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Seit einiger Zeit findet die Adelsforschung innerhalb der Geschichtswissenschaft wachsendes Interesse. Wie sehr die Beschäftigung mit dieser Thematik zu einem integralen Bestandteil der historischen Zunft geworden ist, verdeutlichen die Handbücher und Einführungen, die die Adelsgeschichte in kompakter Form aufbereiten und greifbar machen wollen. [1] Zwar entstanden bereits zuvor immer wieder Arbeiten zum Adel, doch der Schwerpunkt lag eher in früheren Jahrhunderten, im Mittelalter und in der Übergangsphase zur Frühen Neuzeit. Bereits seit den 1970er Jahren sind hier auch methodisch wegweisende Studien entstanden, in denen die herausragende Rolle des Adels in zentralen historischen Prozessen betont wurde. [2] Dagegen widmete sich Heinz Reif dem Adel im Übergang von der Frühen Neuzeit zur Moderne. Auch Reifs Werk setzte Standards, doch stand es eher allein auf weiter Flur. [3] Dies entsprach durchaus einer verbreiteten Sicht auf den Adel: Man war der Ansicht, dass die politischen Umbrüche und die intensiven sozialen und gesellschaftlichen Wandlungsprozesse im Gefolge der Französischen Revolution den Adel auf dem Weg in die Moderne zu einer Art Schattendasein verbannt und seinen endgültigen Niedergang vorweggenommen hätten. Gerade eine stark am Konzept eines im 19. Jahrhundert aufziehenden "Bürgerlichen Zeitalters" orientierte ältere Forschung verfolgte diese Sichtweise. [4]

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Demgegenüber erkennen neuere Studien, die sich in verstärktem Maße der Adelsgeschichte dieser bislang eher vernachlässigten Epoche zuwenden, immer mehr die große Anpassungsfähigkeit und erfolgreiche Selbstbehauptung des Adels im Laufe einer eben auch durch mannigfache Kontinuitätslinien gekennzeichneten "Sattelzeit" [5] (1750-1850) zwischen Ancien Régime und beginnender Moderne. [6] Diese Einschätzungen beruhen auf der Grundlage von Arbeiten, die auf jeweils ganz unterschiedliche Regionen Bezug nehmen. [7] Sicherlich gab und gibt es den Adel als ein gesamteuropäisches Phänomen, und wenigstens der Hochadel hatte immer auch diese übergreifende, internationale Blickrichtung. [8] Doch die Stärke der neuen Adelsforschung liegt zweifelsohne in der konsequent angewandten Untersuchungsperspektive, die eben nicht auf der klar umgrenzten Ebene einzelner Territorien oder gar ganzer Monarchien vorgeht, sondern die einzelnen "Adelslandschaften" fokussiert. [9] Für das Rheinland gilt dies in besonderem Maße, denn die starke territoriale Zersplitterung hat von je her divergente Strömungen hervorgebracht und gleichwohl einen eigenen adeligen Kommunikationsraum geschaffen, der über das Niederrheingebiet hinaus auch die benachbarten Regionen wie Westfalen, das Münsterland, aber auch die Maaslande umfasst. [10]

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Ein in dieser Weise grenzüberschreitender Ansatz ist besonders für die Phase der französischen Herrschaft am Rhein sinnvoll (1794-1814), als das territoriale Gefüge einer völligen Neuordnung unterworfen wurde. Doch war mit dem Einzug der französischen Truppen nicht nur die landesherrliche Souveränität der rheinländischen Reichsfürsten infrage gestellt. Ebenso geriet die Stellung des Adels als lokaler Herrschaftsträger in Gefahr, genauso wie weite Teile seines umfangreichen Besitzes. [11] Entsprechende Befürchtungen speisten sich aus dem revolutionären, adelsfeindlichen Impetus, der die neue französische Obrigkeit zumindest in einer ersten Phase kennzeichnete. Doch als nicht minder schwerwiegend sollte sich der Umstand erweisen, dass das Rheinland seit 1798 ein vollständig annektierter Teil Frankreichs war. Die daraus resultierenden Eingriffe in die gesellschaftlichen Strukturen waren hier wesentlich ausgeprägter und nachhaltiger als in den übrigen Territorien des ehemaligen Alten Reiches, das als Bezugspunkt adeliger Karrierewege und Klientelbeziehungen allmählich wegbrach. [12] Auf jene exzeptionellen Herausforderungen und einschneidenden Verlusterfahrungen reagierte der rheinische Adel auf unterschiedlichste Weise. Die Bandbreite reichte dabei von hastiger Flucht vor den anrückenden Revolutionstruppen über ein stilles Arrangement mit den neuen Herren bis hin zu offener Kooperation als neue, oft geschickt agierende regionale Elite, die unter einer ihre revolutionären Vorsätze rasch abstreifenden napoleonischen Herrschaft viele bedeutende und prestigeträchtige Positionen halten und teils sogar ausbauen konnte.

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Die französische Herrschaft am Rhein, und damit auch der Export der Ideen der Französischen Revolution ins Reich, dazu das Ende des Alten Reiches selbst, sind klassische Themen, denen sich die Geschichtswissenschaft seit langem widmet. [13] Doch dem rheinischen Adel in jener folgenschweren Zeit von Revolution, Reform und Restauration hat die Forschung bisher fast gar keine Aufmerksamkeit geschenkt; [14] die rheinische Landeskunde hat den Adel bislang weitgehend ausgeblendet. [15] Ihm widmet sich jedoch seit kurzem das Projekt "Aufbruch in die Moderne. Der rheinische Adel in westeuropäischer Perspektive (1750-1850)". Ein zentrales Anliegen ist hier eben jene westeuropäische Perspektive, der gemäß die Verbindungen, Austauschbeziehungen und Wechselwirkungen zwischen der rheinischen Adelslandschaft und Frankreich im Mittelpunkt stehen. Besondere Bedeutung kommt dabei – wenig überraschend – Paris zu, das um 1800 als bedeutendstes europäisches Machtzentrum und Angelpunkt mannigfacher Soziabilitäten vielen rheinischen Adeligen den wichtigsten Orientierungspunkt bot. Doch bereits lange vor der Besetzung und Annexion des Rheinlandes verfügte der dortige Adel über mannigfaltige Kontakte und weitreichende Beziehungen nach Frankreich. Chancenreich ist dieses Forschungsvorhaben vor allem aufgrund der engen Kooperation der verschiedenen Träger des Projekts, dem Deutschen Historischen Institut Paris, der Archivberatung des Landschaftsverbandes Rheinland und den Vereinigten Adelsarchiven im Rheinland e.V., die 1982 von der Genossenschaft des rheinischen ritterbürtigen Adels ins Leben gerufen worden sind.

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Die grundlegende Quellenbasis für das Projekt bilden die insgesamt 89 rheinischen Adelsarchive, wenn man allein diejenigen aufzählt, die bedeutende Bestände enthalten und auch tatsächlich benutzbar sind. Sie befinden sich zum größten Teil noch in Privatbesitz, können aber über die Archivberatungstelle des Landschaftsverbandes Rheinland eingesehen werden. Jene Adelsarchive gingen im Wesentlichen aus der Ausübung adeliger Rechte wie der niederen, teils auch höheren Gerichtsbarkeit, dem Kirchenpatronat und den adeligen Grundherrschaften hervor, die sich vornehmlich am Mittelrhein (etwa von Bingen bis Bonn), in der nördlich der Eifel gelegenen Beckenlandschaft um Köln und Jülich sowie am Niederrhein bis hinein ins Geldrische konzentrierten. Das in ihnen gesammelte Schrifttum erschöpft sich jedoch bei Weitem nicht nur in Verwaltungs- und Prozessakten, Renteiberichten und Rechnungen. Überliefert ist dort auch ein reichhaltiger Fundus persönlicher Familienkorrespondenzen und etlicher Selbstzeugnisse. 51 dieser Adelsarchive zählen zu den Mitgliedsarchiven der Vereinigten Adelsarchive im Rheinland 1982 e.V., [16] um deren Pflege und Erschließung sich der rheinische ritterbürtige Adel in enger Zusammenarbeit mit der Archivberatung des Landschaftsverbandes Rheinland bemüht. Innerhalb des Projekts entstehen Forschungsarbeiten, die sich der Thematik unter dem Stichwort "Aufbruch in die Moderne" in ganz unterschiedlicher Weise nähern. In ihnen spiegelt sich die äußerst vielfältige Überlieferung nicht nur der rheinischen Adelsarchive.

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Aus mikrogeschichtlicher Perspektive beleuchtet Ulrike Schmitz Familienkonflikte im rheinischen Adel während der französischen Zeit, die das Aufbrechen der traditionellen adeligen Lebenswelten stark beschleunigte. Anhand der reichhaltigen und vielfältigen Selbstzeugnisse aus den rheinischen Adelsarchiven lassen sich dabei die ambivalenten Auswirkungen der durch das revolutionäre Frankreich an den Adel herangetragenen neuen Lebensentwürfe auf das adelige Familiengeflecht nachzeichnen. Auf diese Weise können Konflikte zwischen adeliger Familien- und Standesraison und selbstbestimmtem Lebenslauf greifbar gemacht werden, die teils in unstandesgemäße Ehen oder – ermöglicht durch den Code Napoléon – sogar in Scheidungen mündeten.

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Florian Schönfuß befasst sich mit Militärkarrieren des rheinischen Adels in generationenübergreifender Perspektive, wobei er nicht zuletzt deren Darstellung und Vermittlung im Spiegel autobiographischer Selbstzeugnisse untersucht. Bereits analysiert wurde unter diesen Vorgaben die Offizierslaufbahn des Theodor Herwarth von Bittenfeld (1790-1865), anhand derer die Spielräume rheinischer Adeliger bei der Gestaltung militärischer Karrierewege ein Stück weit ausgelotet und ihre Bedeutung als Mittel zum "Obenbleiben" unterstrichen werden konnten. Zudem offenbarte sich durch eine adressatenorientierte Lektüre und die Heranziehung parallelüberliefernder Kriegstagebücher ehemaliger Gefährten der Charakter adeliger Offiziersbiographie als Ausdruck einer dezidierten Nachfragesituation, die im Zuge einer raschen nationalen Mythisierung der antinapoleonischen Befreiungskriege gerade von rheinischen Adeligen, die wie Herwarth von Bittenfeld zwischenzeitlich im napoleonischen Heer gedient hatten, offensichtlich stigmatisierend empfunden wurde.

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Eberhard von Groote (1789-1864) steht im Mittelpunkt der Forschungen von Christine Schmitt. Als Kind erlebte er die Besetzung des Rheinlandes durch die Franzosen und die Anfänge der napoleonischen Zeit aus der Ferne, nachdem die Familie aus Köln ins westfälische Arnsberg bzw. nach Siegen geflüchtet war. 1815 trat er dann als Freiwilliger in die preußische Armee ein und nahm an den Befreiungskriegen teil. Jedoch stehen weder von Grootes Tätigkeit in der preußischen Provinzialverwaltung noch seine Rolle beim Zentral Dombau-Verein dabei im Mittelpunkt. Vielmehr fokussiert das Forschungsvorhaben sein Wirken in den Jahren 1815/16, als Groote maßgeblich bei der Rückführung der von den Franzosen geraubten Kunstgegenstände in die preußische Rheinprovinz mitwirkte. Anhand der Korrespondenz, die Eberhard von Groote mit seinem Bruder Joseph diesbezüglich führte, soll unter dem methodischen Konzept der Kulturtransferforschung der Konturierung der deutschen Nationalidee gegenüber dem Feindbild Frankreich im bewussten Rückgriff auf mittelalterliche katholische Tradition und Kunst im Rheinland nachgegangen werden.

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Martin Braun widmet sich Formen, Entwicklung und Ausmaß adeliger Beteiligung an Freimaurerlogen und freimaurerähnlichen Gesellschaften in der rheinischen Adelslandschaft. Hierbei sollen nicht nur Beziehungen des rheinischen Adels zu französischen und niederländischen Freimaurernetzwerken, sondern auch mögliche gedankliche Verbindungslinien zwischen der Freimaurerei und Standesreformplänen des rheinischen Adels untersucht werden. Den von der Romantik mitgeprägten zeitgenössischen Vorstellungen von Rittertum und Templerlegende kommt dabei besondere Bedeutung zu.

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Bereits anhand der hier umrissenen Forschungsfelder zeigt sich, dass das im Projekttitel festgehaltene Schlagwort vom "Aufbruch in die Moderne" keineswegs ein eindeutiger, geradliniger Weg ist. Verfrüht anzunehmen, der rheinische Adel habe, besonders angespornt durch das bis ins Jahr 1900 in Kraft gebliebene "Rheinische Recht" des Code Napoléon, den einen oder anderen wichtigen Schritt in die Moderne getan, während es ihm gelang, seine distinktive kulturelle Identität zu wahren, wäre allzu einfach. Unter Berücksichtigung des Facettenreichtums der adligen Lebenswelten sind verschiedene Initiativen gestartet worden. [17] Einige davon sollen im Folgenden kurz erläutert werden.

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Quellenvielfalt und reichhaltige Überlieferung befördern die dem Projekt zukommende Schnittstellenfunktion zwischen verschiedenen Forschungssträngen. Ein hoher Stellenwert kommt im Zuge dessen freilich dem Austausch mit der französischen Forschung zu, die traditionell einen Schwerpunkt in der Untersuchung des napoleonischen Empires setzte, dabei jedoch den Aspekt der Adelsgeschichte, wie überhaupt für die Zeit nach 1789, weitgehend ausgespart hat. Welche Chancen und Möglichkeiten in einem solchen grenzüberschreitenden Zugang liegen, zeigten zuletzt internationale Studientage, die im Rahmen des Projekts 2008 am Deutschen Historischen Institut in Paris und 2009 in der Abtei Brauweiler bei Köln gemeinsam mit französischen Nachwuchswissenschaftlern stattgefunden haben; auch für die kommende Zeit sind derartige Treffen in regelmäßigen Abständen geplant.

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Daneben wird die Vernetzung mit anderen wissenschaftlichen Projekten der Adelsforschung angestrebt, [18] doch auch der Kontakt zu den Geschichtsvereinen im Rheinland ist wichtig im Sinne einer Symbiose von wissenschaftlicher Forschung und regionaler Geschichtslandschaft. Wie fruchtbar eine solche Zusammenarbeit gerade im Bereich der in vieler Hinsicht am besten lokal zu erforschenden Adelsgeschichte sein kann, demonstrierte die erste Tagung des im Rahmen des Projekts verorteten Arbeitskreises zu den Spuren adeligen Unternehmertums im Rheinland. [19] Eine bisher stark unterschätzte Position, die nicht nur der rheinische Adel im Rahmen der Proto- und Frühindustrialisierung einnahm, sowie einige generelle Charakteristika genuin adeligen Unternehmertums spiegelten sich wiederum in den Ergebnissen einer im Oktober 2009 vom Projekt organisierten internationalen Fachtagung zu eben dieser Thematik. [20]

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Dabei wird immer wieder aufs Neue deutlich, wie wichtig Grundlagenforschung für die Adelsgeschichte ist. Auch aus diesem Grund ist bereits frühzeitig ein Quellenkompendium konzipiert worden, das auf der Basis der privaten Adelsarchive die Vielfalt der adeligen Lebenswelten im Rheinland exemplarisch vorstellt. [21] In Kürze wird ein Quellenlesebuch folgen, dessen Berichtszeitraum aber sehr viel stärker auf die Sattelzeit zugeschnitten sein wird.

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Die vorliegende Ausgabe der zeitenblicke geht im Kern auf Vorträge zurück, die bereits im September 2007 im Rahmen einer Tagung in Brauweiler gehalten wurden. [22] Sie wurden für die Veröffentlichung überarbeitet und erweitert, einige weitere Beiträge sind zusätzlich eingeworben worden. Neben analytischen Aufsätzen dominieren solche, die über für die Adelsgeschichte einschlägige Archivbestände referieren – auch dies ein klares Indiz für eine weitere quellenorientierte Bestandsaufnahme. Insgesamt trägt die Ausgabe der Erkenntnis Rechnung, dass nach wie vor eine quellenorientierten Bestandsaufnahme notwendig ist. Die hier präsentierten Beiträge zu einzelnen Archivbeständen skizzieren die Tektonik verschiedener Adelsarchive wie etwa zum Geschlecht der Arenberger (R. Schleidgen) oder zu Haus Hoensbroech (R. Braad / P. Weber). Dieses Archiv wartet mit der Besonderheit auf, seine Archivalien digitalisiert zu haben und auch im Netz vorzuhalten. Auf die sonst sehr vernachlässigte Quellengruppe der Personenstandsregister und ihren besonderen Aussagewert gerade für die Sattelzeit macht C. Reinicke aufmerksam. Während J. van Rensch den Reichtum der archivarischen Überlieferung zum maasländischen Adel aufzeigt, bietet M. Rößner-Richarz einen kursorischen Überblick zu Selbstzeugnissen in rheinischen Adelsarchiven. Mit dem Fokus auf adeliger Bildungsgeschichte erweitern M. Gussone und H.-W. Langbrandtner die Perspektive, indem sie auch die Bibliotheken des rheinischen Adels als Überlieferungsorte in ihre Untersuchungen mit einbeziehen. Dabei wird auch der Stellenwert der Musik für die adeligen Lebenswelten gewürdigt, zu der sich noch einmal G. Hambitzer äußert und dabei nicht zuletzt einige zeitgenössische Musikstücke auf der Basis von Notenmaterial aus den Adelsarchiven als Hörbeispiele eingespielt hat.

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Gehen diese Beiträge vor allem auf den rheinischen Adel ein, so erweitern drei weitere Aufsätze die Bandbreite der Ausgabe um einige Aspekte der westfälischen Adelsgeschichte. W. Bockhorst bietet einen Überblick über die Erfahrungen des westfälischen Adels mit der französischen Herrschaft. I. Schnelling-Reinicke konzentriert sich hingegen mit der westphälischen Titelkommission und dem Orden der westphälischen Krone auf zwei Einrichtungen, die unmittelbar auf die napoleonische Adelspolitik verweisen. Anhand seiner Ausführungen zu den unternehmerischen Aktivitäten der vornehmlich in der Grafschaft Mark agierenden Familie von Elverfeldt unterstreicht O. Schulz einmal mehr die Bedeutung der Wirtschaftsgeschichte als integralem Bestandteil auch der Adelsgeschichte. Insgesamt deuten die Beiträge an, welche heuristischen Herausforderungen die verschiedenen Quellengruppen zur Adelsgeschichte des Rheinlandes samt benachbarter Regionen bereiten; gleichzeitig werden aber auch die Chancen deutlich, die sich der Forschung bei der Beschäftigung mit diesen Materien bieten.

Autoren:

Dr. Michael Kaiser
Universität zu Köln, Historisches Seminar I
michael.kaiser@uni-koeln.de

Florian Schönfuß
Forschungsprojekt "Aufbruch in die Moderne", Deutsches Historisches Institut Paris
fschoenfuss@dhi-paris.fr



[1] Walter Demel: Der europäische Adel. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart, München 2005; Monika Wienfort: Der Adel in der Moderne, Göttingen 2006; Ronald Asch: Europäischer Adel in der frühen Neuzeit. Eine Einführung, Köln 2008; Michael Sikora: Adel in der Frühen Neuzeit, Darmstadt 2009.

[2] Stellvertretend sei hier der Name Volker Press genannt. Vgl. u.a. ders.: Adel im Alten Reich – gesammelte Vorträge und Aufsätze (= Frühneuzeit-Forschungen 4), Tübingen 1998. Wichtig auch der Katalog: Adel im Wandel. Politik, Kultur, Konfession 1500-1700 (Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums, NF., 251), Wien 1990.

[3] Heinz Reif: Westfälischer Adel 1770-1860. Vom Herrschaftsstand zur regionalen Elite, Göttingen 1979.

[4] So zum Beispiel Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Band 1: Vom Feudalismus des Alten Reiches bis zur defensiven Modernisierung der Reformära. 1700-1815, München 1987.

[5] Reinhart Koselleck: "Einleitung", in: Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland (Hg. von Otto Brunner, Werner Conze, Reinhart Koselleck). Band 1, Stuttgart 1972, 1-48.

[6] Vgl. u.a. Werner Conze / Monika Wienfort (Hg.): Adel und Moderne. Deutschland im europäischen Vergleich im 19. und 20. Jahrhundert, Köln 2004; Heinz Reif: Der Adel in der modernen Sozialgeschichte, in: Wolfgang Schieder / Volker Sellin (Hg.): Sozialgeschichte in Deutschland. Band 4, Göttingen 1987, 34-60; Elisabeth Fehrenbach (Hg.): Adel und Bürgertum in Deutschland 1770-1848, München 1994; Markus Denzel / Günther Schulz (Hg.): Deutscher Adel im 19. und 20. Jahrhundert, St. Katharinen 2004.

[7] Silke Marburg / Joseph Matzerath (Hg.): Der Schritt in die Moderne. Sächsischer Adel zwischen 1763 und 1918, Köln / Weimar / Wien 2001; Walter Demel / Ferdinand Kramer (Hg.): Adel und Adelskultur in Bayern (= Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte, Beiheft 32) München 2008; Eva Labouvie (Hg.): Adel an der Grenze. Höfische Kultur und Lebenswelt im SaarLorLux-Raum (1697-1815) (= Echolot. Historische Beiträge des Landesarchivs Saarbrücken, Bd. 7), Saarbrücken 2009.

[8] Jonathan Dewald: The European Nobility, 1400-1800 (= New Approaches to European History), Cambridge 1996.

[9] Den Begriff der "Adelslandschaft" prägte Rudolfine Freiin von Oer. Vgl. dies.: Landständische Verfassungen in den geistlichen Fürstentümern Nordwestdeutschlands, in: Dietrich Gerhard (Hg.): Ständische Vertretungen in Europa im 17. und 18. Jahrhundert, Göttingen 1969, 94-119, hier: 103.

[10] Auf die Problematik des Rheinland-Begriffs soll hier nicht weiter eingegangen werden. Siehe dazu aber: Rheinische Landesgeschichte an der Universität Bonn. Traditionen – Entwicklungen – Perspektiven, hg. von Manfred Groten und Andreas Rutz, Göttingen 2007.

[11] Zu den Grundbesitzverhältnissen des rheinischen Adels siehe Reinhold K. Weitz: Die preußische Rheinprovinz als Adelslandschaft, in: Rheinische Vierteljahrsblätter 38 (1974), 333-353.

[12] Zu diesen Aspekten zuletzt Alan Forrest / Peter H. Wilson (Hg.): The Bee and the Eagle. Napoleonic France and the End of the Holy Roman Empire, 1806 (= War, Culture and Society, 1750-1850), Basingstoke 2009; ferner: Michael Rowe: From Reich to State. The Rhineland in the Revolutionary Age (1780-1830), Cambridge 2003; Karl Otmar von Aretin: Deutschland und die Französische Revolution, in: ders. / Karl Härter (Hg.): Revolution und Konservatives Beharren. Das Alte Reich und die Französische Revolution (= Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz, Abteilung Universalgeschichte, Beiheft 32) , Mainz 1990, 9-20, hier: 18f.

[13] Vgl. etwa die Arbeiten von Härter / Aretin: Revolution und konservatives Beharren (wie Anm. 12); ders.: Reichstag und Revolution 1789-1806. Die Auseinandersetzung des Immerwährenden Reichstags zu Regensburg mit den Auswirkungen der Französischen Revolution auf das Alte Reich (= Schriftenreihe der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Bd. 46), Göttingen 1992; sowie Wolfgang Burgdorf: Ein Weltbild verliert seine Welt. Der Untergang des Alten Reiches und die Generation 1806, München 2006. Zur älteren Forschung vgl. exemplarisch die Arbeiten von Joseph Hansen, dessen umfängliche Quelleneditionen jüngst neu aufgelegt worden sind: Joseph Hansen (Hg.): Quellen zur Geschichte des Rheinlandes im Zeitalter der Französischen Revolution 1780-1801 (= Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde, Bd. XLII/1-4), Nachdruck der Ausgabe Bonn 1931-1938, Düsseldorf 2003/04.

[14] Wenige Ausnahmen bilden Christoph Dipper: Der rheinische Adel zwischen Revolution und Restauration, in: Helmuth Feigl / Willibald Rosner (Hg.): Adel im Wandel, Wien 1991, 91-116; Weitz: Rheinprovinz als Adelslandschaft (wie Anm. 11).

[15] Vgl. beispielsweise den Band: Rheingold. Menschen und Mentalitäten im Rheinland. Eine Landeskunde, hg. von Jörg Engelbrecht / Norbert Kühn / Georg Mölich / Thomas Otten und Karl Peter Wierner im Auftrag des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Köln / Weimar / Wien 2003.

[16] 49 dieser Archive werden unter www.rafo.lvr.de/Archivberatung/Adelsarchive/BenutzbareAdelsarchive näher beschrieben.

[17] Vgl. dazu den Überblick bei Gudrun Gersmann: Aufbruch in die Moderne? Der rheinische Adel in der Sattelzeit. Überlegungen zu einem deutsch-französischen Forschungsprojekt, in: Rheinische Vierteljahrsblätter 73 (2009), 244-251.

[18] Mit Blick auf das niederländische Rhein-Maas-Gebiet wäre zum Beispiel der Duits-Nederlandse Kring voor Adelsgeschiedenis zu nennen. Fruchtbar ist auch der Austausch mit Forschenden zu anderen europäischen Adelslandschaften unter französischer Herrschaft, allen voran in Italien, so im Rahmen der Tagung "Italienischer und deutscher Adel im langen 19. Jahrhundert. Hochkultur als Herrschaftselement" vom 16./17.11. 2009 in der Villa Vigoni. Ein kurzer Bericht zur Tagung unter http://www.villavigoni.it/index.php?id=294&tx_txvillaseminars_pi1[showUid]=261 <7.5.2010>.

[19] Ein Tagungsbericht findet sich auf der Webseite des Forschungsprojekts unter http://www.dhi-paris.fr/index.php?id=264 <27.10.2009>

[20] Unter dem Titel "Adel als Unternehmer im europäischen Vergleich" fand diese Tagung am 1./2. Oktober 2009 in der Malteser Kommende Ehreshoven, nahe Köln statt. Tagungsbericht unter http://www.dhi-paris.fr/index.php?id=264 <27.10.2009>

[21] Gudrun Gersmann / Hans-Werner Langbrandtner (Hg.): Adlige Lebenswelten im Rheinland. Kommentierte Quellen zur Frühen Neuzeit, Köln / Weimar 2009.

[22] Siehe den Tagungsbericht unter http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=1720 <27.10.2009>.

Empfohlene Zitierweise:

Michael Kaiser / Florian Schönfuß : Einführung , in: zeitenblicke 9, Nr. 1, [10.06.2010], URL: http://www.zeitenblicke.de/2010/1/einfuehrung/index_html, URN: urn:nbn:de:0009-9-25200

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