DiPP NRW
zeitenblicke
Direkt zum Inhalt
Sektionen

 

Zusammenfassung

Nach Jahren intensiver Vorbereitung tritt ein grenzüberschreitendes Archivprojekt in seine Endphase. Das Archiv der gräflichen Familie von und zu Hoensbroech auf Schloss Haag bei der niederrheinischen Stadt Geldern (D) ist von großer Bedeutung für die Adelsgeschichte, aber auch die Regional- und Lokalgeschichte in Deutschland, den Niederlanden und Belgien. In Zusammenarbeit mit dem in der Abtei Brauweiler bei Köln beheimateten Rheinischen Archiv- und Museumsamts (RAMA) des Landschaftsverbandes Rheinland, jetzt LVR - Archivberatungs- und Fortbildungszentrum (LVR-AFZ) und dem Museum Kasteel Hoensbroek ließ die Heerlener Kultureinrichtung Rijckheyt, centrum voor regionale geschiedenis hunderttausende Seiten des Archivs der gräflichen Familie von und zu Hoensbroech digitalisieren. Sie werden alsbald der Forschung, aber auch der historisch interessierten Öffentlichkeit zunächst im Intranet, später dann auch im Internet weltweit zur Verfügung stehen. Das Projekt ist ein Meilenstein der internationalen archivischen Zusammenarbeit, weil diese grenzüberschreitende Kooperation es erst ermöglichte, wohl erstmals ein in Privatbesitz befindliche Adelsarchiv in Gänze digital im Internet nutzbar zu machen. [2]

Ein historisch wertvolles Privatarchiv

<1>

Das Haager Archiv (5357 Verzeichnungseinheiten) umfasst ca. 100 Regalmeter (672 Archivkartons) historische Akten mit geschätzten 195.000 Blatt aus dem Zeitraum von 1224 bis 1866 und 1309 Original-Urkunden, von denen die ältesten von 1237 bis in das 16. Jahrhundert in aller Regel auf Pergament geschrieben und mit zahlreichen Wachssiegeln versehen sind. Fast 92 % der Quellen stammen aus der Zeit vor 1800. Aus der Zeit vor 1400 sind es 3,1 % der Überlieferung. Ab 1400 nimmt die Quellendichte zu: für das 15. Jahrhundert sind es 17 %, für das 16. Jahrhundert 21 %, für das 17. Jahrhundert 30 %, für das 18. Jahrhundert 21 %. [3]

<2>

Das Archiv überliefert die Geschichte der deutsch-niederländisch-belgischen Grenzregion. Es spiegelt bedeutsame historische Ereignisse, Strukturen und Prozesse zur internationalen Politik, der Landesherrschaft, Kirchengeschichte und örtlichen Güterverwaltung. Der Quellenfundus enthält neben zahlreichen Heirats-, Erb- und Teilungsverträgen vor allem im Urkundenbestand auch wichtige Überlieferungen zu landesherrlichen und kirchlichen Belangen. Unter den Akten sind besonders Zeichnungen, Baunachrichten, die Aufschwörungen verschiedener adeliger Personen, Stammtafeln, Lehn- und Latenbücher, Pachtverträge und politische Korrespondenzen hervorzuheben.

<3>

Die seit dem 14. Jahrhundert urkundlich genannte Burg Haag befand sich bis 1618 im Besitz der Familie von Boedberg, die zu den führenden Adelsfamilien der Ritterschaft im Herzogtum Geldern zählte und bereits 1433 das herzogliche Erbmarschallamt erworben hatte. Adrian von Hoensbroech, dessen Vorfahren im maasländischen Kastell Hoensbroek beheimatet waren, erwarb 1618 den Haager Besitz und das geldrische Erbmarschallamt als mütterliches Erbe. 1623 wurde er auch zum Drosten im landesherrlichen Amt Geldern berufen. Beide Amtsfunktionen, die er in Stellvertretung des Landesherrn ausübte und die bis zum Ende des Alten Reichs in der Hand der Familie blieben, ließen wichtige landesherrliche Überlieferungsteile in das Archiv Schloss Haag gelangen. Sein Sohn Arnold Adrian, dessen diplomatische Korrespondenz als außerordentlicher Gesandter des spanischen Königs bei verschiedenen Höfen im Familienarchiv überliefert ist, ließ das bis zu seiner Zerstörung in den letzten Kriegsmonaten 1945 bestehende Schloss mit seinen beiden repräsentativen Vorburgen errichten. Seinen Nachfahren erwarben über Heiratsverbindungen die Besitzungen und Archive der Reichgrafen von Schellart-Obbendorf und der Grafen von Schenk zu Nideggen. [4] Die Herrschaftsarchive von mehr als zehn Herrschaften im Niederrhein- und Maasgebiet sind also im Archiv des Schlosses Haag aufgegangen. Dies erklärt die breite Streuung lokaler Pertinenzen. Sie betreffen in erster Linie Orte aus den heutigen niederrheinischen Kreisen Kleve, Viersen und Heinsberg, aber teilweise auch Orte aus den Kreisen Aachen, Düren, Rhein-Erft, Neuss und Wesel. Aus dem niederländischen Staatsgebiet sind Orte aus der Gegend von Maastricht, Sittard, Roermond und Venlo (Hoensbroek, Schin op Geul, Valkenburg, Borghaaren, Schinnen, Sittard; Wessem, Beegden, Horn, Halen, Buggenum; Roermand, Venlo, Arcen, Grubbenvorst, Hillenraedt) nachgewiesen, aus dem belgischen Staatsgebiet Orte in der Umgebung von Antwerpen (Antwerpen, Schilde, Oelegem, Westmalle), nördlich von Diest (Westmeerbeek, Westerlo, Kwaadmechelen, Mol, Dessel, Balen, Oostham, Beverlo, Beringen, Hechtel, Eckesey) sowie südlich von Leuven (Neerijse). [5]

<4>

Nach den heutigen Staatsgrenzen aufgeschlüsselt betreffen etwa 65% des Archivgutes die Bundesrepublik Deutschland, circa 25% das Königreich der Niederlande und circa 10% das Königreich Belgien. Allerdings ist diese prozentuelle Verteilung, die auf der Anzahl der Ortsnennungen in den Inventarnummern basiert, eine sehr relative. Dies wird allein schon daran deutlich, dass sich die Verwaltungstätigkeit der Familie von Hoensbroech in früheren Zeiten auf Regionen bezog, die von den Landesgrenzen des beginnenden 19. Jahrhunderts durchschnitten wurden. Insbesondere gilt dies für das Erbmarschallsamt, das die Reichsgrafen von Hoensbroech im Geldrischen Oberquartier ausübten, wozu bis 1800 große Teile von Nord- und Mittellimburg gehörten.

<5>

Die kulturgeschichtliche Bedeutung der Dokumente steht außer Frage, besonders für den Rhein-Maas-Raum. Sie wurde in der Vergangenheit immer wieder betont und war ausschlaggebend für die Aufnahme des Haager Archivs in die Liste 'National wertvolles Kulturgut' der Bundesrepublik Deutschland. Das gräfliche Archiv gehört nicht zuletzt aufgrund dieser außerordentlichen Bedeutung zu den Archiven, um die sich die Archivberatungsstelle Rheinland seit ihren Anfängen (1929) und ihre Nachfolger bis heute intensiv und in vertrauensvoller Abstimmung mit der gräflichen Familie gekümmert haben.

Umständliche Nutzung – Entstehung eines grenzüberschreitenden Projektes

<6>

Bis heute gestaltet sich die Benutzung der Archivalien umständlich und aufwendig. Dies trifft vor allem Forscher aus den Niederlanden oder Belgien. Deshalb entstand schon 1986 in Maastricht die von den Archivaren Jacques van Rensch (Rijksarchief Limburg, jetzt Regionaal Historisch Centrum Limburg in Maastricht), Jo Jamar und Roelof Braad favorisierte Idee, das Familienarchiv wegen seiner Bedeutung für die euregionale, also limburgische und geldrische Geschichte auf Mikrofilm zu kopieren. Eine Sicherungsverfilmung, so die Überlegung, böte zusätzlichen Schutz vor den vielfältigen Risiken und würde überdies die Benutzung erleichtern. Das sah die gräfliche Familie nicht anders, die sich immer der Bedeutung des Archivs bewusst war und nach besten Kräften die Originalüberlieferung in eigens hergerichteten Archivräumen sicher untergebracht hatte. In Gesprächen mit den Archivaren des RAMA, das die Geschäftsführung der Vereinigten Adelsarchive im Rheinland e.V. innehat, [6] des Stadtarchivs wie auch des Kreisarchivs Geldern reifte seit 1996 die Idee, mit Hilfe europäischer Förderprogramme die Mikroverfilmung, allerdings erweitert um eine digitale Variante, zu realisieren. Der im Jahre 2000 im Rahmen des EU-Projekts "Kultur 2000" gemeinsam vom RAMA, dem Rijksarchief Limburg (Maastricht) und den Archives générales du Royaume / Algemeen Rijksarchief (Brüssel) gestellte Projektantrag "Einsatz digitaler Medien zur Erhaltung und Nutzbarmachung historischer Privatarchive am Beispiel des Archivs der Grafen von Hoensbroech" scheiterte lediglich an der Formalie eines Posteingangsstempels seitens der EU-Behörde.

<7>

Der zweite Versuch dieses wegen seines internationalen Charakters ebenso anregenden, aber mitunter auch mühsamen Projektes, das zuerst einmal die notwendige Priorität im Arbeitsprogramm der verschiedenen Projektpartner finden musste, integrierte die Module Digitalisierung und Mikroverfilmung in das viel weiter angelegte und sehr ambitionierte Interregio-Projekt "Adel verbindet". Trotz Beteiligung einer Fülle kultureller Einrichtungen aus verschiedenen Ländern, darunter auch einige Museen und Schlösser, und trotz innovativer Ideen zu einer international angelegten Vermittlung von Adelsgeschichte kam man auch diesmal nicht zum Zuge, weil die einzelnen Projektpartner nicht in der Lage waren, rechtzeitig die erforderlichen Zusagen für die Kofinanzierung nachzuweisen. [7]

<8>

Währenddessen hatte Katja Gräfin von und zu Hoensbroech infolge einer notwendig gewordenen Umnutzung der Archivmagazinräume die wertvollen Archivalien auf unbestimmte Zeit in das nach archivfachlich neuesten Erkenntnissen ausgestattete Archivmagazin der Vereinigten Adelsarchive im Rheinland e.V. auf Schloss Ehreshoven im Bergischen Land ausgelagert. Hier sind derzeit 20 Mitgliedsarchive archivfachlich untergebracht, die nicht mehr am historischen Ort – sei es durch Verkauf des Familiensitzes oder notwendige anderweitige Nutzung – verbleiben können. [8] Diese Unterbringung des Archivs Schloss Haag genügte zweifelsohne der höheren Sicherheit der Archivalien, die Benutzung der Originale blieb jedoch auch am neuen Standort umständlich. Dies galt insbesondere für von weither gereiste Interessenten, die ihre Benutzungswünsche frühzeitig anmelden mussten, um die Haager Archivalien entweder in Ehreshoven selbst oder im Lesesaal der Archivberatungsstelle in der Abtei Brauweiler einzusehen, wohin die Archivalien zur Einsichtnahme ausgeliehen werden können. Dieses im Vergleich zu den Benutzungsmodalitäten staatlicher, kommunaler oder kirchlicher Archivinstitutionen aufwändige Verfahren, das aber eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem privaten Archiveigentümer gewährleistet und damit eine Nutzung dieser privaten Überlieferung überhaupt ermöglicht, kann aber allemal bei Bearbeitern von zeitlich kürzer befristeten Forschungsprojekten eine gewisse abschreckende Wirkung hervorrufen.

Museale Nutzungsperspektive – zur Rolle des Museums Kastell Hoensbroek

<9>

Das Archiv war nicht nur für die Historiker und Archivare von großer Bedeutung. In der niederländischen Provinz Limburg liegt der Stammsitz der Familie, das große Schloss Hoensbroek, das jetzt ein Museum ist. [9] Auch für die 1994 in Angriff genommene Verbesserung der musealen Präsentation im Museum hatte die Verfügbarkeit des Archivs immense Bedeutung, weil es die Geschichte des Schlosses und seiner ehemaligen Bewohner nahezu vollständig widerspiegelt. Aus Sicht des Museums Kastell Hoensbroek war und ist es bis heute dringend nötig, die bereits bekannte Geschichte des Schlosses in einer zugänglicheren Weise neu zu beschreiben und in einer nach heutigen Maßstäben technisch wie didaktisch angemessenen musealen Form zu präsentieren. Auch das RAMA hatte seiner Zeit bereits konkrete Pläne, in Haus Te Gesselen bei Goch (D), einem ehemaligen, nicht allzu weit von Schloss Haag entfernten Gutshof der Familie von Hoensbroech, ein multimediales Museum einzurichten. Die Besucher von Haus Te Gesselen sollten mit Hilfe einer sogenannten Archithek, mit der die historischen Quellen digital und multimedial nutzbar gemacht werden, anschaulich an die Geschichte von Adel, Land und Leuten herangeführt werden. Diese Idee eines digital aufbereiteten und damit auf komfortable Weise zugänglichen Haager Archivs hatte nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Von dem ursprünglichen Plan, die Benutzung des Archivs durch an mehreren Stellen bereitgehaltene Mikrofilmkopien zu erleichtern, war es angesichts der rasanten technologischen Entwicklung nur noch ein kleiner Schritt zur Digitalisierung und Benutzung der Haager Archivalien im Intranet der dafür ausgewählten Einrichtungen, im Kastell Hoensbroek und in der Abtei Brauweiler.

<10>

Freilich galt es, wenn auch in abgespeckter Form, ein Projekt auf den Weg zu bringen, für das in der zurückliegenden Zeit die zur Verfügung stehenden öffentlichen Haushaltsmittel allein nicht ausgereicht hatten. Deshalb suchte man die Lösung in der Kofinanzierung mit EU-Projektgeldern, was jedoch letztlich erfolglos blieb. Die nun doch ohne solche Umwege zustande gekommene Digitalisierung ist vor allem der Leitung von Kastell Hoensbroek zu verdanken, die ein gutes Museumsjahr mit überplanmäßigen Einnahmen abschloss und diese Überschüsse für die Inangriffnahme des Digitalisierungsprojektes bereitstellte. Das Museum stellte allerdings die Bedingung, dass das Heerlener Kulturzentrum Rijckheyt das Projekt in Zusammenarbeit mit dem RAMA technisch begleitet und dass die Projektteilnehmer darüber hinaus das digitale Archiv dazu nutzen, nicht allein konkrete Forschungsprojekte zu konzipieren, sondern auch allgemeine Impulse zur Erforschung der von diesem Archiv dokumentierten Geschichte zu geben. Dies ließ sich natürlich am besten erreichen, wenn das komplette historische Archiv nicht nur auf einer begrenzten Intranetplattform, sondern im System des weltweit verfügbaren Internets verfügbar wäre.

Vom klassischen zum digitalen Findbuch

<11>

Als die gräfliche Familie mit dem Einfall der französischen Revolutionstruppen im Jahr 1794 vom Stammschloss Kastell Hoensbroek zunächst nach Schloss Haag bei Geldern, dann nach Wesel und später weiter in das Rechtsrheinische nach Arensberg floh, führte sie auch 37 Kisten mit wertvollen Archivalien mit. Zwischen 1856 und 1863 wurde der Inhalt dieser Kisten, die mittlerweise in einem Turm der inneren Haager Vorburg untergebracht waren, von Friedrich Nettesheim [10] in sauberer deutscher Kursive zu Papier gebracht, der damit eine zwischen 1805 und 1807 von Joseph Benedict Jiven, einem ehemaligen Benediktinermönch des Kölner Stifts Groß St. Martin, vorgenommene Bestandsaufnahme fortführte. Nettesheim wurde vom Hoensbroech'schen Sekretär Heinrich Ferber assistiert. Ihre Erschließungstätigkeit hinterließ ein handschriftliches Inventar von etwa 700 Seiten im Format 30 x 45 cm, das allerdings sämtliche Archivalien nach dem Orts- und Sachbetreff ordnete und die Entstehungszusammenhänge der Archivalien nicht mehr erkennen ließ.

<12>

Anknüpfend an ein Vorhaben des 1986 verstorbenen Kreisarchivars von Geldern, Gregor Hövelmann, begannen Rien van den Brand von der Stichting Historie Peel-Maas-Niersgebied, Venray (HPMN) und Stefan Frankewitz, Stadtarchivar in Geldern und Geschäftsführer von MESPILVS Gesellschaft zur Förderung des Stadtarchivs Geldern e.V., 1994, das Findbuch von Friedrich Nettersheim zu transskribieren, zu überprüfen und zu verbessern, um schließlich eine völlig überarbeitete und erweiterte Fassung – ergänzt um 800 Siegelaufnahmen samt Beschreibungen der Urkunden bis 1450 und um ein ausführliches Register – als Buch herauszugeben. Diese verdienstvolle Arbeit passte in idealer Weise zur geplanten Digitalisierung des Haager Archivs. Denn dessen digitale Version bedurfte eines adäquaten Findmittels, für das sich der (inzwischen ebenfalls digitalisierte) oben genannte Inventarband geradezu anbot. Insoweit wurde mit der am 23. Juni 2008 in Geldern im Beisein zahlreicher Gäste aus dem In- und Ausland erfolgten Übergabe des ersten Inventarexemplars an Katja Gräfin von und zu Hoensbroech die letzte Lücke einer digitalen Nutzung des Haager Archivs geschlossen. [11]

Benutzung des digitalen Archivs

<13>

Es ist für ein privates Archiv dieser Art bemerkenswert, dass seine Eigentümerin, Katja Gräfin von und zu Hoensbroech, ihre grundsätzliche Zustimmung erteilt hat, dieses digitalisierte Archiv über das Internet der Öffentlichkeit zugänglich zu machen – und dies mit nur wenigen Auflagen. Es ist nur verständlich, dass in traditioneller Fortführung der Nutzung von Adelsarchiven ein Nachweis darüber zu erbringen ist, wer auf dieses Archiv zugreift, sodass dieses vor unberechtigten Einsichtnahmen geschützt ist. Rein technisch stellte es kein Problem dar, diesen Anforderungen durch ein Zugriffssystem im geschlossenen Umfeld und durch kontrollierten Zugang gerecht zu werden. Das von MESPILVS und HPMN für die digitale Nutzung bereitgestellte Inventar wurde von Rijckheit-Mitarbeitern in das Archivsystem Mais Flexis implementiert und ist dort bis Ende 2009 ebenfalls nur im geschlossenen Umfeld der Website von Rijckheyt nutzbar. Ab 2010 wird es dann allgemein zugänglich und auf einer von dem Suchsystem www.archieven.nl unterstützten Website zu finden sein. Die digitalen Archivalien verbleiben solange im geschlossenen Bereich, bis die Genehmigung des Archiveigentümers für eine nahezu unbeschränkte Nutzung im Internet vorliegt. Wer zurzeit auf das digitalisierte Archiv der gräflichen Familie von und zu Hoensbroech zugreifen möchte, sendet eine Email an Rijckheyt (info@rijckheyt.nl) mit Name, Anschrift, Zweck der Forschung (und bis zum Jahre 2010 mit dem Code des gedruckten Inventars). Der Antragsteller erhält nach Prüfung von Rijckheyt eine Email mit den Zugriffsrechten sowie technischen Benutzungsanweisungen. [12]

Public Private Partnership, technische Standards, Perspektiven

<14>

Digitalisierungsprojekte dieser Art lassen sich aufgrund des dazu erforderlichen informationstechnischen Know-hows häufig nur in Zusammenarbeit mit leistungsfähigen privaten Partnern realisieren, so auch im Falle des Haager Archivs, mit dessen Digitalisierung nach internationaler Ausschreibung die in Roermond ansässige und weltweit agierende Firma X-Cago BV beauftragt wurde.

<15>

In vergleichsweise kurzer Zeit ließ sich so von jeder Archivalienseite des Haager Archivs eine hochwertige Farbaufnahme im TIFF-Format mit einer Auflösung von 300 dpi herstellen – insgesamt etwa 400.000 Aufnahmen. Um diese Datenmenge im Internet komfortabel nutzbar zu machen, wählte Rijckheyt eine Plattform, auf der bereits die eigenen Findbücher auf der Website www.archieven.nl erschlossen und präsentiert werden. Der Zugang zu den Digitalisaten im Internet erfolgt – wie oben schon erwähnt – über das digitalisierte Findbuch, dessen Inventarnummern mit den jeweiligen Dateien (Programm Mais Flexis) verknüpft sind. Dazu wurden DJVU-Dateien [13] angelegt, die zwar auch noch ziemlich groß sind, aber den Vorteil haben, wie ein Streaming Video auf dem Bildschirm zu erscheinen. Zugunsten einer guten Performance wurden Inventarnummern bzw. die unter ihnen zusammengefügten Dateien mit einem Umfang von 200 bis 400 Seiten in mehrere Bestandteile gesplittet und im digitalen Inventar entsprechend untergliedert.

<16>

Nach der Implementierung der digitalen Version des gräflich hoensbroech'schen Archivs im Internet steht die Langzeitsicherung der Digitalisate an, die Rijckheyt durch den Aufbau eines elektronischen Archivdepots (E-Depot) für das Haager Archiv in Angriff nehmen wird. Dies wird 2009 unter Hinzuziehung weiterer digitaler Archiven aus Heerlen im Rahmen eines Pilotprojekts geschehen. Nicht nur angesichts der großen, grenzüberschreitenden Bedeutung dieses Privatarchivs ist man gut beraten, die digitale Langzeitsicherung um eine Sicherungsverfilmung zu ergänzen. Sie wird nach und nach beim LVR-AFZ im Rahmen des des deutschen Sicherungsverfilmungsprogramm (35-mm Mikrofilm) umgesetzt werden.

<17>

Dieses für Privatarchive des Adels außergewöhnliche Digitalisierungs- und Internetprojekt war nur möglich gewesen, weil sich Institutionen aus Belgien (Archives générales du Royaume/Algemeen Rijksarchief in Brüssel), den Niederlanden (Rijckheyt, Museum Kasteel Hoensbroek) und Deutschland (Landschaftsverband Rheinland, Archivberatungs- und Fortbildungszentrum) zusammengefunden haben, um gemeinsam dieses finanziell wie operativ anspruchsvolle Projekt zu schultern.

<18>

Mit der Implementation des digitalen Archivs ins Internet geben die gemeinsamen Organisationen zugleich den Startschuss für eine verstärkte öffentliche wie gleichsam wissenschaftliche Forschung in diesem für die europäische Geschichte so bedeutsamen Archiv. Ihre Ergebnisse könnten sich schon in einigen Jahren in Schloss Hoensbroek auf einem international angelegten Adelssymposium gleichsam als Fortsetzung des Digitalisierungsprojekts zeigen. [14]

Autoren:

Dhr. Roelof Braad
Rijckheyt – centrum voor regionale geschiedenis
Coriovallumstraat 9,6400 AA Heerlen
r.braad@rijckheyt.nl

Dr. Peter Weber
Landschaftsverband Rheinland
Archivberatungs- und Fortbildungszentrum
Ehrenfriedstr. 19
D-50259 Pulheim-Brauweiler
Peter.weber@lvr.de



[1] Dhr. Roelof Braad ist Stadthistoriker der Stadt Heerlen und Mitarbeiter von Rijckheyt, centrum voor regionale geschiedenis in Heerlen (NL), das die Archive der Kommunen Brunssum, Gulpen-Wittem, Heerlen, Nuth, Simpelveld, Voerendaal verwaltet.
Dr. Peter K. Weber ist seit vielen Jahren als wissenschaftlicher Archivar des LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrums tätig und betreute u.a. das gräflich-hoensbroechsche Archiv auf Schloss Haag.

[2] Weitere Informationen über das Projekt in niederländischer Sprache auf:
www.x-cago.com/hoensbroek (21.4.2009).

[3] Rien von den Brand, Stefan Frankewitz (Hrsg.), Das Findbuch zum Archiv Schloss Haag. Einführung, Regesten, Siegel, Register (Geldrisches Archiv 10), Geldern 2008, 37.

[4] Brand / Frankewitz, Findbuch (wie Anm. 3), 27–29, 37–38.

[5] Siehe das von Roelof Braad erstellte Inhaltsverzeichnis des Archivs mit allen Orten und Familien der Haupteinteilung im Archiv. Es ist als Download erhältlich unter auf www.x-cago.com/hoensbroek und die Bestandsbeschreibung des Archivs Schloss Haag auf der Homepage des LVR-AFZ: http://www.afz.lvr.de/archivberatung/adelsarchive/benutzbare+adelsarchive.asp (21.4.2009).

[6] R. Braad: De adelsarchieven in Schloss Ehreshoven, in: Archievenblad 110 (2006) 3, 22-23.

[7] Förderprojekte: Interreg III (2000-2001); Interreg IIIa mit dem Teilprojekt "Adel verbindet" (2003-2005).

[9] Kastell Hoensbroek wurde 1927 von der gräflichen Familie verkauft. Heute unterhält hier die Stadt Heerlen ein Museum.

[10] Friedrich Nettesheim war Kaufmann in Geldern und Mitbegründer des traditionsreichen Historischen Vereins für Geldern und Umgebung. Vgl. Brand / Frankewitz, Findbuch (wie Anm. 3), 34.

[11] Brand / Frankewitz, Findbuch (wie Anm. 3).

[12] Ab Frühjahr 2009 ist für jeden, der die Ausgabe des Inventars Archiv Schloss Haag gekauft hat und uns per Mail den Code und das Ziel der Forschung mitgeteilt hat, das digitalisierte Archiv online zu benutzen. Zur Benutzung der digitalisierten Archivalien ist allerdings einen Zusatzpogramm notwendig, um DJVU-Bestände lesen zu können. Dieses ist gratis herunterzuladen auf <http://www.celartem.com/en/download/djvu.asp>. Folgt man dem Link: <http://www.archieven.nl/pls/int/zkstart.zoek?p1=62>, kann man alle Bestände von Rijckheyt mit einer Suchfrage durchsuchen. Über den Link: <http://www.archieven.nl/pls/int/zk2.inv?p_q=23970804> kann man nur im Inventar des Archivs Schloss Haag recherchieren. Im Suchfeld kann man (wenn bekannt) die Inventarnummer eingeben oder ein anderes Suchwort. Wenn im Inventar auf eine Abbildung gedrückt wird, erscheint immer zuerst die Mitteilung: "Voor dit document is een browserplug-in vereist. Download de plug-in <http://www.celartem.com/en/download/djvu.asp>." Wenn dieses schon installiert ist, verschwindet die Mitteilung schon schnell. Bei größeren Beständen kann es einige Minuten dauern, abhängig von der Geschwindigkeit des Internetzugangs.

[13] Um DJVU-Dateien zu benutzen, benötigt man ein kostenloses Programm, das auf: http://www.celartem.com/en/ heruntergeladen werden kann.

[14] Näheres darüber zu gegebener Zeit auf www.rijckheyt.nl.

Empfohlene Zitierweise:

Roelof Braad / Peter Weber : Das erste Adelsarchiv vollständig im Netz. Das Archiv der gräflichen Familie von und zu Hoensbroech auf Schloss Haag mit Quellen vom 13. bis zum 19. Jahrhundert , in: zeitenblicke 9, Nr. 1, [10.06.2010], URL: http://www.zeitenblicke.de/2010/1/braad_weber/index_html, URN: urn:nbn:de:0009-9-21017

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse. Zum Zitieren einzelner Passagen nutzen Sie bitte die angegebene Absatznummerierung.

Lizenz

Jedermann darf dieses Werk unter den Bedingungen der Digital Peer Publishing Lizenz elektronisch über­mitteln und zum Download bereit­stellen. Der Lizenztext ist im Internet abrufbar unter der Adresse http://www.dipp.nrw.de/lizenzen/dppl/dppl/DPPL_v2_de_06-2004.html