsen erstattet, welche er auf das Wirken einer von den Keimdrüsen abgesonderten inneren Sekretion zurückführte. Brown-Séquard inaugurierte damit zugleich ein neues revolutionäres Körperkonzept und ein organotherapeutisches Wundermittel zur Verjüngung, Potenz- und Leistungssteigerung. [1] Diese hypothetischen Substanzen erhielten 1905 durch Ernest H. Starling ihren Aktionsnamen als anregende Stoffe, als ‚Hormone’. Die innere Sekretion, so Starling, wirke als eine leistungsfähige Verstärkung der körperlichen Kräfte. Hormone seien ‚chemische Botenstoffe’, die mithilfe des Blutstroms von dem Organ, in welchem sie produziert werden, zu dem Organ transportiert werden, welches sie beeinflussen. Die dauerhaft wiederkehrenden physiologischen Bedürfnisse des Organismus verursachten ihre wiederholte Produktion und Zirkulation im Körper. [2] Die Kompetenz der Wirkstoffe, ihre in so flüchtigen Mengen gegebene, für den Organismus notwendige spezifische Leistungsfähigkeit, das hatten Brown-Séquards Experimente gezeigt, war dem Körper extrahierbar, dann als Präparat distribuierbar und therapeutisch einsetzbar.

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Bereits in den 1910er Jahren gingen Ärzte allgemein von einem inneren Zusammenhang zwischen Physiologie und Therapie, zwischen Funktionen und Optionen aus und sprachen von einer Kompetenz der inneren Sekretion und der Hormone. Innerhalb kürzester Zeit waren Hormone somit zu einer bedeutsamen Institution geworden, welche experimentalbiologische Techniken, ein molekulares Körperkonzept, pharmakologische Produkte und politische Problematisierungen verband. [3] Als Wundermittel und Garanten von Jugendlichkeit, Vitalität, Leistungsstärke, Gesundheit und Fitness standen sie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts im öffentlichen Interesse und wurden als Triumph moderner Wissenschaften in den Tageszeitungen sowie Zeitschriften begrüßt. In populären Abhandlungen wurden unermüdlich ihre Geschichte erzählt und ihre utopischen Potentiale ausgemalt. Wissenschaftler waren zugleich damit befasst, das Wunderbare zu intensivieren und zu annullieren. Der Weg vom wirksamen ‚specifica’ zum omnipotenten ‚panacea’ war kurz. [4]

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Noch prägnanter als Brown-Séquard fokussierte der Wiener Physiologe Eugen Steinach in den 1910er Jahren Funktionalität und Potentialität der Sexualhormone als Agenten von Geschlechtlichkeit und Jugendlichkeit. Das Forschungsprogramm Steinachs zielte darauf ab, durch die Entnahme und willkürliche Einpflanzung von Hoden und Ovarien bei Nagetieren die Geschlechtsmerkmale zu beeinflussen und somit die Geschlechtsausbildung als einen von den Nerven unabhängigen innersekretorischen Vorgang zu bestimmen. Als Quelle der sexualhormonellen Produktivität bezeichnete Steinach die bis dahin als bloße Stützsubstanz angesehenen Zwischenzellen in den Keimdrüsen, die er mit dem schönen Namen ‚Pubertätsdrüse’ belegte. [5] Aber die Bedeutung dieser Pubertätsdrüse ging über den Bereich der Geschlechtsausbildung hinaus und bezog sich auf das Leben der Organismen und deren Lebenskurve selbst: Die Geschlechtsdifferenzierung, Gestaltung und Lebendigkeit des Körpers, dessen Entwicklung und Verfall materialisieren sich durch die Produktivität einer Sexualhormone absondernden Drüse. [6] In seiner weltweites Aufsehen erregenden Veröffentlichung zur “Verjüngung durch experimentelle Neubelebung der alternden Pubertätsdrüse“ schilderte Steinach 1920, wie er zunächst bei Ratten und Meerschweinchen im Labor und dann im klinischen Menschenversuch einen erstaunlichen Verjüngungseffekt durch die Überpflanzung junger Keimdrüsen, die Unterbindung des Samenleiters bei Männchen/Männern und eine Röntgenbestrahlung bei Weibchen/Frauen hervorgerufen habe. [7]

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Steinachs Mitteilungen über gelungene Experimente der Vermännlichung, Verweiblichung und Verjüngung waren zunächst an die biologische und medizinische Fachwelt gerichtete akademische Schriften. Zugleich waren sie aber angereichert mit höchst vielversprechenden Darstellungen und einer mit Begriffen wie ´Pubertätsdrüse’ oder ´Verjüngung’ großes Interesse weckenden Sprache. Seine Fachveröffentlichung zur Verjüngung vom Frühjahr 1920 zirkulierte daher schnell als Sensationsmeldung in der Öffentlichkeit. [8] Sensation gehört durchaus zum Repertoire wissenschaftlicher Produktivität, zumal zur langen Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, als neue Experimentaltechniken mit Verfahren der Verbesserung des Menschen interagierten. Solche Bemühungen, das öffentliche Interesse zu wecken, Schlagzeilen zu machen, großartige Potentiale zu akzentuieren gerieten jedoch in Konflikt mit jenem wissenschaftlichen Gebot, nach welchem die Aufgabe des Forschers allein darin bestehe, in der von ihm kreierten experimentellen Situation das autonome Agieren der Dinge zu ermöglichen und von weiteren manipulativen Tätigkeiten abzusehen. [9]

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Dennoch lässt sich für die Geschichte der Sexualhormone nicht zwischen wissenschaftlicher Forschung und populärwissenschaftlicher Erzählung differenzieren. Von Beginn an war die Wissensproduktion nicht auf das Labor beschränkt, sondern Produkt eines Ensembles politischer, ökonomischer und wissenschaftlicher Problematisierungen. Mit experimentellen Praktiken wurden stoffliche Kompetenz bewiesen und neue Materialitäten verwirklicht, die aber bereits im Herstellungszusammenhang mit den Erwartungen der Industrie und staatlichen Bedürfnissen konfrontiert waren. Damit stand die vergesellschaftete Wissensproduktion stets auch im öffentlichen Interesse. Höchste Erwartungen und schlimmste Befürchtungen begleiteten die Lebenswissenschaften seit Ende des 19. Jahrhunderts. [10]

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Die Geschichte der Sexualhormone wurde im deutschsprachigen Raum zwischen den 1920er und 1950er Jahren journalistisch mit verfasst. Ich werde im Folgenden zwei Hormongeschichten der Wissenschaftsjournalisten Walter Finkler und Gerhard Venzmer vorstellen, welche in unermüdlicher Redundanz das Wissen über Sexualhormone maßgeblich geprägt haben. Jedoch sind beide Erzählungen überaus unterschiedlich situiert und haben politisch höchst verschiedene Konsequenzen, die zwei Potentiale der Institution der Sexualhormone aufzeigen. Während in Finklers Erzählung um 1930 die hormonell bedingte Plastizität des Menschen auf einen utopistischen Hedonismus und egalitären Konsumismus verwies, fixierte Venzmer seit den 1930er Jahren eine selektive Hierarchie hormonell dispositionierter Typen.

Walter Finkler: Kopftransplantationen und Kopfgeburten

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1923 erschien im Archiv für mikroskopische Anatomie und Entwicklungsmechanik ein dreiteiliger Artikel über Kopftransplantationen an Insekten, der für einiges Aufsehen auch über die wissenschaftlichen Kreise hinaus sorgte. [11] Durchgeführt hatte diese Versuche ein gewisser Walter Finkler an der Zoologischen Abteilung der Biologischen Versuchsanstalt in Wien. Dieses unter dem Namen Vivarium bekannte und weltweit erste eigens für biologische Experimente eingerichtete Institut war in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts ein, wenn nicht das Zentrum experimentalbiologischer Forschung. [12] Berühmt und berüchtigt war das Vivarium für jene innovative Experimentalmethode der Zerlegung und Zusammensetzung der organischen Teile, der Entnahme und Wiedereinpflanzung von Körperorganen. Eduard Uhlenhut versuchte sich in den 1910er, Theodor Koppányi in den 1920er Jahren an Augenverpflanzungen bei Amphibien. Paul Alfred Weiss, der später in den USA wichtige Forschungen zum Nervenwachstum und zur Nervenregeneration unternehmen sollte, experimentierte zur Gliedmaßenübertragung an Amphibien. Paul Kammerer führte am Vivarium seine tragischen Versuche zum Nachweis der Vererbung erworbener Eigenschaften durch und schließlich fanden eben auch die Hormonexperimente Steinachs just an der von ihm geleiteten tierphysiologischen Abteilung der Biologischen Versuchsanstalt statt. [13]

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Solche Experimentalsysteme waren angeleitet durch eine seit den 1880er Jahren namentlich vom Hallenser Anatom Wilhelm Roux als Kausalität von Gestaltung und Wirkung ausformulierten ‚Entwicklungsmechanik der Organismen’. [14] Die Gesetze der Gestaltung wurden dabei durch die experimentelle Produktion der Missgestaltung, eine experimentelle Teratologie, herausgearbeitet. Es war der Mangel, der die Leistungen von Organen und Substanzen erst offenbarte. Defekt, Fehlbildung und Variation verwiesen zugleich immer auch auf die “normalen und regulatorischen gestaltenden Reaktionsweisen“ und deren Faktoren. Die experimentelle Praxis der Entwicklungsmechanik erschien, so Roux, als “Produzentin von Missbildungen“. [15] Bis weit in die 1920er Jahre hinein waren diese Experimentalsysteme der Produktion von Missbildungen zur Sichtbarmachung nicht sichtbarer Leistungen zentrale lebenswissenschaftliche Methoden. Das entwicklungsmechanische Programm wurde dabei in den 1910er Jahren merklich ausgeweitet. Es waren nunmehr vor allem innersekretorische Experimente, die eine Umformulierung der Problemstellung der kausalen Morphologie selbst erlaubten – eine neue Erklärung der Ausformung der Körper und eine Möglichkeit, diese Körperbildung aktiv durchzuführen. [16] Die Experimente waren dabei notwendigerweise – Steinach verwendete diesen Ausdruck – `willkürlich’, um die Autonomie der fiktiven Dinge, die spezifische Kompetenz der Substanzen, zu beweisen. Die Mehrdeutigkeit dieses Begriffs als `selbständig’, `unberechtigt’ und `beliebig’ machte im Zusammenhang mit der Produktion von Missbildungen die moderne Biologie höchst verdächtig. Die entwicklungsmechanischen Experimente fügten sich in jenen Diskurs, welcher die moderne experimentelle Biologie als dekadente Erscheinung einer irregegangenen modernen Wissenschaft mit Schauergeschichten supplementierte. [17] Der Utopismus der modernen Lebenswissenschaften, die Gestaltung des Menschen experimentell zu steuern, war mit dem Horror willkürlicher Experimente verbunden – das Vivarium war immer auch ein Ort des Schreckens.

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Finkler erschien 1923 exemplarisch als einer jener verrückten Wissenschaftler, deren Größenwahn ethisch verwerfliche Tier- und Menschenexperimente heraufbeschwor. Hans Blunck und Wilhelm Speyer hatten in der Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie direkt nach der ersten Veröffentlichung zu den Kopftransplantationen ihre Skepsis angemeldet. In Nature erschien im Anschluss ein äußerst kritischer Leserbrief des britischen Zoologen William T. Calman, der Finkler nicht nur vorwarf, Chimären zu produzieren, sondern dessen Ergebnisse grundsätzlich anzweifelte. Dies schien umso notwendiger, da Finklers Transplantationen sowohl von der Royal Society publiziert, als auch vom Satiremagazin Punch karikiert wurden. Besonders bedenklich war Finklers Umstimmung des Sexualverhaltens durch das Aufpfropfen eines männlichen Kopfes auf einen weiblichen Körper. Monströsität und Perversität, schimpfte Calman. [18] Hans Przibram, Leiter des Vivariums, setzte sich intensiv für Finkler ein, dieser hatte jedoch noch im selben Jahr bereits eigenmächtig eine 41seitige Schrift mit dem Titel “Vertauschte Köpfe. Aus der Werkstatt der modernen Lebensforschung“ in einem geradezu reißerischen Stil geschrieben. [19] Mehr noch als seine spektakulären, aber auch nicht mehr ganz ungewöhnlichen Transplantationsexperimente war es diese sich den wissenschaftlichen Gepflogenheiten widersetzende Art der Publikation, welche Finkler seine wissenschaftliche Laufbahn kostete, seine Entlassung aus dem Vivarium verursachte und ihn hauptberuflich zu einem Wissenschaftsjournalisten werden ließ.

Kulturbolschewismus: Die Nacktkulturzeitschrift Figaro

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Nach dem Ende seiner wissenschaftlichen Karriere schrieb Finkler Mitte der 1920er Jahre zunächst Beiträge in Wiener Zeitungen wie der bürgerlich-liberalen Neuen Freien Presse, wo er sich 1925 mit einem viel beachteten Artikel über den “amerikanischen Affenprozess” zur Verteidigung des Evolutionismus hervortat. [20] In der zweiten Hälfte der 1920er Jahre und bis 1933 renommierte Finkler jedoch als Experte für sensationelle biophysiologische Neuerungen. Schon sein Büchlein zu den Kopftransplantationen war im Wiener Anzengruber-Verlag erschienen, der in den 1920er Jahren für einen freigeistigen Monismus, Sozialismus und Pazifismus nebst einem gewissen Okkultismus einstand. Die Verlagsbuchhandlung und die meisten seiner Autoren, genannt seien nur Max Adler, Rudolf Goldscheid, August Forel und Rosa Mayreder, verfolgten ein Projekt, bei welchem die Reformen des Lebens und der Sexualität als Praktiken der Verbesserung des Menschen konzipiert wurden. Zu diesen Praktiken zählten neben den gesundheits- und bevölkerungspolitischen Dispositiven der Menschenökonomie, Sozialhygiene und Sozialreform auch die Körper- und Nacktkultur sowie die Sexualreform. Die dezidierte politische Ausrichtung zielte ebenso auf eine Entmilitarisierung und Demokratisierung der Gesellschaft wie auf die Experimentalisierung des Lebens selbst, die Optimierung und Verwirklichung körperlicher Potentiale. Dabei wurde ein keineswegs unumstrittenes Anrecht jedes Menschen auf optimale Lebensmöglichkeiten eingeklagt. Überall in Österreich und in der Weimarer Republik, die selbst, so Peter Fritzsche, ein “Laboratorium der Modernität“ war, entstanden Werkstätten der Menschwerdung: im Vivarium, in den Metropolen der Bohème und in den Geländen der Nacktkörperkulturbewegung. [21] Die neue Menschheit, deren aktuelle soziale und biologische Ungleichheit durch experimentelle Methoden aufgehoben werden sollte, wohnte nicht in einem fernen Utopia, sie war schon im Entstehen begriffen. Die Werkzeuge dazu waren Aufklärung, Vernunft, Wissenschaft und Technik, ihr Medium aber der Körper selbst. In diesem Ensemble machte Finkler eine Karriere als Wissenschaftsjournalist.

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Hauptsächlich sollte er für die in hoher Auflage verbreiteten Zeitschriften der Nackt- und Körperkulturbewegung arbeiten, die neben den wohl hauptsächlich das männliche Publikum interessierenden Bildstrecken nackter junger Frauen immer auch politische, literarische und wissenschaftliche Artikel publizierten. Seit 1930 unterrichtete Finkler vornehmlich in der Nacktkulturzeitschrift Figaro des Auffenberg-Verlags über die neuesten biomedizinischen Sensationen. Seine als authentische Berichte aus den experimentalbiologischen Werkstätten ausgegebenen Beiträge fügten sich zwanglos zu Leitartikeln über neue Repressionen der zunehmend reaktionären Weimarer Republik und den das neue Utopia verheißenden Fotografien nackt und lebenslustig am Strand herumtollender Teenager von Gerhard Riebicke. In dem erstaunlich umfangreichen Markt an Nacktkulturpublikationen befand sich der aus einer der vielen Nacktkörperkultursekten, dem Pelagianer-Bund, hervorgegangene Figaro am unorthodoxen Flügel und vertrat eine Art antinazistischen und egalitären Hedonismus. Der Figaro erschien seit 1923 als Halbmonatsschrift unter verschiedenen Untertiteln, mit diversen Verantwortlichen und zunächst in wechselnden Verlagen. Nach Angaben der Redaktion des Figaro hatte dieser 1929 mit 40.000 verkauften Exemplaren eine höhere Auflage als alle anderen Freikörperkulturzeitschriften zusammengenommen. [22] Der angeblich 3000 Mitglieder zählende Pelagianer-Bund war eine jener anti-klerikalen, freiheitlichen Gruppierungen, wie sie in den 1920er Jahren so zahlreich zu finden waren. Gegenüber den strengen Programmatiken anderer körperkultureller Organisationen trat er jedoch deutlich gemäßigt auf und verzichtete auf strenge vegetarische und abstinente Vorschriften. [23] Der Figaro propagierte ein konsumistisch-hedonistisches Credo: Die Revolution der jungen Generation bestehe vor allem darin, den Menschen zur höchsten Fähigkeit im Lebensgenuss zu formen. Die Nietzscheanische “Bejahung des Lebens” war in dieser Version der “Siegeszug der Jugend des Leibes, des Verlangens nach Klarheit und Wahrheit, nach Luft, Licht und Sonne und was sonst noch die Haut streichelt”. Das sexualreformerische Ziel war “Liebesfreiheit” und “eine große erotische Umwälzung”. [24] Der Optimismus eines ungehinderten Aufbruchs, der Traum von der ungehemmten sexuellen Befreiung, der freien Liebe und der ewigen Jugend, war in den lachenden Wunschobjekten der nackten Mädchen und Frauen fixiert. Dass es sich dabei auch um ein kommerzielles Projekt handelte, versuchte der Herausgeber Bernhard Gröttrup gar nicht erst zu verschleiern. [25]

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Nach der Lösung vom Pelagianer-Bund wandelte sich der Figaro Ende der 1920er Jahre zu einem modernistisch aufgemachten, jugendlich orientierten kulturpolitischen Magazin mit Nacktfotos sowie politischen und eben auch wissenschaftlichen Beiträgen. Seit 1931 polemisierte der Figaro gegen die rassenhygienische Propaganda der Nationalsozialisten ebenso wie gegen den neuen Puritanismus und das Erstarken der Reaktion unter der Brüning-Regierung. [26] Unter der Leitung von Bernhard Hagedorn erhielt das Blatt eine offensiv mit dem verfemten Namen “Kulturbolschewismus” belegte Ausrichtung, die gleichwohl vollständig auf linksradikales Vokabular verzichtete. Zwischen der “feudalkapitalistischen Diktatur” der Nazis und der “proletarisch-kollektivistischen Diktatur” der Kommunisten sah Hagedorn kaum noch Platz für jene hedonistisch-egalitären Positionen, die der Figaro vertreten sollte. [27] Stattdessen spielten wissenschaftliche Erkenntnisse eine entscheidende Rolle, um diese neue und ausdrücklich moderne Position vom Obskurantismus der nacktkulturellen Konkurrenz und der zu bekämpfenden Nazis zu unterscheiden. [28] Die sich überstürzenden Meldungen über die biologische und chemische Konstitution des Menschen versprachen zugleich ungeheure Möglichkeiten, seine psychophysiologische Gestaltung zu steuern. Steinachs Geschlechtsumwandlungs- und Verjüngungsexperimente nahmen dabei eine hervorgehobene Stellung ein, weil mit der gestaltenden Funktion der Pubertätsdrüse Sexualität vom Reproduktionsgebot emanzipiert wurde und zudem Jugendlichkeit, eher eine hormonelle Leistung als biologisches Schicksal, zur wesentlichen Eigenschaft des neuen Menschen erklärt wurde. Was Steinachs Experimente versprachen und der Figaro als revolutionäres Ziel verkündete war ein allgemeines und nicht elitäres Anrecht auf jugendliche Eigenschaften.

Sexueller Chemismus: Reportagen aus der Werkstatt der Lebensforschung

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Finkler offenbarte in seinen Beiträgen für den Figaro ein erstaunliches Talent, bilderreiche, spannungsgeladene, wortwitzige Artikel zu verfassen. Er informierte durchaus qualifiziert über die neuesten endokrinologischen Arbeiten, betonte aber den sensationellen und revolutionären Charakter dieser Forschungen, das vollkommen neue Wissen über den menschlichen Körper und die unerhörten Potentiale der experimentellen Methode. Mit stets optimistischer, euphorisch gehetzter Sprache führte er die Lesenden im Präsens in die Laboratorien der Menschenverbesserung. Dazu gehörte zuallererst eine Entromantisierung der Sexualität, eine Aufklärung der prosaischen Ursachen der Geschlechtlichkeit. Finklers bevorzugtes Stilmittel war die Kontrastierung wissenschaftlicher Sachlichkeit, der chemischen Erklärung geschlechtlicher Vorgänge, mit dem Mystizismus und Romantizismus der Liebe: “Ein winziger Kristallsplitter. Wiegt einige Tausendstel eines Gramms. Und doch liegt darin das letzte Geheimnis des größten Lebensmysteriums, das Rätsel der Geschlechter, die Quintessenz der Liebe.“ Mit freundlichem Spott verwandelte er den bürgerlichen Idealismus in Effekte biologischer Vorgänge. Selbst “das erste ideale Sehnen des Jünglings, seine Traumbilder, seine Krisen der Pubertät, die Romantik der aufkeimenden Liebe zu Nachbars Gretchen” führte Finkler so auf die wenig romantische “Erotisierung des Zentralnervensystems” zurück. All die Gefühle, all der bürgerliche Überschwang, Pathos und Kitsch erwiesen sich als nichts anderes als die Wirkung chemischer Formeln. Steinachs paradigmatische Lehre, dass alles Geschlechtliche chemisch bedingt sei, leitete im Namen der wissenschaftlichen Vernunft eine Reform der sexuellen Verhältnisse an, welche Liebe, Sexualität und die Geschlechtsunterschiede zu pragmatischen Grundbedingungen des menschlichen Lebens normalisierte. Der jahrtausendealte Lärm um die Liebe und die Geschlechter beruhe danach nur auf dem minimalen Unterschied von wenigen Atomen im Molekül: “Männlicher Tatendrang, Leidenschaft, Welteroberer, weibliches Gemüt, Mutterliebe, Frauennatur – ein Spiel der Atome C16H26O2 und C18H22O2. Konnte es eine romantischere, eine erhebendere Lösung des uralten Rätsels der Geschlechter geben als diese nüchterne chemische Formel…?”. [29] Finkler taufte dabei das Hypophysenvorderlappenhormon zum “Motor der Liebe” um und behauptete, dass ein von der Zirbeldrüse abgesondertes “Keuschheitshormon“ für die Geschlechtslosigkeit der Kindheit sorge. [30]

Abb. 1

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Der hedonistische Konsumismus korrespondierte mit einem fröhlichen Biologismus. Was Finklers Artikel kennzeichnete, war der unbeirrbare Glaube an die biochemische Prägung aller menschlichen Äußerungen, Eigenschaften und Taten. Das Recht auf ein gutes Leben war als ein Naturrecht verfasst, fundamentiert in den ebenso unumstößlichen wie amüsanten Geschlechtsunterschieden, wie sie Finkler in seinem “Idyll aus der Werkstatt der Biologie“, einer schillernden Darstellung von Steinachs Vermännlichungs- und Verweiblichungsexperimenten, fabulierte: “In seinem Käfig sitzt ein Meerschweinchen, betreut behutsam die Jungen, läßt sie an seinen vollen Milchdrüsen saugen, geht auf in mütterlicher Fürsorge und .... Und dieses Meerschweinchen, das mütterlich die Jungen säugt, war einmal ein Männchen! Ein Männchen, dem in früher Jugend die männlichen Drüsen entfernt und dann weibliche Drüsen eingesetzt wurden. Die weibliche Drüse verwandelte das Männchen in ein Weibchen, es wird von den Männchen ganz als Weibchen behandelt und es reagiert auch darauf ganz nach spröde-lockender Weibchenart. Im Käfig nebenan, da treibt ein vierbeiniger Casanova sein Unwesen, kein Weibchen ist vor seinen stürmischen Bewerbungen sicher, und dieser Schwerenöter ist, will heißen: war, ein Weibchen, dem Mannesdrüsen eingesetzt wurden. Worauf es sich übrigens auch leiblich weitgehend zum Männchen verwandelte.“ [31] Die hormonelle Ordnung der Geschlechtscharaktere und –unterschiede, die überzeichneten Charaktere der Mutter und des Casanova, waren nichts anderes als eine biochemische Komödie.

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Auch Finkler erzählte die Errungenschaften der Hormonforschung als Fundamentierung der Geschlechterordnung, aber er tat dies augenzwinkernd. Das Potential der Vermännlichung und Verweiblichung, eine normalisierende Option, die Steinach in Kooperation mit Magnus Hirschfeld 1916 durch den Urologen Robert Lichtenstern für kurze Zeit auch zur operativen Renormalisierung Homosexueller durch Kastration und Einpflanzung als heterosexuell bezeichneter Hoden verwendet hatte, war bei Finkler vor allem ein Einsatz zur Verschönerung des Körpers, als “Rückverweiblichung der vermännlichten Frau“ eine Enthaarungsmethode. [32]
Der von Steinach Ende der 1910er Jahre kanonisierte Antagonismus männlicher und weiblicher Sexualhormone fixierte die Geschlechterordnung, wie sie im 19. Jahrhundert als absolute Alterität männlicher und weiblicher Eigenschaften ausgeschrieben worden war: “Das männliche Hormon weckt die Liebe zum Weib, das weibliche dämpft sie; das männliche fördert alle männlichen Sexualcharaktere und hemmt die weiblichen, es fördert zum Beispiel den Bartwuchs und hemmt die Entwicklung der Milchdrüsen. Gerade antagonistisch wirkt das weibliche Hormon: es fördert die weiblichen Geschlechtsmerkmale und unterdrückt die männlichen, verhindert also den Bartwuchs etwas und lässt die Milchdrüsen wachsen.“ Das Konzept eines Antagonismus männlicher und weiblicher Sexualhormone stützte eine differentielle Geschlechterordnung, aber erlaubte zugleich im Unterschied zu einer Verfallsgeschichte der Vermännlichung und Verweiblichung, wie Otto Weininger sie so einflussreich proklamiert hatte, eine Epistemologie der Vermischung, eine Dynamik der geschlechtlichen Veränderung. Als zu Beginn der 1930er Jahre die Steinachsche Antagonismusthese unter anderem durch die Identifizierung von weiblichen Sexualhormonen im männlichen Körper in Frage gestellt wurde, war auch dies für Finkler eine freudige Botschaft, welche neue Therapiemöglichkeiten ermöglichte. [33]

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Es war in Finklers Geschichte der Sexualhormone namentlich Steinach, welcher das “Mysterium der Liebe“ der “analytischen Sonde des Laboratoriums-Experimentes“ zugänglich machte und bewies, dass alle Geschlechtlichkeit chemisch bedingt sei, dass die Entwicklung der seelischen und körperlichen Geschlechtsmerkmale von dem “Blutsaft der Keimdrüsen“ beherrscht werde. [34] Steinachs Laboratorium, welches Finkler signifikant als “Werkstatt“ bezeichnete, erschien als das Zentrum nicht nur der Forschung, sondern auch der utopischen und wahrlich humanen Zukunft der Menschheit. Allerdings zog Finkler auch den Zorn Steinachs auf sich, weil er es war, der 1924, zu einem Zeitpunkt als Steinach dieses Verfahren noch geheim halten wollte, einen Artikel über die ´Diathermie’, die verjüngende Wärmebehandlung, veröffentlicht hatte. Steinach konnte dabei mit dem Namen seines ehemaligen Kollegen und großen Bewunderers noch kaum etwas anfangen. Drei Jahre später beschwerte sich Steinach bei dem New Yorker Arzt Harry Benjamin über einen Sensationsbericht Finklers, der, so Steinach, wieder für allerlei Witze gesorgt habe. Erst zu diesem Zeitpunkt hatte Finkler auch als Wissenschaftsjournalist eine gewisse Notorität erlangt. Jedenfalls war die Bekanntschaft zwischen Finkler und Steinach recht einseitig, Finklers Livereportagen aus der “Werkstatt der Lebensforschung“ waren gut fabulierte Erzählungen. [35] Steinachs Verjüngungsversuche wurden bis zum Ende des Figaro durch das Verbot der Nazis von Finkler anhaltend und unbeirrt gefeiert. Als schließlich Butenandt mit der Isolierung des weiblichen Sexualhormons renommierte und dem von Steinach erarbeiteten Schering-Produkt Progynon stabile Wirksamkeit gab, schien auch für Finkler das Wundermittel der Verjüngung gefunden zu sein. Eine der wenigen Wissenschaftsjournalistinnen, die Figaro-Autorin Anna Lichtenstern, vermutete ähnliches, wenn sie davon sprach, dass es dank Steinachs Forschungen nunmehr möglich sei, “Frauenjugend in Tabletten” zu verabreichen. [36]

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Die innere Sekretion der Sexualhormone war zu Beginn der 1930er Jahre eine immer wieder neu erzählte, aber bereits allgemein verständliche und evidente Erzählung, eine unumstößliche wissenschaftliche Tatsache. Finkler schrieb an einer populären Version der endokrinen Ordnung, die eine neue ethische Verfassung rechtfertigte und als ein Glücksversprechen für jeden galt. [37] Was von dieser konsumistischen Utopie einzig ausgeschlossen war, war die Einengung der Bedürfnisbefriedigung, die Verminderung der vitalen und sexuellen Potenziale. Jeder Mensch hat seine Chance, für jeden Menschen müssen Mittel bereitgestellt werden, sich zu optimieren, seine Leistung zu verbessern, sich zu verschönern, jugendlich auszusehen und fit und gesund zu bleiben. Die wissenschaftliche Verkündigung eines nicht festgelegten, sondern veränderbaren Menschen proklamierte das Recht des Individuums auf “optimale physiologische Lebensmöglichkeiten“. [38] Wer schwach ist, darf stark werden; wer alt ist, darf jung sein; wer hässlich ist, sollte schön werden: Im Labor wurde eine bessere Welt mit besseren Menschen erschaffen. Erst die Hormonforschung schaffte in dieser Erzählung Leistungs- und Wirkungsfähigkeiten für den Menschen, das Leben in die eigenen Hände zu nehmen, es nach den eigenen Bedürfnissen zu gestalten. [39] In diesem Sinne, als Potentiale einer konsumistischen Selbstverwirklichung des Menschen, freute sich Finkler über Verjüngungsoperationen, Forschungen zur hormonalen temporären Sterilisierung (“Kinderlosigkeit durch Einspritzungen“) und die Kristallisierung des weiblichen Geschlechtshormons. Aber letztlich war jeder neue endokrinologische Fachartikel einen launigen und optimistischen Artikel wert: Finkler wunderte sich über das medizinische Kuriosum eines Babys mit Männerstimme und einen sensationellen Fall von Geschlechtswechsel. Er verkündete eine Rosskur gegen Liebestollheit als ein neues Feld der Drüsenüberpflanzung und freute sich über ein Elixier der schlanken Linie, das Ende der Glatzen durch die Behandlung mit männlichen Sexualhormonen, die neuesten Experimente Professor Pawlows zur Schaffung künstlicher Geisteskrankheiten, ein Anti-Liebesmittel als neueste Errungenschaft der Hormonforschung wie generell über die neuesten Wunder aus der Werkstatt der Lebensforscher. [40]

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Im Februar 1933 in Deutschland und im März 1938 in Österreich wurden diese Werkstätten der Menschenverbesserung geschlossen, ihre Protagonisten verfolgt und in die Lager der Menschenvernichtung gesperrt. Manchen, wie Finkler, der 1938 nach England entkam, gelang die Emigration. Für lange Zeit, bis in die 1950er Jahre hinein, dominierte eine andere Erzählung – eine endokrine Erklärung und Bestimmung der menschlichen Verschiedenheit, eine hierarchische und selektive Typologisierung, eine Eindämmung der gestalterischen Potenziale der Sexualhormone – das Bild und die Verwendung der Sexualhormone.

Gerhard Venzmer: Dispositionen und Konstitutionen

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Konturen erhält das biologistisch-hedonistische Projekt, welches Finkler im Figaro mit seinen Berichten aus der Werkstatt der Lebensforschung unterstützte, wenn es mit den Schlussfolgerungen kontrastiert wird, welche Gerhard Venzmer aus der Hormonforschung zog. Naturwissenschaft war für den biologisch geschulten Journalisten Finkler die Überbringerin froher Botschaften, keine gnadenlose Herrscherin. Die naturwissenschaftliche Produktivität kritiklos affirmierend stellte Finkler auch die Existenz von Rassen und eine Notwendigkeit der eugenischen Rassenverbesserung nicht in Frage, war aber doch ein Gegner des “Rassenwahns” und der Rassenhygiene. Mit Freude berichtete Finkler davon, dass Hermann Swoboda anhand von Ahnenforschung das genaue Gegenteil der rassenhygienischen Verfallsgeschichten herausgefunden hatte: Die meisten begabten Menschen entstammten Rassenmischungen! Das erfreuliche Fazit lautete, dass Rassenzucht unnötig sei, da die Natur ohnehin für die Züchtung von Genies durch Vermischung sorge. Es sei gerade die Hybridisierung, welche erst die Grundlage der Menschenverbesserung darstelle; das Genie sei das Produkt der Vielfalt vererbbarer Eigenschaften! [41] Sieben bedeutsame Jahre später, im Jahr 1938, formulierte Venzmer eine ganz andere, sehr viel negativere Definition der Mischung. In seinem umfangreichen ‚Volksbuch’ “Der Mensch und sein Leben“ erklärte er zunächst, dass jedes Volk aus verschiedenen Rassen bestehe. Für das “deutsche Volk“ differenzierte er dabei entscheidend und instruktiv zwischen den “im deutschen Blut vertretenen Rassen“ und den “bei uns lebenden Fremdvölkern“. Letztere waren demnach natürlich die Juden und die “Zigeuner“, denen Venzmer ausschließlich negative Eigenschaften zuwies: ausbeutend, starr, verstädtert, zergliedernd, spitzfindig-zersetzend sowie unstetig, gleichgültig, ungesetzlich. Wenn Venzmer im nächsten Absatz schrieb, dass es “Leistung und Gesinnung“ seien, welche über Wert und Unwert eines Mitglieds der Volksgemeinschaft entschieden, dann war die “Entmischung“ der, so Venzmer, in hohem Grade bedenklichen “Vermischung artfremder Rassen“ politisches Programm. [42] Venzmers rassenhygienisches Diktum korrespondierte mit der von ihm in zahllosen Beiträgen ausformulierten, an Physiognomik und Konstitutionsforschung angelehnten Hormonlehre strikt zu unterscheidender psychophysischer Einheiten. Seine Geschichte der hormonellen Determiniertheit von Konstitutionstypen, die zugleich eine Praxis des klassifizierenden Blicks und der schnell urteilenden Identifizierung darstellte, versprach im Gegensatz zu Finklers Erzählung keine Verbesserung des individuellen Lebens, forderte aber eine Anpassung an das physiologische Schicksal. [43]

Dr. Venzmer-Bücher: Wissenswertes über den hormonellen Regulierungsapparat

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Der 1893 geborene Arzt Gerhard Venzmer beherrschte seit Ende der 1920er Jahre und bis weit in die 1950er Jahre hinein mit seinen zahllosen Schriften den Markt der Wissenspopularisierung. Als Schriftleiter der seit 1903 von der Gesellschaft für Naturfreunde herausgegebenen, monatlich in der Franckh’schen Verlagsbuchhandlung erscheinenden Kosmos-Bände nahm er eine privilegierte Position ein, um neben seinen Reisereportagen zahllose Hefte über die “Triebstoffe des Lebens“, die “Regler des Stoffwechsels“ oder mit dem Titel “Deine Hormone – dein Schicksal!“ zu verfassen. Angepriesen wurden seine Schriften als “Lebens- und Gesundheitsbücher für Jedermann“. Als, so hieß es weiter, fesselnde, anschauliche und mit wissenschaftlicher Zuverlässigkeit verfasste “Dr. Venzmer-Bücher“ waren sie in den 1930er Jahren ein Markenprodukt. [44] Ein Kennzeichen dieser Hefte war ihre eindrucksvolle Bebilderung. Die innersekretorischen Funktionen des Organismus stellte Venzmer mit Grafiken des Regelwerks und der Mechanik als minutiös ablaufende Produktionsprozesse dar. Mit der Darstellung körperlicher Vorgänge als fordistische Arbeitsprozesse stand Venzmer nicht alleine. Dies fand sich beispielsweise auch in den zeitgenössischen Präsentationen des Deutschen Hygiene-Museums und blieb stilbildend bis weit in die 1970er Jahre hinein. [45] In Venzmers Worten war die Schilddrüse eine “Präzisionsfabrik“, der Organismus selbst wurde durch “(u)nfassbare chemische Energien“ regiert und war durch die Funktion der Wirkstoffe ein “Regulierungsapparat“, ein “Mechanismus, feiner als das Kniffeligste und Verwickeltste was Menschensinn je erdachte“. Die enorme Leistungsfähigkeit der Hormone im Getriebe des Körpers war nur mit Hilfe von Ausrufezeichen darstellbar. [46]

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Venzmer pflegte einen mit anonymen Fallgeschichten, Naturdarstellungen, welthistorischen und literarischen Beispielen, aber auch wissenschaftlichen Ausführungen gespickten Stil, wie er im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts in psychiatrischen und sexualwissenschaftlichen Lehrbüchern gängig war. Wissenschaft, Literatur und Geschichte erläuterten im zirkulären Austausch die Evidenz der bilderreichen Erklärungen. Viel Raum gab Venzmer dabei jenen monströsen Mangelerscheinungen wie dem ‚Kretinismus’ hervorgerufen durch Schilddrüsenhormonmangel. Erst die Hormone gestalteten das Wesen des Menschen, dessen Geschlechtlichkeit, Produktivität und Schöpfungskraft, sie korrespondierten mit Rassemerkmalen und sozialer Stellung. Ihr Mangel oder ihr Übermaß aber erschafften ein wahres Schreckenskabinett unerwünschter Geschöpfe: zwergwüchsige Kretins, die “feucht-glänzenden Glotzaugen“ der Basedow-Kranken, die “unerfreuliche(n) Erscheinungen des ‚Mannweibs’“. [47]

Eigenes und Fremdes: Der Kampf der Gonaden

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Biologisches Geschehen war eine Kette aus unendlich vielen Einzelgliedern, aus mannigfaltigen Bausteinen, Bindungen, Kräften und Wechselwirkungen, welche die Einheit von Leib und Seele konstituierten. Das Hormonsystem, so Venzmer, habe dabei großen Einfluss auf den Nervenapparat, ein Unterschied zwischen Nerven erregenden und seelischen Vorgängen sei wiederum kaum auszumachen. Störungen des Hormonhaushaltes seien deshalb mit gewissen psychischen Vorgängen vergesellschaftet. Vor allem das Geschlechtshormon, prononcierte Venzmer, tyrannisiere das gesamte Seelenleben des Menschen. [48] Für Venzmer war die Fixierung der Geschlechtscharaktere das anschaulichste und vordringlichste Beispiel für die Herrschaft der Hormone. Nicht anders als bei Finkler stand für ihn eine Chemisierung des Geschlechtlichen und der Liebe im Mittelpunkt seiner Schriften, gleichwohl zog Venzmer daraus andere Schlüsse. Der augenzwinkernd-ironische Unterton, der Finklers Schriften noch auszeichnete, fehlte bei Venzmer, wenn er 1933 Steinachs von der Forschung eigentlich bereits wieder ad acta gelegten “Kampf der Gonaden“, wonach “die Sekrete der männlichen und weiblichen Pubertätsdrüse sich nicht allein in ihren Quellgebieten bekämpfen, sondern noch viel schärfer sich in ihren Wirkungen gegenübertreten“, aufwärmte und als “leise Abneigung gegen das andere Geschlecht“, als “etwas Rätselhaftes, Widerstrebendes, Unüberbrückbares“ biologisierte: “Weil jeder von uns in seinen Adern eine winzige Spur des ‚feindlichen’ fremdgeschlechtlichen Hormons kreisen hat; und wie sich im Suchen und Finden von Samenzelle und Ei die Liebe der Geschlechter im Mikrokosmos spiegelt, so ihr Kampf im immerwährenden Kräftemessen zwischen eigengeschlechtlichem und fremdgeschlechtlichem Wirkstoff!“ Entscheidend war für Venzmer der geradezu kriegerische Gegensatz von Eigenem und Fremdem als ein ursprünglicher chemisch-molekularer Prozess. Der Mann verdanke seine männliche Wesensart dem männlichen, die Frau ihre weibliche Wesensart dem weiblichen Geschlechtshormon. Dies umfasse auch die psychischen Einflüsse: Schöpferisches Schaffen, Produktivität, Organisationsgabe seien demnach durch das Vorhandensein männlicher Geschlechtshormone bedingt. Frauen, welche diese Eigenschaften zeigten, müssten folglich auch größere Mengen an männlichen Geschlechtshormonen aufweisen. Venzmer sprach die politischen Schlussfolgerungen deutlich aus, wenn er der Frauenbewegung nur zur Aufgabe ihrer Forderungen raten konnte: dass Frauen keine Ewigkeitswerte der Geisteskultur vollbracht hätten, läge nicht an der Unterdrückung der Frauen, sondern an den Hormonen: “Zum Schöpferischen gehört eben das männliche Geschlechtshormon.“ Die Frauenbewegung, so Venzmer, habe in ihrem tiefsten Grunde hormonale Ursachen. [49]

Abb. 2

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Das Drama der ‚Vermännlichung der Frau’, eine als Notstand ausformulierte Problematisierung schon der 1910er Jahre, dem die ebenso gefürchtete ‚Verweiblichung des Mannes’ korrespondierte, war nach Steinach ein hormonell erklärbarer Vorgang. Venzmer installierte einen einfachen Umkehrschluss, der die Verantwortung für ihre biologische Konstitution wieder an die Frauen zurückgab. Wie auch die meisten Physiologen, Gynäkologen und Sexualwissenschaftler garnierte er seine Ausführungen mit anonymen und anekdotischen Fallgeschichten. Jener niemals menstruierenden Dame, die “mit männlicher Tatkraft einen Geschäftsbetrieb leitete und nicht das geringste Interesse für das ‚stärkere’ Geschlecht bekundete“, riet ihr Arzt in einer dieser Geschichten gegen das “gewaltsame Mannweibtum“ einfach anzukämpfen. In der Folge verlobte sie sich, der Mann übernahm das Geschäft, persönliche Neigung kam hinzu und so stellten sich auch die Monatsblutungen wieder ein: “Hormonankurbelung durch Gemütsbewegung!“, jubelte Venzmer; das richtige Geschlecht, wenn es auch der Willkür der Hormone unterworfen war, blieb doch ein Akt des Willens und der Tat. [50]

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Venzmer blieb dieser hormonellen Geschlechterordnung auch in den 1950er Jahren treu. Alles und jedes, was beim Manne irgendwie anders sei als beim Weibe, stellte er rigoros fest, sei sekundäres Geschlechtsmerkmal und werde vom Keimdrüsenhormon bewirkt. Weib- und Mannhormon prägten nachhaltig die gewaltigen Unterschiede der Geschlechter, die gefühlsbetonte Frau und den verstandsbetonten Mann. Die biochemischen Studien zur Funktion der Sexualhormone, die seit den 1930er Jahren komplexe Leistungen der Sexualhormone erarbeitet hatten, wurden von Venzmer, der sich ostentativ auf die Schlussfolgerungen der jüdischen Wissenschaftler Steinach und Hirschfeld zur Existenz einer Unzahl von männlich-weiblichen Mischformen bezog, noch in den 1950er Jahren ignoriert. Die von Hirschfeld postulierte Existenz sexueller Zwischenstufen und die damit intendierte Virtualität von ‚Vollmännern’ und ‚Vollweibern’ wandelte sich in Venzmers Interpretation zu einer stets prekären Ordnung gefährdeter Männlichkeit und Weiblichkeit. [51]

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Eine der Leistungen dieser Wissenserzählung bestand darin, einen bestimmten Plot, namentlich den hormonellen Antagonismus männlicher und weiblicher Eigenschaften, gegen jegliche Art der Wissensproduktion zu immunisieren. Auch wenn die Geschlechtseigenschaften grundsätzlich einer nicht geschlechtlich geordneten Typenlehre untergeordnet wurden, beharrte Venzmer kategorisch auf einer durch Vermännlichung und Verweiblichung gefährdeten psychohormonellen Ordnung anschmiegsam-unterwürfiger Weiblichkeit und aggressiv-führender sowie schöpferisch-produktiver Männlichkeit. Die Natur brauche keine Halbheiten, so Venzmer, denn auf der größtmöglichen Entwicklung vollmännlicher und vollweiblicher Eigenschaften ruhe die Sicherheit für die Erhaltung der Art. Eben deshalb erschienen alle “Mischtypen“, “der gefühlsduselige oder auch der putzsüchtige Mann oder die allzu nüchtern-verstandesmäßige Frau“, dem normalen Menschen als “unnatürlich“ und “ungesund“. Der Beweis für diese, so gab Venzmer zu, grundsätzlich fiktiven Annahmen, lag in einem Zirkelschluss, der Ende des 19. Jahrhunderts schon sexualpathologisch eingeführt worden war, nämlich dass jene Frauen, die Ewigkeitswerte geschaffen hätten, allesamt durch ihre starken Maskulinismen ausgezeichnet gewesen seien, kurz, bei ihrer hormonellen Mischung dominiere das für Produktivität und Genialität zuständige Mannhormon.

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Der Mensch, so rekapitulierte Venzmer in seiner Geschichte der Geschlechter den von Magnus Hirschfeld, Otto Weininger und Wilhelm Fliess ausformulierten Diskurs der ursprünglichen Bisexualität, sei in grauen Vorzeiten aus einem hermaphroditischen Wesen hervorgegangen, daher wiesen beide Geschlechter auch heute noch nicht nur auf körperlichem, sondern auch auf psychischem Gebiet Anklänge an das andere Geschlecht auf. Wenn diese in übermäßig starker Form aufträten, seien sie in erster Linie einem pathologisch gesteigerten Wirken des fremdgeschlechtlichen Hormons zuzuschreiben. Venzmer nahm in diesem Zusammenhang deutlich Stellung, wenn er sich gegen das Schwinden des “Ewig-Weiblichen“ aussprach. Er bemühte dafür niemand Geringeren als Friedrich Burgdörfer, hochrangiger und einflussreicher Bevölkerungs- und Rassenpolitiker im Nationalsozialismus, nach dem von der künftigen Geburtenentwicklung die Frage entscheidend abhänge, ob die drohende chronische Überalterung und Schrumpfung des Volkskörpers abgewendet werden könne. Die Ablehnung der Mutterschaft sei eine Anomalie, zitierte Venzmer wiederum den englischen Psychiater und Sexexperten Eustace Chesser, welche durch die modernen wirtschaftlichen Verhältnisse und die “extreme Propaganda der Frauenrechtsbewegung“ provoziert worden sei “Mögen uns die unentwegten Vorkämpferinnen jener Richtungen, die das Weib in allen, auch den ‚männlichsten’ Berufen sehen möchten, immer wieder versichern, eine Frau könne eine glänzende Rechtsanwältin, Chirurgin oder was sonst auch immer, und gleichzeitig die vorbildlichste Mutter und Hausfrau sein“, wies Venzmer 1953 auch wohlwollende Emanzipationsbestrebungen in ihre Grenzen, “es ist doch so und wird immer so bleiben, dass dem wahren, echten Weibtum, dem ‚Ewig-Weiblichen’ durch ein allzu starkes Überwiegen des rein Verstandesmäßigen irgendwie Abbruch getan wird“. Dass schon Richard Freiherr von Krafft-Ebing und Sigmund Freud Ende des 19. Jahrhunderts am ‚Ewig-Weiblichen’ irre gegangen waren, focht Venzmer, der sich hier in der Tat lieber an Weininger orientierte, in seinem Kampf für die mütterlich sich bescheidende Frau nicht an. Kurz, die Normalisierung der vermännlichten Frau und des verweiblichten Mannes, der in den 1910er und 1920er Jahren ausformulierte Notstand der Geschlechter und des Volkskörpers, zugleich bevölkerungspolitisches und zivilisatorisches Problem, blieb auch in den 1950er Jahren virulent. [52]

Hormone und Körpergestalt: Die Diktatur geheimnisvoller Säfte

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In dieser rigorosen endokrinen Geschlechterordnung war durch Venzmer die Hormonlehre als Differenz, Typologisierung und Kampf festgeschrieben, als chemische Bedingung einer festgefügten differentiellen Hierarchie. Aber Venzmers Hauptleistung bestand in der unermüdlichen Darstellung der hormonellen Disposition nicht nur des Körpers, sondern des Menschen überhaupt, indem er die Tätigkeit der innersekretorischen Drüsen mit Geist, Gemüt und allgemeiner Wesensart verknüpfte. Resümierend fasste er 1953 zusammen, dass unendlich feine Abstufungen des Säftemischungsverhältnisses für die Entwicklung, Ausgestaltung und Modellierung, für die Art und das Tempo des Ablaufs der Lebensfunktionen tiefgreifende Wirkungen nach sich zögen. [53] Seit 1930 formulierte er in den Kosmos-Bänden “Körpergestalt und Seelenanlage“ und “Sieh dir die Menschen an“ eine an die höchst einflussreichen Arbeiten des Psychiaters Ernst Kretschmer angelehnte Charakterologie, einen “Überblick über die biologische Verwandtschaft zwischen Körperform und Wesenskern des Menschen“. In den 1930er Jahren deutete Venzmer diese Charakterlehre dann hormonell aus. Verminderte Tätigkeit der Hirnanhangdrüse provoziere einen phlegmatischen Charakter; psychosexueller Infantilismus sei durch die ungewöhnlich dauerhafte Tätigkeit der Thymusdrüse bedingt; sexuelle Frühreife werde durch den vorzeitigen Ausfall des Zirbeldrüsen-Wirkstoffs hervorgerufen. Mangel an Nebennierenhormonen wiederum führe zu melancholischen Charakteren. Schilddrüsenüberfunktion mache erregbar, deren Unterfunktion gehemmt und teilnahmslos. Damit aber mussten Begriffe wie krank und gesund, ja der Begriff der Normalität selbst als hormonelle Zustände bestimmt werden. Spiel und Gegenspiel der Wirkstoffe, Über- und Unterfunktion, Mischung und Verteilung generierten gewisse, deutlicher umrissene Charaktertypen, die wiederum bestimmten Typen des Körperbaus entsprachen. Die Typologisierung war von solcher Bedeutung für Venzmers Hormongeschichten, dass er dem so zentralen Bereich der Hormontherapie, abgesehen von der Leistungssteigerung durch Testosterongaben, nur wenig Platz einräumte. [54]

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Venzmer, nicht anders als die führenden Hormonforscher der 1920er Jahre selbst, pflegte eine Rhetorik der Distanzierung von dem, was er wenige Seiten später dann unmissverständlich versprach: eine endokrinologische Konstitutionslehre als “’Horoskop’ der Zukunft“. Auch als die Lehre von den Wirkstoffen ihren Siegeslauf durch die Wissenschaften angetreten hätte, habe es Leute gegeben, die das Rätsel des Lebens nun restlos gelöst wähnten “und alle, aber auch alle seiner Erscheinungen mit den Wirkungen von Hormonen erklären zu können glaubten. Nicht nur die ungeheure Mannigfaltigkeit der körperlichen Zustände, nein, auch Charakter, Temperament und Geistesanlagen des Menschen sollten letztlich von der Formel seiner Einsonderungsdrüsen abhängen; nicht nur der Leib, sondern auch die Seele der Diktatur jener geheimnisvollen Säfte untertan sein.“ [55] Gerade letzteres führte Venzmer dann für den Rest seiner Laufbahn, kulminierend in dem 1953 erschienenen Buch “Psyche, Hormon, Persönlichkeit“, aus. Der Einfluss von Kretschmers ‚Konstitutionslehre’, ein Zeichensystem eines psychophysiologischen Parallelismus, auf die deutschen Lebenswissenschaften zwischen 1920 und 1960 kann kaum überschätzt werden. Kretschmer verknüpfte eine Temperamentlehre mit einer Kunst der Lesbarkeit des Körpers. Die Ausgangsbasis für Kretschmers Theorie waren die psychiatrischen Krankheitsbilder ‚manisch-depressives Irresein’ und ‚Schizophrenie’, welche er als Übersteigerungen der normalen charakterlichen Grundzustände ‚Zyklothymie’ und ‚Schizothymie’ deutete. Jedem dieser Charaktertypen sei dabei ein bestimmter Körperbau zu eigen. Kretschmers Konstitutionslehre wurde in den 1920er Jahren zur maßgeblichen Referenz sexualwissenschaftlicher und eugenischer Arbeiten. [56]

Zusammenfassung

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Es sind die Wissenschaftserzählungen, welche den Dingen Dauerhaftigkeit geben. Hormongeschichten wurden seit den 1920er Jahren sowohl von Physiologen, Biologen und Biochemikern als auch von Wissenschaftsjournalisten erzählt. Damit erst wurde die außerordentliche Bedeutung der Sexualhormone verfasst, ihre Leistungsfähigkeit und Kompetenz, die sich auf zahlreiche Indikationen ausweiten ließ, hervorgehoben und die heroische Arbeit der Forscher ins rechte Licht gerückt. Dass der Organismus von Wirkstoffen gesteuert werde und damit auch steuerbar sei, war eine brisante Feststellung, weil sie zugleich den Status des Menschen als chemisch dispositioniert und veränderbar festschrieb.

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Wissenschaftsjournalisten wie Finkler und Venzmer verfassten in diesem Kontext körperpolitisch höchst unterschiedliche Potenziale der hormonellen Konstitution des Menschen. Finklers Geschichte war von einem noch ungebrochenen Optimismus der hormontherapeutischen Aktivierung getragen, welcher den physiologisch verschiedenen Menschen ein gleiches Recht auf physiologische Optimierung gab. Ein Recht auf individuelle Vervollkommnung kennzeichnete diesen aufklärerischen Diskurs der späten 1920er und frühen 1930er Jahre, der nicht notwendigerweise als Normalisierung zu fassen ist, sondern hedonistische, aber mehr noch konsumistische Optionen bereithielt: Jeder Mensch soll sich auch körperlich nach seinen Bedürfnissen vervollkommnen können. Der egalitär-demokratische Anspruch, der zur Bedingung dieser Arbeit am Körper wurde, stand im Gegensatz zu jenem von Venzmer vertretenen hierarchischen und selektiven Körperkonzept, welches die hormonell bedingte Differenz der Menschen in eine Ordnung der Unterschiede und ein Gebot der Sichtbarmachung dieser Klassifizierungen stellte. Venzmers endokrine Ordnung funktionierte als ein striktes Zeichensystem von Disposition und Konstitution, welches der Identifizierung des typischen Fremden und des typischen Mangels, aber nicht zu dessen Optimierung diente.

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Beide Hormongeschichten waren höchst wirksam, weil sie sich ohne Rücksicht auf Gebote der Wissenschaftlichkeit in laufende Diskurse einfügten, diese verstärkten und bestätigten. Venzmers Geschichte der unerbittlich hierarchische Differenz schaffenden Sexualhormone blieb in Deutschland und Österreich bis weit in die 1950er Jahre hinein die dominante Erzählung. Es bedurfte jener sich in den 1960er Jahren vollziehenden Individualisierung konsumistischer Körper nicht nur als Objekte, sondern auch als Subjekte der Gestaltung, damit auch Finklers Geschichte wieder in den Wissenskanon über die Sexualhormone aufgenommen werden konnte.

Autor:

Dr. Heiko Stoff
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Abteilung für Geschichte der Naturwissenschaften/Pharmaziegeschichte
Beethovenstraße 55
38106 Braunschweig
h.stoff@tu-bs.de



[1] Chandak Sengoopta: The Most Secret Quintessence of Life, Chicago / London 2006, 36-39; Merriley Borell: Brown-Séquard’s Organotherapy and its Appearance in America at the End of the Nineteenth Century, in: Bulletin of the History of Medicine 50 (1976), 309-320.

[2] Ernest Henry Starling: The Croonian Lectures on the Chemical Correlations of the Body, London 1905.

[3] 3 Heiko Stoff: Degenerierte Nervenkörper und regenerierte Hormonkörper. Eine kurze Geschichte der Verbesserung des Menschen zu Beginn des 20. Jahrhunderts, in: Historische Anthropologie 11 (2003), 224-239; Tim Armstrong: Modernism, Technology and the Body. A Cultural Study, New York / Cambridge 1998.

[4] Jean-Paul Gaudillière: Introduction: drug trajectories, in: Studies in History and Philosophy of Biological and Biomedical Sciences 36 (2005), 603-611, hier: 603; Heiko Stoff: Ewige Jugend. Konzepte der Verjüngung vom späten 19. Jahrhundert bis ins Dritte Reich, Köln / Weimar 2004, 144-156.

[5] 5 Eugen Steinach: Verjüngung durch experimentelle Neubelebung der alternden Pubertätsdrüse, in: Archiv für die Entwicklungsmechanik der Organismen 46 (1920), 557-610, hier: 557; ders.: Pubertätsdrüsen und Zwitterbildung, in: Archiv für die Entwicklungsmechanik der Organismen 42 (1916), 307-332.

[6] 6 Steinach: Verjüngung (wie Anm. 5), 573, 587.

[7] 7 Peter Schmidt: Das überwundene Alter. Wege zu Verjüngung und Leistungssteigerung, Leipzig 1928, 256; Stoff: Ewige Jugend (wie Anm. 4), 30-43.

[8] 8 Heiko Stoff: Verjüngungsrummel. Der Kampf um Wissenschaftlichkeit in den 1920er Jahren, in: Dirk Rupnow / Veronika Lipphardt / Jens Thiel / Christina Wessely (Hg.): Pseudowissenschaft. Konzeptionen von Nichtwissenschaftlichkeit in der Wissenschaftsgeschichte, Frankfurt a.M. 2008, 194-222. Im Briefwechsel, den Steinach mit dem in New York praktizierenden Arzt Harry Benjamin führte, kann man dieser Dialektik von Wissenschaftlichkeit und Öffentlichkeitsmobilisierung nachspüren. Stoff: Ewige Jugend (wie Anm. 4), 60-66, 144-156; Chandak Sengoopta: Tales from the Vienna Labs: The Eugen Steinach – Harry Benjamin Correspondence, in: Favourite Edition. Newsletter of the Friends of the Rare Book Room 2 (2000), 1-7.

[9] 9 Bruno Latour: Die Hoffnung der Pandora. Untersuchungen zur Wirklichkeit der Wissenschaft, Frankfurt a.M. 2000, 145, 153-161.

[10] Sybilla Nikolow / Arne Schirrmacher (Hg.): Wissenschaft und Öffentlichkeit als Ressourcen füreinander. Studien zur Wissenschaftsgeschichte im 20. Jahrhundert, Frankfurt a.M. / New York 2007; Philip Sarasin: Das obszöne Genießen der Wissenschaft. Über Populärwissenschaft und ‚Mad scientists’, in: ders.: Geschichtswissenschaft und Diskursanalyse, Frankfurt 2003, 231-257; Carsten Kretschmann (Hg.): Wissenspopularisierung. Konzepte der Wissensverbreitung im Wandel, Berlin 2002; Mitchell G. Ash: Wissenschaft und Politik als Ressource für einander, in: Rüdiger vom Bruch / Brigitte Kaderas (Hg.): Wissenschaften und Wissenschaftspolitik, Stuttgart 2002, 32-51; ders.: Wissenschaftspopularisierung und Bürgerliche Kultur im 19. Jahrhundert, in: Geschichte und Gesellschaft 28 (2002), 322-334; Latour: Die Hoffnung (wie Anm. 9), 117; Gudrun Wolfschmidt (Hg.): Popularisierung der Naturwissenschaften, Berlin 2000; Christine Brecht / Barbara Orland: „Populäres Wissen”, in: Werkstattgeschichte 23 (1999), 4-12; Angela Schwarz: Der Schlüssel zur modernen Welt. Wissenschaftspopularisierung in Großbritannien und Deutschland im Übergang zur Moderne (ca. 1870-1914), Stuttgart 1999; Andreas Daum: Wissenschaftspopularisierung im 19. Jahrhundert. Bürgerliche Kultur, naturwissenschaftliche Bildung und die deutsche Öffentlichkeit 1848-1914, München 1998.

[11] Walter Finkler: Kopftransplantation an Insekten. I. Funktionsfähigkeit replantierter Köpfe, in: Archiv für mikroskopische Anatomie und Entwicklungsmechanik 99 (1923), 104-118; ders.: Kopftransplantation an Insekten. II. Austausch von Hydrophilus-Köpfen zwischen Männchen und Weibchen, in: Archiv für mikroskopische Anatomie und Entwicklungsmechanik 99 (1923), 119-125; ders.: Kopftransplantation an Insekten. III. Einfluss des replantierten Kopfes auf das Farbkleid anderer Körperteile, in: Archiv für mikroskopische Anatomie und Entwicklungsmechanik 99 (1923), 126-133.

[12] Der Wiener Biologe Hans Leo Przibram hatte 1902 zusammen mit den Botanikern Leopold von Portheim und Wilhelm Figdor ein Gebäude am Prater erstanden, welches ursprünglich für die Weltausstellung von 1873 erbaut und von der Wiener Tiergartengesellschaft als Schauaquarium und Reptilienterrarium betrieben worden war. Dieses Gebäude war deshalb allgemein als Vivarium bekannt. Vgl. Paul Kammerer: Die Biologie in Wien, in: Urania 1 (1925/26), 317-320; Hans Przibram: Die neue Anstalt für experimentelle Biologie in Wien, in: Verhandlungen der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte 74 (1902), 152-155; Wolfgang L. Reiter: Zerstört und vergessen. Die Biologische Versuchsanstalt und ihre Wissenschaftler/innen, in: Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 10 (1999), 585-614.

[13] Hans Przibram: Tierpfropfung. Die Transplantation der Körperabschnitte, Organe und Keime, Braunschweig 1926; Reiter: Die Biologische Versuchsanstalt (wie Anm. 12), 596-609; Reinhard Mocek: Die werdende Form. Eine Geschichte der kausalen Morphologie, Marburg 1998, 381-384; Thomas Schlich: Die Erfindung der Organtransplantation. Erfolg und Scheitern des chirurgischen Organersatzes (1880-1930), Frankfurt a.M. / New York 1998, 28-32.

[14] Wilhelm Roux: Über die Verschiedenheit der Leistungen der deskriptiven und der experimentellen Forschungsmethode, in: Archiv für die Entwicklungsmechanik der Organismen 23 (1907), 344-354; Hans Driesch: Wilhelm Roux als Theoretiker, in: Die Naturwissenschaften 8 (1920), 446-450.

[15] Wilhelm Roux: Ankündigung, in: Archiv für Entwicklungsmechanik der Organismen 44 (1918), 1-4, hier: 2-3.

[16] Wilhelm Roux: Dank, in: Archiv für die Entwicklungsmechanik der Organismen 46 (1920), I-XI, hier: IV; Joseph S. Fruton: Molecules and Life; New York / London u.a. 1972, 499.

[17] Eugen Steinach: Willkürliche Umwandlung von Säugetiermännchen in Tiere mit ausgeprägt weiblichen Geschlechtscharakteren und weiblicher Psyche, in: Pflügers Archiv 144 (1912), 71-108; Heiko Stoff: Alraune, Biofakt, Cyborg. Ein körpergeschichtliches ABC des 20. und 21. Jahrhunderts, in: Simone Ehm / Silke Schicktanz (Hg.): Körper als Maß? Biomedizinische Eingriffe und ihre Auswirkungen auf Körper- und Identitätsverständnisse, Stuttgart 2006, 35-50.

[18] W.T. Calman: Chimæras Dire: Transplantation of Heads of Insects', in: Nature 114 (27. September 1924), 467; Hans Przibram: Chimæras Dire: Transplantation of Heads of Insects, in: Nature 114 (6. September 1924), 347; W.T. Calman: Chimæras Dire', in: Nature 114 (5. Juli 1924), 11-12; Walter Finkler: Analytical Studies on the Factors Causing the Sexual Display in the Mountain-Newt (Triton alpestris), in: Proceedings of the Royal Society of London. Series B, Containing Papers of a Biological Character 95 (1. November 1923), 356-364.

[19] Przibram: Chimæras Dire (wie Anm. 18); Walter Finkler: Vertauschte Köpfe. Aus der Werkstatt der modernen Lebensforschung, Wien 1923; Susan Merrill Squier: Liminal Lives. Imagining the Human at the Frontiers of Biomedicine, Durham 2004, 184.

[20] Paul Kammerer: Ist die Abstammungslehre unbewiesen?, in: Monistische Monatshefte 11 (1926), 89-94, hier: 91.

[21] Alexander Vasudevan: Experimental Urbanisms: Psychotechnik in Weimar Berlin, in: Environment and Planning D: Society and Space 24 (2006), 799-826; Annette Lechner: Die Wiener Verlagsbuchhandlung ‚Anzengruber, Brüder Suschitzky’ (1901-1938) im Spiegel der Zeit. Diplomarbeit, Wien 1994; Peter Fritzsche: Did Weimar Fail?', in: Journal of Modern History 68 (1996), 629-656, hier: 631.

[22] Redaktion des Figaro: ’Ein Wort zur Aufklärung’. Robert Laurer, dem ‘Geistesgestörten’ zur Antwort, in: Figaro 6 (1929), 85-86, hier: 86. Zum Pelagianer-Bund: Chad Ross: Naked Germany. Health, Race, and the Nation, New York 2005, 23.

[23] Bernhard Gröttrup: Ich - die Idee - und Herr Laurer. Erinnerungen – Mehr Ueberzeugungstreue zu unseren Idealen – Mehr Mißtrauen gegen die Geschaftlhuber in der Bewegung, in: Figaro 6 (1929), 819-821, hier: 820; Bernhard Gröttrup: Was ist Pelagianismus?, in: Figaro 4 (1927), 14-18, 24-25, hier: 16, 18, 24-25.

[24] Redaktion des Figaro: Geleitwort, in: Figaro 9 (1929), 15 (Einband) und Anonymus: Krisis der Erotik, in: Figaro 3 (1926/27), 17-18.

[25] Gröttrup: Was ist Pelagianismus? (wie Anm. 23), 14. Gröttrup war auch Herausgeber der satirischen Zeitschrift Die Ente unter der Redaktion von Hardy Worm, für die u.a. auch Erich Kästner und Erich Mühsam schrieben.

[26] Bernhard Hagedorn: Geburtenkontrolle und Massenarbeitslosigkeit, in: Figaro 10 (1933), 130; ders.: Menschen als Zuchttiere. Neues vom dritten Säugetierreich, in: Figaro 10 (1933), 97-98.

[27] Bernhard Hagedorn: Über Kulturbolschewismus, in: Figaro 9 (1932), 525; ders.: Am Sterbelager der Demokratie, in: Figaro 8 (1931), 285-286, hier: 286.

[28] Bernhard Hagedorn: Zum siebten Jahr des 'Figaro', in: Figaro 7 (1930), 5-6, hier: 5.

[29] Walter Finkler: Professor Steinachs Werk. Zu seinem siebzigsten Geburtstag, in: Figaro 8 (1931), 178-180, hier: 179; ders.: Chemie der Liebe. Kristallisiertes Sexualhormon - Unblutige Verjüngung des Mannes, in: Figaro 8 (1931), 738-740.

[30] Walter Finkler: Der Motor der Jugend. Die jüngsten Forschungen der Wiener Steinach-Schule, in: Figaro 9 (1932), 17-18; ders.: Das Geheimnis der Pubertät, in: Figaro 5 (1928), 274-276, hier: 276.

[31] Finkler: Professor Steinachs Werk (wie Anm. 29), 179-180; Anne Fausto-Sterling: Sexing the Body. Gender Politics and the Construction of Sexuality, New York 2000, 155-169.

[32] Walter Finkler: Keine Glatzen mehr! Der Frauenbart und die Rückverweiblichung der vermännlichten Frau, in: Figaro 9 (1932), 297-299, hier: 298. Chandak Sengoopta: Glandular Politics. Experimental Biology, Clinical Medicine, and Homosexual Emancipation in Fin-de-Siècle Central Europe, in: Isis 89 (1998), 445-473.

[33] Finkler: Keine Glatzen mehr! (wie Anm. 32), 297; Walter Finkler: Chemie der Liebe (wie Anm. 29), 740.

[34] Finkler: Professor Steinachs Werk (wie Anm. 29), 178-179.

[35] „Es hat mich sehr interessiert, dass Walter Finkler der Verfasser jenes Diathermie-Artikels war, der ja im Auszug auch hier weiteste Verbreitung fand und zwar in höchst entstellter Form”, schrieb Benjamin an Steinach, „ich habe ihn nie kennengelernt, glaube aber, dass Kammerer einmal seinen Namen erwähnte”. Benjamin an Steinach (12.11.1924) sowie Benjamin an Steinach (9.12.1927) und Steinach an Benjamin (21.11.1927), in: Eugen Steinach: Biography, Photographs, Articles, Letters 1920-1927, The New York Academy of Medicine, Rare Book Room, Historical Collection, New York.

[36] Finkler: Chemie der Liebe (wie Anm. 29), 739; Anna Lichtenstern: Frauenjugend in Tabletten. Wirkung der ‘Steinachschen Sexualhormon-Tabletten’ auf die Wechseljahre, in: Figaro 8 (1931), 552-553.

[37] Walter Finkler: Die medizinischen Errungenschaften im Jahre 1931. Im Zeichen der Hormone, Vitamine und Heilstrahlen, in: Das Freibad 6 (1932), 31-32, 40, hier: 31-32. Die Zeitschrift Das Freibad erschien wie auch der Figaro im Auffenberg-Verlag.

[38] Schmidt: Das überwundene Alter (wie Anm. 7), 361.

[39] Erinnert sei nur an Leo Trotzkis berühmte Worte aus dem Jahr 1923 zur experimentellen Harmonisierung des Menschen: „Das Leben, selbst das rein physiologische, wird zu einem kollektiv-experimentellen werden. Das Menschengeschlecht, der erstarrte homo sapiens, wird erneut radikal umgearbeitet und – unter seinen eigenen Händen – zum Objekt kompliziertester Methoden der künstlichen Auslese und des psychophysischen Trainings werden.“ Leo Trotzki: Literatur und Revolution, München, 1972, 211.

[40] Finkler: Keine Glatzen mehr! (wie Anm. 32); ders.r: Künstliche Geisteskrankheiten. Die neuesten Experimente des berühmten Physiologen Professor Pawlow, in: Figaro 9 (1932), 410-412; ders.: Das Anti-Liebesmittel. Keuschheit in Pillen. Die neuesten Errungenschaften der Hormonforschung, in: Figaro 9 (1932), 451-457; ders.: Der Homunkulus kommt! Keimesentwicklung im Versuchglas - Neueste Wunder aus der Werkstatt der Lebensforscher, in: Figaro 9 (1932), 699-701; ders.: Das Baby mit der Männerstimme. Ein medizinisches Kuriosum, in: Figaro 8 (1931), 189-190; ders.: Das Elixier der schlanken Linie gefunden. Sensationelle Forschungen Professor Wagners, in: Figaro 8 (1931), 951-953; ders.: Ein sensationeller Fall von Geschlechtswechsel. Eine Frau wird zum Mann und wieder zum Weib - Seltsame Wirkung einer Geschwulst, in: Figaro 7 (1930), 90-92; ders.: Die Rosskur gegen Liebestollheit. Ein neues Feld der Drüsenüberpflanzung, in: Figaro 7 (1930), 938-940; ders.: Kinderlosigkeit durch Einspritzungen. Neue Versuche zur hormonalen Sterilisierung, in: Figaro 7 (1930), 589-590. Zum Zusammenhang von Sexualreform und Konsumismus empfehle ich gerne die bisher zu wenig gelesene Schrift von Lawrence Birken: Consuming Desire. Sexual Science and the Emergence of a Culture of Abundance, 1871-1914, Ithaca / London 1988.

[41] Walter Finkler: Die Züchtung des Genies. Rassenmischung und Begabung, in: Figaro 8 (1931), 340-342.

[42] Gerhard Venzmer: Der Mensch und sein Leben. Ein Volksbuch vom menschlichen Körper, Stuttgart 1938, 158, 167-168, 172-173.

[43] Jutta Person: Der pathographische Blick. Physiognomik, Atavismustheorien und Kulturkritik 1870-1930, Würzburg 2005, 187-248; Richard T. Gray: About Face. German Physiognomic Thought from Lavater to Auschwitz, Detroit 2004, 219-272; Claudia Schmölders: Das Vorurteil im Leibe. Eine Einführung in die Physiognomik, Berlin 1995.

[44] Venzmer: Der Mensch und sein Leben (wie Anm. 42), Werbeseiten ohne Seitenzahl.

[45] Zum Verhältnis von Visualisierung und Popularisierung: Martina Heßler: Konstruierte Sichtbarkeiten. Wissenschafts- und Technikbilder seit der Frühen Neuzeit, München 2006; David Gugerli / Barbara Orland (Hg.): Ganz normale Bilder. Historische Beiträge zur visuellen Herstellung von Selbstverständlichkeit, Zürich 2002; Sybilla Nikolow / Lars Bluma: Bilder zwischen Öffentlichkeit und wissenschaftlicher Praxis. Neue Perspektiven für die Geschichte der Medizin, Naturwissenschaften und Technik, in: NTM. Internationale Zeitschrift für Geschichte und Ethik der Naturwissenschaften, Technik und Medizin 10 (2002), 201-208.

[46] Gerhard Venzmer: Regler des Stoffwechsels (Hormone und Innere Sekretion II), Stuttgart 1933, 20, 29, 30.

[47] Gerhard Venzmer: Psyche, Hormon, Persönlichkeit. Von den Wechselbeziehungen zwischen Leib und Seele, Stuttgart 1953, 156; ders.: Regler des Stoffwechsels (wie Anm. 46), 31, 35.

[48] Venzmer: Regler des Stoffwechsels (wie Anm. 46), 72-73.

[49] Gerhard Venzmer: Die Wirkstoffe des Lebendigen. Von Hormonen, Vitaminen und anderen Lebensreglern, Stuttgart 1948, 51; ders.: Regler des Stoffwechsels (wie Anm. 46), 74-75; Eugen Steinach: Künstliche und natürliche Zwitterdrüsen und ihre analogen Wirkungen. Drei Mitteilungen, in: Archiv für die Entwicklungsmechanik der Organismen 46 (1920), 12-28, hier: 12-13. Wie Chandak Sengoopta hervorhebt, ist der Ausdruck „Kampf der Gonaden“ eine Reminiszenz an Roux' Konzept des „Kampfes der Teile“ bei der Entwicklung des Organismus. Sengoopta: Glandular Politics (wie Anm. 32), 464, Anm. 54.

[50] Venzmer: Regler des Stoffwechsels (wie Anm. 46), 73.

[51] Jürgen Link: Versuch über den Normalismus. Wie Normalität produziert wird, Opladen 1997, 373.

[52] Venzmer: Psyche (wie Anm. 47), 45, 64-68, 104-114, 143, 144-167; Sigmund Freud: Die Weiblichkeit [1933], in: Alexander Mitscherlich (Hg.): Sigmund Freud. Studienausgabe. Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse und Neue Folge. Bd. 1, Frankfurt 1969, 544-565, hier: 545-546; Richard Freiherr von Krafft-Ebing: Psychopathia sexualis mit besonderer Berücksichtigung der conträren Sexualempfindung; eine medicingerichtliche Studie für Aerzte und Juristen. 9. Auflage, Stuttgart 1894, 282.

[53] Venzmer: Psyche (wie Anm. 47), 73.

[54] Venzmer: Regler des Stoffwechsels (wie Anm. 46), 76-78.

[55] Venzmer: Regler des Stoffwechsels (wie Anm. 46), 72.

[56] Venzmer: Psyche (wie Anm. 47), 12.; Person: Der pathographische Blick (wie Anm. 43), 207; Carsten Timmermann: Constitutional Medicine, Neoromanticism, and the Politics of Antimechanism in Interwar Germany, in: Bulletin for the History of Medicine 75 (2001), 717-739.

Empfohlene Zitierweise:

Heiko Stoff : Hormongeschichten. Wie sie in den Jahren 1928 bis 1954 von den Wissenschaftsjournalisten Walter Finkler und Gerhard Venzmer erzählt wurden , in: zeitenblicke 7, Nr. 3, [2008], URL: http://www.zeitenblicke.de/2008/3/stoff/index_html, URN: urn:nbn:de:0009-9-16276

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