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Zusammenfassung

Die diplomatischen Beziehungen frühneuzeitlicher Höfe waren durch ein Nebeneinander verschiedener Kanäle gekennzeichnet – zwischen Amtsträgern und 'informellen' Akteuren, Männern und Frauen gleichermaßen. Durch ihre Korrespondenz sicherten Madame de Maintenon und die Princesse des Ursins eine Verbindung zwischen dem französischen und dem spanischen Hof. Da beide Frauen über einen exklusiven Zugang zum Herrscher verfügten, war ihre Korrespondenz ein Machtinstrument, das den eigenen und den Handlungsspielraum der Herrscher erweiterte. Im Zuge der immer stärker divergierenden Interessen beider Höfe wurden die Briefe selbst zu einem Ort der Verhandlung. Selbst- und Fremddarstellung der Frauen in den Quellen lassen erkennen, dass für die Praxis ihrer Einflussnahme ihre Geschlechtszugehörigkeit nur bedingt eine Rolle spielte. In stereotypen Diskursen diskreditierten sie allerdings weibliche sowie 'nicht-amtliche' Einflussnahme – eine Strategie, die dazu diente, sich aus der Verantwortung zu ziehen. Die Diskurse antizipieren demnach Entwicklungen des 18. Jahrhunderts. Die Korrespondenz der beiden Frauen spiegelt die Gleichzeitigkeit gebräuchlicher Praktiken und sich in zunehmendem Maße durchsetzender Normvorstellungen.

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"Ich denke nicht, Madame, dass wir unterschiedlicher Meinung sind, wenn ich den Untergang Frankreichs mehr fürchte als den Spaniens; [...] trotzdem sehe ich schon, dass wir uns künftig weniger Dinge zu sagen haben und dass unsere Briefe kürzer und trockener werden." [1] Dies schrieb Madame de Maintenon in Versailles im März 1710, einem entscheidenden Moment des Krieges, an ihre Briefpartnerin in Madrid, die Princesse des Ursins. Was hat ihr Briefwechsel mit dem Schicksal Frankreichs und Spaniens zu tun?

Einleitung

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Diplomatische Beziehungen bestanden in der Frühen Neuzeit nicht zwischen Staaten als abstrakten Machtblöcken, sondern waren Netzwerke konkreter Personen – so der Ansatz der jüngeren Diplomatiegeschichte. Im Sinne einer 'Kulturgeschichte der Diplomatie' [2] wird der Akteur zum eigentlichen Forschungsgegenstand. Die Begriffe 'Diplomatie' und 'diplomatisch' sind nicht zeitgenössisch und sollen in Anlehnung an einen dynamischen und konstruktivistischen Politikbegriff verstanden werden. [3] Diplomatie wird hier definiert als das 'Aushandeln von Macht zwischen Herrscherhäusern durch Akteure mit und ohne Amt'. Die Ausweitung des Kreises der Akteure ist folgerichtig, jedoch noch nicht konsequent geschehen. So wurden frühneuzeitliche Außenbeziehungen von der historischen Forschung bislang noch nicht unter Berücksichtigung der Kategorie 'Geschlecht' betrachtet. [4] Neben den männlichen Amtsträgern müssen sowohl männliche als auch weibliche 'Nicht-Amtsträger' betrachtet werden. Denn gerade die Kombination dieser Kategorien verspricht neue Perspektiven auf die Genese der modernen Diplomatie. [5] In diesem Sinne lohnt sich die Frage nach dem 'Geschlecht' von Diplomatie. [6]

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Die wechselseitigen Beziehungen frühneuzeitlicher Höfe wurden durch parallel verlaufende interhöfische Korrespondenzen gestaltet und gesichert. Die Korrespondenz zwischen dem Herrscher und seinen Botschaftern, die formalen Anforderungen unterlag, war nur einer von zahlreichen Kommunikations- bzw. Informationskanälen zwischen den Höfen. Einen solchen Kanal stellte die Korrespondenz der Madame de Maintenon und der Princesse des Ursins über elf Jahre lang dar (1705-1715). [7] Ich möchte im Folgenden zeigen, dass ihr Briefwechsel als diplomatisches Instrument der französisch-spanischen Beziehungen gesehen werden kann. Dies soll anhand dreier Fragen deutlich werden:
1. Aus welchem Anlass nahmen die beiden Frauen im Jahr 1705 ihren Briefwechsel auf?
2. Welche Themen waren zentral?
3. In welchem Verhältnis stand ihr Briefwechsel zur formalen Korrespondenz des Botschafters?
Dabei soll weniger das 'Was' als das 'Wie' ihres politischen Wirkens, also das dahinter liegende "politische Weltbild oder Design" [8] interessieren. Daher liegt ein besonderes Augenmerk auf der Darstellung ihrer Einflussnahme sowie ihrem Selbstverständnis als Akteurinnen. [9]

Kontext: Versailles und Madrid im Spanischen Erbfolgekrieg

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Die Beziehungen zwischen dem französischen und dem spanischen Hof waren im Untersuchungszeitraum (1700-1715) durch die prekäre Situation in Madrid geprägt. Im Jahr 1700 verstarb der spanische König Karl II. kinderlos. In seinem Testament hatte er Philippe d'Anjou, den Enkel Ludwigs XIV., zu seinem Nachfolger bestimmt. Das habsburgische Österreich präsentierte einen Enkel Philipps IV., Erzherzog Karl, als Thronprätendenten. Als Ludwig XIV. das Testament Karls II. akzeptierte, verstieß er gegen einen zuvor ausgehandelten Teilungsvertrag mit dem Kaiser und den in Personalunion regierten Seemächten England und Holland, [10] was Krieg zur Folge hatte. [11] Darüber hinaus stellte sich dem jungen spanischen Königspaar Philipp V. (Philippe d'Anjou) und Marie-Louise von Savoyen die innenpolitische Herausforderung, sich gegen die habsburgerfreundlichen Faktionen am Hof Rückhalt im spanischen Volk zu sichern. Dazu waren sie – finanziell, militärisch und politisch – auf die Unterstützung Ludwigs XIV. angewiesen und wurden in der Anfangszeit ihrer Regierung von ihm geführt und kontrolliert. [12] In Madrid wirkten neben dem formalen Botschafter verschiedene Berater und Informanten für den französischen König – unter ihnen die Princesse des Ursins.

"Das Triumvirat" [13]: Die Princesse des Ursins und das spanische Königspaar

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Abb. 1

Marie-Anne de La Trémoille (1642-1722), Princesse des Ursins, wurde im Jahr 1701 von Ludwig XIV. als erste Kammerdame der spanischen Königin Marie-Louise nach Madrid geschickt. Als 'camarera mayor' stand sie dem Hofstaat der Königin vor und hatte alleinigen Zutritt zu den königlichen Gemächern – ein Privileg, über das der Botschafter aus zeremoniellen Gründen nicht verfügte. [14] Sie war von morgens bis abends mit der Königin zusammen. [15] Ein Blick auf das Alter des Königspaars im Vergleich zur ersten Kammerdame ist aufschlussreich: Marie Louise war zum Zeitpunkt ihrer Hochzeit dreizehn, Philipp siebzehn Jahre alt, während die Princesse mit ihren beinahe sechzig Jahren von den Erfahrungen eines Lebens an verschiedenen europäischen Höfen profitierte. Wenn Macht als die Fähigkeit, das Verhalten anderer Personen zu beeinflussen, definiert wird, [16] dann lassen die Quellen keinen Zweifel an der Machtfülle der Princesse über das spanische Königspaar.

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Ihre hybride Stellung als gleichermaßen hofferne wie hofinterne Akteurin machte sie einerseits zu einer unverzichtbaren Konstante der französischen Einflussnahme: Fünfzehn Jahre lang (1701-1715) konnte sie in Zusammenarbeit mit den wechselnden Botschaftern sowie weiteren Beratern eine kontinuierliche französische Präsenz am Hof garantieren. Andererseits geriet sie mit der wachsenden Emanzipation Philipps V. von seinem Großvater zunehmend in Loyalitätskonflikte, die sich wie ein roter Faden durch ihre Korrespondenz mit Madame de Maintenon ziehen.

Auprès du Roi: Madame de Maintenon am Hof von Versailles

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Abb. 2

Françoise d'Aubigné (1635-1719), Madame de Maintenon, war nach dem Tod der Königin Maria Theresia (1683) in einer kirchlichen, aber nicht öffentlichen Zeremonie mit Ludwig XIV. getraut worden. Ihren Status machte sie beispielsweise deutlich, indem sie unter dem Vorwand schwacher Gesundheit erfolgreich das Recht einforderte, in Anwesenheit der Königsfamilie sitzen zu dürfen. [17] Die Klientel der Maintenon wird vom Hofchronisten Duc de Saint-Simon als die dominante höfische Faktion beschrieben. [18] Als morganatische Ehefrau hatte sie den Zugang zum König und seiner Patronage weitgehend monopolisiert; auch hofferne Akteure suchten ihre Vermittlung. [19] Wie die Princesse des Ursins verfügte auch sie über einen exklusiven Zugang zum Herrscher – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn: Sie empfing den König allabendlich in ihren Appartements, allein oder im Rahmen von Besprechungen mit den Staatssekretären oder Sitzungen des 'Conseil d'en Haut'. [20] Da Madame de Maintenon an unzähligen Stellen der Korrespondenz auf Gespräche mit dem König verweist, kann davon ausgegangen werden, dass sie regelmäßig bedeutsame Themen mit ihm besprach.

Die Korrespondenz

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Die beiden Damen schrieben sich elf Jahre lang (1705-1715) zeitweise wöchentlich. In ihrer festgesetzten Regelmäßigkeit gleicht die Korrespondenz den Berichten formaler Vertreter wie denen des Botschafters oder des Nuntius'. Letztere hatten auch dann zu berichten, wenn nichts Neues vorgefallen war. [21] Der Umfang der Briefe variierte zwischen ein bis acht Seiten – den Autorinnen zufolge je nach ihrer Gesundheit, ihrem Zeitplan und der Brisanz der Ereignisse. Die Princesse verfügte über einen Sekretär, die Maintenon über eine Sekretärin, bisweilen nahmen sie aber auch selbst die Feder in die Hand. Sowohl der Aufbau als auch die schematischen Wendungen zu Anfang oder zum Ende des Briefes konnten flexibel gestaltet werden – anders als in den schon stark formalisierten Botschafterdepeschen dieser Zeit. Die beiden bedienten sich für den Transport ihrer Briefe des 'courrier ordinaire'; Madame de Maintenon hatte der Princesse eine geheime Adresse gegeben. [22] Häufig fügten sie ihren Brief aber auch dem 'paquet' des Staatssekretärs, des Botschafters oder dem eines Mitgliedes der königlichen Familie bei. Die Brisanz der Inhalte erklärt die Sorge, dass ihre Briefe nicht unbefugten Dritten zugänglich würden. [23]

Kontrolle

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Aus dem Zeitpunkt der Aufnahme ihrer Korrespondenz lassen sich Rückschlüsse über eine ihrer Funktionen ziehen. Die beiden Damen hatten sich schon im Jahr 1661 in der Pariser Gesellschaft des Hôtel d'Albret kennen gelernt. [24] Von dieser Bekanntschaft profitierte die Princesse des Ursins, als im Jahr 1701 eine geeignete Dame gesucht wurde, um die savoyardische Prinzessin Marie-Louise, die zukünftige spanische Königin, in ihre neue Heimat zu begleiten. Es war Madame de Maintenons Patronage, die für ihre Kandidatur die ausschlaggebende Rolle spielte. [25] Ihren Briefwechsel nahmen die beiden Frauen jedoch erst vier Jahre später, im Juli 1705, auf. Aufschlussreich ist, was in den unmittelbar vorhergehenden Monaten geschah: Machtpolitische Querelen innerhalb der französischen Gruppe in Madrid blockierten die politischen Geschäfte. Die Differenzen zwischen der Princesse des Ursins und dem französischen Botschafter führten schließlich zum Eklat, so dass Ludwig XIV. seine Einflussnahme auf die spanische Politik gefährdet sah. Also zog er die Köpfe der beiden wichtigsten Hofparteien gleichzeitig ab: seinen Botschafter, den Abbé d'Estrées, und die 'camarera mayor' der Königin, die Princesse des Ursins.

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Königin Marie-Louise, die sich in den vergangenen Jahren politisch äußerst fähig und aktiv gezeigt hatte, war indes nicht gewillt, den Verlust ihrer Kammerdame einfach hinzunehmen: Mit unzähligen Briefen nach Versailles und einer Blockadehaltung, die die Politik in Madrid lähmte, erreichte sie schließlich, dass die Princesse des Ursins von Madame de Maintenon und Ludwig XIV. empfangen wurde. [26] Diese Gespräche im Schloss Marly sollten die beiden Frauen später in ihren Briefen zur Basis ihrer Freundschaft stilisieren. [27] Im Anschluss wurde entschieden, die Princesse gemeinsam mit einem Botschafter ihrer Wahl nach Madrid zurückzuschicken, [28] und zwar aufgrund "ihrer Kenntnisse der politischen Angelegenheiten Spaniens" [29] – wie es in den Instruktionen an den Botschafter heißt. Gleich nach der Abreise nahmen die beiden Frauen ihre Korrespondenz auf: Der Briefwechsel sollte also eine regelmäßige und direkte Kontrolle der 'camarera mayor' und somit der Faktion um die Königin ermöglichen. Man hatte aus den Ereignissen des Vorjahres gelernt. Eine reibungslose Zusammenarbeit zwischen der Kammerdame und dem französischen Botschafter war für Versailles nun von höchster Priorität. Beide erhielten explizite Anweisungen, sich miteinander zu beraten und sich gegenseitig zu unterstützen – der Botschafter vom König, [30] die Princesse von Madame de Maintenon oder vom Staatssekretär. "Sie wissen, Madame, dass ich mit außerordentlicher Freude die Zusammenarbeit und gute Verständigung zwischen Ihnen und dem Botschafter bemerke. Sie ist nötiger denn je in Zeiten, in denen die politischen Angelegenheiten so ernst werden." [31] Stereotype Diskurse, mit denen sie ihre harmonische Zusammenarbeit loben, finden sich in den folgenden Monaten dieser Korrespondenzen zuhauf. [32]

Netzwerkpflege und Patronage

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Weitere Hinweise auf die beabsichtigte Funktion des Briefwechsels können die Themen der Briefe geben: Passagen über Angehörige der französischen und der spanischen Hofgesellschaft, über ihre Gesundheit und ihren gesellschaftlichen Verkehr nehmen viel Raum ein. Auch über die sogenannten 'bruits', Gerüchte und Anekdoten des Hofes, setzte man sich gegenseitig in Kenntnis. [33] Informationen dieser Art sagen etwas über die personellen Machtverhältnisse am jeweiligen Hof aus, das heißt über die Gunst, in der die Betreffenden zwischenzeitlich beim Herrscher standen. Dieser Informationstransfer wurde insbesondere von der Princesse gefordert: Sie pflegte mit Maintenons Hilfe ihre französischen Netzwerke, beispielsweise indem sie ihrem Brief zum richtigen Zeitpunkt Glückwünsche oder Beileidsbekundungen an andere Personen beifügte. Auf diese Weise hielt sie eine Art virtuelles Netzwerk aufrecht, das sie bei Bedarf aktivieren konnte. Mit ihrer Korrespondenz betrieben die Damen Patronage für sich und andere: beispielsweise nahmen sie Einfluss auf die Vergabe von Ämtern und Titeln. Über ihre Briefpartnerin verfügten sie auch über einen direkten Zugang zum Herrscher des jeweils anderen Hofes, zumal ihre Briefe im königlichen Kreis häufig vorgelesen wurden.

Die 'affaires d'Espagne'

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Dominant sind in der Korrespondenz jedoch die 'affaires', die im Sinne des oben formulierten Politikverständnisses als 'politische Angelegenheiten' verstanden werden können. Die beiden Frauen diskutierten und kritisierten getroffene Entscheidungen, sie wogen politische Ziele ab und formulierten eigene Einschätzungen. Gleicht man die Briefe mit den Minister- und Botschafterkorrespondenzen ab, so wird deutlich, dass die beiden Frauen genauestens über tagespolitische Entscheidungen informiert waren. Sie berichteten meist zum selben Zeitpunkt parallel über dieselben Ereignisse oder stimmten sich ab: Die Princesse verwies auf die Briefe des Botschafters, [34] Madame de Maintenon ersparte sich einige Zeilen mit dem Hinweis darauf, dass der Staatssekretär selbiges ja bereits an Madame des Ursins geschrieben habe. [35] Auch die Weitergabe dieser Informationen scheint von Anfang an beabsichtigt gewesen zu sein: Madame de Maintenon verwies gelegentlich auf einen 'Befehl', den die Princesse ihr im Laufe ihrer Gespräche in Marly 1705 gegeben haben soll, sie solle nämlich die 'affaires d'Espagne' verfolgen. [36] Sie ließ sich dazu von verschiedenen französischen Armeeführern über den aktuellen Stand der militärischen Operationen unterrichten und empfing regelmäßig den französischen Staatssekretär für Auswärtiges, Colbert de Torcy, sowie den Generalkontrolleur der Finanzen, Michel Chamillart. [37] Darüber hinaus hatte sie Einblick in die Korrespondenz zwischen Ludwig und seinem Botschafter und in die Briefe des Staatssekretärs, was daraus ersichtlich wird, dass sie auf Informationen aus diesen Briefen zurückgriff. [38]

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Auch die Princesse des Ursins verfügte über einen exklusiven Zugang zu Informationen, der sich aus ihrer Nähe zum Herrscherpaar ergab. Auch sie hatte in die königliche Korrespondenz Einblick. Ferner war kurz nach der Ankunft der Princesse in Madrid die Hofetikette auf Wunsch des französischen Königs in einem wichtigen Punkt geändert worden: Die Princesse sollte bei den Audienzen, die die Königin auswärtigen Ministern gab, präsent sein. [39] Sie konnte auf diese Weise den Wirkungsbereich des französischen Botschafters ergänzen, der hier an das Zeremoniell gebunden war: Wollte er mit der Königin sprechen, musste die Princesse ihm eine Audienz verschaffen. Aus den Quellen wird deutlich, dass Madame des Ursins die Briefe des Botschafters kannte und sich mit ihm besprach. [40] Ludwig XIV. autorisierte zudem seinen Botschafter, die Princesse nach seinem Gutdünken in Geheimnisse einzuweihen. [41]

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Beide Frauen unterhielten darüber hinaus selbst eine Vielzahl von Korrespondenzen mit Ministern, hohen Militärs, Kirchenmännern, Botschaftern sowie zentralen Personen beiderlei Geschlechts am Hof, die sie wiederum zur Informationsbeschaffung und -verteilung nutzten. Für Ludwig XIV. und Philipp V. bedeutete dieser zusätzliche Kanal eine wertvolle Informationsquelle, die in unmittelbarer Nähe des jeweils anderen Herrschers 'sprudelte'. Sie erweiterte das Spektrum der Informationen des jeweiligen Botschafters bedeutend. Da Informationen das zentrale Kapital der zeitgenössischen Außenbeziehungen darstellten, [42] können die beiden Frauen ohne Zweifel als Schaltstellen der französisch-spanischen Beziehungen bezeichnet werden.

Der Brief als Ort der Verhandlung

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Die Korrespondenz unterlag im Verlauf jener elf Jahre deutlichen Veränderungen, was Themen, Stil und Intensität betrifft. Die ersten beiden Jahre der Korrespondenz dienten zunächst vor allem dem interhöfischen Informationstransfer und der Kontrolle der Kammerdame. Der Ton war höflicher und distanzierter als in den darauffolgenden Jahren. Etwa ab dem Jahr 1708 standen die immer stärker divergierenden Interessen der beiden Höfe im Mittelpunkt und wurden zum Teil heftig diskutiert. Aufgrund der militärischen Situation sah sich Ludwig XIV. nun gezwungen, in offene Friedensverhandlungen mit der Allianz seiner Gegner zu treten. Philipp V. und Marie-Louise dagegen wollten den Krieg fortführen, um den Thron und die Integrität ihres Reiches zu bewahren. Dementsprechend verbreitete die Princesse des Ursins in ihren Briefen Optimismus, um Madame de Maintenon und mithilfe ihrer den französischen König davon zu überzeugen, dass sich die Fortführung seiner Unterstützung auszahlen würde. Madame de Maintenon schien dagegen seit Ende des Jahres 1707 den Boden für eine mögliche Trennung der beiden Höfe zu bereiten. Sie ließ keine Gelegenheit aus, auf die aussichtslose Situation Frankreichs hinzuweisen und bei ihrer Briefpartnerin um Verständnis zu werben. [43] Die Briefe der beiden Frauen wurden zum Verhandlungsort selbst. In dem Maße, in dem die Interessen der beiden Höfe stärker divergierten, identifizierte sich die Princesse zunehmend mit der spanischen Seite, was sich anhand der Entwicklung eines wiederkehrenden Diskurses der Maintenon illustrieren lässt: Im Jahr 1706 schrieb sie noch: "Sie sind zu bedauern, sie, die sie eine gute Französin und eine gute Spanierin sein müssen." Vier Jahre später wirft sie ihr vor, sich mittlerweile mehr mit der spanischen denn mit der französischen Sache zu identifizieren, um noch im selben Jahr festzustellen, dass die Princesse keine Französin mehr sei. [44]

Diskurse als Rückzugsstrategien

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Die schwindende französische Unterstützung fand ihre Entsprechung in der Korrespondenz: Die Briefe wurden kürzer und formalisierter, Patronageanfragen immer häufiger mit dem Verweis auf die eigene Machtlosigkeit abgelehnt. Im Januar 1710 stand ein drohender Abbruch des Briefwechsels zwischen den Zeilen: "Ich werde sehr unzuverlässig und unser Briefwechsel wird augenscheinlich jeden Tag trauriger. Die Angelegenheiten sind es ebenfalls so sehr, dass ich nicht mehr den Mut habe, Ihnen die Neuigkeiten unseres Hofes mitzuteilen, und unsere Interessen divergieren derart, dass ich nicht mehr weiß, wie ich Sie unterhalten darf. [...] Nein, Madame, es geht nicht mehr darum zu diskutieren, und besonders nicht mit mir, die auch dann nichts ausrichten kann, wenn Sie mich von all dem, was sie mir sagen, überzeugt haben werden." [45] Madame de Maintenon versuchte hier offenbar, eine offene Konfrontation zu vermeiden. Sie zog sich rhetorisch aus der Verantwortung, indem sie sich als eine unbedeutende Person, die nichts auszurichten vermöge, darstellte.

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Madame de Maintenon blockte außerdem regelmäßig inhaltliche Diskussionen ab, indem sie unvermutet verkündete, sie habe sich als Frau nicht in solche Angelegenheiten einzumischen [46]: "Es ist richtig, Madame, dass ich mich nicht mehr mit den spanischen Angelegenheiten beschäftige, seit Sie sich nicht mehr einmischen und M. Amelot [französischer Botschafter, 1705-09, C.B.] zurückgekommen ist: Ich verfolgte sie lediglich, um Zeuge Ihrer beiden Verhalten zu sein. Im Übrigen, Madame, kann man es hier nicht ertragen, wenn sich Frauen in die Angelegenheiten einmischen, und weder Eifer oder Verbundenheit noch Betroffenheit können ihnen dafür als Entschuldigung dienen." [47] Der Verweis auf eine geschlechterspezifische Norm, die Frauen politisches Wirken verwehrt, erscheint paradox, führt man sich die dominierenden Themen der Briefe vor Augen. Zwar glich der Stand adeliger Frauen ihren geschlechterspezifischen Nachteil zumindest teilweise aus,  [48] prinzipiell aber waren Frauen in der Frühen Neuzeit von der politischen Teilhabe ausgeschlossen – mit der Begründung ihrer angeblichen geistigen Inferiorität. [49] In den hier untersuchten diplomatischen Korrespondenzen sowie den Botschafterinstruktionen fällt auf, dass das 'Geschlecht' der beiden Frauen überhaupt nicht thematisiert wird. Insbesondere die Princesse erscheint als Akteurin gleichrangig neben ihren männlichen Kollegen. Die beiden Frauen scheinen genauso wie andere männliche und weibliche Handlungsträger ihre Funktion innerhalb der diplomatischen Beziehungen der beiden Höfe gehabt zu haben.

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Um den konkreten Handlungsspielraum von Akteuren ermessen zu können, ist zu fragen, in welchen Kontexten welche Kategorien relevant waren. Wo spielte 'Geschlecht' nun für die Einflussmöglichkeiten der beiden Frauen eine Rolle? Den exklusiven Zugang zum Königspaar ermöglichte der Princesse des Ursins ihr Hofamt als 'camarera mayor' – ein Amt, das nur von einer Frau bekleidet werden konnte. Bei Madame de Maintenon war es ebenfalls vordringlich ihr Geschlecht, das sie als morganatische Ehefrau des Königs in seine Nähe gebracht hatte. Der Kategorie 'Geschlecht' kam demzufolge eine strukturierende Funktion zu. Wenngleich die Einflussnahme der beiden Frauen in den diplomatischen Korrespondenzen wie selbstverständlich zur Kenntnis genommen wurde, war das Bewusstsein, dass geschlechterspezifische Grenzen übertreten wurden, trotzdem vorhanden. Dies zeigt sich dann, wenn die beiden Frauen in ihren eigenen Briefen einen Diskurs aufrechterhielten, der sie als Akteurinnen diskreditierte. 'Geschlecht' generierte also stereotype Argumentationsdiskurse, welche die beiden Frauen strategisch einsetzten, um sich aus der Verantwortung zu ziehen; politische Enthaltsamkeit wurde dann behauptet, wenn in Krisenmomenten die eigene Position stabilisiert werden musste.

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Dieses vermeintliche Paradoxon kann aufgelöst werden, indem man sich von der Sichtweise von 'Geschlecht' als 'ideologischer Abstraktion' löst und die scharfe Dichotomie weiblich-männlich als ein Konstrukt der Aufklärung entlarvt. Die Einflussnahme der beiden Frauen stellt keinen Bruch mit der Norm dar, sondern verweist vielmehr auf ein 'Nebeneinander verschiedener Normen'. Den beiden Frauen eröffneten sich aus ihren unterschiedlichen Rollenangeboten und Rollenzwängen verschiedene Handlungsoptionen: Der Princesse als Kammerdame und Vertraute der Königin, Arbeitskollegin des Botschafters, Beraterin des spanischen Königs und des französischen Staatssekretärs für Auswärtiges; Madame de Maintenon als Sprachrohr des Königs, gleichzeitig aber auch als seine Patronagebrokerin und erste Informationsquelle. Für diese Handlungsoptionen war nicht die Geschlechtszugehörigkeit ausschlaggebend. 'Geschlecht' muss demnach als "mehrfach relationale Kategorie" [50] in Bezug zu anderen Differenzkategorien gesetzt werden.

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Ein weiterer 'Rückzugsdiskurs' rekurriert auf eine andere Normvorstellung: "Ich habe Ihren Brief dem König gezeigt, Madame, ganz nach ihrem Wunsch. Er sieht nichts Neues bezüglich des spanischen Königspaares, oder was Sie betrifft; es gibt aber diesen einen Unterschied, von dem man ihnen immer berichtet [hier: die Möglichkeit, Frankreichs Unterstützung für Spanien beenden zu müssen, C.B.]. Ich werde nicht mehr dazu sagen; der König wünscht, dass alle diese Dinge über die ordentlichen Kanäle laufen, und in Wahrheit möchte ich das auch." [51] Selbstzeugnisse wie die hier untersuchte Korrespondenz kolportieren nur Inhalte, die sich innerhalb der für die Epoche möglichen Denk- und Empfindungsmuster abspielen. [52] Der Verweis auf die 'ordentlichen Kanäle' ('canaux ordinaires') zeigt, dass das Bewusstsein einer Unterscheidung in ordentliche und nicht-ordentliche Kanäle vorhanden war. Offenbar rechnete Madame de Maintenon ihren Briefwechsel mit der Princesse des Ursins zu den 'nicht-ordentlichen' Kanälen. Auch solche Diskurse finden sich vor allem dann, wenn eine Grenze – welcher Art auch immer – markiert werden sollte.

Fazit: Praxis und Diskurs

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Die Verweise auf die 'weibliche Unfähigkeit' und die 'ordentlichen Kanäle' können vor dem Hintergrund einer sich herausbildenden Bürokratie in den Außenbeziehungen gelesen werden. In der diplomatischen Praxis zu Beginn des 18. Jahrhunderts war ein Nebeneinander verschiedenartiger Kanäle selbstverständlich – neben dem Botschafter, der in seiner Eigenschaft als 'ministre public' auftrat, wirkten andere Akteure als 'Privatpersonen', 'particuliers'. Die Entwicklungen des 18. Jahrhunderts sollten eine Trennung der öffentlichen und der privaten Sphäre und ihre Zuweisung zu den Geschlechtern mit sich bringen. Diese neue Koppelung von Privatsphäre und weiblichem Geschlecht sollte die Frauen schließlich ihres politischen Einflusses berauben. [53] Wenn Madame de Maintenon die weibliche Einflussnahme sowie die 'nicht-ordentlichen' Kanäle diskreditierte, geschah dies zwar aus strategischen Gründen und hatte daher auch nur bedingt Einfluss auf ihr politisches Handeln. Doch die Diskurse antizipieren die späteren Entwicklungen bereits. Die Korrespondenz der beiden Frauen spiegelt somit die Gleichzeitigkeit gebräuchlicher Praktiken und sich in zunehmendem Maße durchsetzender Normvorstellungen.

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Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Korrespondenz den beiden Damen zum Austausch von Informationen, zur Aufrechterhaltung eines virtuellen Netzwerkes und zur Diskussion militärischer und politischer Belange diente. Somit war sie eines ihrer wichtigsten politischen Machtinstrumente. Untrennbar damit verbunden war der Nutzen für die beiden Herrscher: als exklusive Informationsquelle und zusätzlicher Ort der Verhandlung militärischer und politischer Fragen. Gemäß dem eingangs formulierten Verständnis von Diplomatie ist diese Korrespondenz als Teil der diplomatischen Beziehungen zwischen dem französischen und dem spanischen Hof zu sehen: Sie erweiterte die Handlungsspielräume der Herrscher. Die Diskussion des Kriegsgeschehens stellt Madame de Maintenon und die Princesse des Ursins als Repräsentantinnen eines sich entwickelnden Gegensatzes zwischen Ludwig XIV. und seinem Enkel Philipp V. dar. Dabei scheint das Aufrechterhalten der Korrespondenz gegenüber einem inhaltlichen Konsens prioritär gewesen zu sein. Abgebrochen wurde der Briefwechsel erst, als die Princesse des Ursins am spanischen Hof endgültig in Ungnade gefallen war: als im Jahr 1714 die neue Königin Elisabetta Farnese gleich bei ihrem ersten Zusammentreffen mit der Kammerdame einen Eklat inszenierte, um ihrem Einfluss am Hof ein Ende zu setzen. [54] Für keinen ihrer Patrone war sie dann noch von Nutzen, weder für Philipp V. noch für Madame de Maintenon oder Ludwig XIV.

Autorin

Corina Bastian, M.A.
Universität Bern
Historisches Institut
Länggassstrasse 49
CH-3000 Bern 9
corina.bastian@hist.unibe.ch



[1] "Je ne crois pas, Madame, que nous pensions différemment quand je crainds plus la perte de la France que celle de l'Espagne [...]. Cependant, Madame, je comprends bien que nous aurons moins de choses à nous dire à l'avenir et que nos lettres seront plus courtes et plus sèches." Maintenon an Ursins, Versailles 02.03.1710, British Library London (BLL), Ms. Add. 20920, 34.

[2] Sven Externbrink: Internationale Beziehungen und Kulturtransfer in der Frühen Neuzeit, in: Thomas Fuchs / Sven Trakulhun (Hg.): Kulturtransfer in der Frühen Neuzeit. Europa und die Welt, Berlin 2003, 227-248, hier: 248; Ursula Lehmkuhl: Diplomatiegeschichte als internationale Kulturgeschichte: Theoretische Ansätze und empirische Forschung zwischen Historischer Kulturwissenschaft und Soziologischem Institutionalismus, in: Geschichte und Gesellschaft 27 (2001), 394-423.

[3] Ute Frevert: Neue Politikgeschichte: Konzepte und Herausforderungen, in: dies. (Hg.): Neue Politikgeschichte: Perspektiven einer historischen Politikforschung, Frankfurt a. M. 2005, 7-26, hier: 14f.

[4] Auch unter den bei Kugeler formulierten Forschungsdesiderata fehlt die Frage nach weiblichen Akteuren. Vgl. Heidrun Kugeler / Christian Sepp / Georg Wolf: Einführung: Internationale Beziehungen in der Frühen Neuzeit. Ansätze und Perspektiven, in: dies. (Hg.): Internationale Beziehungen in der Frühen Neuzeit: Ansätze und Perspektiven, Hamburg 2006, 9-34.

[5] Frevert: Politikgeschichte (wie Anm. 3), 13.

[6] "Diplomatie kennt kein Geschlecht" – der Titel lehnt als doppeltes Zitat zum einen an die Maxime "l'esprit n'a point de sexe" von Poullain de la Barre an. Vgl. Irmgard Hierdeis: Poullain de La Barre, François: 'Die Gleichheit der Geschlechter' und 'Die Erziehung der Frauen' bei Poullain de la Barre (1647-1723): zur Modernität eines Vergessenen, Frankfurt a. M. / Bern 1993; zum anderen vgl. Claudia Opitz-Belakhal: Staatsräson kennt kein Geschlecht. Zur Debatte um die weibliche Regierungsgewalt im 16. Jahrhundert und ihrer Bedeutung für die Konzipierung frühneuzeitlicher Staatlichkeit, in: Helga Kelle (Hg.): Indifferenz gegenüber Differenzen, Stuttgart 2005, 228-241.

[7] BLL, Ms. Add. 20918-20920. Ediert wurde das Jahr 1709: Marcel Loyau (Hg.): Correspondance de Madame de Maintenon et de la Princesse des Ursins. 1709: une année tragique, Paris 2002.

[8] Karl Rohe: Politische Kultur und ihre Analyse. Probleme und Perspektiven der politischen Kulturforschung, in: HZ 250 (1990), 321-346, hier: 327.

[9] Die Autorin verfasst derzeit eine Dissertation im Rahmen des Nationalfonds-Projekts "Weibliche Diplomatie" (www.weiblichediplomatie.de) an der Universität Bern.

[10] Virginia Leon Sanz: Entre Austrias y Borbones. El Archiduque Carlos y la Monarchía de España. 1700-1715, Madrid 1993, 11.

[11] John Lynch: Bourbon Spain: 1700-1808, Oxford u.a. 1989, 22.

[12] Lynch: Spain (wie Anm. 11), 23-27.

[13] Lynch: Spain (wie Anm. 11), 46.

[14] Loyau: Correspondance (wie Anm. 7), 26; Henry Arthur Francis Kamen: The War of Succession in Spain 1700-15, London 1969, 43.

[15] Madame des Ursins an Madame de Noailles, Barcelona, 12.11.1701, zitiert bei Marianne Cermakian: La Princesse des Ursins. Sa vie et ses lettres, Paris 1969, 244.

[16] Wolfgang Reinhard: Freunde und Kreaturen: 'Verflechtung' als Konzept zur Erforschung historischer Führungsgruppen: römische Oligarchie um 1600, München 1979, 29.

[17] Jeroen Duindam: Myths of Power. Norbert Elias and the Early Modern European Court, Amsterdam 1995, 101.

[18] Emmanuel Le Roy Ladurie: Saint-Simon ou le système de la Cour, Paris 1997, 206.

[19] Mark Bryant: Françoise d'Aubigné, Marquise de Maintenon: religion, power and politics: a study in circles of influence during the later reign of Louis XIV, 1684-1715, London 2001.

[20] "Conseil d'en Haut: Principal conseil du gouvernement, où sont prises les décisions politiques majeures." Anne Cochon / Bruno Maes / Isabelle Paresy (Hg.): Dictionnaire de l'Ancien Régime, Paris 2004, Art. Conseil d'en Haut. Vgl. auch Anm. 37.

[21] Birgit Emich: Bürokratie und Nepotismus unter Paul V. (1605-1621): Studien zur frühneuzeitlichen Mikropolitik in Rom, Stuttgart 2001, 91.

[22] Maintenon an Ursins, St. Cyr 30.01.1707, BLL, Ms. Add. 20918, 158.

[23] Maintenon an Ursins, Versailles 19.01.1707, BLL, Ms. Add. 20918, 147.

[24] Cermakian: Ursins (wie Anm. 15), 53f.

[25] Maintenon an den Duc d'Harcourt, 16.4.1701, in: Théophile Lavallée (Hg.): Françoise d'Aubigné de Maintenon: Correspondance Générale, IV, Paris 1866, 423f.

[26] Cermakian: Ursins (wie Anm. 15), 232.

[27] Maintenon an Ursins, Versailles 10.07.1707, BLL, Ms. Add. 20918, 294.Viele Briefe sollten nur die Einführung zu einem persönlichen Gespräch sein, oder verwiesen auf vergangene Gespräche. Vgl. Kristin B. Neuschel: Word of honor: interpreting noble culture in sixteenth-century France, Ithaca u.a. 1989, 114.

[28] Cermakian: Ursins (wie Anm. 15), 322f.

[29] "Elle [Sa Majesté] a depuis été si contente de l'esprit solide de la princesse des Ursins et de la connaissance qu'elle a des affaires d'Espagne, qu'elle a cru ne pouvoir mieux faire que de la renvoyer incessament à Madrid." Mémoire pour servir d'instructions au Sieur Amelot, in: A. Morel-Fatio (Hg.): Recueil des instructions donnés aux ambassadeurs et ministres de France depuis les Traités de Westphalie jusqu'à la Révolution Française, XII (Espagne) / 2 (1701-1722), Paris 1898, 140.

[30] Exemplarisch: Morel-Fatio: Instructions (wie Anm. 29), 140.

[31] "Vous savez, Madame, que je vois avec un extrême plaisir le parfait concert et la bonne intelligence qui est entre vous et M. l'ambassadeur. Elle est plus nécessaire que jamais dans un temps ou les affaires deviennent aussi sérieuses." Torcy an Ursins, Fontainebleau 05.10.1705, Paris: Ministère des Affaires Etrangères, Correspondances Politiques Espagne 148, 181.

[32] Bsp.: "Nous [M. l'ambassadeur et moi] demeurerions cent ans ensemble que vous ne devez pas appréhender, Madame, que vous ne soyons pas parfaitement d'accord. Je peux vous assurer que notre satisfaction réciproque augmente à mesure que nous nous connaissons d'avantage." Ursins an Maintenon, Madrid 23.10.1705, BLL, Ms. Add 20918, 32.

[33] Diese Art von Informationen verlangte der französische König auch von seinen Botschaftern. Vgl. William James Roosen: The functioning of Ambassadors under Louis XIV., in: French Historical Studies 6 (1969), 311-332, hier: 317.

[34] Bsp.: "Comme le roi d'Espagne et M. Amelot manderont au roi ce que les ministres espagnols pensent sur l'affaire dont il est question [hier: Anerkennung des Erzherzogs durch den Papst, C.B.], je me dispenserai, s'il vous plaît, d'avoir l'honneur de vous répéter ce que vous verrez dans leurs lettres et je vais seulement répondre à votre dernière." Ursins an Maintenon, Madrid 20.-25.2.1709, Loyau: Correspondance (wie Anm. 7), 118.

[35] Ursins an Maintenon, Madrid 26.10.1705, BLL, Ms. Add. 20918, 32.

[36] "[…] je suis les affaires d'Espagne le plus près qu'il m'est possible, depuis que vous m'avez fait l'honneur de me l'ordonner à Marly et avec tant d'autorité que je n'oserais y manquer quand j'en aurais envie." Maintenon an Ursins, St. Cyr 06.05.1708, BLL, Ms. Add. 20919, 7.

[37] "Le soir, chez Madame de Maintenon, le roi travailla avec M. de Torcy, des Marets [Desmarets] et Voisin." Stéphanie F. de Genlis (Hg.): Dangeau, Philippe de Courcillon de: Abrégé des mémoires ou journal du Marquis de Dangeau, Paris 1817, Marly 25.6.1709, 103. Vgl. auch: Frédéric Masson (Hg.): Journal inédit de Jean-Baptiste Colbert, Marquis de Torcy, Paris 1884, 26.3.1710, 152. Sie selbst bestätigt ihre Anwesenheit: Maintenon an Ursins, Saint-Cyr 21.7.1709, Loyau: Correspondance (wie Anm. 7), 229f.

[38] Ursins an Maintenon, Madrid 26.10.1705, BLL, Ms. Add. 20918, 32.

[39] Louis an Marcin, Versailles 14.11.1701, Archives de la Défense Paris, A1 1519, 150.

[40] "Il serait inutile, Madame, que j'entrasse de mon côté dans ces détails puisque vous saurez de quoi il est question par ses dépêches [die des Botschafters, C.B.]." Ursins an Maintenon, Madrid 07.02.09, Loyau: Correspondance (wie Anm. 7), 105.

[41] Ludwig an Amelot, Versailles 25.07.1707, zitiert bei: Baron de Girardot (Hg.): Louis XIV: Correspondance avec M. Amelot, son ambassadeur à Madrid. 1705-1709, Nantes 1864, 41.

[42] Roosen: Functioning (wie Anm. 33), 317.

[43] Maintenon an Ursins, Marly 15.04.1709; Loyau: Correspondance (wie Anm. 7), 164.

[44] Maintenon an Ursins, St. Cyr 10.10.1706, BLL, Ms. Add. 20918, 159; Maintenon an Ursins, Versailles 24.09.1710, BLL, Ms. Add. 20920, 296; Maintenon an Ursins, St. Cyr 24.03.1710, BLL, Ms. Add. 20920, 42.

[45] "Je deviens très caduque et notre commerce devient et deviendra apparemment tous les jours plus triste. Les affaires le sont si fort que je n'ai plus le courage de vous mander les nouvelles de notre cour, et nos intérêts se séparent de façon que je ne sais plus de quoi avoir l'honneur de vous entretenir. […] Non, Madame, il n'est plus question de disputer et surtout avec moi, qui ne pourrais rien quand vous m'auriez convaincue de tout ce que vous me dites." Maintenon an Ursins, Versailles 12.01.1710, BLL, Ms. Add. 20919, 250.

[46] Maintenon an Ursins, Saint-Cyr 10.10.1706, BLL, Ms. Add. 20918, 159.

[47] "Il est vrai, Madame, que je n'ai plus entré dans les affaires d'Espagne depuis que vous ne vous en mêlez plus et que M. Amelot est revenu: je ne les ai suivies que pour être témoin de votre conduite à l'une et à l'autre. […] Du reste, Madame, on ne peut souffrir ici que les femmes se mêlent d'affaires, et il n'y a point de zèle et d'attachement ni d'affection qui put leur servir d'excuse." Maintenon an Ursins, St. Cyr 25.01.1710, BLL, Ms. Add. 20920, 7f.

[48] Johannes Arndt: Möglichkeiten und Grenzen weiblicher Selbstbehauptung gegenüber männlicher Dominanz im Reichsgrafenstand des 17. und 18. Jahrhunderts, in: VSWG 77 (1990), 153-174, hier: 173.

[49] Claudia Opitz-Belakhal: Weibliche Herrschaft und Geschlechterkonflikte in der Politik des 16. und 17. Jahrhunderts, in: Klaus Garber / Jutta Held (Hg.): Frieden und Krieg in der Frühen Neuzeit. Erfahrung und Deutung von Krieg und Frieden: Religion - Geschlechter - Natur und Kultur, München 2001, 507-520.

[50] In Anlehnung an: Andrea Griesebner / Christina Lutter: Mehrfach relational: Geschlecht als soziale und analytische Kategorie, in: dies. (Hg.), Die Macht der Kategorien, Wien 2002, 3-5.

[51] "J'ai montré votre lettre au Roi, Madame, selon votre intention. Il n'y a rien vu de nouveau par rapport à L.M.C. et pour ce qui vous regarde, Madame, il est très persuadé de vos droites intentions pour sa personne et pour la France; […] mais il n'y a qu'une différence qui est cette possibilité dont on vous parle toujours. Je n'en dirai pas davantage; le Roi veut que toutes ces choses-là passent par les canaux ordinaires et en vérité, je le veux bien aussi." Maintenon an Ursins, Versailles 15.09.1710, BLL, Ms. Add. 20920, 250.

[52] Andreas Rutz: Ego-Dokument oder Ich-Konstruktion? Selbstzeugnisse als Quellen zur Erforschung des frühneuzeitlichen Menschen, in: Zeitenblicke 1 (2002), Nr. 2, Absatz 18, (http://www.zeitenblicke.de/2002/02/rutz/index.html) <20.10.2008>.

[53] Joan Landes: Women and the Public Sphere in the Age of the French Revolution, New York 1988, 22f.

[54] Bericht eines unbekannten Verfassers: "Relation de la venue de la Princesse des Ursins", 24.12.1714, Louis de la Trémoille (Hg.): Madame des Ursins et la Succession d'Espagne. Fragments de correspondances, Nantes / Paris 1902-1907, 6 Bde., VI, 263.

Empfohlene Zitierweise:

Corina Bastian : 'Diplomatie kennt kein Geschlecht'. Die Korrespondenz der Madame de Maintenon und der Princesse des Ursins im Spanischen Erbfolgekrieg (1705-1715) , in: zeitenblicke 8, Nr. 2, [30.06.2009], URL: http://www.zeitenblicke.de/2009/2/bastian/index_html, URN: urn:nbn:de:0009-9-19517

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