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Einleitung

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"Die Rolle der Betriebsfotogruppen im Rahmen des gesamten fotokünstlerischen Schaffens in der DDR [gewinnt] ständig an Gewicht", urteilte die Arbeitsgemeinschaft Betriebsfotogruppen der Zentralen Kommission Fotografie (ZKF) nach den Arbeiterfestspielen 1974 in Erfurt. [1] Jedoch stellte sie auch einen stark differenzierten Leistungsstand der einzelnen Gruppen fest. Mit zehn Goldmedaillen bei den zentralen Fotowettbewerben der Betriebsfotogruppen bei den Arbeiterfestspielen war der "fotoclub ferrum" des Volkseigenen Betriebs (VEB) Stahl- und Walzwerk Riesa eine der erfolgreichsten Fotogruppen der DDR. Auch wenn die Kommission der Masse der Amateurfotogruppen bescheinigte, dass "ihre Bildleistungen in Bezug auf Lebensnähe, emotionale Aussagekraft und ideologisch-erzieherische Wirksamkeit eine gute Qualität" aufwiesen, hoben sich die Akteure des "fotoclub ferrum" mit ihren Leistungen von der Mehrzahl der organisierten Hobbyfotografen ab.

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Besonders bekannt war der aus fünf bis zehn Mitgliedern bestehende Fotoclub für seine Arbeiterbilder und Fotos aus der Produktion, mit denen die Mitglieder auch die meisten Preise gewannen. Dass der 1965 gegründete "fotoclub ferrum" über die Jahre hinweg auch mit veränderten Bildaussagen der Arbeiter- und Produktionsfotos kontinuierlich erfolgreich blieb, spricht dafür, dass Bildsprache und Aussage zum jeweiligen Zeitgeist passten. Anhand beispielhafter Siegerfotos wird untersucht, mit welchen Motiven und Bildaussagen die Amateure die Jury überzeugen konnten und wie sich dieser Zeitgeist veränderte. Zur besseren Erklärung des Erfolgs bedarf es zudem einer näheren Betrachtung der Organisationsstruktur und Arbeitsweise der Gruppe, die als Leistungsgruppe parallel zum allgemeinen Fotozirkel im Betrieb bestand. Denn Spitzenleistungen einiger Betriebsfotogruppen seien vor allem "das Ergebnis vielfältiger Initiativen dieser Volkskunstgruppen selbst", erkannte auch die ZKF. [2]

Die zentralen Leistungsschauen der Betriebsfotogruppen bei den Arbeiterfestspielen

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Bei der Betrachtung und dem Abgleich der Listen der ausgestellten Fotos in den Katalogen zu den zentralen Leistungsschauen bei den Arbeiterfestspielen von 1967, 1969, 1974, 1976, 1980, 1984 und 1988 wird deutlich, dass neben dem Fotoclub lediglich die Fotogruppe "Objektiv" des VEB Stahl- und Walzwerk Brandenburg sowie die Gruppe des VEB Fimag Finsterwalde bei allen Schauen vertreten waren. [3] Diese drei Gruppen zeigten eine stark ausgeprägte Konstanz in ihren fotografischen Leistungen. [4]

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Die zentralen Leistungsschauen der Betriebsfotogruppen wurden erstmals zu den Arbeiterfestspielen 1967 veranstaltet. Bis 1980 fanden diese Fotowettbewerbe in der Regel alle zwei Jahre, danach alle vier Jahre statt. Neben den zentralen Leistungsschauen wurden ab den 1970er Jahren zusätzlich thematische Freilichtausstellungen in den Festspielbezirken gezeigt. Bei diesen Freilichtausstellungen übernahm eine Fotogruppe die Gestaltung einer gesamten Themenschau – von den Fotos, über die Gestaltung bis hin zur Anfertigung der Aufsteller.

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Die bei den Arbeiterfestspielen gezeigten Ausstellungen sind nicht mehr erhalten, so dass in erster Linie auf die Kataloge und andere gedruckte Quellen, in denen Fotos der Ausstellungen abgebildet sind, zurückgegriffen werden muss. Zur Fotoschau anlässlich der 15. Arbeiterfestspiele 1974 in Erfurt erschien der erste bebilderte Katalog. Darin wurde jeweils eine Auswahl der gezeigten Fotos präsentiert. Darüber hinaus wurden alle Ausstellungsfotos, nach Bezirken und Fotogruppen sortiert, aufgelistet. [5]

Siegerbilder

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Eines der Bilder, das als Teil einer Kollektion des "fotoclub ferrum" bei den 14. Arbeiterfestspielen 1972 eine Goldmedaille gewann, stammt von Helmut Neumann und trägt den Titel Zu zweit. Das Bild findet sich in einem privaten Fotoalbum von Helmut Neumann. [6] Das Fotoalbum ist den Arbeiterfestspielen 1972 gewidmet und enthält 13 der 19 Fotos der Bildkollektion des "fotoclub ferrum". Für das Album hat Neumann, wahrscheinlich recht zeitnah, eine Auswahl aus der Kollektion zusammengestellt. Es lässt sich nicht genau ermitteln, welche sechs Fotos der Kollektion in dem Album fehlen. Die Auswahl der Bildkollektion in dem Fotoalbum besteht aus sieben Bildern von der Arbeit im Stahlwerk, vier Bildern von der Arbeit in der Landwirtschaft, einem Porträt eines Brigadiers und einem Porträt des Künstlers H. D. Moosdorf.

Abb. 1

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Bei dem Foto Zu zweit handelt es sich um eine Schwarz-Weiß-Aufnahme im Querformat. Der "fotoclub ferrum", wie auch die meisten anderen Betriebsfotogruppen in der DDR, haben überwiegend schwarz-weiß fotografiert. Farbfilme kamen vor allem bei der Erstellung von Dias zum Einsatz. [7] Das Foto Zu zweit zeigt in der linken Bildhälfte zwei Arbeiter von der Seite bei der Arbeit am Siemens-Martin-Schmelzofen, der sich jedoch außerhalb des Bildes auf der rechten Seite befindet. Das Zentrum des Fotos bilden die ausgestreckten Arme und die Hände der beiden Männer, in denen sie Geräte an langen Stielen halten, mit denen sie den Ofen auswerfen. Der Bildausschnitt wurde eng gewählt, es sind lediglich die Oberkörper und Teile der Oberschenkel der Männer zu sehen. Der Hintergrund verschwimmt durch die geringe Tiefenschärfe. Nichts lenkt den Blick von den Stahlwerkern ab. Es sieht so aus, als arbeiteten die Männer im Gleichklang, die Stangen sind parallel, ihre Aufmerksamkeit ist ganz auf den Ofen gerichtet. Das einzige Licht in der Aufnahme geht vom Ofen aus, der hell vom rechten Bildrand scheint, was eine spannende Lichtführung ergibt.

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Die Männer tragen Helme mit Verdunklungsgläsern als Schutz vor dem gleißenden Licht. Diese Klappen werfen einen Schatten auf die Augen der Männer, so dass diese nicht zu sehen sind. Dadurch ist der einzelne Arbeiter nur schwer identifizierbar, er ist entindividualisiert. Es ging Helmut Neumann nicht darum, die beiden Arbeiter als konkrete Personen abzubilden, sondern sie bei ihrer Tätigkeit darzustellen. Die Männer wirken kraftvoll und verkörpern den idealtypischen Arbeiter. Die Darstellung der beiden Männer, die scheinbar in vollkommener Harmonie zusammenarbeiten, ließ sich zudem als Verbildlichung des proklamierten Solidaritätsgedankens interpretieren. Dieses Bild hätte wohl zu jeder Zeit gute Siegchancen bei staatlich organisierten Fotowettbewerben in der DDR gehabt, da es offiziellen Propagandabildern mit ihren heroisierenden Arbeiterdarstellungen ähnelte. Die offizielle Bildsprache wirkte in weiten Teilen wie eine Illustration der Parteiparolen und sollte demonstrieren, dass in der DDR "Schönheit, Harmonie, Sauberkeit, Ordnung und Geborgenheit" herrschten. "Entscheidend war aber der symbolische Grundgestus und der Gesichtsausdruck. Der Arbeiter war stets kraftvoll, der Angehörige der werktätigen Intelligenz klug und gebildet, der Student wissensdurstig, der Parteifunktionär gesammelt und ausdrucksvoll." [8]

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Die 14. Arbeiterfestspiele 1972 in Schwerin standen unter dem Motto "Leben und Kampf der Arbeiterklasse im Sozialismus". Helmut Neumann mit seinem Foto Zu zweit bzw. der "fotoclub ferrum" mit seiner gesamten Bildkollektion, die sich in der überwiegenden Mehrzahl mit dem Thema Arbeit befasste, entsprach somit dem Thema des Wettbewerbs, oder genauer gesagt dem folgenden Gliederungspunkt der Konzeption: "der sozialistische Wettbewerb, die Bewegung 'Sozialistisch arbeiten, lernen und leben' – Ausdruck der schöpferischen Initiative der Werktätigen und der demokratischen Mitbestimmung in der sozialistischen Produktion". [9]

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Vierzehn Jahre später präsentierte der "fotoclub ferrum" in der Freilichtausstellung "Lebensjahrzehnte" zu den 21. Arbeiterfestspielen 1986 ein Foto, dessen Motiv dem besprochenen Bild Zu zweit sehr ähnelt, aber in der Bildsprache große Unterschiede aufweist. Die Ausstellung bestand aus acht Bildtafeln, die Personen verschiedenen Alters gewidmet waren. [10] Die Fotoschau gewann ebenfalls eine Goldmedaille. Das angesprochene Foto befand sich auf einer Tafel mit fünf Bildern, die den Stahlwerker Willi Schuster vorstellten. Der Bildaufbau ähnelt dem des Fotos mit dem Titel Zu zweit stark, jedoch arbeitet Schuster allein am Schmelzofen. Der Bildausschnitt ist größer gewählt, wodurch man den Schmelzer in Gänze sieht, sowie den Ofen am rechten Bildrand. Der Stahlwerker erscheint vor dem Hintergrund der Ofenanlage klein. Der Blick des Betrachters wird durch den scharf gezeichneten Hintergrund von dem Arbeiter abgelenkt. Schuster wirkt weniger kraftvoll und zupackend als die Schmelzer in dem Bild Zu zweit. Er steht etwas gebeugt da und stützt eine Hand auf dem Oberschenkel ab. Es erweckt den Anschein, als weiche er vor dem Ofen zurück. Der Ofen wirkt übermächtig und die Arbeit erscheint mühsam. Insgesamt handelt es sich somit um eine personalisierte Aufnahme des Schmelzers Willi Schuster, die durch die Bildkomposition und die Körperhaltung Schusters weniger idealisiert ist.

Abb. 2

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Ein weiteres Bild, das vergleichend betrachtet wird, ist ein Arbeiterporträt von Helmut Neumann aus dem Jahr 1988. Dieses Schwarz-Weiß-Foto ist im Katalog zu den Arbeiterfestspielen von 1988 in Frankfurt an der Oder abgedruckt und gewann als Teil der Bildkollektion des Fotoclubs eine Goldmedaille. [11] Das Bild heißt Werner Masekowitz und ist somit schon durch den Titel personalisiert. Es handelt sich um ein Halbporträt eines untersetzten Mannes, der eine Schaufel und einen Rechen auf der Schulter trägt. Der Mann schaut direkt in die Kamera. Dieser Blick in die Kamera erweckt beim Betrachter das Gefühl, er werde direkt angeschaut, wodurch er in das Foto hineingezogen wird. Ein leichtes Lächeln lässt ihn freundlich erscheinen. Er trägt ein gestreiftes, schmutzig und abgetragen wirkendes Hemd, dass über dem Bauch spannt und dessen unterster Knopf bereits ausgerissen ist. Auf dem Kopf trägt er einen Schutzhelm, der aber im Verhältnis zu seinem Kopf zu klein wirkt. Er steht in einer legeren Position da. Der eine Arm ist leicht an der Hüfte abgestützt, in der anderen Hand hält er die Geräte. Masekowitz befindet sich im Zentrum des Bildes. Da es sich um ein Querformat handelt, ist relativ viel Hintergrund sichtbar. Der Betrachter sieht einen hellgrauen Boden, der etwa ein Drittel der Fläche einnimmt und scheinbar mit einem Geländer endet, und den restlichen fast schwarzen Hintergrund, der nicht identifizierbar ist. Am rechten Bildrand begrenzt eine Art Säule im Grauton des Bodens das Bild. Vorn liegen ebenfalls nicht identifizierbare Gegenstände auf dem Boden. Der Hintergrund wirkt dadurch unaufgeräumt und schmutzig.

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Die Aufnahme zeigt also ein personalisiertes Arbeiterporträt. Der Hintergrund und der Helm auf dem Kopf lassen darauf schließen, dass es sich um einen Arbeiter in der Produktion handelt. Bei dem Porträt von Werner Masekowitz handelt es sich nicht um die Darstellung eines idealtypischen Arbeiters, sondern vielmehr um das Porträt eines Menschen, der auch Arbeiter ist. Dabei bleibt unklar, welcher Arbeit er genau nachgeht. Der Porträtierte wird dem Betrachter als Individuum präsentiert, das nicht auf seinen Beruf begrenzt wird. Der weite Bildausschnitt lenkt den Blick des Betrachters ab. Der Hintergrund wirkt unruhig. In den 1960er und frühen 1970er Jahren wurde häufig ein engerer Bildausschnitt gewählt, um den Arbeiter stärker in den Fokus des Bildes zu rücken.

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An den Fotos lässt sich der Wandel in der Bildsprache und Bildaussage deutlich aufzeigen, der in den späten 1970er und 1980er Jahren in der (Amateur-)Fotografie der DDR stattfand. Es ist ein deutlicher Trend vom Idealbild zum Abbild erkennbar. Mit Erich Honeckers Programm "Weite und Vielfalt" von 1971 wurden moderatere Töne in Bezug auf die inhaltliche Gestaltung und den Stil angeschlagen. Damit war eine intensive Ausrichtung auf Porträtdarstellungen verbunden. [12] Mit seiner idealtypischen und entindividualisierten Darstellung des Arbeiters ist das Foto Zu zweit typisch für die Amateurfotos, die in den 1960er und frühen 1970er Jahren vom Kulturbund und vom Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB) prämiert und verbreitet wurden. Ab den 1970er Jahren nimmt die Zahl solcher heroisch anmutenden Darstellungen ab. Es finden sich zwar auch in den 1980er Jahren noch solch pathetisch wirkende Amateuraufnahmen in den Ausstellungskatalogen. Jedoch wurden die abgebildeten Menschen zunehmend als Individuen dargestellt, nicht mehr in erster Linie als Idealtypen. Es ist davon auszugehen, dass die Bilder von Willi Schuster (1986) und Werner Masekowitz (1988) in den 1960er und Anfang der 1970er Jahre noch keine Chance auf eine Medaille gehabt hätten.

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Darüber hinaus erweiterte sich in den 1970er Jahren die Motivpalette auf alle Lebensbereiche des Menschen und umfaste nun auch die private Freizeit. Zuvor waren die Motive durch die ideologische Ausrichtung stärker vorbestimmt. Diese Ausweitung des Motivspektrums in der Amateurfotografie zeigt sich besonders ausgeprägt in den Ausstellungskatalogen zu den Arbeiterfestspielen der 1980er Jahre.

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Bei der Betrachtung der Fotos des "fotoclub ferrum" in den Katalogen fällt auf, dass Stahlwerksbilder dominieren. Eine Ausnahme bildet das Jahr 1978, in dem drei Kinderbilder und nur ein Foto aus der Produktion abgedruckt wurden. [13] Der Fotoclub war berühmt für seine Fotos aus der Produktion, die stets eine hohe Qualität aufwiesen. Einige der anderen Gewinnerbilder entstanden als Auftragswerke. Viele Fotos der Amateure des "fotoclub ferrum" beschäftigten sich aber auch mit Themen, die nicht oder nur wenig in die ideologische Interpretation der Sozialistischen Einheitspartei (SED) passten – so zum Beispiel die Landschafts- oder Aktfotografie. Nur wenige dieser Bilder schafften es jedoch in die zentralen Ausstellungen und noch weniger in die Kataloge.

"fotoclub ferrum" – Ursprung und Faktoren des Erfolgs

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Zunächst einmal ist festzustellen, dass es sich beim "fotoclub ferrum" um eine Leistungsgruppe für Fotografie handelte, das heißt eine Gruppe für fortgeschrittene Fotografen. Neben dem "fotoclub ferrum" existierte noch ein allgemeiner "Fotozirkel" im Klubhaus der Gewerkschaften des Stahlwerks, in dem auch Anfänger mitarbeiten konnten. Die Mitglieder des "fotoclub ferrum" bestimmten, wer in die Leistungsgruppe aufgenommen wurde. Um aufgenommen zu werden, mussten die Amateure sich in Wettbewerben und Ausstellungen beweisen. Die ausgestellten Fotos wurden vom "fotoclub ferrum" begutachtet und, falls sie die gewünschte Qualität hatten, als eine Art bestandene Aufnahmeprüfung gewertet. [14]

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Der auch für Anfänger offenstehende Fotozirkel wurde 1953 als eine der ersten Arbeitsgemeinschaften im Klubhaus der Gewerkschaften gegründet. In den Anfangsjahren ging es in der Arbeit des Zirkels vor allem um das Erlernen der Fototechnik. 1958 wurde eine erste Fotoschau im Klubhaus gezeigt. Zu dieser Zeit bestand der Zirkel aus etwa 30 Mitgliedern. Die zweite Fotoschau kam erst 1965 zustande. Im Anschluss daran bildete sich eine Leistungsgruppe innerhalb des Fotozirkels, die anstrebte, alle ein oder zwei Jahre eine Fotoschau zu zeigen und sich "fotoclub ferrum" nannte. Sie wurde von den Preisträgern der zweiten Fotoschau, Helmut Neumann, Adam Eisenlöffel und Wolfgang Lucya gegründet. [15] Durch die Ausstellung von 1965 war der Fotozirkel im Werk bekannt geworden. In der Folge erhielten die Preisträger von der Kommission Werksgeschichte den Auftrag, zusammen mit dem Dresdner Schriftsteller Dr. Lothar Kempe ein Buch zur Geschichte des Werkes zu erarbeiten und mit Fotos aus der Produktion, aus dem sozialen und kulturellen Bereich zu bebildern. [16] Erst die Arbeit an der Werksgeschichte ermöglichte es den Amateurfotografen, im Stahlwerk zu fotografieren. Dafür war eine Fotografiergenehmigung nötig. Diese war zeitlich befristet und musste auch später immer wieder erneuert werden. Da nur wenige Mitglieder der Fotogruppe eine solche Erlaubnis hatten, blieben Aufnahmen aus dem Werk etwas Besonderes. Manche Mitglieder des Fotoclubs wie Neumann, Feder und Lucya fotografierten viel im Werk, während andere dort gar keine Bilder machten. In anderen Betrieben, wie etwa der Maxhütte in Unterwellenborn, war es den Mitgliedern der Betriebsfotogruppe überhaupt nicht erlaubt, im Werk zu fotografieren.

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Der Fotoclub hatte Zeit seines Bestehens relativ wenige Mitglieder – meist zwischen fünf und zehn. Die Leitung desselben übernahm Helmut Neumann, während Adam Eisenlöffel ab 1966 wiederum die Leitung des allgemeinen Betriebsfotozirkels innehatte.

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Mit Helmut Neumann verfügte der "fotoclub ferrum" über einen sehr ehrgeizigen Leiter, der seit 1962 Mitglied des Fotozirkels war. Noch vor der Gründung des "fotoclub ferrum" wurde er im Fotozirkel zu einer treibenden Kraft, indem er sich dafür einsetzte, eine zweite Fotoschau durchzuführen. In seiner Zeit als Leiter des "fotoclub ferrum" bemühte er sich immer konsequent, auf den nächsten Wettbewerb oder die nächste Ausstellung hinzuarbeiten. Das Konkurrenzdenken scheint sehr ausgeprägt gewesen zu sein. So sah Neumann etwa in der Betriebsfotogruppe des VEB Verlade- und Transportanlagenbau Leipzig den größten Rivalen des "fotoclub ferrum". [17] Die anderen Mitglieder nahmen diesen Wettstreit nach Aussage von Gerd Feder weniger ernst. [18]

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Der Ehrgeiz Neumanns ist auch daran zu erkennen, dass er immer versuchte, prominente Gastredner in den Fotozirkel einzuladen. 1970 gelang es beispielsweise, den Arbeiterfotografen Richard Peter sen. für einen Vortrag zu gewinnen. Darüber hinaus nutzte Neumann andere Weiterbildungsangebote für sich und die Mitglieder des Fotoclubs. So versuchte er, möglichst viele Mitglieder in der Spezialschule für künstlerisches Volksschaffen in Dresden unterzubringen. Der zweijährige Lehrgang diente der Ausbildung von Zirkelleitern. In der Spezialschule standen Fragen der Fotografie, der Zirkelleitung, aber auch des Marxismus-Leninismus und der Kulturpolitik auf dem Programm. [19] Bei solchen Lehrgängen wurde den Amateuren nahe gebracht, was von Seiten der Partei in Bezug auf die Bilder und die Arbeitsweise der Gruppe erwünscht war.

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Neben seiner Tätigkeit als Leiter des "fotoclub ferrum" engagierte sich Neumann ab 1967 als Leiter der neu gegründeten Kreiskommission Fotografie Riesa und war in dieser Tätigkeit an der Organisation der Kreisfotoschauen beteiligt. Diese Fotoschauen fanden zum Teil im Klubhaus des Stahl- und Walzwerks statt und waren stark von den Einsendungen der Mitglieder des "fotoclub ferrum" dominiert. So waren bei den ersten vier Kreisfotoschauen fast ausschließlich Mitglieder des Fotoclubs unter den drei Erstplatzierten. [20]

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Ab 1971 war Neumann zudem Mitglied der Bezirkskommission Fotografie Dresden und der ZKF. Erstaunlich hierbei ist, dass Neumann nie Mitglied der SED gewesen ist. Das fehlende Parteibuch war demnach kein Ausschlusskriterium für die Aufnahme in den höchsten fotografischen Ausschuss der DDR. In seiner Funktion als Mitglied der ZKF war Neumann auch des Öfteren Teil der Jury bei den zentralen Fotowettbewerben zu den Arbeiterfestspielen. Welche Rolle er als einer der wenigen Amateure in der ZKF wirklich hatte, lässt sich schwer beurteilen. So schildert Neumann heute, dass die Auswahl der Jurymitglieder immer durch hohe Funktionäre des FDGB begutachtet und unter Umständen geändert worden sei. [21] Neumann war durch seine Funktionen in den verschiedenen Gremien aber auf jeden Fall immer auf dem neuesten Stand der Kulturpolitik in Bezug auf die Fotografie und wusste dementsprechend, was gewünscht wurde. Des Weiteren konnte er den "fotoclub ferrum" im Gespräch halten und viele Kontakte knüpfen. Durch das Mitwirken in der ZKF konnte Neumann außerdem seine Stellung im Betrieb stärken.

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Über die Ausstellungen hinaus bemühte sich Neumann um öffentlichkeitswirksame Publikationen. 1971 wurde der erste Ausstellungskatalog zur fünften Fotoschau des Fotoclubs herausgegeben. [22] 1973 gelang es, mit Unterstützung der Leitung des Klubhauses der Gewerkschaften anlässlich des zwanzigjährigen Jubiläums der Betriebsfotogruppe eine Broschüre über die Entwicklung der Gruppe zu publizieren. Auch wenn es sich um das Gründungsjubiläum des allgemeinen Fotozirkels handelte, stand in dem Heft der "fotoclub ferrum" mit seinen Erfolgen im Vordergrund. [23] Zum fünfundzwanzigjährigen Bestehen 1978 erschien ein weiteres Jubiläumsheft. Dieses Mal konnte die Abteilung Kultur des Bundesvorstands des FDGB als Herausgeber gewonnen werden, was ohne Neumanns Einsatz und seine Kontakte unwahrscheinlich gewesen wäre. [24]

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Nicht nur bei der Herausgabe von Broschüren konnte der Fotoklub auf die Unterstützung des Leiters des Klubhauses, Herbert Risse, setzen. Risse betrieb im Riesaer Klubhaus eine sehr engagierte Kulturarbeit. 1965 waren dort insgesamt 33 künstlerische Gruppen und Zirkel mit insgesamt 680 Mitgliedern angesiedelt, die monatlichen Veranstaltungen verzeichneten insgesamt zwischen 17.000 und 24.000 Besucher. [25] Die Fotogruppen verfügten seit 1954 über eine eigene Dunkelkammer im Klubhaus. Sie erhielten zudem ein Kontingent an Filmen und Fotopapier über das Klubhaus. Außerdem hatten sie die Möglichkeit, ihre Bilder im Klubhaus auszustellen.

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Auch die Ausstellungen selbst waren professionell gestaltet. Gotthard Schneider, der 1966 in den Fotoclub aufgenommen wurde, arbeitete nicht im Werk. Als gelernter Werbegestalter übernahm er im Fotoclub, neben dem Fotografieren, die Aufgabe der Gestaltung der Ausstellungstafeln sowie der Ausstellungen insgesamt. Besonders wichtig war dies bei den Freilichtausstellungen, die inklusive der Ausstellungstafeln und Aufsteller von den Betriebsfotogruppen gefertigt wurden. Dass der "fotoclub ferrum" mit Schneider über einen eigenen Gestalter verfügte, erleichterte die Arbeit sicherlich ungemein. Zudem übernahm Schneider die Gestaltung der beiden Jubiläumshefte des Fotozirkels.

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Während der allgemeine Fotozirkel des VEB Stahl- und Walzwerk Riesa sich vierzehntägig im Haus der Gewerkschaften zu Versammlungen traf, gab es im "fotoclub ferrum" keine regelmäßigen Treffen. Vor Ausstellungen wurden die Abstände zwischen den Sitzungen kürzer. Zu diesen Versammlungen wurden meist schon themenbezogene Bilder mitgebracht, diskutiert und bewertet. [26] Unter den Mitgliedern gab es auch freundschaftliche Verbindungen. Man traf sich in der Gruppe häufig zu geselligen Veranstaltungen, die von den Mitgliedern sehr geschätzt wurden. [27] Hierfür wurden zum Teil auch die gewonnenen Preisgelder verwendet.

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Die Themen für ihre Ausstellungen überlegten sich die Mitglieder zum größten Teil selbst. Helmut Neumann schildert dies aus heutiger Sicht folgendermaßen:

"Die Partei wollte natürlich Einfluss nehmen, aber damit die uns kein Thema aufdiktieren, sind wir immer schneller gewesen. Wir haben von uns aus das Thema vorgeschlagen. Das wurde dann mit dem Klubhausleiter besprochen und auch genehmigt. Man musste schneller sein. Der Bundesvorstand und die Gewerkschaft haben das nicht aus lauter Liebe zur Fotografie oder zu den Amateuren gemacht. Die haben uns gefördert, um Propaganda mit den Bildern zu machen, wir sollten den Sozialismus verherrlichen. Natürlich konnten wir uns nicht offiziell dagegen stellen, konnten auch nicht sagen, das machen wir sowieso nicht. Das war immer eine Gratwanderung. Man musste in dieser Richtung mitmachen und wenn wir dann noch was anderes gemacht haben, Landschaften und andere Sachen, das konnten sie uns dann nicht verbieten. Man musste schneller sein als die, das war wichtig. Sonst hätten die uns ja jedes Jahr zu dem Thema 'Sozialistisch leben und lernen' verdonnert." [28]

Neumann ist der Meinung, dass es für eine starke Persönlichkeit, wie er es sei, immer möglich gewesen sei, sich Freiräume zu bewahren. Jedoch orientierten sich die Themen, die der Fotoclub sich stellte, an dem, was von Seiten der Partei erwünscht war. Die Gruppe wählte nur solche Themen, von denen sie glaubte, sie auch unterbringen zu können bzw. damit bei den Arbeiterfestspielen punkten zu können. So war sie, stark bedingt durch die ehrgeizigen Ambitionen der einzelnen Mitglieder, von vornherein nicht auf Widerspruch zur offiziellen Linie aus.

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Das bevorzugte Themengebiet der Fotogruppe war die Darstellung des Menschen in seinem Lebensumfeld. Und innerhalb dieses Bereiches bildete das Fotografieren der Arbeit im Stahlwerk bzw. des Stahlwerkers einen Schwerpunkt der Amateure. Mit dieser Themenwahl trafen sie genau die Vorstellungen und Erwartungen der Partei. Der Mensch und insbesondere der Arbeiter waren im selbsternannten Arbeiter- und Bauernstaat bereits seit Anfang der 1950er Jahre das am stärksten proklamierte Sujet. Die Themenwahl hing aber natürlich auch von den persönlichen Vorlieben der Mitglieder ab. Im Heft zum fünfundzwanzigjährigen Gründungsjubiläum nannten die Mitglieder des "fotoclub ferrum" ihre bevorzugten Genres und Motive:

"Helmut Neumann: Industrie, Porträt, Kinder und Landschaft;
Adam Eisenlöffel: Motivgebiete ordnen sich dem Arbeitsplan der Fotogruppe unter;
Wolfgang Lucya: Reportage, bevorzugt Industriefotografie von der Tätigkeit im Stahlwerk, Porträt- und Landschaftsfotografie;
Gotthard Schneider: Kinder, Architektur und Landschaft;
Günter Kunath: Porträts von Menschen in Aktion, zum Beispiel Arbeit, Sport, Familie, Freizeit, Kultur;
Gerd Feder: Industrie und Porträt;
Hans-Jürgen Mundil: Porträt und Akt." [29]

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Neben den Themen, die der Fotoclub selbst wählte, arbeiteten die Fotoamateure auch nach Auftrag. So erhielt etwa Helmut Neumann 1965 den Auftrag, einen Ton-Dia-Vortrag zum Thema "Der Mensch und sein Werk" zu erarbeiten. Aber auch zu Ausstellungen wie den Arbeiterfestspielen wurden ab den 1970er Jahren vermehrt Aufträge an einzelne Betriebsfotogruppen vergeben. So hatte der "fotoclub ferrum" 1974 von der Bezirkskommission Dresden den Auftrag erhalten, eine Kollektion zum Thema "Die Frau in unseren Tagen" zu erstellen. Es entstanden drei Fotoblöcke "Die Frau in der Produktion", "Die Frau in der Kultur" und "Die Frau in der Familie" mit je zehn Fotos, die dann auch bei den 15. Arbeiterfestspielen 1974 in Erfurt eine Goldmedaille gewannen. Im Ausstellungskatalog zu diesen Festspielen sind sieben der zehn Fotos aus dem Fotoblock "Die Frau in der Produktion" abgedruckt. [30] Dieser Fotoblock stammt von Helmut Neumann und Günter Kunath. Es ist im Einzelnen jedoch nicht zu ermitteln, welche Fotos von welchem Fotografen aufgenommen wurden.

Abb. 3

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Eines der Bilder der Kollektion zeigt eine Frau bei der Prüfung von Rohren auf Innenfehler. Das Bild gehört zu den drei im Katalog nicht abgedruckten Fotos. Es findet sich in der Jubiläumsschrift zum fünfundzwanzigjährigen Bestehen der Fotogruppe des VEB Stahl- und Walzwerk Riesa. [31] Auf der linken Seite des Schwarz-Weiß-Bildes im Querformat sieht man die Enden von Stahlrohren, die nebeneinander aufgereiht liegen. In der rechten Bildhälfte kontrolliert eine Frau das vorderste Rohr von Innen mit einem Prüfgerät, das an einem Kabel hängt. Der Bildausschnitt ist eng gewählt, so dass der Kopf der Frau einen großen Bereich des Bildes einnimmt und von ihrem Oberkörper nur etwa die Hälfte zu sehen ist. Durch die geringe Tiefenschärfe verschwimmt der Hintergrund. Der Kopf der Frau, die einen weißen Helm trägt, zieht die Blicke auf sich. Dieser Effekt wird durch die Linienführung der Rohre, die auf den Kopf der Frau zulaufen, verstärkt. Die Szene wirkt sauber und ordentlich. Die Rohre sind aufgereiht und glänzen, der weiße Helm und die Arbeitskleidung der Frau sind sauber. Die Frau schaut konzentriert in das Innere des Rohres. Das Bild vermittelt Ordnung und nicht zuletzt die Einhaltung und Kontrolle der Qualitätsstandards.

<31>

Ähnlich wie bei der Aufnahme Zu zweit kann man hierbei von einer idealtypischen Darstellung einer Arbeiterin sprechen. Die Frau wird nicht als Individuum präsentiert, sondern in erster Linie als Arbeiterin; der Fokus liegt auf ihrer Tätigkeit. Durch ihre Arbeitskleidung ist sie uniformiert. Frauen übernahmen in den Stahlwerken der DDR vor allem Tätigkeiten der Kontrolle, Steuerung oder Endbearbeitung. Für die körperlich anstrengenderen Tätigkeiten waren Männer zuständig.

Ausblick

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Die Fotoausstellungen waren nur einer der Programmpunkte bei den Arbeiterfestspielen. Tanz- und Musikgruppen traten auf, Ausstellungen zum "bildnerischen Volksschaffen" wurden gezeigt und vieles mehr. Die ersten Arbeiterfestspiele fanden 1959 statt und waren Bestandteil der Initiative, die als "Bitterfelder Weg" bekannt wurde. Dabei handelte es sich um eine Erziehungskampagne der SED, die unter dem Motto "Greif zur Feder, Kumpel! Die sozialistische Nationalkultur braucht dich!" stand. Die Kampagne beschränkte sich nicht nur auf die schreibenden Arbeiter. Angestrebt wurde eine "breite kulturpolitische Bewegung", die die Kluft zwischen Arbeiter und Intelligenz schließen sollte. [32] Die erhoffte Massenbewegung blieb jedoch aus, der Bitterfelder Weg blieb in erster Linie eine Kampagne. [33] Es gab aber bereits vor der Bitterfelder Initiative ein breites Kultur- und Freizeitangebot in den Betrieben, beim Kulturbund und den anderen Massenorganisationen. Mithilfe dieser Angebote wollte der DDR-Staat seine Bürger auch in deren Freizeit kontrollieren und erziehen.

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Im Falle der Amateurfotografen sollten die Kumpel nicht zur Feder, sondern eben zur Kamera greifen. Über die Einflussnahme auf die Amateurfotografen hinaus versprach sich die Partei von den Fotogruppen auch einen propagandistischen Mehrwert. Die Hobbyfotografen sollten mit ihren Bildern aus der Anonymität der privaten Fotoalben heraus in die Öffentlichkeit treten. Die Bilder sollten über die einfache Freude am Fotografieren hinaus einem höheren Zweck dienen: "Das Bild kann 'Leitbild' sein, das heißt, es kann Bedürfnisse, Denk- und Verhaltensweisen, Urteile stimulieren und im höchsten Fall zur Aktion führen […]. Die Darstellung kann beim Betrachter Sympathie erwecken, sie kann mitreißen zu Freundschaft und Solidarität." [34]

<34>

Es lag in der Natur der Sache, dass sich die Vielzahl der Fotogruppen stark voneinander unterschied. [35] Es gab Fotogruppen, die Dutzende Mitglieder hatten und andere, die gerade einmal auf eine Handvoll Aktive kamen. Der "fotoclub ferrum" war keineswegs typisch für die Betriebsfotogruppen in der DDR. Er verkörperte vielmehr in weiten Teilen das vom Kulturbund proklamierte Idealbild. Für den Erfolg des Fotoclubs war, wie aufgezeigt, eine ganze Reihe von Faktoren maßgeblich. Eine wichtige Rolle spielten die starke Person des Gruppenleiters, das professionelle Auftreten der Gruppe und die Unterstützung durch den Betrieb. Es muss aber betont werden, dass die hohe Qualität der Fotos sowie eine Bildsprache und Bildaussage, die in die ideologische Argumentation passten, ausschlaggebend für den Erfolg des Klubs waren.

<35>

Die meisten Fotogruppen traten in der Öffentlichkeit weitaus weniger in Erscheinung. Einige veröffentlichten lediglich Fotos in Betriebszeitungen. Andere beteiligten sich zwar an Ausstellungen, waren aber längst nicht so erfolgreich wie der "fotoclub ferrum". Viele kamen in ihrer fotografischen Tätigkeit über das einfache "Knipsen" nicht hinaus und erfüllten die staatlichen Erwartungen daher ganz und gar nicht. Anders als gefordert, stammten die am häufigsten fotografierten Motive aus dem privaten Bereich oder waren Landschaftsaufnahmen. So kam es, dass die staatlichen Stellen ihre Ansprüche immer wieder an die Bedürfnisse der Amateure anpassen mussten, da sie an die Grenzen ihres umfassenden Herrschaftsanspruches stießen. Die Amateure bewahrten sich durch ihre Unprofessionalität gewisse Eigenräume, die sich der Kontrolle entzogen.

Autorin:

Regine Schiermeyer, M.A.
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Zentrum für europäische Geschichts- und Kulturwissenschaften
Historisches Seminar – Lehrstuhl für Zeitgeschichte
Grabengasse 3-5
D-69117 Heidelberg
E-Mail: regine.schiermeyer@zegk.uni-heidelberg.de



[1] Hierzu wie im Folgenden: Konzeption zur weiteren Entwicklung der volkskünstlerischen Tätigkeit der Betriebsfotogruppen und ihrer Vorbereitung auf die 16. AFS 1976 in Dresden. 10.01.1975. Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv (SAPMO-BArch), Signatur DY 27/9970.

[2] Konzeption zur weiteren Entwicklung der volkskünstlerischen Tätigkeit der Betriebsfotogruppen und ihrer Vorbereitung auf die 16. AFS 1976 in Dresden. 10.01.1975. SAPMO-BArch, DY 27/9970.

[3] FDGB-Bundesvorstand / Deutscher Kulturbund, Zentrale Kommission Fotografie (Hg.): Fotoausstellung der Betriebsfotogruppen (1. Leistungsschau). 9. Arbeiterfestspiele 1967 im Bezirk Dresden, Stadtmuseum Bautzen, o.O. [1967], 5-13; FDGB-Bundesvorstand (Hg.): Arbeit und Kultur. 2. Leistungsschau der Betriebsfotogruppen, Halle [1969], 3-15; ders. / Kulturbund der DDR (Hg.): Fotoausstellung der Betriebsfotogruppen der DDR, Leipzig 1974, 6-13; FDGB-Bundesvorstand (Hg.): Mit den Augen der Klasse gesehen. Fotoamateure sozialistischer Länder stellen aus, Dresden, Ausstellungszentrum Fučikplatz vom 25. Juni bis 22. August 1976, Leipzig 1976, 109-128; ders. (Hg.): FOTO 78 – Zentrale Ausstellung der Betriebsfotogruppen der DDR, Suhl 1978, 72-80; ders. (Hg.): FOTO 80. Zentrale Ausstellung der Betriebsfotogruppen der DDR, Rostock 1980, 73-86; ders. (Hg.): DDR-Report 84. Zentrale Ausstellung der Betriebsfotogruppen der DDR, Gera, Ausstellungszentrum Halle 2 und 5, vom 16. bis 30. Juni 1984, 65-80; ders. in Zusammenarbeit mit dem Kulturbund der DDR (Hg.): Fotoreport 88 – DDR konkret. Zentrale Ausstellung der Amateurfotografen und der Betriebsfotogruppen der DDR, Frankfurt a. d. Oder, Sport und Ausstellungszentrum Halle 1, vom 11. Juni bis 10. Juli 1988, Berlin 1988, 113-128.

[4] Weitere sechs Gruppen tauchen sechs Mal und zehn Gruppen fünf Mal in den insgesamt sieben Listen auf und waren damit auch relativ konstant in ihren Leistungen. Eine große Anzahl war aber nur ein einziges Mal bei den Fotoschauen vertreten.

[5] Eine Liste der gezeigten Arbeiten wurde auch für die Ausstellungen 1967 und 1969 herausgegeben, siehe Anmerkung 3. Für die Arbeiterfestspiele im Jahr 1971, zu denen keine zentrale Leistungsschau, sondern nur dezentrale Fotoschauen ausgeschrieben wurden, sowie für das Jahr 1972, konnten keine Kataloge ausfindig gemacht werden.

[6] Zudem ist es abgedruckt in: Helmut Neumann: Riesaer Stahlwerke. Vor Jahrzehnten, Teil 1, Kaufbach [2003?], 32; sowie in der Betriebszeitung "Unser Stahl", VEB Rohrkombinat/Stahl- und Walzwerk Riesa 19 (1969), 8. Mai 1969.

[7] Die Gründe hierfür lagen vor allem in der mangelhaften Qualität der Farbfilme und des Farbfotopapiers sowie in der schlechten Verfügbarkeit des notwendigen Materials. Siehe hierzu: Silke Fengler: Entwickelt und fixiert. Zur Unternehmens- und Technikgeschichte der deutschen Fotoindustrie, dargestellt am Beispiel der Agfa AG Leverkusen und des VEB Filmfabrik Wolfen, 1945-1995, (= Bochumer Schriften zur Unternehmens- und Industriegeschichte 18), Essen 2009.

[8] Stefan Wolle: Die Diktatur der schönen Bilder. Zur politischen Ikonographie der SED-Diktatur, in: Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland (Hg.): Deutsche Fotografie. Macht eines Mediums, 1870-1970, Köln 1997, 174-185, hier: 174.

[9] Abteilung Kultur: Konzeption der 14. Arbeiterfestspiele der DDR vom 16. bis 18. Juni 1972 im Bezirk Schwerin für den Bereich Fotografie, 06.11.1972. SAPMO-BArch, DY 27/9989.

[10] Zu dieser Ausstellung ist kein Katalog erschienen. Helmut Neumann ermöglichte mir die Einsicht in eine Fotomappe, in der ein Teil der Ausstellungstafeln als Entwurf in einem kleineren Format enthalten ist.

[11] Hierzu wie im Folgenden: Fotoreport 88 – DDR konkret (wie Anm. 3), 19.

[12] Vgl. Ives Rachow: Aspekte künstlerischer Fotografie in der DDR unter besonderer Berücksichtigung der 1970er und 80er Jahre (= Edition Kunst 1), Frankfurt a. d. Oder 2000, 90-110.

[13] FOTO 78 – Zentrale Ausstellung der Betriebsfotogruppen der DDR (wie Anm. 3), 13, 29, 34, 38.

[14] Vgl. Bundesvorstand des FDGB, Abteilung Kultur (Hg.): 25 Jahre Betriebsfotogruppe im Klubhaus der Gewerkschaften "Joliot Curie". fotoclub ferrum, hg. anlässlich der 17. Arbeiterfestspiele im Bezirk Suhl 1978, 5.

[15] Vgl. 25 Jahre Betriebsfotogruppe (wie Anm. 14), 8.

[16] Lothar Kempe: Wir und unser Werk. Bilder aus der Geschichte der Stahl- und Walzwerker von Riesa, hg. von der Kommission für Betriebsgeschichte im Auftrag der Betriebsparteiorganisation des VEB Stahl- und Walzwerk Riesa, Berlin 1966.

[17] Interview mit Helmut Neumann am 22.11.2009, (Tonband ab 00:00:50 h).

[18] Interview mit Gerd Feder am 23.11.2009, (Tonband ab 01:41:07 h).

[19] Vgl. Heinz Hoffmann: Beginn der zentralen Ausbildung von Fotozirkelleitern am 1. September 1973, in: Mitteilungsblatt 2 (1973), (1 und 3).

[20] Vgl. 25 Jahre Betriebsfotogruppe (wie Anm. 14), 15, 26, 36f, 46.

[21] Interview mit Helmut Neumann am 22.11.2009, (Tonband ab 01:23:07 h).

[22] V. Fotoschau im Klubhaus der Gewerkschaften "Joliot Curie" vom 6.-21. November 1971. fotoclub ferrum, So sahen wir Ungarn, Riesa 1971.

[23] 20 Jahre Fotozirkel im Klubhaus der Gewerkschaften "Joliot Curie". fotoclub ferrum, Riesa 1973.

[24] 25 Jahre Betriebsfotogruppe (wie Anm. 14).

[25] J. Weber / K. Kasper: Bericht über die Untersuchung beim Kulturhaus des Stahl- und Walzwerkes Riesa vom 24.3. bis 25.3.1965. SAPMO-BArch, DY 34/3428.

[26] Interview mit Gerd Feder am 23.11.2009, (Tonband ab 00:43:38 h).

[27] Interview mit Gerd Feder am 23.11.2009, (Tonband ab 00:13:58 h), (Tonband ab 01:39:07 h).

[28] Interview mit Helmut Neumann am 22.11.2009, (Tonband ab 01:14:10 h).

[29] 25 Jahre Betriebsfotogruppe (wie Anm. 14), 3ff.

[30] Fotoausstellung der Betriebsfotogruppen der DDR 1974 (wie Anm. 3), 30f.

[31] Hierzu wie im Folgenden: 25 Jahre Betriebsfotogruppe (wie Anm. 14), 43.

[32] Christoph Kleßmann: Arbeiter im "Arbeiterstaat". Deutsche Traditionen, sowjetisches Modell, westdeutsches Magnetfeld, 1945 bis 1971, (= Geschichte der Arbeiter und der Arbeiterbewegung in Deutschland seit dem Ende des 18. Jahrhunderts 14), Bonn 2007, 433.

[33] Vgl. Kleßmann: Arbeiter im "Arbeiterstaat" (wie Anm. 32), 625.

[34] Heinz Hoffmann: Fotografieren. Hobby und mehr, ein Handbuch für Fotogruppen, Berlin 1975, 67.

[35] So gab der Kulturbund etwa für das Jahr 1987 die Anzahl der Fotogruppen in der DDR mit 1.080 an, davon 345 Betriebsfotogruppen. Es ist aber davon auszugehen, dass einige Betriebsfotogruppen und auch Jugendgruppen nicht beim Kulturbund registriert waren und die Zahl der Fotogruppen daher noch höher lag.

Empfohlene Zitierweise:

Regine Schiermeyer : Gold für den "fotoclub ferrum". Die Erfolge der Betriebsfotogruppe des Stahl- und Walzwerks Riesa bei den Arbeiterfestspielen in der DDR , in: zeitenblicke 10, Nr. 2, [22.12.2011], URL: http://www.zeitenblicke.de/2011/2/Schiermeyer/index_html, URN: urn:nbn:de:0009-9-31899

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