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Studium an der Universitat de Catalunya/Barcelona und der Freien Universität Berlin, Tätigkeit in der Erwachsenenbildung, Promotion 1997 am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz, danach Mitarbeit an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, am MPI für Wissenschaftsgeschichte und der HU Berlin; Fellowships und Stipendien der Universitäten Halle-Wittenberg, Wien, Zürich, Basel und Aachen. Seit 2008 an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg tätig, Habilitationsprojekt über "Wissensproduktion, Epistemen und Kognition in der europäischen Sternenkunde des 17. und 18. Jahrhunderts: Zur Wissensgeschichte wissenschaftlicher und außerwissenschaftlicher Rationalitäten". Ihr Interesse gilt der Theorie und den Methoden der Geschichtswissenschaft; jüngere Forschungen behandeln Themen der europäischen Wissens- und Wissenschaftsgeschichte, der Geschlechter-, Religions-, Konflikt- und Kolonialgeschichte.

 

 

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Monika Mommertz möchte, so hat es bei der Lektüre ihrer Texte den Anschein, Geschichten erzählen, "die man so bisher noch nicht gehört (beziehungsweise gelesen) hat". Daher gilt ihr Interesse nicht selten dem "Anderen", oder zumindest dem, was uns heute so "anders" erscheint. Sie schrieb ihre Doktorarbeit über Praktiken der Konfliktaustragung in der ländlichen Gesellschaft der Mark Brandenburg und setzte sich explizit mit dem Schadenszauber als imaginative Gewalt auseinander. Während in der zeitgenössischen Gewaltforschung meist mit dem Gewaltbegriff von Heinrich Popitz gearbeitet wird, der sich auf das körperliche Antun konzentriert, wies Monika Mommertz darauf hin, dass auch der Schadenszauber durchaus als Gewalt wahrgenommen wurde. Dafür prägte sie den Begriff der "imaginativen Gewalt". Liest man ihre Texte, fällt schnell auf, wie präzise sich Monika Mommertz mit Be- und Zuschreibungen auseinandersetzt, dies auch, da sie vergangene Welten als grundsätzlich verschieden zu unserer heutigen Gegenwart auffasst – bis hinein in begriffliche Dimensionen. Das Schreiben als Historikerin bedeute für sie nicht nur eine konstruktive, sondern auch eine kreative Arbeit, antwortete sie mir, als ich sie in unserem Gespräch, das wir am 23. November 2009 in Berlin führten, danach fragte. Monika Mommertz und ich haben mit diesem Interview ein Gespräch wieder aufgenommen, das wir über viele Jahre hinweg miteinander geführt haben: Sprechen über das Schreiben. Anders als die übrigen Interviews in diesem Themenheft stehen wir nicht nur seit langer Zeit in einem freundschaftlichen Dialog, sondern haben die Untiefen unseres Grundthemas auf vielfältige Weise ausgelotet. Das Interview erwies sich dabei als eine sehr eigenwillige, manchmal auch sperrige Form, über das Schreiben zu sprechen. Gleichzeitig bot es aber auch die Möglichkeit, sich auf bestimmte Aspekte zu konzentrieren, bei Überlegungen zu verweilen, ins Detail zu gehen. Dafür möchte ich mich bei Monika Mommertz herzlich bedanken.

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Veronika Springmann
Monika, Du schreibst über sehr unterschiedliche Dinge: In Deinem Spektrum finden sich Arbeiten zur Fehde- und Zaubereipraxis der ländlichen Gesellschaft, Auseinandersetzungen mit Geschlecht und Wissenschaft bzw. Geschlecht und religiösen Kulturen in der Frühen Neuzeit und speziell im 18. Jahrhundert, Überlegungen zum sich wandelnden Verhältnis von Theorie und Praxis bzw. von Universität und Gesellschaft in Europa oder auch zu europäischen "Differenzpositiven", die Du an räumlichen Praktiken im kolonialen Peru festmachst. [1] Als Du mit Deiner Dissertation begonnen hast waren unter anderem Fragen nach "Imagination" Dein Thema. Beim Lesen Deiner Texte ist mir aufgefallen, dass es, auch wenn sie, sich mit unterschiedlichen Feldern beschäftigten, doch einen roten Faden zu geben scheint: immer noch die Auseinandersetzung mit der Imagination?

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Monika Mommertz
Ich hoffe, dass es in meiner Arbeit mehrere "rote Fäden gibt" – so eine Frage ist natürlich ein Anlass, darüber zu reflektieren. Der Begriff der "Imagination" als Oberbegriff scheint mir aber heute nicht mehr ganz passend für das, was mich an diesem Feld interessiert – der "Faden", den Du meinst, ist vermutlich tatsächlich vorhanden: Was mich überhaupt nach einem stark zeitgeschichtlich ausgerichteten Studium und Jahren der Berufstätigkeit schließlich an der Frühen Neuzeit an- und wieder zurück in die Universität gezogen hat, ist die Unerschöpflichkeit dieser Periode. Diese vielen Aspekte, in denen frühneuzeitliche Wahrnehmungen eben nicht mit unserer heutigen Wahrnehmungen übereinstimmen – je länger ich mich damit befasse, desto faszinierender finde ich das. Diese "anderen" Wahrnehmungen bzw. Bedingungen machen ja zusammengenommen eine ganz eigene geschichtliche "Welt" aus, d. h. eine Welt, die derart grundsätzlich anders ist als unsere, die andere Gefühle und sogar Körper, eigene Wirklichkeitskoordinaten, Welterklärungen und so weiter umfasst. Das ist einerseits heute prinzipiell wohlbekannt (obwohl man immer noch und HistorikerInnen findet, die heute noch von "Aberglauben" ohne Anführungszeichen sprechen), wird aber andererseits in seinen Konsequenzen oder Dimensionen oft noch gar nicht richtig erfasst, auch nicht von HistorikerInnen. Gerade das "Andere" wird von der Geschichtswissenschaft (von der Öffentlichkeit sowieso) immer noch oft unter den traditionellen Interpretamenten abgehandelt und einsortiert – also zum Beispiel "Hexenverfolgung" und "Magie" auf der einen, "Volksglaube", "Religion" et cetera auf der anderen. Dass diese Art von Kategorisierungen oft nicht mal auf die Gebildeten und Gelehrten zutrafen, nicht selten in der christlichen Dogmengeschichte oder im 19. Jahrhundert ihre Wurzeln haben, daraus werden im deutschsprachigen Raum oft noch nicht die Konsequenzen gezogen. Bei methodisch "anderem Hinsehen" scheinen viele Kategorien mir jedenfalls nicht mehr so stimmig. Um dieses "andere Hinsehen", und natürlich auch um die damit verbundenen Möglichkeiten, etwas an der "fernen Vergangenheit" zu entdecken, das man bis heute darin noch gar nicht gesehen hat, darum geht es mir immer wieder.

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Veronika Springmann
In Deinem Aufsatz zu Differenzpositiven beschäftigst Du Dich mit der Frage nach dem Standpunkt des Historikers bei der Betrachtung von Geschichte. Du setzt Dich damit auseinander, wie diese Überlegungen in die Forschung mit einfließen können. Immer wieder, auch bei anderen Aufsätzen, problematisierst Du den Standpunkt der Forscherin/des Forschers.

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Monika Mommertz
Was mich schon immer interessiert hat, ist tatsächlich das Nachdenken über die methodischen Möglichkeiten von Erkenntnis in der heutigen Geschichtswissenschaft und deren theoretische Grundlagen. Schon vor jeder beruflichen Entscheidung war geschriebene "Geschichte" für mich anziehend, weil sie immer von "Draufsichten", von Arten und Weisen des Herangehens abhängt, die wiederum in die eigenen Kulturen eingebettet sind. Ich hatte unter anderem einen ziemlich speziellen Deutsch- und Geschichtslehrer, der uns Benjamin Lee Whorf [2] zu lesen gab oder uns zum Beispiel eine Bildsequenz aus den Nachrichten zunächst ohne Ton, dann mit drei verschiedenen, scheinbar völlig plausiblen Kommentaren vorführte – jedes Mal kam natürlich eine ganz andere Botschaft herüber. Für die Zeit war das didaktisch noch ziemlich außergewöhnlich: Das hat mich so angesprochen, dass ich es noch heute erinnere. Der Gedanke an "Interpretation" als Herausfinden nicht einer, sondern mehrerer möglicher Perspektiven auf Vergangenheit – das hatte für mich jedenfalls nie die Bedrohung, die es für manche in den 1990ern und danach bekam, als die "postmoderne Beliebigkeit" zum Gespenst wurde, das die deutsche Geschichtswissenschaft heimsuchte. Ich finde, das "Draufsehen" ist doch das eigentlich produktive an der Geschichtswissenschaft. Dadurch wird sie erst zu einer herausfordernden und, das werden manche nicht gerne zugeben, weil es beunruhigend ist, zu einer kreativen Arbeit. Ganz besonders im Umgang mit "Unvertrautem", wie es sich für die Frühe Neuzeit ja ständig darbietet. Ich sehe den Konstruktionsgedanken auch nicht im Widerspruch zu Forderungen nach Genauigkeit und Verbindlichkeit im Umgang mit Quellen oder in der Argumentation. Diese unsere "Kulturspiele" – wenn ich mir hier mal Wittgenstein frei anverwandeln darf – also diese Kulturspiele verlassen, das können wir weder als "traditionelle" noch als "postmoderne" oder sonst wie situierte HistorikerInnen.

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Veronika Springmann
Wie nähere ich mich einer Welt, die mir zunächst einmal unvertraut ist? Was mache ich mit meinen eigenen Vorerwartungen, dem sogenannten historischen Instinkt, vorgefertigten Bezeichnungen? Sich damit auseinander zu setzen, wird gerade in Zeiten der Global History, der transnationalen Geschichtsschreibungen immer wichtiger. Mit diesen Fragen der – ich möchte es zunächst einmal neutral "Begegnungen" nennen – setzten sich FrühneuzeithistorikerInnen schon länger auseinander. Während meines Studiums hat mich das sehr fasziniert, und nach wie vor halte ich Hans Medicks Artikel für gewinnbringend. [3]

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Monika Mommertz
Genau das halte ich in der heutigen Welt für absolut nützlich. Es ist erst mal eine tolle Erfahrung, die eigentlich alle in ihrem mehr oder weniger globalisierten Alltag irgendwo machen, nur meist nicht in dieser Radikalität, wie das in der "fernen Vergangenheit" möglich ist. Das hängt mit dem zusammen, was ich eben sagte: Wenn man etwas erkennen will, von dem man annimmt, dass es einem mehr oder weniger fremd ist, und wenn das zu Untersuchende mit dem "Eigenen" eher wenig oder nichts zu tun hat, dann wird das Erkennen zu einem Problem besonderer Ordnung. Denn auch wenn der Forscher heute noch in Teilen die gleichen "Sprachen" spricht, hat sich doch gleichzeitig der "Bedeutungshof" selbst von simplem Aussagen oder Wörtern teilweise enorm gewandelt. In der Alltagskommunikation setzen wir heute "Verstehen" meistens voraus, das heißt wir denken gar nicht darüber nach, dass das, was sich uns von anderen vermittelt, unserem Denken möglicherweise nicht unmittelbar zugänglich wäre. Was die ferne Vergangenheit betrifft, können wir dieses an sich immer vorhandene Problem aber nicht umgehen. In dieser intellektuellen, manchmal sogar auch emotionalen Erfahrung liegt für mich einer der wichtigsten Effekte jeder Auseinandersetzung mit "Vormoderne" überhaupt – das grobe Epochenetikett hier bitte erst mal als Mittel zur einfacheren Verständigung verstehen.

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Ein ganz erheblicher Teil unserer Vorannahmen, und das sieht man in dieser Konfrontation eben je länger desto deutlicher, lässt sich natürlich gerade nicht ausräumen; die kann man nicht einfach alle ausknipsen, denn sie machen ja letztlich unsere gesamte "Welt" im Gegensatz zu vergangenen "Welten" aus. Man erkennt das paradoxerweise besser, wenn man an eine deutliche Grenze stößt – und in dem Akt die eigene "Welt" den anderen "Welten" auch gewissermaßen "aussetzen" muss. Und genau das kann man an frühneuzeitlichen Beispielen – und zwar sozusagen probeweise, oder experimentell; ohne dass man gleich Konflikte heraufbeschwört oder in irgendwelche Fettnäpfchen tritt. Wenn man die Bereitschaft mitbringt, von der Selbstverständlichkeit zu trennen, in der man sich zwangsläufig ja immer bewegt, kann man sich auf sehr subtile Weise mit dem Einfluss des "Eigenen" auf die Wahrnehmung von "Anderem" auseinander setzen: mit den Denkbewegungen, die sich daraus ergeben, aber eben auch mit den Grenzen des eigenen Wissen-Könnens.

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Veronika Springmann
Das Stichwort Denkbewegungen passt gut zu meiner nächsten Frage. Wie findest Du zu Deinen Themen oder finden Sie Dich?

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Monika Mommertz
Es gibt für mich heute eigentlich selten den klar bestimmbaren "Anfang" eines Projektes oder den eindeutigen Beginn des Schreibprozesses. Bei meiner Doktorarbeit hatte ich noch ein einziges Thema – heute entwickeln sich Themen aus Themen, zum Teil auch auf Nachfrage oder Anfrage von KollegInnen. Aus der Lektüre von Überresten oder "Quellen" einerseits – die Problematik dieser Begriffe lasse ich jetzt mal beiseite –, andererseits aus der Arbeit anderer ForscherInnen, die in und mit ihren Arbeiten immer wieder auch auf weitere Quellen und Literatur aufmerksam machen: Ideen, die sich zu neuen "Themen" zusammensetzen (oder auch nicht), entstehen eigentlich täglich.

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Überreste sind ja meistens sperrige Texte, die einen zugleich anziehen und abstoßen können. Es ist nicht so, dass "Anderes" mich nicht auch manchmal erschreckt oder – bei genauem Hinsehen ziemlich – befremdet. Genau darin entsteht die Irritation, die auch nötig ist, um zu neuen Interpretationen zu kommen. Das je kulturell Eigene des Historikers verändert sich mit den Zeiten – und die sich verändernden "Spannungen" zwischen den Zeiten geben den Anstoß zur Entstehung von "Neuem", von bisher Ungedachtem! In praktischer Hinsicht bin ich froh, dass immer mehr Quellen für meinen Zeitraum auch übers Internet zugänglich sind. Das kommt meiner Vorstellung entgegen, mich kontinuierlich, zu jedem Thema auch breit, lange, intensiv mit den Stimmungen, Konflikten und Problemen einer ganzen Zeit auseinandersetzen zu müssen, bevor ich überhaupt Aussagen zu einem Teilaspekt machen kann. Und wenn einen eine Idee umtreibt, kann man sogar nachts ungestört stöbern und suchen, also dann wenn man dazu mehr Ruhe hat.

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Veronika Springmann
Wir sind ja heute keine WissenschaftlerInnen mehr im einsamen Kämmerchen, sondern oft dicht vernetzt mit anderen Kolleginnen und Kollegen, sind auf Konferenzen und Workshops, bewegen uns also ständig innerhalb einer Auseinandersetzung.

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Monika Mommertz
Themen entwickeln sich oft auch durch Diskussionen, auch wenn KollegInnen fragen, ob Du das nicht in den oder den Zusammenhang stellen willst. Das ist hat zwei Effekte: einerseits Anregung, Anlass des Nachdenkens; andererseits werden der Interpretation, die sonst im engeren Schreibprozess zur Publikation oft noch mal Sprünge macht, dadurch Grenzen gesetzt – was ja, wie gesagt, auch produktiv sein kann.

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Beispielsweise bei dem Aufsatz Wissen "auslocken"  [4] – dazu war ich auf eine interdisziplinäre Tagung zu Theorie und Praxis an der Uni Zürich eingeladen. Beim Schreiben habe ich gemerkt, dass mir diese Dichotomie des Oberthemas manchmal wie ein Korsett vorkam, in das mir meine Gedanken nicht mehr zu passen schienen. Gleichzeitig hat mir diese vorgegebene Gegenüberstellung geholfen, bestimmte Dinge zu sortieren. Wer weiß, ob ich derart weitreichende Thesen entwickelt hätte, wenn ich nicht über die Implikationen dieser riesigen (und entsprechend vielseitig gebrauchten) Kategorien hätte nachdenken müssen. So ein Beitrag für einen Sammelband kann ein sehr produktives Experiment darstellen – und inzwischen haben sich meine Thesen weiter verschoben. Ich würde vieles heute nicht mehr exakt so schreiben, auch in anderen Aufsätzen sehe ich das ähnlich.

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Die Entwicklung von Themen oder das Nachdenken über Herangehensweisen kann ich mir gar nicht vorstellen, ohne dass ich mich regelmäßig und umfassend darüber informiere, was und wie in anderen Ländern geforscht wird. Zu sehen, wie andere Forschungstraditionen, nationale Problemlagen, Institutionen oder andere Arbeitsweisen die Annäherungsformen und Fragestellungen von HistorikerInnen bestimmen, erweitert das Blickfeld enorm. Sich in mehreren nationalen Kontexten zurecht finden zu können, ist auf allen Ebenen des Schreibens enorm weiterführend, wenn auch natürlich zeitaufwendig. Ich habe das aber seit meiner Promotion am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz systematisch gepflegt, konnte zum Glück auch in Berlin noch, also am MPI für Wissenschaftsgeschichte, in Lorraine Dastons Kolloquium, noch viele Jahre regelmäßig an einem internationalen Diskussionszusammenhang teilnehmen. Das wird in Deutschland immer noch zu wenig gefördert und gefordert. Das ist in der Forschung der Fall, aber auch bei den Studierenden, die heute zu "fast-food-Auslandsaufenthalten" geradezu verdammt werden – wenn sie überhaupt noch dazu kommen. Vielsprachigkeit, womöglich noch vielsprachiger Austausch – und zwar im wörtlichen, wie in einem übertragenen, umfassenden Sinn – zwingt praktisch immer zu Revisionen der eigenen Selbstverständlichkeiten. Unerwartete Zusammenhänge lassen sich erkennen, nicht nur zwischen Ländern, sondern auch zwischen Entwicklungen, (Denk-)Bewegungen et cetera – also Dinge, die unter dem Blickwinkel des Gewohnten gar nicht ins Auge fallen.

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Veronika Springmann
Das erinnert mich an eine Aussage von Michel Foucault, der betont, dass wissenschaftliches Arbeiten eben auch bedeutet, sich mit den eigenen Vorannahmen zu konfrontieren und eventuell eigene Denkbewegungen hinter sich zu lassen. [5]

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Monika Mommertz
Ja richtig, nur dass dieser Akt der Konfrontation in der intensiven Zusammenarbeit über nationale Grenzen hinweg ganz unverzichtbar ist, oft auch regelrecht aufregend oder witzig.

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Veronika Springmann
Nochmal eine Frage zu Deiner Systematik des Arbeitens: Wie sieht Dein Schreibverlauf aus, schreibst Du in einem Guss, arbeitest Du mit Datenbanken, Notizen?

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Monika Mommertz
Nein, aus einem Guss ist bei mir kaum etwas. Schreiben ist ja einerseits ein wichtiges Moment in einem sehr viel breiteren Arbeitsprozess, der im Geschriebenen selbst unsichtbar bleibt. Dieser (Denk-)Prozess wird im Schreiben ja nur vorübergehend "angehalten". Und gerade Veröffentlichungen spiegeln nur einen kurzen Moment in einem viel weiteren Verlauf.

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Ich habe ziemlich umfangreiche Sammlungen von allem möglichen: Auszüge aus Sekundärliteratur, Wissensbausteine, Quellenhinweise, Notizen über Diskussionen, Fragen, meine eigenen Gedanken dazu – nichts Außergewöhnliches an sich, aber ich bin schon eine ziemlich besessene Sammlerin. Erst einmal halte ich alles Mögliche fest: oft auch Dinge, die mir eher nebenbei auffallen, etwas, das mich vage anspricht. Ziemlich oft ist erst mal nicht klar, wozu eine "Stelle" später mal gehören wird. Eher denke ich: Wer weiß, wozu dieses Fundstück mal passen wird; indirekt erfahre ich auf jeden Fall etwas über die Zeit.

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Früher hatte ich das alles auf Karteikarten, mit mehr oder weniger ausführlichen Kommentaren, meist auch schon Ideenbezügen, wie sich das mit anderen Beobachtungen zusammen setzt. Leere Kärtchen hatte ich immer dabei. Dass ich schließlich vor einigen Jahren ganz auf Word-Dateien umgestiegen bin, hatte damit zu tun, dass ich inzwischen statt dieser kleinen Packen, die ich überall in der Wohnung, im Büro und in der Tasche verteilt hatte oder ständig mit mir herum trug, heute den Laptop überall hin mitnehme. Eine Notiz lässt sich dadurch inzwischen schneller eintippen als aufschreiben. Das ist schon Lebensform geworden, praktisch täglich zu dem, worüber ich arbeite, Gedanken, Thesen zu notieren, sehr gerne übrigens auch reisend, durchaus im physischen Sinne; im ICE, auf dem Weg in eine andere Stadt, an einem anderen Institut …

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Insgesamt schreibe ich ziemlich viel und über weite Zeiten auch regelmäßig. Fast immer schreibe ich an mehreren Projekten gleichzeitig; oder auch unabhängig vom Einzelprojekt, an dem ich gerade arbeite. Diese Dinge habe ich schon immer konsequent verstichwortet. Teilweise dann auch in thematischen Dateien zusammengefasst, sortiert, die werden umsortiert und wieder hervorgeholt … Stichworte bilden ist ja eine vorläufige Art, Zusammenhänge zu erkennen beziehungsweise herzustellen. Von da aus gestaltet sich das Ganze auf eine Art langsam zu übergeordneten Gesichtspunkten. Nicht nur Thesen und "Ergebnisse", sondern auch die Themen und oft sogar die Fragestellung selbst bilden sich interessanterweise erst in diesem Schreibprozess im weiteren Sinne heraus. "Schreiben" bedeutet bei mir nie automatisch veröffentlichen – auf diese Weise entstehen erst mal virtuelle und dann nach und nach auch die realen Projekte.

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Veronika Springmann
Wir haben jetzt schon darüber gesprochen, dennoch möchte ich gerne wissen, was für Dich das Besondere an der Frühneuzeitforschung ausmacht?

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Monika Mommertz
Ich glaube schon, dass unsere Produktion als FrühneuzeithistorikerInnen, zusammen mit der Alten Geschichte und der Mittelaltergeschichte, ganz wichtige und von anderen Epochen so nicht zu leistende Funktionen erfüllt. Die relative Quellendichte auf der einen Seite und die zeitliche Entfernung mit ihren durchgreifenden Implikationen für den Wirklichkeitswandel anderseits, das zeichnet diese Periode unter anderem aus. Die ganze sogenannte Vormoderneforschung hat ja immer wieder Probleme damit, ihre Relevanz zu belegen – zumindest glaubt sie, das zu müssen. Deswegen beginnen so viele Artikel zu dieser Periode mit dem "Bezug zur Gegenwart". Das mag im Einzelfall sehr gut passen, auch insgesamt immer wieder sinnvoll und nötig sein, greift mir aber, auch strategisch, zu kurz. Denn das kann auch so ankommen, dass im Wesentlichen nur relevant ist, was direkt auf Heutiges zuführt. Dabei gibt es doch Grund genug, die Frühe Neuzeit gerade auch wegen ihrer Diskontinuitäten, wegen ihrer Dissonanz mit dem, was wir heute kennen und wollen, stark zu machen. Welch ein Übungsfeld für den Umgang mit "Eigenem" angesichts des "Anderen". Darin liegen so viele Möglichkeiten einer lokalen oder auch globalen "Geschichtspolitik", die noch lange nicht zu Ende gedacht oder ausgeschöpft sind!

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Veronika Springmann
Das mochte ich sehr an Deinem Aufsatz über die Wissenschaftlerinnen, [6] in dem Du ja gerade versucht hast, gegen lieb gewordene Kontinuitäten zu argumentieren. Das Wissen um Diskontinuitäten scheint mir auch deshalb wichtig sein, um zu begreifen, wie Kontinuitäten hergestellt werden.

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Monika Mommertz
Ja genau, Diskontinuitäten sind nicht per se wichtiger als Kontinuitäten – beides ist da: Ohne die Kontinuitäten gäbe es keine Sprache, keine "Kultur", nicht den Ansatz der Möglichkeit geschichtswissenschaftlicher Interpretation et cetera Ohne Diskontinuitäten kein Wandel – und vom Wandel hat Geschichtswissenschaft auch schon länger gesprochen. Die Rede vom Geschichtsverlauf in "Brüchen", "Sprüngen", Dissoziationen et cetera war sinnvoll im Angriff der 1980er und 1990er Jahre auf eine im Tonfall der Gewissheit auftretende, eine längst zu selbst-gewiss gewordene Struktur- und Sozialgeschichte; in den letzten Jahren gleitet das für meinen Geschmack zum Teil in Bekenntnishaftigkeit ab. In dem Aufsatz, den Du ansprichst, waren starke "Diskontinuitäten" ein Ergebnis meiner Forschungen zur Bedeutung der Kategorie Geschlecht in langfristigen Entwicklungen von Wissenschaft, von Institutionalisierung. Im Bereich der Universitätsgeschichte hat man die Existenz und Relevanz von bestimmten Formen des außeruniversitären, außerinstitutionellen Wissens lange völlig übersehen und eine ziemlich lineare, zudem weitgehend unhinterfragt positiv besetzte Entwicklungslinie konstruiert – die übrigens auch in anderen Disziplinen als Standarderzählung fungiert. So brachte das 19. Jahrhundert die "Verwissenschaftlichung" als Professionalisierung, Disziplinenbildung, Institutionalisierung et cetera. Hier kann unter anderem der Blick "mit Hilfe" der Kategorie Geschlecht – also nicht einfach Frauen! – dazu beitragen, gegenläufige Prozesse zu entdecken: Prozesse der Entstehung von Wissenschaft im heutigen Sinne sogar als Abwendung von (Universitäts-)Wissenschaft, als De-Institutionalisierung sozusagen; dann aber auch Prozesse des Lernens, des Transfers zwischen unterschiedlichen Wissenskulturen. Vor diesem Hintergrund lässt sich dann eben auch ein Abrechen von Entwicklungen, die im 18. Jahrhundert noch möglich schienen, festmachen: durch Ausgrenzung, durch Verdeckung von Transfer- und Lernbeziehungen mit nicht gelehrten WissensträgerInnen et cetera, was zu Ende gedacht ein ganz anderes Licht auch auf die Entwicklungen der Universitäten des 19. Jahrhunderts wirft.

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Veronika Springmann
An Deiner Arbeit fällt auf, dass Du gerne mit Begriffen und deren Bedeutung spielst, neue Begriffe einführst, um Gedanken und Überlegungen von Dir deutlich zu machen und zu zu spitzen. Du hast ja auch viel zur Gewalt in der Frühen Neuzeit gearbeitet und hier den Begriff der "imaginativen Gewalt" geprägt.

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Monika Mommertz
Mir ist irgendwann selbst aufgefallen, dass viele meiner Aufsätze ein methodisch-konzeptionelles Interesse formulieren. Es geht da vor allem um die Frage nach der Art und Weise, wie man sich mit den Dingen befasst, wie unterschiedliche Herangehensweisen eben auch unterschiedliche Erkenntnismöglichkeiten hervorbringen und damit zwangsläufig andere "Erzählungen". Mein Anspruch ist nicht, die eine "wahre" Geschichte zu erzählen. Eher möchte ich eine etwas andere Geschichte erzählen; eine, die man so bisher noch nicht gehört (beziehungsweise gelesen) hat – möglichst auch dann, wenn man sich mit den jeweiligen Themenfeldern schon länger befasst hat.

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In dem Zusammenhang sind für mich Re-Definitionen oder Umakzentuierungen von bekannten Begriffen beziehungsweise auch Neubildungen oft ein Weg gewesen. Das begriffliche Ordnen von historischem Material als Teil des Schreibens ist immer Problem und Lösung gleichzeitig. Allerdings ist diese einteilende, wirklichkeitsbildende Kraft von Worten ein Aspekt, der letztlich jeder "Rede" inhärent ist, man kann ihn nicht umgehen. Wissenschaftliche Begriffe bezeichnen ja keine "Sachen", sondern stellen mehr oder weniger komplexe Denk-Instrumente dar. Und zwar Instrumente, an denen gefeilt und gebastelt werden muss: in ständigem Gegenlesen des historischen Materials und auch der fachlichen Auseinandersetzung. Das geschieht manchmal tatsächlich auch spielerisch, aber brauchbare Begriffe, Neubesetzungen von eingeführten Begriffen, müssen vor allem sehr gut durchdacht, erläutert, begründet, theoretisch unterfüttert werden. Wobei ich betonen möchte, dass Theorie als das vermeintlich "letzte Wort" zum Thema von dem, wie ich das verstanden wissen möchte, weit entfernt ist.

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In einer Zeit, in der die Zahl und die Zugänglichkeit von historischen Studien und Quellen exponentiell steigt; in der immer mehr Weltregionen in die Diskussion einsteigen, würde man Schwierigkeiten bekommen, wenn man eine zehnte oder zwanzigste Geschichte eines Neckarshausen, Laichingen oder Steinbiedersdorf schreiben würde. Warum sollte das die internationale oder auch die deutschsprachige Forschung mehr interessieren oder voranbringen, als die Geschichte irgendeines anderen kleinen Dorfes in irgendeinem anderen Land? Das wird nur der Fall sein, wenn ich im Lokalen neue Aspekte entwickeln kann, die in der Diskussion bisher nicht angesprochen wurden. So wichtig die mikrogeschichtliche Perspektive als Teil der historiographischen Arbeit bleibt: Ich muss konzeptionelle Angebote machen können, die Einzelforschungen auch bündeln, aufeinander beziehen, anregen, weiter bringen können. Begriffsbildungen stehen da für die – zeitlich gebundene – Entscheidung, das in sehr vielen Schichten, Einzelprozessen nach und nach zusammengetragene Textmaterial auf einer Ebene zu diskutieren, die in der Vergangenheit selbst gerade nicht schon "drin" steckt. Sie können damit etwas auf einen Punkt bringen, das bisher – in seiner Widersprüchlichkeit oder Komplexität – so noch "unbezeichnet" war.

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Es gibt eine bestimmte, oft der Kulturgeschichte zugeschriebene Vorstellung, nach der man nichts tun solle, als die Wahrnehmungen und Beschreibungen der Akteure in "dichter Beschreibung" zu rekonstruieren. Verdeckt wird dabei leider oft, dass man immer schon mit winzigen, vorgeformten Ausschnitten vergangener Wirklichkeiten operiert, dass – und wie und warum – man daraus auswählt, akzentuiert, gruppiert, rephrasiert und so weiter. Wir leisten nicht nur konstruktive, sondern kreative Arbeit; Arbeit die man so oder auch ganz anders durchführen kann; bei der so oder anders betrachtet wird, jeweils andere Ergebnisse herauskommen. Selbstverständlich muss nicht jede Einzelstudie diese Reflexion von Grund auf neu leisten. Es muss auch nicht jeder deutschsprachige Aufsatz in Algerien, Japan oder Guatemala gelesen werden, aber ohne aktiven konzeptionellen Brückenbau isoliert man sich auf die Dauer gewaltig. Konzeptionell gut begründete Neubildungen sind für mich deshalb nicht nur legitim, sondern unverzichtbar.

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Außerdem bleibe ich als "Konstrukteurin" von Geschichte sichtbar – und als Diskutandin in einer Diskursgemeinschaft. Das finde ich sinnvoll, und das ermöglicht mir im günstigsten Fall Begriffe zu erarbeiten, die sozusagen ein Dreh-Moment in fortlaufenden Diskussionen darstellen, in die sie dann auch eingreifen können. Ein Beispiel: Im Zusammenhang mit Zauberei von "imaginativer Gewalt" zu sprechen, stellt den Ausdruck des Anspruchs auf Wahrnehmung der Andersartigkeit der Frühen Neuzeit dar. Es beinhaltet aber zugleich den Anspruch auf Infragestellung unseres modernen Gewaltbegriffs, der sich immer an einer Vorstellung von Körperlichkeit und von "handgreiflicher" Realität orientiert, die in der Vergangenheit so einfach nicht vorhanden war. Ein neuer, sogar aus heutiger Sicht paradoxer Begriff wurde für mich nötig, um diese beiden Ansprüche in ihrer Verbindung zu artikulieren. Begriffe (einschließlich aller Herleitungen und Erläuterungen zu ihrer Definition wohlgemerkt) machen solche Überlegungen erst diskutierbar und auch transferierbar. Konkret wollte ich den Abstand benennen zwischen dem, was nach heutigen Maßstäben "bloße" Imagination im Sinne von "bloßer Vorstellung", "Ausgedachtes" ist, und dem, was nach damaligen Maßstäben eine der gefährlichsten Gewaltformen überhaupt sein konnte. Und in dem ich dieses Spannungsverhältnis auf einen Begriff gebracht habe, konnte ich mein Forschungsergebnis in den interdisziplinären Disput über die langfristige Entwicklung beziehungsweise den scheinbar ontologischen Charakter von "Gewalt" einbringen: Eine "neue" Gewaltform als Teil einer Geschichte der Verschiebungen von Gewaltformen wird sichtbar. Über den Blick auf die ferne Vergangenheit verändert sich letztlich mein "Blick zurück" auf die sogenannte westliche Moderne.

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Veronika Springmann
Hast Du ein Sendungsbewusstsein? Oder besser gefragt: Wie wichtig sind Dir Deine Leserinnen und Leser und was möchtest Du gerne vermitteln, womit möchtest Du sie konfrontieren?

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Monika Mommertz
Sendungsbewusstsein – hoffentlich nicht im üblichen Sinne, das wäre mir unangenehm. Auf der einen Seite ist mein Interesse an meiner Epoche sehr unmittelbar, die Faszination hat mit den Jahren immer noch zugenommen und wenn ich davon etwas vermitteln kann – das freut mich. Beim Schreiben sitzt man dann allerdings erst Mal alleine da. Ich stelle mir kein konkretes Publikum vor, solange ich schreibe. Der erste Schritt, meine eigenen Gedanken überhaupt erst mal auf den Punkt zu bringen, das ist schwer genug. Das Publikum kommt darin als eher abstrakte Größe vor: Wie kann ich möglichst plausibel machen, was ich da behaupte?

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Aber wenn ich einen übergeordneten Anspruch an die Wirkung meiner Arbeit formulieren müsste, dann wohl den: Ent-Selbstverständlichung, also eine Kontrastierung des Gewohnten, des All-zu-Selbstverständlichen bis hin zur Irritation. Ein implizites Ziel ist sicher, dass die Leserin oder der Leser etwas anders aus dem Aufsatz "heraus geht", als sie oder er in ihn "hinein" gegangen ist … Diese Art der "Reise" sollte jeder gute Aufsatz, jede spannende Arbeit ermöglichen. Das finde ich auch einen guten Kompass für die Gestaltung meiner Seminare, selbst wenn der vielleicht nicht in jedem einzelnen Fall gleich gut funktioniert. Wenn Du so willst, habe ich also doch eine Art von "Sendungsbewusstsein" – gerade auch mit den Studierenden: ohne einen deutlichen Aha-Effekt, ohne eine gewisse Begeisterung für das Denk-Mögliche sollen die den Raum nicht wieder verlassen!

Gesprächspartnerinnen:

Dr. Monika Mommertz
Historisches Seminar
Albert-Ludwigs-Universität
Werthmannplatz, KG IV
D-79085 Freiburg
monika.mommertz@t-online.de

Veronika Springmann, M.A.
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
veronika.springmann@web.de



[1] Monika Mommertz: Europa ex-zentrisch? "Differenzpositive" als Untersuchungsfeld europäischer Geschichte in globaler Perspektive am Beispiel Lima, in: Vera Isaiasz / Ute Lutz-Heumann / Monika Mommertz / Matthias Pohlig (Hg.): Stadt und Religion in der frühen Neuzeit. Soziale Ordnungen und ihre Repräsentationen, Frankfurt a.M. 2007, 307-335; dies.: Das Wissen "auslocken". Eine Geschichte zur epistomologischen Produktivität von Grenzüberschreitung, Transfer und Grenzziehung zwischen Universität und Gesellschaft, in: Yuka Nakamura / Christine Böckelmann / Daniel Tröhler (Hg.): Theorie versus Praxis? Perspektiven auf ein Mißverständnis, Zürich 2006, 19-51; dies.: Von den "Leistungen" der Differenz: Für eine andere Wissenschaftsgeschichte der Frühen Neuzeit und des beginnenden 19. Jahrhunderts, in: Hildegard Küllchen / Sonja Koch / Brigitte Schober / Susanne Schötz (Hg.): Frauen in der Wissenschaft – Frauen an der TU Dresden, Leipzig 2010, 35-78.

[2] Benjamin Lee Whorf war ein amerikanischer Linguist, der unter anderem die Sapir-Whorf-Hypothese schuf. Diese beschäftigt sich damit, wie Sprachen Gedanken beeinflussen, und geht davon aus, dass die Sprache, die eine Person spricht, den Weg ihres Denkens beeinflusst. Die Struktur der Sprache beeinflusse also die Wahrnehmung der Umwelt. Vgl. Benjamin Lee Whorf: Sprache, Denken, Wirklichkeit. Beiträge zur Metalinguistik und Sprachphilosophie, hg. von P. Krausser, Reinbek 1963.

[3] Hans Medick: "Missionare im Ruderboot." Ethnologische Erkenntnisweisen als Herausforderung an die Sozialgeschichte, in: Geschichte und Gesellschaft 10 (1982), 295-319.

[4] Mommertz: Das Wissen "auslocken" (wie Anm.  [1]).

[5] "Arbeiten aber heißt: unternehmen, etwas anderes zu denken, als man davor dachte." aus: Michel Foucault: Michel Foucault oder die Sorge um die Wahrheit (Interview mit François Ewald), in: Pariser Gespräche mit Michel Foucault u. a., geführt von François Ewald, Berlin 1989, 15.

[6] Mommertz: Die Leistungen der Differenz (wie Anm.  [1]).

Empfohlene Zitierweise:

Monika Mommertz / Veronika Springmann : Notiz als Lebensform – das letzte Wort haben. Gespräch mit Monika Mommertz , in: zeitenblicke 9, Nr. 2, [27.08.2010], URL: http://www.zeitenblicke.de/2010/2/springmann_mommertz/index_html, URN: urn:nbn:de:0009-9-25799

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