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Zusammenfassung

Madame de Pompadour, Mätresse Ludwigs XV., konnte über ihre Kontakte zu den diplomatischen Vertretern fremder Höfe Einfluss auf die Gestaltung der Außenbeziehungen der französischen Krone nehmen. Für die Hoffremden war sie von großem Interesse: Sie verschaffte ihnen den Zugang zum Herrscher, leitete ihre Anliegen weiter und ermöglichte in ihren Räumen Zusammenkünfte, die für die Diplomaten vielfach von größerem Nutzen waren als ihre streng nach Zeremoniell verlaufenden Audienzen beim König. Auf Geheiß Ludwigs XV. wurden alle Diplomaten bereits zu Beginn ihres Aufenthalts der Mätresse vorgestellt. Anschließend suchten sie sie regelmäßig auf, um ihrer Schmink- und Ankleidezeremonie beizuwohnen. Wie viel Einfluss Madame de Pompadour tatsächlich auf den Herrscher habe, darüber gingen die Meinungen auseinander: Einig waren sich die Diplomaten jedoch in der Überzeugung, dass der Kontakt zur Mätresse von politischem Vorteil sein könne und dass es ihn deshalb zu pflegen gelte. Die praktischen Bedingungen dieses Kontakts und die geschlechtsspezifischen Handlungsspielräume der Mätresse werden im Folgenden untersucht.

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Der kaiserliche Botschafter am Hof in Versailles, Graf Starhemberg, stattete Madame de Pompadour, Mätresse Ludwigs XV. von 1745 bis 1764, in regelmäßigen Abständen Besuche ab, wenn er sich sicher sein konnte, dass er sie allein antreffen werde. In ihrem Appartement im Schloss Versailles besprach er mit ihr seine Anliegen, noch bevor er sich an den Außenminister wandte. Dies geht aus Starhembergs diplomatischer Korrespondenz hervor, [2] und so steht es auch in den Berichten eines britischen Informanten zu lesen, der die Regierung in London während des Siebenjährigen Kriegs mit Nachrichten vom französischen Hof versorgte. [3] Die britischen Staatssekretäre in London zeigten sich angesichts dieser Meldung irritiert: Allerdings nicht, weil sie der Meinung gewesen wären, dass dieses Verhalten mit Würde und Rang des Botschafters der Kaiserin nicht vereinbar sei, sondern vielmehr deshalb, weil keinem der britischen Botschafter jemals das Privileg zuteil geworden war, regelmäßig zu Vier-Augen-Gesprächen mit der mächtigen Mätresse Ludwigs XV. vorgelassen zu werden – und das, obwohl die Briten ihren Botschafter in Versailles, William Anne Keppel, Earl of Albemarle, bereits einige Jahre zuvor angewiesen hatten, er solle sich an die königliche Mätresse wenden, wenn die Gespräche, die er mit dem französischen Außenminister zu führen habe, ins Stocken gerieten. [4] Der britische Botschafter hatte daraufhin erklärt, dass die Marquise de Pompadour ihn zwar protegiere, jedoch sei sie darauf bedacht, sich nicht den Neid der Minister zuzuziehen, und daher verabrede sie sich mit den auswärtigen Botschaftern und Gesandten in der Regel nicht zu Einzelaudienzen. So bleibe ihm, dem Vertreter der britischen Krone, nichts anderes übrig, als weiterhin mit dem Außenminister vorlieb zu nehmen. Denn da er von der Mätresse nicht empfangen werde, könne er nur während ihrer öffentlichen Schmink- und Ankleidezeremonie (ihrer so genannten "toilette") das Wort an sie richten. Hier aber dränge sich der halbe Hof um ihren Frisiertisch und starre sie an – keine gute Gelegenheit also für ein vertrauliches Gespräch. [5]

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Die fremden Diplomaten in Versailles hatten in erster Linie die Aufgabe, ihre Auftraggeber über die Verhältnisse am französischen Hof zu informieren. Sie sollten zu diesem Zweck Kontakte zu den engsten und einflussreichsten Vertrauten Ludwigs XV. knüpfen und über sie Zugang zu ihm zu erlangen. Zu diesen Personen zählte auch Madame de Pompadour. Einzelne Diplomaten erhielten die Gelegenheit, mit ihr unter vier Augen zu sprechen, anderen blieb dieses Privileg vorenthalten. Welchen Nutzen konnten sich beide Seiten – Mätresse und Diplomaten – vom gegenseitigen Kontakt versprechen, und welche Rolle spielte Ludwig XV.? Welchen Einfluss hatte Madame de Pompadour als königliche Mätresse auf die Beziehungen der französischen Krone zu ihren Nachbarmächten? Diesen Fragen soll im Folgenden auf der Grundlage von Gesandtenberichten verschiedener diplomatischer Vertreter aus den 1750er und 1760er Jahren nachgegangen werden.

Die Marquise de Pompadour

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Abb. 1

Madame de Pompadour, geborene Jeanne-Antoinette Poisson, entstammte einer nicht-adligen, aber sehr wohlhabenden Familie aus dem Milieu der Pariser Finance mit guten Kontakten zum Hof und zur Armee. [6] 1721 geboren, wurde sie zunächst einige Zeit zu Hause und später im Internat der Ursulinen in Poissy erzogen. [7] Anschließend sorgte ihr Ziehvater, der Generalsteuerpächter Charles François Paul Le Normant de Tournehem, dafür, dass sie eine gute Ausbildung erhielt: Er engagierte Lehrer, die das begabte Mädchen in Deklamation, Gesang und Tanz unterrichteten. 1741 verheiratete Tournehem Jeanne-Antoinette mit seinem Neffen, Charles Guillaume Le Normant, der ebenfalls Generalsteuerpächter werden sollte. [8] Gemeinsam lebte das junge Ehepaar in Paris, verbrachte jedoch einen Teil des Jahres in Étiolles. In der Nähe dieses Anwesens im Wald von Sénart besaß Ludwig XV. das Schloss Choisy, von wo aus er häufig auf die Jagd ging. Weil sich Madame Le Normant d'Étiolles, die mittlerweile Mutter einer Tochter geworden war, [9] in ihrer Kutsche immer wieder der königlichen Jagdgesellschaft als Zuschauerin genähert hatte, war der König auf sie aufmerksam geworden und hatte ihr mehrere Male Geschenke zukommen lassen.

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Im Dezember 1744 wurde mit dem Tod der Madame de Châteauroux der Platz der Geliebten an der Seite Ludwigs XV. frei, und die Hofgesellschaft erwartete mit Spannung, wen der König zu seiner neuen Mätresse nehmen werde. Mehrere Frauen des Hofadels waren als Nachfolgerinnen der Madame de Châteauroux im Gespräch. Die Chancen der in Versailles unbekannten Madame Le Normant d'Étiolles schienen gering, zumal man am Hof der Meinung war, dass es ein Privileg des Hofadels sei, die königliche Mätresse zu stellen. [10] Dennoch konnte sich Jeanne-Antoinette Le Normant d'Étiolles gegen alle Konkurrentinnen durchsetzen: Sie hatte ein erstes Rendezvous mit dem König auf einem Maskenball in Versailles, der im Februar 1745 zu Ehren der Hochzeit des Dauphin veranstaltet wurde. Nach einigen weiteren Treffen wurde die Beziehung zwischen beiden bekannt. [11] Nachdem Ludwig XV. Madame Le Normant d'Etiolles zur Marquise de Pompadour ernannt hatte, wurde sie im September 1745 als seine Mätresse, als "maîtresse en titre", am Hof eingeführt.

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Die folgenden 19 Jahre lang, bis zu ihrem Tod im April 1764, stand Madame de Pompadour König Ludwig XV. so nah wie niemand sonst: Sie war nicht nur seine Geliebte, sondern auch seine engste Vertraute und Beraterin und damit eine der wichtigsten Personen in seinem unmittelbaren Umfeld. [12] Nur wer ihre Gunst und ihr Wohlwollen erwarb, konnte auch auf die Gunst des Herrschers hoffen. Madame de Pompadour verwaltete die königliche Patronage, sie nahm Einfluss auf die Auswahl von Staatssekretären, Ministern und diplomatischen Vertretern und war an der Arbeit des Königs mit seinen Ministern beteiligt. Der kaiserliche Botschafter Graf Kaunitz betonte 1752 zum Abschluss seines Aufenthalts am französischen Hof: "Die Minister informieren [die Marquise] über alles, was sie dem König zu sagen haben. Es ist der König selbst, der dies verlangt. Die geringste Abweichung [von dieser Regel, E.D.] stürzte die Minister ins Verderben." [13]

Die Mätresse und die Diplomaten

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Angesichts dessen erstaunt es kaum, dass viele der auswärtigen Diplomaten sich nach der Ankunft in Versailles sehr rasch mit der Marquise in Verbindung zu setzen suchten. [14] Dabei musste die Initiative zum gegenseitigen Kontakt nicht von den Diplomaten ausgehen; die erste Begegnung ergab sich in der Regel von allein. Es war am französischen Hof in diesen Jahren üblich, dass der "Introducteur des ambassadeurs" neu angekommene auswärtige Diplomaten im Rahmen ihrer Begrüßungsrunde nicht nur zu den Mitgliedern der königlichen Familie, sondern im Anschluss auch zur Mätresse führte. Einmal bei Hofe eingeführt, erschienen die Diplomaten einmal wöchentlich zu ihrer "toilette". [15] Dies geschah immer dienstags: An diesem Tag kamen die Diplomaten aus Paris nach Versailles, um ihre Audienz beim Staatssekretär wahrzunehmen. Anschließend gingen sie in der Regel zur Mätresse, die an allen Tagen, an denen der Conseil zusammentrat, ihre öffentliche Ankleidezeremonie abhielt. [16] Auch diese Begegnung geschah auf Wunsch des Königs, wie aus den Memoiren des Marquis d'Argenson ersichtlich wird, der 1755 schrieb: "[Der König, E.D.] will, dass die Botschafter [der Marquise de Pompadour, E.D.] jeden Dienstag einen Besuch abstatten, genauso wie der Königin. Der Introducteur des ambassadeurs geleitet sie zu ihrer Ankleide. Man muss doch zugeben, dass dies alles sehr außergewöhnlich ist." [17]

Abb. 2

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Die Vorstellung bei Madame de Pompadour gehörte demnach üblicherweise zum Auftakt jeder diplomatischen Mission, und der Besuch ihrer stets nach demselben Muster verlaufenden 'toilette' war Bestandteil jedes wöchentlichen Besuchs eines Diplomaten am Hof. Die Mätresse nahm dementsprechend keine rein informelle Stellung ein. Dem widerspräche auch ihre Bezeichnung als "maîtresse en titre", was sich in etwa mit "Mätresse mit Amtsbezeichnung" [18] übersetzen lässt. Dennoch handelte es sich bei der Funktion der Mätresse nicht um ein Hofamt: Madame de Pompadour war zu Beginn ihrer Zeit kein Titel verliehen und kein Amt übertragen worden, mit dem klar definierte Pflichten und Rechte verbunden gewesen wären. Ihre Erhebung zur Mätresse war ohne bestimmte zeremonielle Regeln geschehen, [19] und sie erhielt weder Ernennungsurkunde noch "lettres de provisions" oder durch das Parlement registrierte "lettres patentes", wie es bei Ämtern der Fall war. [20] In den Hofordnungen finden sich keinerlei Hinweise darauf, wie mit der Mätresse umzugehen sei und welcher Rang ihr im Zeremoniell zugewiesen werden müsse.

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Die "maîtresse en titre" als "Hofbeamtin" zu bezeichnen, ist daher irreführend und geht zu weit. [21] Zu Recht weist etwa Sybille Oßwald-Bargende darauf hin, dass die Ausübung politischer Macht von Seiten der Mätresse nicht an einen formalen Status ihrerseits geknüpft gewesen sei – ebenso wenig treffe dies indes auf männliche Hofangehörige zu: Auch unter ihnen habe nicht nur derjenige Einfluss geltend machen können, der Inhaber eines Amtes gewesen sei. Vielmehr habe der gesamte Hof am politischen Geschehen partizipiert. [22] Die Position der "maîtresse en titre" des Königs ist in diesem Sinne auf halbem Wege zwischen Formalität und Informalität zu verorten.
Die sexuelle Beziehung zum König war keine Voraussetzung, um als "maîtresse en titre" wahrgenommen zu werden: Im Falle Madame de Pompadours währte die körperliche Beziehung nur wenige Jahre und war bereits um 1751 vorbei. Der Funktionswandel Madame de Pompadours von der Geliebten des Königs zu seiner "amie nécessaire" [23] wurde von der Hofgesellschaft und auch von Seiten der auswärtigen Beobachter mit Interesse konstatiert und kommentiert. [24] Er führte jedoch nicht dazu, dass sie ihre Stellung als "maîtresse en titre" verloren hätte: Zwar hatte Ludwig XV. vor allem nach 1751 zahlreiche Liaisons und Liebschaften mit den sogenannten "petites maîtresses", die bisweilen über mehrere Monate Bestand hatten und aus denen mehrere Kinder hervorgingen. [25] Weiterhin blieb jedoch Madame de Pompadour die engste weibliche Vertraute und Beraterin des Königs mit einem eigenen Appartement im Schloss von Versailles in unmittelbarer Nähe zu den Räumlichkeiten des Königs. [26]

Madame de Pompadour und die europäischen Mächte

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Welchen Nutzen konnten sich Diplomaten und andere Hoffremde von ihren mehr oder weniger engen Kontakten zu Madame de Pompadour versprechen? In dieser Frage gingen die Meinungen auseinander: Ob sich die Mätresse darauf konzentrierte, den König in seiner Personalauswahl zu beraten, oder ob sie über ihre Teilhabe an der Regierungsarbeit auch grundlegende Fragen in den Beziehungen zu den fremden Mächten beeinflussen und womöglich über Krieg und Frieden entscheiden konnte, darüber war man sich nicht einig.

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Die Botschafter der britischen Krone, denen gegenüber sich Madame de Pompadour sehr aufgeschlossen und freundlich zeigte, waren überzeugt, dass sie zwar kein Mitspracherecht in Detailfragen habe, dass sie aber auf die großen Linien der französischen Politik sichtbaren Einfluss nehme. In den Jahren der kolonialen Auseinandersetzungen am Vorabend des Siebenjährigen Kriegs baute man von Seiten Großbritanniens ganz auf sie: Man überschüttete sie mit Geschenken und Aufmerksamkeiten, [27] denn man war überzeugt, dass es in der Hand der Mätresse liege, ob und wann die französische Krone Großbritannien den Krieg erkläre: Sie habe aus verschiedenen Gründen ein Interesse daran, den Kriegsausbruch zu verhindern. Und so betrachtete vor allem der britische Staatssekretär des Äußeren und spätere Premierminister Thomas Pelham-Holles, Duke of Newcastle, die Marquise als Kopf einer pro-britischen Friedenspartei am Versailler Hof, die es unbedingt zu stärken gelte. [28]

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Zwar kamen die Vertreter Großbritanniens am französischen Hof nicht in den Genuss, von Madame de Pompadour zu Einzelaudienzen vorgelassen zu werden. Jedoch stand Newcastle von London aus in Briefkontakt mit der Marquise de Pompadour und erbat sich von seinem Botschafter in Versailles regelmäßig Nachrichten über die Mätresse, die er als "the finest Lady in Europe (out of England)" [29] bezeichnete. Newcastle war überzeugt, dass ein gutes persönliches Verhältnis zur Mätresse des französischen Herrschers der britischen Krone spürbare politische Vorteile bringen könne. Die Berichte seiner Botschafter hatten für ihn keinen Zweifel daran gelassen, dass die Mätresse auch im Bereich der Außenbeziehungen Macht ausübe und in der Lage sei, zwischen den britischen Interessenvertretern und dem französischen König zu vermitteln, wenn sie die Veranlassung dazu sehe. [30] Tatsächlich geht aus den Quellen hervor, dass Madame de Pompadour und ihre Hofpartei sehr für eine englandfreundliche Haltung warben. Am Hof schrieb man deshalb die zögerliche Vorgehensweise Ludwigs XV. gegenüber Großbritannien in den Jahren 1755 und 1756 maßgeblich der Marquise de Pompadour zu. So führte etwa der frühere französische Außenminister d'Argenson, der zu den Gegnern der Mätresse am Hof zählte, aus: "Madame de Pompadour gibt vor, die ehrenvolle Aufgabe zu haben, für Frieden zwischen Frankreich und England zu sorgen; wieder einmal eine irre geleitete Extravaganz, denn sie führt dazu, dass der König England schont und ihm nicht all das politische Übel antut, das er ihm antun könnte […]. Der König, der von der Marquise regiert wird, fürchtet zu sehr, die Engländer zu verärgern, während sie keine Gelegenheit auslassen, uns das Schlimmste in unverfrorener Manier anzutun." [31]

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Die preußischen Botschafter schätzten die Rolle der Mätresse zunächst völlig anders ein als ihre britischen Kollegen. Sie waren sich sicher, dass Madame de Pompadour keinerlei Einfluss auf die auswärtigen Angelegenheiten nehmen könne: Aus der Bekanntschaft mit ihr sei kein Nutzen für die Beziehungen der preußischen Krone zu Frankreich zu ziehen, entgegneten sie Friedrich II. auf dessen Nachfrage. Madame de Pompadour fehle es an Geistesstärke, um ihr Wissen zu nutzen: Sie durchschaue die Vorgänge nicht und könne daher im Ministerium nicht den Ton angeben, auch wenn sie nach außen gern den Eindruck vermittle, als seien ihre Einflussmöglichkeiten unbegrenzt. [32]

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Dieses Urteil mussten die preußischen Diplomaten indes revidieren, nachdem sie hatten feststellen müssen, dass Madame de Pompadour seit neuestem auf Wunsch des Außenministers Puisieulx an dessen Arbeitsgesprächen mit dem König teilnahm. [33] Dies geschehe auf Wunsch des Ministers, der es offensichtlich für angebracht halte, sich mit Madame de Pompadour zu verbinden. Er weihe sie sozusagen "zur Hälfte" in die außenpolitischen Angelegenheiten ein und wolle auf diese Weise seinen eigenen Stand beim König verbessern. An den Möglichkeiten der Mätresse, bei der Gestaltung der auswärtigen Beziehungen mitzureden, zweifelten die preußischen Botschafter nach dieser Neuerung nicht mehr, und so bemühten auch sie sich in der Folge verstärkt um den Kontakt zu ihr. Friedrich II. war bereit, Madame de Pompadour kostbare Geschenke zu machen und bot große Summen Geldes auf, damit sie in seinem Sinne auf den König einwirke. Nach seiner Unterzeichnung der Westminster-Konvention mit Großbritannien im Januar 1756, mit der er den französischen Hof erneut gegen sich aufgebracht hatte, hoffte er sogar, dass eine Audienz seines Vertreters bei Madame de Pompadour die Wogen glätten und die Stimmung gegen ihn bessern könne. [34] Madame de Pompadour aber lehnte alle Anfragen und Angebote Preußens ab: Sie verweigerte dem preußischen Vertreter die gewünschte Audienz bei ihr. [35]

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Der Vertreter Habsburgs war – wie bereits eingangs erwähnt – privilegiert: Vor allem nach dem Abschluss des französisch-habsburgischen Bündnisses 1756 [36] wurde er, wann immer er es wünschte, von Madame de Pompadour empfangen, und zwar ohne Voranmeldung. [37] Dieses Vorrecht wusste der Botschafter durchaus zu schätzen. Dennoch war seine Einschätzung der Fähigkeiten Madame de Pompadours zwiespältig: Ihre Kenntnisse in politischen Fragen seien sehr oberflächlich, beklagte er gegenüber dem Staatskanzler in Wien: "[A]usser dem festgestellten Haupt-Sistemate [verstehet sie, E.D.] von der Politique gar nichts […]." [38] Nichtsdestotrotz wurde Starhemberg nicht müde, zu betonen, dass jeder Kontakt zum französischen König über Madame de Pompadour gehen müsse, wenn er Aussicht auf Erfolg haben solle. Das Bündnis, das 1756 zwischen Frankreich und Österreich zustande kam, schrieb Starhemberg allein ihrem Engagement zu. Erst nachdem die Mätresse den Kontakt zwischen dem Wiener Botschafter und dem König hergestellt hatte, waren überhaupt Verhandlungen möglich geworden. [39]

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Es gilt demnach festzuhalten: Von Seiten der auswärtigen Mächte und ihrer Vertreter zweifelte man nicht grundlegend an den Möglichkeiten der Pompadour, auf den König in Fragen von großer Tragweite einzuwirken. Die Funktionen, die man ihr zusprach, waren die einer Vermittlerin zwischen den Vertretern fremder Mächte und dem König. Sie diente als Zugang zum Herrscher. Mit ihm in unmittelbaren Kontakt zu treten, gestaltete sich in der Regel sehr schwierig, insbesondere für jene Diplomaten, die niederen Ranges waren und deshalb nicht beim Herrscher selbst, sondern lediglich beim Staatssekretär des Äußeren akkreditiert waren. Aber auch die Botschafter, die regelmäßig zu Audienzen mit Ludwig XV. vorgelassen wurden, beklagten, dass sie zu diesen Anlässen nur sehr wenige, häufig eher belanglose Worte mit dem König wechseln konnten: "Während der Audienzen, die [Ludwig XV., E.D.] [den Diplomaten, E.D.] gewährt", so klagte etwa der kaiserliche Botschafter Kaunitz 1752, "begnügt er sich damit, die Lippen zu bewegen, um den Eindruck zu erwecken, als habe er geantwortet. […] Niemals erweist er Fremden die Ehre, mit ihnen zu sprechen. Wenn sie ihm vorgestellt werden, wagt er es kaum, sie zu grüßen. Häufig geht er sogar vorüber, ohne sie angesehen zu haben." [40]

Abb. 3

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Wenn die Diplomaten den König unmittelbar zu erreichen suchten, wenn sie ihm Schriftstücke zukommen lassen oder ihn in vertraulichem Rahmen zu sprechen wünschten, wandten sie sich an seine Mätresse: Madame de Pompadour reichte die Briefe weiter, die ihr die Diplomaten übergaben, sie informierte Ludwig XV. über Anfragen und bot den auswärtigen Vertretern in ihren Räumen die Möglichkeit zum Gespräch mit dem Monarchen – auch jenen diplomatischen Vertretern, denen eine Unterredung mit dem Monarchen gemäß Zeremoniell nicht gestattet war. [41] Wichtige Nachrichten, die Vertreter fremder Höfe in Versailles bekannt zu geben hatten, überbrachten sie häufig erst dem Staatssekretär und wiederholten sie dann gleichlautend bei Madame de Pompadour, mitunter in Anwesenheit des Königs. [42] Ebenso gab auch Madame de Pompadour bisweilen Neuigkeiten, die sie vom König erfahren hatte, an die Diplomaten weiter, bevor diese sie aus dem Mund des Staatssekretärs noch einmal erfuhren.

Mätresse und Minister

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Für Madame de Pompadour bot der Kontakt mit den Diplomaten die Möglichkeit zum Prestigegewinn und zur Sicherung ihrer Stellung. Zugleich jedoch machte er Auseinandersetzungen zwischen Mätresse und Ministern unvermeidlich, fungierte doch formal der Staatssekretär des Auswärtigen als Ansprechpartner der Diplomaten. Schwierigkeiten, die sich aus ihrem teilweise sehr regen Kontakt zu den Diplomaten zu ergeben drohten, versuchte Madame de Pompadour aus dem Weg zu gehen, indem sie ihr Wirken den Staatssekretären gegenüber nicht allzu deutlich herausstellte: 1757 etwa bat Madame de Pompadour den kaiserlichen Botschafter Starhemberg darum, sich gegenüber dem französischen Außenminister Rouillé nicht anmerken zu lassen, dass sie ihm die Entscheidung in einer wichtigen Personalfrage bereits mitgeteilt habe. Starhemberg solle sich unwissend stellen, um den Minister nicht zu verärgern, und ihn in dem Glauben lassen, dass er der erste Übermittler der königlichen Entscheidung sei. [43]

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Die Befürchtung, dass sein auffallend enges Verhältnis zu Madame de Pompadour Missfallen beim Außenminister erregen könnte, bewog umgekehrt auch Starhemberg im Jahr 1758 dazu, seine häufigen Besuche bei der Mätresse vorübergehend einzuschränken: Er berichtete an Staatskanzler Kaunitz nach Wien: "Nur muss ich noch diesen Umstand gehorsamst anführen, dass, da ich Ursach zu besorgen gehabt habe, es möchte [der Außenminister] [Abbé de Bernis] über meine besondern Visiten bei der Madame de Pompadour einige Verlegenheit empfinden, ich seit des letztern Aufenthalts in Fontainebleau der besagten Madame de Pompadour keine andere als die gewöhnliche Visite, die ihr alle Bottschafter und auswärtige Minister des Diensttags abzustatten pflegen, mehr gemacht habe." [44] Eineinhalb Jahre später nahm Starhemberg diese von ihm so bezeichneten "besondern Visiten" bei der Marquise in geringerem Maße wieder auf, wie aus einem seiner späteren Briefe hervorgeht – jedoch vermied er, "[e]inen mehreren Umgang mit ihr zu unterhalten," denn ein solcher scheine ihm "aus verschiedenen Ursachen, zumahlen aber wegen der jalousie, die es bei dem [Außenminister] [Duc de Choiseul, E.D.] erwecken könnte, nicht rathsam zu sein." [45]

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Die diplomatische Praxis, wie sie sich anhand der drei skizzierten Beispiele erschließt, zeigt, dass die Mätresse und der vom König ernannte Staatssekretär des Auswärtigen als Kontaktpersonen für Hoffremde miteinander rivalisierten. Dabei ist aus den Quellen ersichtlich, dass die Minister am französischen Hof in größerem Maße, als es andernorts üblich war, darauf achteten, dass niemand Aufgaben aus ihrem Zuständigkeitsbereich an sich reiße. [46] Dies galt einerseits in Abgrenzung gegenüber den Verantwortlichen der übrigen Ressorts, den Staatssekretären der Marine, des Krieges, der Finanzen und der Maison du Roi, dies galt andererseits aber insbesondere auch gegenüber Personen, die zu ihren Aufgaben nicht formal durch den Herrscher ernannt und legitimiert worden waren. Zu dieser Gruppe von Personen zählte Madame de Pompadour: Sie hatte kein Amt, keinen Fachbereich, dafür die Nähe und das Vertrauen des Herrschers und damit Macht und Einfluss. Sie stand zwischen Staatssekretariaten, Monarch und Diplomaten und vermittelte zwischen diesen dreien. In dieser Hinsicht entsprach sie dem Typus des frühneuzeitlichen Günstlingministers – sie war seine weibliche Variante. [47]

Weibliche Netzwerke?

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Der stetige Ausbau der Staatssekretariate und die zunehmende Professionalisierung und Bürokratisierung der königlichen Verwaltung brachten es mit sich, dass die Möglichkeiten, bei Hofe auf informellem Wege Einfluss zu nehmen, mit der Zeit abnahmen. Diese Entwicklung hatte zur Folge, dass Frauen, die allein über personale Netzwerke und auf informellem Wege Macht ausüben konnten, immer mehr an Einfluss verloren. [48] Ihnen standen formale Ämter, die mehr und mehr zur Grundlage und Voraussetzung politischer Einflussnahme wurden, nicht zur Verfügung. Sie spielten daher auf der Entscheidungsebene bei Hof bereits um die Mitte des 18. Jahrhunderts eine geringere Rolle als noch einige Jahrzehnte zuvor unter der Regierung Ludwigs XIV. [49] Die Marquise de Pompadour agierte als Frau dementsprechend in einem fast durchweg männlichen Umfeld. In den Quellen finden sich keine Hinweise darauf, dass sie Bestandteil eines personalen Netzwerks gewesen wäre, das sich durch einen hohen Anteil an Frauen oder deren Dominanz ausgezeichnet hätte.

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Es gibt eine Reihe von Frauen, die immer wieder als ihre Freundinnen erwähnt werden, die an den Reisen des Hofes teilnahmen und gemeinsam mit ihr und dem König aßen. [50] Außerhalb dieser Kontexte werden jenen Frauen jedoch keinerlei Funktionen zugeschrieben. Es stellt sich angesichts dessen die Frage, welche Bedeutung im Falle der Pompadour der Tatsache zukam, dass es sich bei der Vertrauten des Königs um einen weiblichen und nicht um einen männlichen Günstling handelte. Blieben Madame de Pompadour in dieser Phase des zunehmenden Behördenausbaus mehr Handlungsspielräume, als sich männlichen Günstlingen auf dieser Stufe der Entwicklung boten? Zeigten sich die Vertreter der Behörden der informell agierenden Vertrauten des Königs gegenüber toleranter, als es der Fall gewesen wäre, wenn es sich um einen männlichen Vertrauten gehandelt hätte – eben weil Madame de Pompadour der Weg zur formalen Einflussnahme über ein Regierungsamt qua Geschlecht nicht als Alternative zur Verfügung stand? In den zeitgenössischen diplomatischen Quellen wird dieser geschlechtsspezifische Aspekt nicht explizit thematisiert. Obwohl es gerade die weibliche Sexualität war, die der Mätresse zu ihrer Position bei Hof verholfen hatte, spielte die Geschlechtszugehörigkeit der Marquise de Pompadour in der Wahrnehmung ihrer Person durch die Diplomaten keine ausdrückliche Rolle; zumindest vermitteln die diplomatischen Berichte diesen Eindruck. [51] Dennoch finden sich in den Quellen Anhaltspunkte zur Klärung dieser Frage: Hier lohnt der Blick auf die Aussagen der Mätresse selbst. [52]

Selbstbeschränkung als Strategie

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Thematisiert wird die Geschlechterfrage am häufigsten von der Marquise selbst: Gegenüber dem spanischen Botschafter etwa beteuerte sie 1756, dass sie keinen Einfluss auf politische Angelegenheiten nehmen könne. Dazu fehle es ihr an der nötigen Macht, als Frau vor allem aber an den nötigen Kenntnissen und der Einsicht in Vorgänge dieser Art. [53] Diese demonstrative Selbstbeschränkung mit Hinweis darauf, dass sie eine Frau sei, findet sich in dieser Weise an zahlreichen Stellen. So gab Madame de Pompadour auch Herzog Christian IV. von Pfalz-Zweibrücken [54] gegenüber zu verstehen, dass sie "in politischen Fragen keineswegs Entscheidungen beeinflussen" könne, denn von diesen Fragen "dürften Frauen nichts verstehen." [55] Diese Einschätzung hielt sie jedoch nicht davon ab, Christian gleich im Anschluss daran eine Reihe von Verhaltensregeln und Ratschlägen zu erteilen, wie er sich in den Auseinandersetzungen innerhalb des Hauses Wittelsbach, vor allem mit Karl Theodor, dem Kurfürsten von der Pfalz, verhalten solle. Sie beriet ihn außerdem bei der Wahl einer passenden Heiratskandidatin, drängte ihn erfolgreich zum Konfessionswechsel und trat als Mittlerin zwischen Karl Theodor und dem Kölner Kurfürsten Clemens August auf, als es Streitigkeiten um eine Gruppe von Balletttänzern gab, die beide für sich beanspruchten. [56]

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In ihrem Verhalten gegenüber Christian IV. zeigt sich anschaulich, dass ihre vorgegebene Zurückhaltung und ihr tatsächliches Verhalten zweierlei sind: Ihre Ratgebertätigkeit ging Hand in Hand mit Hinweisen auf ihre fehlende Befugnis, ihre mangelnden Geistesfähigkeiten und Kenntnisse. Auf Bemerkungen, dass sie als Frau nicht über geschäftliche Angelegenheiten befinden und auch nicht vorgeben dürfe, dazu in der Lage zu sein, folgte das genaue Gegenteil dessen. Herzog Christian IV. entgegnete daraufhin, es sei zwar richtig, "dass Frauen in politischen Dingen nicht mitentscheiden dürfen." In ihrem Fall aber sei das ja wohl etwas anderes: "Sie sagen mir, Frauen sollten nicht über öffentliche Angelegenheiten entscheiden. In den meisten Fällen stimme ich mit Ihnen darin überein, aber wenn man so klug ist, wie Sie es sind, dann scheint mir, dass auch ein Mann keine besseren Entscheidungen fällen könnte." [57]

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Auch in ihren Briefen an den Militärbefehlshaber Duc de Richelieu versteckte sich Madame de Pompadour hinter der angeblichen Unkenntnis und Unfähigkeit von Frauen im Hinblick auf die öffentlichen Angelegenheiten und versäumte es nicht, ihr eigenes Urteil stark zurückzunehmen und abzuwerten: "Die Frauen sind nicht dazu geschaffen, Monsieur le Maréchal, öffentliche Angelegenheiten zu erörtern. Auch ich werde mich nicht einmischen." [58] Diese Form der Selbst-Abwertung lief auch in diesem Fall parallel und stand scheinbar nicht im Widerspruch dazu, dass Madame de Pompadour dem Duc de Richelieu über Jahre hinweg schriftlich Rat erteilte, dass sie ihn ihre Meinung zum Kriegsverlauf wissen ließ und personalpolitische Details mit ihm erörterte, nach denen er sie explizit befragte.

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In ihrer schriftlichen Selbstdarstellung folgte Madame de Pompadour dem gängigen Prinzip der "devotionalen Selbstverkleinerung", [59] die als Zeichen der Ergebenheit und Unterwürfigkeit gegenüber den Adressaten von Briefen in den Briefstellern des 17. und 18. Jahrhunderts gefordert wurde. [60] Unterwürfigkeitsbekundungen und das Infragestellen der eigenen Urteilsfähigkeit waren Bestandteil auch der diplomatischen Korrespondenz. [61] Bei Madame de Pompadour war die Herabwertung des eigenen Urteilsvermögens indes nicht begleitet von einem Verweis auf einen möglichen Standesunterschied zwischen ihr und den Adressaten ihrer Briefe, auf ihre mangelnde Erfahrung oder das wenig bedeutende Amt, das sie bekleide. Die Mätresse begründete ihre "Selbstverkleinerung" stattdessen mit einem Hinweis auf ihre Geschlechtszugehörigkeit: Ihr Urteil sei deshalb nicht maßgeblich, weil sie eine Frau sei.

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Für Madame de Pompadour barg dieser Verweis auf Unkenntnis und Unfähigkeit handfeste Vorteile: Zum einen wahrte sie so die gesellschaftliche Norm. Der zeitgenössische Diskurs sprach den Frauen die geistigen und körperlichen Fähigkeiten ab, die zur Ausübung von Herrschaft nötig seien, [62] und Madame de Pompadour schien sich an der aus diesen Stereotypen hervorgegangenen Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern zu orientieren – zumindest legte sie Wert darauf, in ihrer schriftlichen Selbstdarstellung diesen Eindruck zu erwecken. Zum anderen schuf sie sich auf ebendiese Weise Handlungsspielräume: Indem sie ihre eigenen Betrachtungen zu Fragen der Regierungsarbeit und die daraus erwachsenen Ratschläge abwertete und vorgab, dass ihr Einfluss auf den König keinerlei politisches Gewicht habe, konnte sie sich der Verantwortung für ihr Handeln entziehen und sich – und die Personen, die auf ihre Mithilfe setzten – in schwierigen Situationen vor einem Gesichtsverlust bewahren. Das Handeln der Mätresse verlief häufig jenseits der Regeln des Zeremoniells und bot gegenüber der zunehmend formalisierten Bürokratie zahlreiche Vorteile: Es ermöglichte größere Effizienz und Geschwindigkeit. Indem Madame de Pompadour die Vorrangstellung der Amtsträger des Königs dennoch nicht explizit in Frage stellte und ihr Agieren in gesellschaftlich akzeptable Formen brachte, konnte sie als Akteurin bei Hof auch in einer Zeit des zunehmenden Behördenwachstums bestehen. [63]

Zusammenfassung

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Diplomatische Vertreter in Versailles wandten sich, wenn sie beim französischen Herrscher mit ihren Anliegen Gehör finden wollten, ebenso wie an den zuständigen Minister der auswärtigen Angelegenheiten auch an die Mätresse, Madame de Pompadour. Sie verfügte als engste Vertraute des Königs über wertvolle Kontakte und großes Wissen und war daher als Ansprechpartnerin für die Vertreter auswärtiger Mächte attraktiv. Man suchte sie als Zugang zum König und schrieb ihr großen Einfluss auf dessen Entscheidungen zu. Diese Einschätzung beruhte auf soliden Grundlagen: Es war bekannt, dass sie beispielsweise an Besprechungen zwischen König und Außenminister teilnahm, dass die Minister mit ihren Anliegen zunächst zu ihr kamen – wenn jemand es nicht tat, wurde dies als Ausnahme vermerkt – und dass der König Minister in vielen Fällen zu ihr schickte, um sich abzusichern, bevor er eine Entscheidung fällte.

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Zwar beruhten die Herrschaftsstrukturen in der Mitte des 18. Jahrhunderts nicht mehr allein auf personaler Verflechtung, jedoch war es auf bestimmten Gebieten nach wie vor möglich und notwendig, Entscheidungen auf informellem Wege zu beeinflussen, so in der Diplomatie. Damit bot sich für die Mätresse die Gelegenheit, Einfluss zu nehmen. Zwar wurde der politische Sachverstand der Marquise de Pompadour von Seiten der diplomatischen Akteure angezweifelt. Jedoch änderte dies nichts an der Tatsache, dass man die persönliche Beziehung zu ihr als politisch gewinnbringend einschätzte. Auch den meisten Ministern der französischen Krone wurde schließlich von Seiten der britischen, habsburgischen und preußischen Minister mangelnde Qualifikation und Geistesstärke unterstellt. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, so schrieb etwa der habsburgische Beobachter Starhemberg, mangele es den französischen Staatssekretären an Erfahrung, an fachlicher Befähigung und in den meisten Fällen auch an gesundem Menschenverstand und dem Willen, dem Wohl der Allgemeinheit zu dienen. [64]

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Dennoch ersetzte die Beziehung der Diplomaten zur Mätresse keineswegs den regulären Kontakt mit dem Außenminister, woraus sich eine Rivalität zwischen Ministern und Mätresse ergab. In diesem Nebeneinander war die Mätresse bemüht, ihre politische Macht nach außen hin als unwesentlich darzustellen, woraus sich für sie eine Erweiterung ihrer Handlungsspielräume ergab. Auch die Botschafter waren zwar von ihren Einflussmöglichkeiten überzeugt und suchten sie zu nutzen. Zugleich achteten aber auch sie darauf, ihre Kontakte zur Mätresse nicht allzu sehr nach außen zu kehren und sie auch aus ihrer Korrespondenz möglichst herauszuhalten: In Denkschriften und Berichten, die für den Amtsgebrauch bestimmt waren, erscheint sie weniger häufig als in Briefen, die eher geringeren formalen Charakter haben.

Autorin

Dr. des. Eva K. Dade
Historisches Institut
Universität Bern
Länggassstr. 49
CH 3000 Bern 9
eva.dade@gmx.de



[1] Dieser Artikel fasst Ergebnisse meiner Dissertation zusammen, die im November 2008 unter dem Titel "Die Mätresse und die Diplomatie: Madame de Pompadour in den Außenbeziehungen der französischen Krone (1745-1756)" von der Philosophisch-historischen Fakultät der Universität Bern angenommen worden ist.

[2] Starhemberg an Kaunitz, Paris 26.9.1759, Haus-, Hof- und Staatsarchiv (HHStA) Wien, Frankreich Berichte, Karton 106 (1759), f. 156r. "Ich pflege meistentheils ausser denen von ohngefähr sich ergebenden Gelegenheiten alle zwei oder drei Wochen ihr einen besonderen Besuch zu solchen Stunden abzustatten, wo ich sicher bin sie allein anzutreffen, und eine geraume Zeit bei ihr bleiben zu können."

[3] British Library London (BLL), Add. Ms. 32886, f. 452, 24.12.1758, Intelligence Paris. "It has been observed for some time past, that Count Starhemberg has access at all hours to Madame Pompadour; and that he treats with her about whatever relates to his court before he opens himself to the ministers of Foreign affairs."

[4] Holdernesse an Albemarle, Private, London 2.4.1753, BLL, Eg. Ms. 3457, f. 66. "[…] I observe you confine your conversations with St Contest only, now tho' he has the Department of Foreign Affairs, he certainly is not the Minister of France, and in so material a Point as to the Prussian Dispute, I should think it might be talked of to others as well as him, and I would suggest, for your consideration, whether a certain Lady might not be made to understand, that the Prussian having done us a national injustice and affront, it would probably not be zwallowed, and if it is not redressed may draw consequences which I suppose it is Her inclination and interest to avoid […]. I venture this hint for your consideration […]."

[5] Albemarle an Holdernesse, Private, Paris 8.4.1753, BLL, Eg. Ms. 3457, f. 68. "I flatter myself that she honours me with her protection, but then there is no speaking to her but in publick at her Toilette, where every one standing round her dressing table gaze at her like so many statues […] and for fear of giving umbrage to the monarch, or jealousy to his ministers, she never gives private audiences to any of us, one particular instance is named, and that happened in 1748 when Mr de Berensdorf obtained leave to speak to her in her closet, but it caused so much rumour that it remains a single case, […]." Auch: Albermarle an Newcastle, Paris 6.6.1753, BLL, Add. Ms. 32845, f.18. "Pray my dear lord, to whom can I apply to but to St Contest, to be informed. My poor friend, Mme de Pompadour, is in jeopardy herself, and a little Irish girl [i.e. Marie-Louise O'Murphy, eine Geliebte Ludwigs XV., E.D.] and her followers engrosses all the Marquise's thoughts, besides no foreign minister ever speaks to her in private for reasons I have fully explained to My Lord Holdernesse."

[6] Zur Biographie Madame de Pompadours Évelyne Lever: Madame de Pompadour, Paris 2003.

[7] Der Briefwechsel zwischen dem Vater Jeanne-Antoinettes und der Oberin des Klosters aus den Jahren 1729 und 1730 ist zu finden in der Handschriftensammlung der Bibliothèque municipale de Versailles, Manuscrits, Panthéon versaillais, La Marquise de Pompadour, Nr. 2: "Sept lettres adressées à son père par la supérieure et par sa tante au couvent donnant des nouvelles de la jeune fille alors âgée de 8 ans." Die Briefe sind außerdem veröffentlicht von Paul Fromageot: L'enfance de Madame de Pompadour d'après des documents inédits, in: Revue de l'histoire de Versailles et de Seine-et-Oise 4 (1902), 196-207.

[8] Der Ehevertrag vom 4. März 1741 findet sich in: Emmanuel Henri Vicomte de Grouchy (Hg.): Contrat de mariage de la Marquise de Pompadour (4 mars 1741), in: Bulletin de la Société de l'Histoire de Paris et de l'Ile de France 17 (mars-avril 1890), 50-55.

[9] Diese Tochter, Alexandrine, geboren am 10. August 1744, war das einzige Kind aus der Verbindung der späteren Madame de Pompadour mit ihrem Ehemann Le Normant d'Étiolles. Ein erstes Kind, ein Junge, den Jeanne-Antoinette im Dezember 1741 zur Welt gebracht hatte, war nach wenigen Monaten gestorben. Alexandrine wurde im vornehmen Couvent de l'Assomption in Paris erzogen, starb dort allerdings bereits am 15. Juni 1754 innerhalb kürzester Zeit an einer akuten Bauchfellentzündung.

[10] Michel Antoine: Louis XV, Paris 1989, 496.

[11] Zum Beispiel Louis Dussieux und Eudoxe Soulié (Hg.): Mémoires du duc de Luynes sur la cour de Louis XV (1735-1758), 17 Bde., Paris 1860-1865, hier: VI, 288, 8.2.1745.

[12] Sybille Oßwald-Bargende: Die Mätresse, der Fürst und die Macht. Christina Wilhelmina von Grävenitz und die höfische Gesellschaft, Frankfurt a. M. / New York 2000, hier: 100; Oßwald-Bargende bezeichnet die Mätresse als "eine Mischung aus Liebschaft, Vertrauensstellung und Ratgeberfunktion." Zur Rolle des Prince de Conti als Vertrauter Ludwigs XV.: John D. Woodbridge: Revolt in Prerevolutionary France. The Prince de Conti's Conspiracy against Louis XV (1755-1757), Baltimore / London 1995, vor allem 29.

[13] Anton Wenzel von Kaunitz-Rietberg: Mémoire sur la cour de France, in: La revue de Paris 11/13 (1904), 441-454 und 827-847, hier: 448. "Les ministres la préviennent sur tout ce qu'ils ont à dire au Roi. C'est lui-même qui l'exige. Le moindre détour les perdrait."

[14] Stanley an Pitt, Paris 12.6.1761, Public Record Office Kew, SP 78/251, f. 114.

[15] Starhemberg an Kaunitz, Paris 17.3.1758, HHStA Wien, Frankreich Berichte, Karton 103 (1758), f. 40r-45r, hier: f. 44v-45r, Paris, 17.3.1758, Starhemberg an Kaunitz.

[16] Kaunitz: Mémoire (wie Anm. 13), 449. "Les démonstrations de respect et de soumission qu'on lui donne surpassent ce qu'on peut imaginer. Les jours de conseil, elle fait sa toilette devant tout le monde. Tout ce qu'il y a de grand y assiste. Les ambassadeurs n'y manquent pas. Aucun homme n'est assis."

[17] Edmé Jacques Benoît Rathery (Hg.): Mémoires et Journal inédit du marquis d'Argenson, 9 Bde., Paris 1859-1867, hier: IX, 144f, 5.12.1755. "[I]l veut que les ambassadeurs lui aillent rendre visite les mardis, comme à la reine. L'introducteur des ambassadeurs les mène à sa toilette. Avouons que tout ceci est fort singulier."

[18] Heute ist im Französischen die Bezeichnung "en titre" im Wortfeld des Beamtentums geläufig und bezeichnet eine Festanstellung. Eine weitere übliche Bezeichnung für die feste Mätresse des Königs war "maîtresse déclarée", "déclarée" ist zu übersetzen mit "bekannt gegeben, erklärt."

[19] Zum Hofzeremoniell siehe Antoine de Courtin: Nouveau traité de la civilité qui se pratique en France parmi les honnêtes gens, Paris 1728.

[20] Hamish M. Scott: The rise of the first minister in eighteenth-century Europe, in: Tim C. W. Blanning / David Cannadine (Hg.): History and Biography. Essays in honour of Derek Beales, Cambridge 1996, 21-52, hier; 33.

[21] Bonnie S. Anderson / Judith P. Zinsser: Eine eigene Geschichte. Frauen in Europa, 2 Bde., Zürich 1993, II, 92.

[22] Das politische Geschehen habe sich "noch nicht ausschließlich im Kabinett des Fürsten und in den Amtsstuben" abgespielt. Amtsinhabe und politische Machtausübung seien nicht zwangsläufig aneinander gebunden gewesen; ebenso wenig bestehe eine Polarität von Amt und informeller Einflussnahme. Vgl. Sybille Oßwald-Bargende: Die maîtresse. Eine umstrittene Karriere am Hof, in: Frauen bei Hof, hg. vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg in Verbindung mit der Landeshauptstadt Stuttgart durch Otto Borst (= Stuttgarter Symposion Schriftenreihe 6), Tübingen 1998, 111-124, hier: 115 sowie dies.: "Im Netz der Herrschaft". Einige Anmerkungen zur Position der "maîtresse régnante" in der höfischen Gesellschaft Württembergs des frühen 18. Jahrhundert, in: Gabriele Klein / Katharina Liebsch (Hg.): Zivilisierung des weiblichen Ich, Frankfurt a. M. 1997, 100-128, hier: 117.

[23] Jean Nicolas Dufort de Cheverny, Introducteur des ambassadeurs unter Ludwig XV., bezeichnete Madame de Pompadour seit 1751 als "amie nécessaire" des Königs. Siehe Jean-Pierre Guicciardi (Hg.): Mémoires de Jean Nicolas Dufort de Cheverny. La Cour de Louis XV, Paris 1990, 272.

[24] Hierzu unter anderem Laurent Sortais (Hg.): Journal du Marquis d'Argenson, 11 Bde., Clermont-Ferrand 2002-2006, hier: XI, 259f, 6.12.1756. "[L]e roi se livre aux conseils faux et contradictoires de cette femme; son assujettissement par les sens est dissipé, mais il reste celui des âmes. […] [C]ette favorite a beaucoup plus d'autorité par les affaires qu'elle n'en avait par les voluptés." Siehe auch Starhemberg an Kaunitz, Paris 16.2.1756, HHStAWien, Frankreich Berichte, Karton 95 (1756), f. 1-2, hier: 2r. "Je crois que Votre Excellence sait que depuis près de quatre ans, il ne restait plus qu'une liaison d'habitude, d'amitié, et de confiance, et il y a toute apparence, que cette même liaison, qui se resserre de jour en jour davantage, subsistera très longtemps."

[25] Zu den Bastarden Ludwigs XV. und in diesem Zusammenhang auch zu seinen petites maîtresses Michel Antoine: Le dur métier de roi. Études sur la civilisation politique de la France d'Ancien Régime, Paris 1986, 293-295. Die Phase der "petites maîtresses" umfasst die Jahre von 1751 bis 1769, als Jeanne Du Barry neue "maîtresse en titre" wurde.

[26] Aus einer Aussage d'Argensons geht hervor, dass er die sexuelle Funktion dennoch als die primäre Aufgabe der Mätresse betrachtet: d'Argenson: Journal (wie Anm. 24), XI, 110, 17.1.1756. "[La marquise de Pompadour] est restée puissante en crédit, quoiqu'elle n'ait plus les fonctions de maîtresse, étant devenue le centre des concolations royales pour les affaires."

[27] BLL Add. Ms. 32820, 32822, 32849, 32850 und 32851.

[28] Newcastle an Albermarle, London 19.12.1751, BLL, Add. Ms. 32832, f. 262. Lord Holdernesse, der Kollege Newcastles im Staatssekretariat des Southern Department, betrachtete die Marquise ebenfalls als Friedenswahrerin: Siehe Holdernesse an Albermarle, London 19.12.1751, BLL, Eg. Ms. 3456, f. 107 und 109. Siehe in diesem Sinne auch Albermarle an Holdernesse, Private, Paris 13.2.1754, BLL, Eg. Ms. 3457, f. 277.

[29] Newcastle an Albermarle, London 2.6.1754, BLL, Add. Ms. 32849, f. 208.

[30] Albermarle an Newcastle, Paris 11.7.1753, BLL, Add. Ms. 32845, f. 293.

[31] d'Argenson: Journal (wie Anm. 24), XI, 130f, 13.2.1756. Französisches Originalzitat: "Madame de Pompadour prétend encore faire la paix entre la France et l'Angleterre et en avoir tout l'honneur, autre extravagance mal conduite, car il arrive de là que le Roi ménage l'Angleterre et ne lui fait pas tout le mal en politique qu'il pourrait lui faire […]; le Roi gouverné par la marquise craint de trop fâcher les Anglais, tandis qu'ils n'épargnent rien pour nous faire du pire avec insolence." Ebenso berichtete der habsburgische Beobachter Starhemberg im Frühjahr 1755, dass die Hofgesellschaft es dem Einfluss Madame de Pompadours zuschreibe, dass der Krieg zwischen England und Frankreich noch nicht formal erklärt worden sei. Siehe Starhemberg an Kaunitz, Paris 27.8.1755, HHStA Wien, Frankreich Berichte, Karton 93 (1755), f. 87. "In dem publico […] wird die ganze Schuld, dass der Krieg noch nicht angefangen worden, auf die Madame de Pompadour geschoben, es ist auch in der That sehr wahrscheinlich, dass sie in Rücksicht auf ihr eigenes interesse hierin das beste gethan haben werde."

[32] Chambrier an Friedrich II., Paris 12.12.1749, Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz (GStA PK) Berlin, I. HA, Rep. 96, Nr. 24 D, ohne folio.

[33] Chambrier an Friedrich II., Paris 15.3.1751, GStA PK Berlin, I. HA, Rep. 96, Nr. 24 G, f. 185. (Siehe auch Politische Correspondenz, VIII, 313f, Nr. 4861).

[34] Friedrich II. an Knyphausen, Potsdam 3.2.1756, GStA PK Berlin, I. HA, Rep. 96, Nr. 26 D, ohne folio, ("[C]ela aplanira beaucoup d'aigreur qui tient peut-être encore au cœur des ministres et calmera les impressions vives qu'ils ont prises à mon sujet"). Auch Friedrich II. an Knyphausen, Potsdam 10.2.1756 ("Je vous recommande encore comme une chose très nécessaire pour mon service dans ces occurences de bien flatter Madame de Pompadour, afin de vous la rendre favorable […]") sowie alle weiteren diesbezüglichen Briefe in Ordner Nr. 26 D.

[35] Knyphausen an Friedrich II., Paris 15.3.1756, GStA PK Berlin, I. HA, Rep. 96, Nr. 26 D, ohne folio.

[36] Zur Rolle Madame de Pompadours in den Verhandlungen zum Renversement des alliances ausführlich der entsprechende Beitrag der Verfasserin in Hillard von Thiessen / Christian Windler (Hg.): Außenbeziehungen in akteurszentrierter Perspektive: Verflechtung-Gender-Interkulturalität, Köln 2009 (im Druck).

[37] Starhemberg an Kaunitz, Paris 14. Und 18.6.1756, HHStA Wien, Frankreich Berichte, Karton 95 (1756), f. 234v. "Elle m'a dit qu'elle me verrait en particulier toutes les fois que je le demandais, qu'il fallait se parler souvent, s'expliquer en tout avec franchise et surtout ne point perdre de temps, et hâter autant que possible la conclusion et l'exécution de nos arrangements."

[38] Starhemberg an Kaunitz, Paris 26.9.1759, HHStA Wien, Frankreich Berichte, Karton 106 (1759), f. 154v.

[39] Starhemberg an Kaunitz, Paris 13.5.1756, HHStA, Frankreich Berichte, Karton 95 (1756), f. 214r. "[C]'est à elle que nous devons tout, et […] c'est d'elle que nous devons tout attendre pour l'avenir."

[40] Kaunitz: Mémoire (wie Anm. 13), 446. "Aux audiences qu'il leur accorde, il se contente de remuer les lèvres, pour faire la démonstration d'avoir répondu. […] Il ne fait jamais l'honneur aux étrangers de leur parler. Lorsqu'ils lui sont présentés, à peine daigne-t-il de les saluer. Souvent même, il passe sans les avoir regardés." Auch der preußische Diplomat Keith beklagte, dass Ludwig XV. aus Schüchternheit nicht mit den Gesandten spreche: Keith an Friedrich II., Paris 18.11.1752, GStA PK Berlin, I. HA, Rep. 96, Nr. 25 K, f. 195f.

[41] Beispielsweise der Fall des kaiserlichen Sondergesandten Graf von Lobkowitz: Starhemberg an Kaunitz, Paris 21.12.1757, HHStA Wien, Frankreich Berichte, Karton 98 (1757), f. 46v-47r.

[42] Dies geht etwa aus einem Brief Mme de Pompadours an den Duc de Richelieu hervor: "Monsieur de Duras m'a dit, en gros, ce dont il était chargé pour Monsieur de Paulmy. Vous en serez sûrement content. Il a de l'esprit, de la probité et ne songe qu'à son affaire." Lever: Madame de Pompadour (wie Anm. 6), 363, f. 151.

[43] Starhemberg an Kaunitz, Compiègne 18.7.1757, HHStA Wien, Frankreich Berichte, Karton 95 (1756), f. 289/290, Compiègne. "Madame de Pompadour m'a déclaré la première le parti auquel le Roi s'était décidé. […] Elle me dit que Monsieur Rouillé m'en parlerait, et que je ne lui fisse pas connaître d'en avoir été instruit auparavant. Il me parla en effet le même jour comme d'une idée qui lui était venue à lui-même."

[44] Starhemberg an Kaunitz, Paris 17.3.1758, HHStA Wien, Frankreich Berichte, Karton 103 (1758), f. 40r-45r, hier: f. 44v-45r.

[45] Starhemberg an Kaunitz, Paris 26.9.1759, HHStA Wien, Frankreich Berichte, Karton 106 (1759), f.145r-162r, hier: f. 156r.

[46] Entsprechende Aussagen des britischen Botschafters Albemarle in: Albermarle an Holdernesse, Private, Paris 8.4.1753, BLL, Eg. Ms. 3457, f. 68, Paris, 8.4.1753. Auch der preußische Gesandte Chambrier unterstrich, dass die Gruppe der Minister uneins sei und jeder nur für sich arbeite. Sie verstünden sich offensichtlich nicht "als Diener ein und desselben Herrn, sondern als Diener von Herren verschiedener Staaten, deren Interessen nichts miteinander gemein haben." GStA PK Berlin, I. HA, Rep. 96, Nr. 24 G, f. 175-181, hier: f. 175r-v, Paris, ohne Datum (vor April 1749).

[47] Die These, der zufolge Madame de Pompadour der weibliche "Günstlingminister" Ludwigs XV. gewesen sei, ist vor allem von Andrea Weisbrod geprägt worden: Von Macht und Mythos der Pompadour. Die Mätressen im politischen Gefüge des französischen Absolutismus, Königstein / Taunus 2000. Zur Figur des "Günstlingministers": Jan Hirschbiegel / Werner Paravicini (Hg.): Der Fall des Günstlings. Hofparteien in Europa vom 13. bis zum 17. Jahrhundert (= Residenzenforschung 17), Ostfildern 2004; Michael Kaiser / Andreas Pečar (Hg.): Der zweite Mann im Staat. Oberste Amtsträger und Favoriten im Umkreis der Reichsfürsten in der Frühen Neuzeit (= Zeitschrift für Historische Forschung, Beiheft 32), Berlin 2003.

[48] Grundlegend zu diesem Zusammenhang: Joan Landes: Women and the Public Sphere in the Age of the French Revolution, New York 1988.

[49] Zur Rolle Madame de Maintenons im Umfeld Ludwigs XIV. siehe den Beitrag von Corina Bastian in dieser Ausgabe.

[50] Namentlich sind diese Frauen die Duchesse de Chevreuse, Madame de Sassenage, Madame de Bellefonds, Madame de Pons, Madame de Brancas und Madame d'Estrades, die immer wieder in den Memoiren des Duc de Luynes (wie Anm. 11) erwähnt werden.

[51] Einzig d'Argenson betont, dass zu Beginn der Beziehung weder Herz noch Charakter, sondern allein die Wollust entscheidend gewesen sei. Siehe d'Argenson: Journal (wie Anm. 24), V, 51f: "Les voluptés furent le seul attrait de cet amour; le cœur ni le caractère n'étaient pas connus et ne le sont peut-être pas encore."

[52] Von Madame de Pompadour ist nur eine überschaubare Anzahl von schriftlichen Selbstzeugnissen überliefert. Zu diesem Bestand siehe Weisbrod: Macht und Mythos (wie Anm. 47), 27ff.

[53] Yorke an Newcastle, Paris 20.1.1756, BL, Add. Ms. 32864, f. 153. "[…] that Lady told him [i.e. dem spanischen Botschafter, E. D.] that she most sincerely wished for peace, that she knew very well she was not a competent judge, nor had sufficient knowledge or lights to be able to decide the question; […] that she was a woman and therefore it was natural she should be for peace […]."

[54] Zu den Beziehungen Herzog Christians IV. zum französischen Hof und speziell zu Madame de Pompadour siehe Helge Siefert: "Le protecteur éclairé des arts." Herzog Christian IV. von Zweibrücken und seine Verbindungen nach Versailles und Paris, in: Uwe Fleckner (Hg.): Jenseits der Grenzen. Französische und deutsche Kunst vom Ancien Régime bis zur Gegenwart. Festschrift für T. Gaehtgens, 3 Bde., Köln 2000, Bd. 1: Inszenierung der Dynastien, 209-225;ders.: Grenzüberschreitungen – Madame de Pompadour und ihre direkte und indirekte Einflussnahme, in: Xavier Salmon und Johann Georg Prinz von Hohenzollern (Hg.): Madame de Pompadour und die Künste (= Katalog anlässlich der Ausstellung "Madame de Pompadour – l'Art et l'Amour", Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München 14.6.-15.9.2002), München 2002, 390-419.

[55] Pompadour an Pfalz-Zweibrücken, Compiègne 11.7.1752, Bayerisches Hauptstaatsarchiv (BayHStA) München, Kasten blau 404/5b (Briefe der Madame de Pompadour an Herzog Christian IV. von Zweibrücken 1751-1762), f. 115r. "J'ai reçu, prince, la lettre que vous m'avez fait l'honneur de m'écrire le 2 de ce mois par le Mr de Puisieulx. Je ne me donne pas les airs de décider d'affaires auxquelles les femmes ne doivent rien entendre."

[56] Siefert: Grenzüberschreitungen (wie Anm. 54), 393f.

[57] Pfalz-Zweibrücken an Pompadour, Zweibrücken 23.7.1752, BayHStA München, Kasten blau 404/5a (Briefe Herzog Christians IV. an Madame Pompadour Nr. 1-110, 1751-1764), f. 27. "Vous me dites que les femmes ne doivent pas décider d'affaires, j'en conviens pour la plupart, mais quand on a vos lumières, il me paraît qu'un homme ne saurait mieux décider […]."

[58] Pompadour an Richelieu, 11.2.1750. "Les femmes ne sont pas faites, Monsieur le Maréchal, pour discuter des affaires. Aussi ne m'en mêlai-je pas. Tout ce que je sais, et la raison me le dicte, c'est que le roi étant la justice et la bonté mêmes, ceux qui ne lui obéissent pas doivent être regardés de tout l'univers comme de très mauvais sujets de leur maître." Lever: Madame de Pompadour (wie Anm. 6), 350, f. 154. Siehe den gesamten edierten Briefwechsel zwischen den beiden in Lever: Madame de Pompadour (wie Anm. 6), 343-381.

[59] Reinhard M. G. Nickisch: Die Stilprinzipien in den deutschen Briefstellern des 17. und 18. Jahrhunderts. Mit einer Bibliographie zur Briefschreiblehre (1474-1800) (= Palaestra, Untersuchungen aus der deutschen und englischen Philologie und Literaturgeschichte 254), Göttingen 1969, 83.

[60] Beispielhaft für den gesamten deutschsprachigen Raum Georg Philipp Harsdörffer: Der teutsche Secretarius: Das ist: Allen Cantzleyen, Studir- und schreibstuben nützliches, fast nothwendiges, und zum 5. mal verm. Titulatur- und Formularbuch, Nürnberg 1674.

[61] Ähnliche Beobachtungen bei William J. Roosen: The Functioning of Ambassadors under Louis XIV, in: French Historical Studies 6/3 (Spring 1970), 311-332, hier: 314. In der diplomatischen Korrespondenz des kaiserlichen Botschafters Starhemberg finden sich in großer Zahl Ausdrücke in der Art von "[nach meiner, E.D.] gantz ohnmaßgeblichen Meinung:" Siehe etwa Starhemberg an Maria Theresia, Paris 1.5.1755,HHStA Wien, Frankreich Berichte, Karton 93 (1755), f. 19-42, hier: 30v. Auch Starhemberg an Kaunitz, Paris 26.1.1758, HHStA Wien, Frankreich Berichte, Karton 103 (1758), f. 48r ("des ohnmaßgeblichen Dafürhaltens").

[62] Zur "Querelle des Femmes", dem Theoriestreit um das Wesen der Frau und das Verhältnis der Geschlechter zueinander, und ihrem Höhepunkt im 18. Jahrhundert siehe Sigrid Lange (Hg.): Ob die Weiber Menschen seien. Geschlechterdebatten um 1800, Leipzig 1992; Gisela Bock / Margarete Zimmermann (Hg.): Die europäische Querelles des Femmes. Geschlechterdebatten seit dem 15. Jahrhundert (= Querelles. Jahrbuch für Frauenforschung 1997, 2), Stuttgart / Weimar 1997.

[63] Zur weiterführenden Erörterung dieser Frage sei verwiesen auf meine Dissertation.

[64] Starhemberg an Kaunitz, Paris 8.7.1758, HHStA Wien, Frankreich Berichte, Karton 103 (1758), f. 100v. Beim Amtsantritt von Antoine-Louis Rouillé, der 1754 von Ludwig XV. zum Staatssekretär des Auswärtigen ernannt wurde, bemerkte etwa Starhemberg, Rouillé werde allseits für "einen sehr schwachen, in auswärtigen Geschäften gantz unerfahrenen, und einer so wichtigen Stelle durchaus untüchtigen Mann gehalten […]."

Empfohlene Zitierweise:

Eva Dade : Die Marquise de Pompadour und die auswärtigen Diplomaten am Hof in Versailles , in: zeitenblicke 8, Nr. 2, [30.06.2009], URL: http://www.zeitenblicke.de/2009/2/dade/index_html, URN: urn:nbn:de:0009-9-19626

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